Magazinrundschau - Archiv

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Magazinrundschau vom 25.08.2025 - Tablet

Der israelische Historiker Gadi Taub nimmt Bezug auf einen Artikel im New York Times Magazine (unser Resümee), in dem die drei Autoren, die These vertreten, dass Benjamin Netanjahu den Krieg in Gaza zum Zwecke des eigenen Machterhalts verlängert. Taub widerspricht vehement: "Die Wahrheit ist: Nichts würde Netanjahu politisch mehr nützen als eine Beendigung des Krieges, solange er mit einem Sieg endet. Je länger sich der Krieg ohne Sieg hinzieht, desto mehr Unterstützung verliert er, insbesondere unter seiner Basis. Mit anderen Worten: Sowohl die Darstellung der israelischen Interessen als auch die Annahmen des New York Times Magazine über Netanjahus politisches Kalkül sind falsch. Gleiches gilt für die Behauptungen über Netanjahus Koalitionspartner, die der Artikel falsch darstellt. Der sogenannte radikale Flügel der Koalition drängt auf ein schnelles Ende des Krieges durch einen entscheidenden Sieg. Die Kritik, die er an Netanjahu übte, richtete sich gegen seine Kriegsverlängerung durch endlose Verhandlungen über ein weiteres temporäres Abkommen, das den Geiseln Vorrang vor Israels Sieg einräumt. Hätte Netanjahu seine Koalitionspartner zufriedengestellt, befänden wir uns jetzt in der letzten Phase dieses Krieges, zielstrebig darauf ausgerichtet, die Überreste der Hamas zu zerschlagen. Natürlich hat Israel diesen Kurs in dem in der alternativen Geschichte des Magazins beschriebenen Zeitraum nicht verfolgt."

Magazinrundschau vom 22.07.2025 - Tablet

Kaum hatten die Hamas und verbündete palästinensische Zivilisten 1.200 Israelis massakriert und 250 weitere entführt, wurden die Israelis des Genozids bezichtigt. Einer der Hotspots der gut organisierten Pro-Hamas-Proteste, in denen sich dieser Diskurs etablierte, waren die amerikanischen Universitäten. Shai Davidai, Professor an der Columbia University, war einer der ersten, die die Weltöffentlichkeit auf die Zustände auf seinem Campus aufmerksam machte (unsere Resümees). Dagegen waren die Proteste in Berlin noch harmlos. Dies Video zeigt, wie jüdischen Studenten von einem chorisch skandierenden Mob der Zugang zum Campus verwehrt wird.

Davidai erklärt, warum er die Uni jetzt verlässt und ist verbittert, dass diese ihn nicht nur nicht unterstützte, sondern sogar suspendierte und seine Zugangskarte zu den Unigebäuden sperrte. Seine Kollegen hielten still. "Die Leitung der Columbia University ist nicht als einzige dafür verantwortlich, dass Studenten fundamentalistischen islamistischen Terror bejubeln. Hinter jedem wütend protestierenden Studenten in seinem kulturell angeeigneten Palästinensertuch steht ein radikaler Professor, der begeistert zusieht, wie sich seine postkolonialen Theorien über den Kampf zwischen Unterdrückern und Opfern bewahrheiten. Die Studenten marschieren, aber ihre Professoren entfachen das Feuer und zeigen ihnen, wohin sie es richten sollen. Man denke nur an Joseph Massad, der 'Jubel und Ehrfurcht' über das Massaker an Israelis zum Ausdruck brachte, Jeanine D'Armiento, die als Vorsitzende des Uni-Senats Kollegen zum Schweigen brachte, weil sie sich gegen die Campus-Proteste aussprachen, Katherine Franke, die das Massaker vom 7. Oktober als 'militärische Aktion' bezeichnete, Joseph Slaughter und Susan Bernofsky, die die Universitätsregeln umgeschrieben haben, um den Demonstranten zu helfen, und Mahmood Mamdani, Vater des demokratischen Bürgermeisterkandidaten von New York City, der die 'Schleifung des jüdischen Staates' fordert. Mit dem ausdrücklichen Lob des Professors Rashid Khalidi für die gewaltsame Besetzung eines Gebäudes folgen die Studenten einem Drehbuch, das ihre Professoren geschrieben haben."

