Frank Schirrmacher

Payback

Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen

Klappentext

Was wollte ich gerade tun? Wieso haben die Dinge kein Ende mehr? Was geschieht mit meinem Gehirn? Fast jeder kennt die neue Vergesslichkeit und die fast pathologische Zunahme von Konzentrationsstörungen. Dahinter steckt sehr viel mehr als nur Überforderung. Wir wissen mehr als je zuvor und fürchten doch ständig, das Wichtigste zu verpassen. Der Mensch ist nicht nur ein Fleisch- und Pflanzenfresser, er ist auch ein Informationsfresser. Informationen sind Vorteile und in der Informations-Nahrungskette siegt der, der am schnellsten und effektivsten Nachrichten sendet und empfängt. Aber diese neue Form des Darwinismus führt dazu, dass wir nicht mehr unterscheiden können, was wichtig ist und was nicht. Wir rufen unsere ganze Lebensbahn immer stärker wie Informationen ab und zerstören so unsere Fähigkeit, mit Unerwartetem umzugehen. Die Frage lautet, ob wir bereits begonnen haben, uns selbst wie Computer zu behandeln, und ob wir damit Gefahr laufen, den Menschen in mathematische Formeln zu verwandeln ...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.12.2009

Rezensent Uwe Justus Wenzel weiß Frank Schirrmachers Buch über Fluch und Segen des Informationszeitalters zu schätzen. Es scheint ihm instruktiv, wohlinformiert und durchaus ausgewogen. Eine simple Abrechnung mit der digitalen Gesellschaft und computerisiertem Datenverkehr kann er in dem Buch nicht erkennen. Gleichwohl räumt er ein, dass Kulturkritik und eine ordentliche Dosis Pessimismus nicht zu übersehen sind. Die negativen Folgen von SMS, E-Mails, Feeds, Tweets, Websites, Mobiltelefonanrufe usw. für unser Denken, unsere Lesefähigkeit, unsere Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit werden für ihn an Hand von neueren psychologischen und neurobiologischen Studien klar benannt. Besonders hebt er Schirrmachers Kritik am Multitasking hervor, das als Mythos entlarvt wird. Das Thema Überwachungsstaat interessiert den Autor nach Angaben von Wenzel indes nicht weiter, obwohl es als möglicherweise "ernstes Problem" eingeschätzt wird.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.11.2009

Augenscheinlich wenig hält taz-Kulturchef Andreas Fanizadeh vom Traktat des Kollegen, und zwar so wenig, dass er bei diesem Verriss kaum ein Argument für nötig hält. Bereits den Anfang des "Traktats" findet Fanizadeh kokett, um auch die restliche Diskurskonstruktion als höchst wackelig und inhaltlich nicht sonderlich substanziell zu beschreiben: als Geschichte von einem, der auszog, die Kontrolle über sein Denken wiederzugewinnen, das ihm im Zuge der allgemeinen Digitalisierung abhanden kam. Auch die Beschreibung des Leseerlebnisses klingt nach postlibraler Depression, denn aufgefressen werde der, der Frank Schirrmachers Buch tatsächlich Zeile für Zeile zu lesen versuche. "Ein E-Book hätte es auch getan", so Fanizadehs Abschlussbefund.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.11.2009

Frank Schirrmacher wirft die Medienmaschinerie an, und in der SZ ist der Feuilletonchef Andrian Kreye zur Stelle, um das neue Grundsatzdebattenbuch des FAZ-Herausgebers zu besprechen. "Payback" will den Weg aus der kognitiven Krise der digitalen Gesellschaft weisen. Die Krise ist für Schirrmacher vor allem die Überforderung unseres Hirns, das zum hilflosen Follower all der Informationen geworden sei, mit denen uns das Netz, die iPhone-Apps, Facebook und Twitters Echtzeit-Nachrichten überfluten. "Ich-Erschöpfung" nennt das der Kognitionswissenschaftler Roy Baumeister, wie der Rezensent zitiert. Für Kreye ist das Buch ein echter Schirrmacher: "Intellektueller Wissensdurst" wird hier mit den "Jagdinstinkten eines Boulevardjournalisten" verbunden, kluge Gedanken mit Panikmache, Kulturpessimismus mit Zukunftseuphorie. Was er dem Buch positiv anrechnet, ist, dass es erstmals all die vielen Studien bündelt und in einen erzählerischen Fluss bringt, allerdings beinhaltet dies auch schon das Manko des Buchs: Es referiert den neuesten Stand, aber es bringt die Diskussion nicht weiter - für Kreye eine echte "Punktlandung im Zeitgeist".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.11.2009

Anregend und durch allerlei wissenschaftshistorische Anekdoten gesättigt findet Adam Soboczynski Frank Schirrmachers Buch über die digitale Droge Computer, das er als "kulturkritisches Update" verstanden wissen will. Allerdings mit Einschänkungen, da er das Buch "argumentativ nicht immer ganz konsistent" und "sprunghaft" findet. Bevorzugter Untersuchungsgegenstand sei Schirrmachers Gehirn, das dem Befund des Autors zufolge durch die ständig zu bewältigende Informationsflut "würdelos herabgestuft" sei, zur "Maschinenkonformität" nämlich, womit Schirrmacher zufolge auch eine Normierung des Denkens verbunden sei. Besonders inspirierend findet Soboczynski das Kapitel "Digitaler Darwinismus", grundsätzlich jedoch die Überlegungen des Buchs nicht ganz neu. Auch sieht der Kritiker hinter dem suggestiven Sog dieser "finsteren Anthropologie" ein konservatives Menschenbild lauern, weshalb speziell das letzte Drittel des Buches aus seiner Sicht weniger überzeugend ist, da es sich in seinem Bemühen, Strategien zur "Wiedereroberung der Selbstkontrolle" in Widersprüche verstricke. Denn Schirrmacher ersehe ausgerechnet den vom digitalen Darwinismus Überwältigten dazu aus, sich als "unperfektes Wesen" zu begreifen und so die Maschine zu besiegen. Wie das? fragt sich da Soboczynki, der Schirrmacher auch bei der Titelwahl kleine Denkunschärfen nachweist.