9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

820 Presseschau-Absätze - Seite 16 von 82

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.09.2022 - Religion

Die kubanische Regierung will das Familienrecht liberalisieren und unter anderem die Homoehe zulassen, berichtet Eileen Sosin Martínez in der taz. Dagegen wehren sich evangelikale Gruppen, die auch auf Kuba erstarken. Ihre Proteste haben für den Soziologen Pedro Álvarez Sifontes, mit dem Martínez gesprochen hat, eine neue Qualität: Aber "die Merkmale und Ursprünge des kubanischen christlichen Fundamentalismus sind ähnlich wie andernorts in Lateinamerika. Gemeinsam ist ihnen laut Álvarez Sifontes der Einsatz von Informationstechnologien, das dogmatische Lesen heiliger Texte, die sogenannte Theologie des Wohlstands und die Heilung, die spirituelle Gaben als den einzigen Weg zur Erlangung körperlicher Gesundheit preist."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.09.2022 - Religion

Die Queer-Aktivistinnen Zahra Sedighi-Hamadani (31) und Elham Chubdar (24) sind im Iran wegen "Korruption auf Erden durch die Beförderung von Homosexualität" zum Tode verurteilt worden, berichtet Hella Camargo bei hpd.de. Im Iran sollen in diesem Jahr schon 250 Menschen hingerichtet worden sein, internationale Proteste seien darum dringend vonnöten. Aktivistinnen, die in Deutschland protestierten, seien überdies von Bütteln des Teheraner Regimes bedroht worden: "Nach Bekanntwerden des Urteils hatten Mina Ahadi, Maryam Namazie, Rana Ahmad und weitere Menschenrechtsaktivist*innen mit Protesten reagiert, die unter anderem von Deutsche Welle Persian begleitet wurden. In Köln kam es dabei zu Übergriffen. Während die Tatsache, dass zwei Frauen der Tod droht, die Störer kaum zu interessieren schien, nahmen diese jedoch Anstoß an einem Schild mit der Aufschrift 'Allah is a woman' (Allah ist eine Frau), das Namazie hochhielt. Mit 'Allahu Akbar'-Rufen versuchten sie, die Proteste zu unterbrechen und ein Bedrohungsszenario aufzubauen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.09.2022 - Religion

Immer mehr Menschen verlassen die Kirchen, "doch wer wird das von ihnen hinterlassene moralphilosophische Vakuum füllen", fragt Adrian Beck bei hpd.de: "Der Säkularismus darf nicht den Fehler machen, anzunehmen, dass ihm diese Rolle zufliegen wird. Und er darf schon gar nicht den Fehler machen, diese 30 Prozent zu ignorieren, die die Kirche auch deshalb verlassen, weil sie sich nach ihrem Empfinden zu sehr dem Zeitgeist anbiedert. Dort tummelt sich eine Menge latentes radikales Potential. Aus etwas, was als 'Linksruck der CDU' empfunden wurde, ging die AfD hervor."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.09.2022 - Religion

Die Bundesländer verweigern trotz der Beteuerungen, ihre Verwaltungen digitalisieren zu wollen, Online-Kirchenaustritte, berichtet hpd.de unter Verweis auf eine Recherche der Zeitschrift c't: "Da immer mehr Menschen aus der Kirche austreten wollen, jedoch nur eine begrenzte Anzahl an Terminen zur Verfügung steht, kommt es teilweise zu Wartezeiten von mehreren Monaten, bis ein Kirchenaustritt vollzogen werden kann. Die einfachste Lösung wäre, diese Amtshandlung - wie viele andere auch - online verfügbar zu machen." Offenbar, so Christian Wölbert in c't, machen Länder in dieser Frage Besonderheiten von Landesrecht geltend. "Das Ergebnis: Nicht nur in NRW, sondern fast überall ist ein Onlinedienst aktuell nicht möglich, weil Landesrecht die persönliche Vorsprache oder eine schriftliche Erklärung 'in öffentlich beglaubigter Form' verlangt. In letzterem Fall muss man in Gegenwart eines Notars unterschreiben. Zu den Gebühren für den Austritt selbst (NRW: 30 Euro) kommen dann gut und gerne noch 25 Euro hinzu. Fast alle Länder wollen ihre entsprechenden Gesetze auch nicht ändern." Die Kirchen sind sicher dankbar, trotz der Hürden traten 2021 640.000 Menschen aus.
Stichwörter: Kirchenaustritte