Magazinrundschau vom 27.01.2025 - Tablet

Tablet schafft es, eine ganze Reihe von Holocaust-Überlebenden zusammenzubringen. Es geht sehr viel um die Frage, ob es etwas bringt, darüber zu sprechen. Es gibt auch skeptische Antworten auf die Frage. Dennoch: Nicht klagen solle man, sondern über das sprechen, was geschehen ist, sagt einer. Auch weil der Holocaust mit Sprechen beginnt, ergänzt Rosalyn. "Ich bin in einem jüdischen Vorort in Amerika aufgewachsen. Das erste Mal, dass ich Antisemitismus erlebt habe, war, als ich nach Polen gereist bin, um meinen Geburtsort zu besuchen. Die Menschen wussten nicht, dass ich Jüdin bin, also sprachen sie ihren Hass und Antisemitismus offen aus. Das hatte ich noch nie erlebt. Aber es hat mir wirklich bewusst gemacht, dass das Einzige, was wir aus der Geschichte lernen, ist, dass wir nicht aus der Geschichte lernen. Und wir befinden uns gerade in einem Zustand, den ich als unbewusste Verleugnung dessen, was geschieht, bezeichnen würde. Es ist einfacher, etwas zu leugnen, als sich wirklich damit auseinanderzusetzen, was passieren könnte, denn das Ergebnis ist zu schrecklich, um es sich überhaupt vorstellen zu können. Die Menschen verstehen das nicht. Der Holocaust und der Völkermord beginnen nicht mit Bomben, sie beginnen mit Worten, sie beginnen mit Hass und Intoleranz. Das ist es, worüber ich mit jedem spreche, der zuhört, mit jeder Gruppe, die zuhört: Es beginnt mit Worten."
Stichwörter: Holocaust

Magazinrundschau vom 26.11.2024 - Tablet

Adam Gregerman ist Professor für "Jewish Studies" und leitet das Institute for Jewish-Catholic Relations an der Saint Joseph's University in Philadelphia. Sein Text über den Papst und Israel nach dem 7. Oktober ist noch von der Idee geprägt, dass Religionen in einen "Dialog" treten könnten. Selbst in seiner scharfen Kritik an Papst Franziskus ist noch dieser interreligiöse Respekt zu spüren. Aber Gregerman kann seine Verwunderung nicht verhehlen, dass der Papst Jesu Vorwurf an die Juden aus dem Johannes-Evangelium in seiner jüngsten Schrift zum Israel-Gaza-Krieg mit aufgenommen hat: "Ihr habt den Teufel zum Vater und ihr wollt das tun, wonach es euren Vater verlangt. Er war ein Mörder von Anfang an. Und er steht nicht in der Wahrheit." Mit diesem Wort Jesu wurde manche Schandtat des christlichen Antisemitismus gerechtfertigt. Gregerman kritisiert den Pazifismus und damit Relativismus des Papstes, der beide Seiten auf eine Stufe stellt: "In über einem Jahr hat er die Hamas nicht ein einziges Mal beim Namen genannt, Israel spricht er dagegen immerzu an... Dieses Ungleichgewicht ist bezeichnend, nicht nur, weil es beunruhigend ist, die Taktik eines der Aggressoren in einem Konflikt nicht beim Namen zu nennen und zu beschreiben..., sondern weil seine bewusste Zweideutigkeit eine kritische Auseinandersetzung mit dem Wesen der Hamas und anderer Gegner ausschließt. Franziskus' Denken scheint durch überholte Annahmen über die Konfliktparteien eingeschränkt zu sein. Er spricht, als ob er einen Konflikt zwischen zwei sich bekriegenden Nationalstaaten kommentieren würde. Er richtet seine Kommentare gleichermaßen an beide Parteien (wiederum ohne die Hamas zu nennen) und fordert einen Waffenstillstand und die Freilassung der Geiseln. Es ist jedoch klar, dass seine Äußerungen eigentlich nur für Israel relevant und fast ausschließlich an dieses gerichtet sind."

