Empört wendet sich
Necla Kelek bei C
icero (leider nicht online) gegen die Behauptung von Politikerinnen wie
Annalena Baerbock oder
Lamya Kaddor, die Gewalt gegen Frauen im Iran habe "
nichts mit Religion" zu tun. Damit nehmen die Politikerinnen die Religion in Schutz, nicht die Frauen, so Kelek, und gibt eine
historische Nachhilfestunde: "Nach der Machtübernahme machte Ayatollah Khomeini am
8. März 1979, dem Internationalen Frauentag, die Verhüllung der Frauen unter dem Tschador zum Gesetz. Die Scharia wird in der islamischen Theologie als vollkommene Ordnung Gottes verstanden, die Frieden und Gerechtigkeit schafft. Die Scharia ist die
Gesamtheit des islamischen Gesetzes, wie es im Koran, in der islamischen Überlieferung und in den Auslegungen maßgeblicher Theologen und Juristen vor allem der frühislamischen Zeit niedergelegt wurde. Das
Ehe- und Familienrecht gilt als Kern der islamischen Gesetze, der Scharia, und ist mit wenigen Ausnahmen heute in allen islamischen Ländern eine wesentliche, teilweise auch einzige Grundlage des Personenstandsrechts und damit der Rechtsprechung in Zivilprozessen." Auf
deutsche Politikerinnen werden sich Feministinnen aus muslimischen Ländern nicht stützen können, so Keleks bitteres Resümee nach Jahren des Engagements.
Der
Hidschab ist weit mehr als ein Stück Stoff, das die Haare bedeckt, versichert im
Interview mit
Zeit online Reza Sharifi, Professor im Iran. "Viele verstehen nicht, wie
fundamental wichtig der Hidschab für die islamische Republik ist. Ich habe beispielsweise noch nie die Haare meiner Großmutter gesehen. Wenn die Frauen also jetzt ihren Hidschab herunterreißen und ihn verbrennen, geht es um nicht weniger als die islamische Republik selbst. Es geht den Demonstrierenden darum, das
theokratische Regime zu stürzen." Er gibt auch zu, dass viele Demonstranten, die meisten sehr jung, die
Unterstützung der Älteren vermissen. "Ich habe schon öfter gehört: Wo sind unsere Väter? Wo sind unsere Professoren? Sie fühlen sich alleine gelassen. Ich schäme mich dafür, dass ich nicht mit ihnen auf der Straße stehe, aber ich traue mich nicht. Ich habe
Angst um mein Leben, um das Leben meiner Familie und meinen Job. Aber ich versuche zu tun, was ich kann."