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.08.2022 - Religion

Hamburg feierte gerade zehn Jahre Staatsvertrag mit Islamverbänden wie Ditib, eine echte Evaluierung des Vertrags findet nicht statt. Aber Necla Kelek und Peter Mathews berichten im Perlentaucher von einer Wohlfühlveranstaltung, die der Senat mit Vertretern der Verbände, die zum Teil ausländischen Staaten gehorchen, abgehalten hat. Ihr Resümee: "Der Hamburger Weg ist für die Stadt wie für alle säkularen und demokratischen Hamburgerinnen und Hamburger muslimischen Glaubens oder Herkunft, eine Sackgasse, die vor einer Moschee endet. Richtig wäre, die Sinnhaftigkeit von Staatsverträgen mit Religionsgemeinschaften grundsätzlich zu überprüfen. Unsere Gesellschaft ist zunehmend nicht religiös orientiert, warum dann Sonderrechte, die über den reinen Schutz der Religionsübung hinausgehen?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.08.2022 - Religion

Fernsehwerbung mit Frauen ist im Iran künftig verboten. Dafür sorgt die Behörde, die  für das "Gebot des Rechts und das Verbot des Bösen" zuständig ist, berichtet Oranus Mahmoodi bei hpd.de: "Werbeagenturen und Kunstschulen bekamen Post vom iranischen Kultusministerium. In dem Schreiben wurde verlautbart, dass die Präsenz von Frauen in der Werbung ab sofort verboten sei. Frauen in der Werbung würden gegen die 'Hijab- und Keuschheitsregeln' verstoßen. Dem Schreiben zufolge basiere das Verbot auf den Gesetzen und Vorschriften des Landes zur kommerziellen Werbung, die jeden 'instrumentellen Einsatz' von Frauen, Männern und Kindern verbieten. Das Verbot sei laut iranischer Behörde schon immer in Kraft gewesen."

Auch der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) ist für Antisemitismus mehr als anfällig, beklagen auf Zeit online die evangelischen Theologen Gabriele und Peter Scherle. Und das schon sehr lange, wie sich am Beispiel der Israelkritik zeigt: Seit dem Sechs-Tage-Krieg werde Israel "als westliche Kolonialmacht und Agent des US-Imperialismus" wahrgenommen. "Die Verbindung von politischer und praktischer Solidarität mit den palästinensischen Christen und den arabischen Kirchen haben hier in Gestalt einer Täter-Opfer-Umkehrung Wirkung gezeigt. Nun konnten die Juden als Täter identifiziert werden und Christen auch aus Deutschland sich mit den palästinensischen Opfern identifizieren. Über die politische Analyse des Nahostkonflikts mit seinen vielen Akteuren hat sich eine antisemitisch gefärbte Israelkritik gelegt, die in den Diskursen im ÖRK eine große Rolle spielt. So wird dafür geworben, dass sich die Vollversammlung in Karlsruhe hinter der Formel versammelt, Israel sei ein 'Apartheid-Staat'. Von 'Apartheid im Heiligen Land' hat der in diesem Jahr neu gewählte Generalsekretär, der südafrikanische Kirchenhistoriker und Pfarrer Jerry Pillay, schon 2016 gesprochen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.08.2022 - Religion