Magazinrundschau vom 06.08.2024 - Tablet

Izabella Tabarovsky ist die Historikerin des Antizionismus und macht mal wieder (wir haben sie schon häufiger zitiert) deutlich, dass Autorinnen wie Judith Butler oder Masha Gessen glauben mögen, originell zu sein und doch nur doktrinäre Ideologen wiedergeben, die schon vor über fünfzig Jahren agierten. Tabarovsky erzählt, wie sich die Sowjetunion durch die "Dritte Welt" und Organisationen wie die der "Blockfreien" ideologisch neu erfand und auch für die hippe "neue Linke" in den westlichen Ländern aufhübschte. Der Antizionismus funktionierte da als ein universelles Bindeglied. Oft trafen sich diese Eliten auf voll bezahlten Reisen zu großen Kongressen wie der "Zweiten internationalen Konferenz zur Unterstützung der arabischen Völker" in Kairo 1969, wo der Ideologe Jewgeni Jewsejew Versatzstücke des Antizionismus verbreitete, die heute wieder höchst aktuell wirken. Jewsejew begrüßte die Kairoer Konferenz "als 'eine machtvolle Demonstration der antiimperialistischen Kräfte zur Unterstützung des Kampfes der arabischen Völker'. Delegierte aus 74 Ländern und 15 internationalen Organisationen, darunter Frankreich, Italien, Schweden, Lateinamerika, Afrika und Asien, seien zusammengekommen, um über den Zionismus als eine 'aktive, aber geschickt verborgene Kraft' zu diskutieren, die einen 'weltweiten Kampf gegen nationale Befreiungsbewegungen, den Kommunismus und andere demokratische Kräfte' führe. Mit dieser grundlegend konspirativen Vorstellung versuchte Jewsejew, die Sichtweise Israels als 'kleinen und schwachen Staat' zu entkräften, der von feindlichen Nachbarn umgeben ist: In Wirklichkeit, so schrieb er, sei Israel eine kriegstreiberische, 'aggressive Kraft' und 'Quelle von Spannungen' im Nahen Osten."

Ebenfalls in Tablet erzählt Jonathan Marc Gribetz  die Geschichte des frühen Antizionisten Elmer Berger, der aus dem Reformjudentum kam.

Magazinrundschau vom 23.07.2024 - Tablet

Plakat für eine Ausstellung der Teppiche von Sonia Delaunay Im Musée d'art moderne, Paris. Aus der Online-Ausstellung des Bard Graduate Cente.
Am Bard Graduate Center in New York gibt es eine große Sonia-Delaunay-Ausstellung. Geboren war sie 1885 als Sarah Elievna Stern in der Ukraine, wuchs in Petersburg auf, bevor sie nach Paris ging und den Maler Robert Delaunay heiratete. Frances Brent erzählt in einem ausführlichen Porträt über ihr Leben und ihr eher distanziertes Verhältnis zu ihrer jüdischen Herkunft: "So wie Delaunay ihre Kunst lebte, so fabrizierte sie auch ihr Leben. Sie sprach oft über ihre Kindheit in Russland und der Ukraine, ließ aber ihre jüdische Herkunft außen vor. Im Schatten der Dreyfus-Affäre war es nicht unüblich, über solche Dinge in der Öffentlichkeit nicht zu sprechen." Die Nazizeit war schwer. Robert Delaunay verlor sie ausgerechnet im Jahr 1941. Aber sie schlug sich durch: "Als ein Gestapo-Beamter sie einmal nach ihrem Ausweis fragte, sagte sie ihm furchtlos, dass sie russisch-orthodox sei. Bei einer anderen Gelegenheit, als sie in Grenoble knapp bei Kasse war und über den Verkauf eines Gemäldes von Robert verhandelte, sagte ein Händler zu ihr: 'Haben Sie als 'Israelitin' keine Angst?' Sie verstand, dass er damit drohte, ihre jüdische Herkunft auszunutzen, um den Preis für das Werk zu drücken, aber es ist unklar, ob sie jemals begriff, dass ihr Leben tatsächlich in Gefahr war. Viele Verwandte ihrer Tante starben im Holocaust. Es gibt keine Aufzeichnungen über Delaunays Reaktion auf die Tragödie ihrer eigenen Familie." Nach dem Krieg war sie als Malerin und Designerin erfolgreich und arbeitete bis zu ihrem Tod 1979 in allen Genres: Malerei, Design, Mode.

Magazinrundschau vom 04.06.2024 - Tablet

Tablet bringt eine Reihe von Artikeln über Frankreich. Marco Roth wundert sich im Aufmacher, dass die drittgrößte jüdische Gemeinde der Welt geschlossener und gelassener auf den 7. Oktober zu reagieren scheint als die jüdische Community in Amerika, die Roth als gespalten darstellt. Aber Frankreich war zugleich das Land mit den meisten antisemitischen Attentaten und Verbrechen seit 2000. Es fing an mit Attentaten gegen Synagogen nach dem 11. September, dann den Morden an Ilan Halimi und alten jüdischen Damen in der Folge und setzte sich fort mit den Anschlägen in Toulouse, auf den jüdischen Supermarkt in Paris und auf das Bataclan. Jeremy Stern unterhält sich für das Dossier mit dem einstigen sozialistischen Premierminister Manuel Valls, der nie ein Hehl aus seiner Unterstützung für Israel gemacht hat und zusammen mit François Hollande nach dem Charlie-Hebdo-Massaker das Land im Protest gegen die islamistische Infamie einte - wenn auch vielleicht nur für einen kurzen Moment. Die Frage, ob er sich heute noch als Linker versteht beantwortet er eindeutig mit Ja: "Universalismus und Säkularismus, das ist meine Linke. Ich definiere mich in erster Linie als französischer Republikaner, und gerade darum macht mir der Wahnsinn in der heutigen Linken Angst." Valls weist darauf hin, dass in Paris im November hunderttausend Menschen gegen Antisemitismus demonstrierten, was die Deutschen zum Beispiel nicht hingekriegt haben, aber er macht auch eine Beobachtung, die ihn als Linken äußerst melancholisch stimmen muss: "Emmanuel Macron hat nicht teilgenommen, weil er nicht spalten wollte, ein echter Fehler. Auch die muslimischen Organisationen haben nicht teilgenommen, abgesehen von einigen Persönlichkeiten hier und da. Aber das Wichtigste ist, dass zum ersten Mal seit der Dreyfus-Affäre die Rechtspopulisten an einer Demonstration gegen Antisemitismus teilgenommen haben, während ein Teil der Linken nicht kam. Das galt nicht nur für Jean-Luc Mélenchon, sondern auch für Gewerkschaften und Aktivisten. All diese Leute sind nicht gekommen, weil sie glaubten, dass eine Demonstration gegen Antisemitismus in Wirklichkeit eine Demonstration zur Unterstützung Israels sei."

Magazinrundschau vom 07.05.2024 - Tablet

Alyssa Quint schreibt einen wunderschönen Artikel über drei enzyklopädische Bücher, die einen Überblick über jüdische Künstler in ganz Europa vor 1945 geben, deren Karrieren fast alle durch die Nazizeit zerstört wurden. "Umgekumene yidishe kinstler in poylin" (Ermordete jüdische Künstler in Polen) von Józef Sandel (1894-1962), "Undzere farpaynikte kinstler" (Unsere gepeinigten Künstler) von Hersh Fenster (1892-1964) und ganz besonders "Der Jude und die Kunst Probleme der Gegenwart" des österreichischen Kunsthistorikers Otto Schneid, ein Buch, das anders als die beiden anderen vor dem Holocaust geschrieben wurde und leider nur im Manuskript vorliegt - ein Projekt für deutsche Verlage? Schneid hatte auch nach dem Krieg noch versucht, es zu publizieren, ohne Erfolg, erzählt Quint. Für das Buch hatte er Briefe an zahlreiche Künstler geschrieben, die ihm mit Selbstporträts und biografischen Briefen geantwortet hatten. Paris, erzählt Quint, war die europäische Hauptstadt der künstlerischen Diaspora. Als Künstler war man zwischen den Kriegen Pariser, die Nationalität zählte nicht. Die andere wichtige Stadt war Warschau: "Schneid war sich bewusst, dass Polen jüdische Künstler nicht nur nach Paris schickte, sondern sie auch auf eigenem Boden gedeihen ließ. Mit 300.000 Juden, die etwa ein Drittel der Bevölkerung ausmachten, wurde Warschau in der Zwischenkriegszeit sowohl zum Mekka des polnisch-jüdischen Kulturlebens als auch zur sichtbarsten jüdischen Stadt der Welt. Nach Angaben der Kunsthistorikerin Renata Piatkowska besuchten von 1923 bis 1939 120 jüdische Künstler die berühmte Warschauer Akademie der Schönen Künste. Die meisten polnischen Städte nahmen an der kulturellen Blütezeit der Zweiten Polnischen Republik teil, wobei die Juden eine bedeutende Rolle spielten. In Krakau, Wilna, Bialystok, Lodz und Kowno spielten sowohl jüdische als auch nichtjüdische Institutionen (Akademien, Zünfte, Verlage, Theater) sowie die Stadtverwaltungen eine Rolle bei der Förderung jüdischer Talente. So wurden die Kunstakademien zu den Orten der natürlichsten jüdisch-nichtjüdischen Interaktion." Der Artikel ist wunderschön illustriert - Das Jüdische Museum in Paris hatte 2022 das Buch von Hersh Fenster zum Anlass einer Ausstellung genommen. Wäre das nicht auch eine Idee für deutsche Museen?