Der Papst wird an diesem Wochenende Kardinäle weihen. Das gesamte Kardinalskollegium wird aus diesem Anlass anreisen, auch jene Kardinäle unter achtzig, die bei einem Konklave abstimmen dürften. Das Ereignis wird in den noch an der katholischen Kirche interessierten Kreisen mit Nervosität erwartet, schreibt Daniel Deckers in der FAZ, der in den Reformwillen des Papstes keine allzu großen Hoffnungen setzt: "Franziskus hat bislang kein Jota daran geändert, dass ein Papst nichts und niemandem Rechenschaft schuldig ist - den Umgang mit Bischöfen und Kardinälen eingeschlossen, die in der von ihm als 'Feldlazarett' bezeichneten Kirche weniger als Heiler und Tröster unterwegs sind denn als Stümper, Scharlatane oder als Totengräber."
Stichwörter: Franziskus, Konklave

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.08.2022 - Religion

Die Katholische Kirche tritt in Hamburg dem "Religionsunterricht für alle (RUfa)" bei, berichtet Tobias Schrörs in der FAZ. Die katholischen Religionslehrer müssen sich dann künftig das religiöse Sensorium der Schüler mit konkurrierenden Konfessionen teilen (Zweifler sind wohl nciht dabei). Ein wichtiger Beweggrund könnten für Erzbischof Stefan Heße, der gezaudert haben soll, die schönen Stellen sein: Heße hob hervor, dass künftig 24. 000 katholische Schüler an staatlichen Schulen erreicht werden könnten und hundert katholische Religionslehrkräfte im Staatsdienst durch den Beitritt des Erzbistums zum 'RUfa 2.0' vom Schuljahr 2022/23 an weiter Religion unterrichten können." Der Rufa kriegt das Kunststück hin, bekenntnisgebunden und doch übergreifend zu sein. "Das Erzbistum wurde auch mit dem Versprechen der Stadt gelockt, katholische Studiengänge für alle Lehramtstypen am katholischen Institut der Universität Hamburg zu ermöglichen." Bezahlt von allen Steuerzahlern natürlich, unabhängig davon, ob sie in der Kirche sind oder nicht.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.08.2022 - Religion

Das aktuelle  und zerstörerische Verschwörungsdenken in den USA  kommt nicht aus dem Internet und nicht mal aus den Medien, sondern aus der Religion - Felix E. Müller erzählt in der NZZ die Erfolgsgeschichte der radikalen Evangelikalen in den letzten Jahren unter Führern wie Ralph Reed, die politisch geschickt agierten. Reed habe auch als einer der ersten verstanden, dass politische Entscheidungen über den Supreme Court laufen könnten. Die Aufhebung von "Roe vs. Wade" sei der größte Erfolg der Bewegung: "Die Evangelikalen machen etwa 25 Prozent der amerikanischen Bevölkerung aus, eine stattliche Gruppe zwar, aber bei weitem keine Mehrheit. Mehrheitsfähig ist allerdings ein Konzept, das der an der Yale University unterrichtende Soziologe Philip Gorski als 'christlichen Nationalismus' bezeichnet hat. Er meint damit Wählerinnen und Wähler, die nicht unbedingt täglich beten oder sexuelle Transgressionen als Todsünde sehen, aber die Bibel als Fundament erachten, auf dem Amerika gebaut ist."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.07.2022 - Religion

Solche Meldungen gibt es auch noch. Wir finden sie bei hpd.de: "Die Hebamme Sandra Eltzner darf aufgrund ihres Kirchenaustritts nicht länger an einem katholischen Krankenhaus beruflich tätig sein. Doch dagegen wehrt sie sich juristisch, unter Berufung auf den Kündigungsschutz und die gesetzlich garantierte Diskriminierungsfreiheit. Der Trägerverbund des betreffenden Krankenhauses, bestehend aus der katholischen St. Paulus-Gesellschaft und der Caritas, wertet hingegen den religiösen Verkündungsauftrag der Angestellten höher als etwa das Selbstbestimmungsrecht und die Religionsfreiheit seiner Angestellten."