Magazinrundschau vom 26.03.2024 - Tablet

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Tablet ist nun mal ein proisraelisches Magazin. Und Adam Shatz, der eine neue Biografie über den Messias des Postkolonialismus Frantz Fanon vorlegt, ist dezidiert antiisraelisch. Wenn Marco Roth also diese Biografie für Tablet bespricht, darf man auf manche Bosheiten gefasst sein. Aber es hält sich in Grenzen. Und nebenbei erfährt man, dass keineswegs nur Jean-Paul Sartre ein Geburtshelfer für Fanons berühmtes Buch "Die Verdammten dieser Erde" war, sondern auch ein höchst prominenter Israel-Verteidiger, nämlich Claude Lanzmann. "Niemand war nützlicher für Fanons Nachruhm als Lanzmann. Wie Fanon war auch Lanzmann in seiner Jugend im Widerstand und verstand sich weiterhin als 'existenzialistischer' Mann der Tat: So wie Fanon später - als Sartre sein extravagantes Lob der Gewalt als Vorwort zu den 'Verdammten dieser Erde' schrieb - hatte auch Lanzmann die Romantisierung seines jugendlichen Widerstands durch das Power-Paar Sartre und Beauvoir genossen, mit dem Lanzmann lebenslang verquickt blieb. Er war sowohl Beauvoirs - von Sartre offiziell gutgeheißener - Liebhaber als auch der Redakteur von Sartres Zeitschrift Les temps modernes. Lanzmann hatte Sartre das Manuskript des Bandes, aus dem 'Die Verdammten dieser Erde' wurde, zuerst übergeben. Er brachte auch den Vorabdruck des berüchtigten ersten Kapitels des Buchs, 'Über Gewalt' in der Zeitschrift, und er arrangiert das Treffen Sartres und de Beauvoirs an Fanons Sterbebett in Rom im August 1961."

Außerdem in Tablet: ein kleiner Deutschland-Schwerpunkt (hier und hier), der deutschen Lesern aber nichts Neues erzählt, und ein Artikel des nicht-jüdischen kanadischen Comedian Daniel-Ryan Spaulding, der erzählt, wie schwer er es in der queeren Berliner Community hat, seit er seine Liebe und Solidarität zu Israel bekannt hat - inzwischen ist Spaulding nach New York gewechselt.

Magazinrundschau vom 05.03.2024 - Tablet

Dass amerikanische Universitäten zu Hotspots antiisraelischer Agitation wurden, ist kein Zufall, erzählt Neetu Arnold. Viele Unis leben geradezu davon, dass sie Studenten aus dem "globalen Süden" aufnehmen, deren Studiengebühren von den entsendenden Staaten übernommen werden. Dass die Staaten der arabischen Halbinsel da eine besonders großzügige Geberrolle spielen, dürfte niemanden erstaunen. Von den Studenten verlangen diese Staaten Wohlverhalten und spionieren sie aus. Aber auch "chinesische Studenten werden häufig zum Schweigen gebracht, sowohl von der chinesischen Regierung als auch von ihren eigenen Eltern, wenn sie die Regierungspolitik kritisieren, wie zum Beispiel die autoritären Lockdowns Chinas während der Covid-Pandemie. Selbst in dem verschwindend seltenen Fall, dass Universitäten versuchen, ein Umfeld der akademischen Freiheit und der freien Meinungsäußerung auf dem Campus zu kultivieren, wird dies nie vollständig auf geförderte internationale Studenten aus Ländern mit autoritären Regierungen zutreffen. In vielerlei Hinsicht wird dadurch der Hauptzweck der Präsenz von internationalen Studenten auf amerikanischen Universitäten zunichte gemacht: der freie und offene kulturelle Austausch zwischen ihnen und amerikanischen Studenten."