Magazinrundschau - Archiv

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75 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 8

Magazinrundschau vom 06.10.2026 - Tablet

Charles Asher Small resümiert eine ausführliche Studie über die Einflusspolitik der Muslimbruderschaft in Kanada, die ziemlich erfolgreich zu sein scheint (mehr dazu hier). Für deutsche Leser interessant sind Passagen darüber, wie der Begriff des "antipalästinensischen Rassismus" durchgesetzt wurde - ein Begriff, der auch in Deutschland, besonders in der "propalästinensischen" Szene, Konjunktur hat. "Rechtswissenschaftler haben grundlegende Mängel im Begriff des 'antipalästinensischen Rassismus' aufgezeigt: Er verankert eine umstrittene politische Darstellung des israelisch-palästinensischen Konflikts als durchsetzbaren Menschenrechtsstandard. Er stuft den Zionismus - einen zentralen Ausdruck jüdischer Identität - faktisch als Rassismus ein und institutionalisiert damit Antisemitismus im Namen seiner Bekämpfung. Und er stuft jede Identifizierung von Antisemitismus im pro-palästinensischen Diskurs präventiv selbst als Akt des anti-palästinensischen Rassismus ein, wodurch mit der Muslimbruderschaft verbundene Narrative vor institutioneller Überprüfung geschützt werden. (…) Die institutionelle Übernahme des Begriffs 'antipalästinensischer Rassismus' ist bereits im Gange. Der Toronto District School Board - Kanadas größter Schulbezirk mit rund 235.000 Schülern - hat den Begriff 'antipalästinensischer Rassismus' offiziell in sein Rahmenwerk zur Bekämpfung von Hass aufgenommen und damit einen Präzedenzfall geschaffen, der landesweit Nachahmer finden könnte. Auf Bundesebene hat ein Bericht eines parlamentarischen Ausschusses zum Thema Islamophobie den Begriff des 'antipalästinensischen Rassismus' befürwortet und damit dessen Einbindung in die öffentliche Politik weiter legitimiert."

Magazinrundschau vom 22.09.2026 - Tablet

Izabella Tabarovsky ist eine der besten Expertinnen für die Geschichte des linken Antizionismus. In vielen Artikeln hat sie gezeigt, dass die heutigen antiisraelischen Formeln des Postkolonialismus fast eins zu eins Erfindungen des einstigen sowjetischen Israelhasses übernehmen - kein Wunder bei Mittlerfiguren wie dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas, der in seiner in Moskau verfassten Doktorarbeit Verschwörungstheorien über Zionisten verbreitete, die angeblich mit Nazis zusammengearbeitet hätten (unser Resümee). In Tablet kommt sie nun auf die Rolle Kurt Waldheims als Generalsekretär der UNO zurück - die Sowjets kannten ihn seit 1947 und wussten sicher lange vor der Weltöffentlichkeit, dass er viel tiefer in Kriegsverbrechen verstrickt war, als er in seiner offiziellen Biografie zugegeben hatte - erst in der "Waldheim-Affäre" kamen diese Verstrickungen auch in die breitere Öffentlichkeit. Als Generalsekretär der UNO betätigte sich Waldheim als getreuer Diener des Sowjets, erlaubte ihnen etwa, Aberdutzende Spione in der Organisation unterzubringen, so Tabarovsky. Sie zitiert einen sowjetischen Agenten, der sich in einem Brief an die Zentrale über prowestliche Sympathien Waldheims beschwerte. "Es hieß dort aber auch: 'Bei einer Reihe von Fragen, insbesondere solchen von großer politischer Bedeutung, hört Waldheim auf unsere Forderungen und Ratschläge.' Gehörte die Umwandlung der Vereinten Nationen in die weltweit prominenteste Plattform zur Dämonisierung Israels und des Zionismus zu diesen Fragen? Zweifellos, wenn man bedenkt, wie zentral der Kampf gegen den 'internationalen Zionismus' in jenen Jahren für Moskau war. Und Waldheim lieferte. Von dem Moment an, als er sein Amt antrat, verabschiedete ein prominentes UN-Forum nach dem anderen Resolutionen, die den Zionismus mit Imperialismus, Kolonialismus und Rassismus gleichsetzten. Ebenfalls unter Waldheim wurde Yasser Arafat 1974 zu den Vereinten Nationen eingeladen, gerade als Moskau daran arbeitete, die palästinensische Sache zu internationalisieren. Damals hielt der Vorsitzende der Palästinensischen Befreiungsorganisation seine berühmte 'Olivenzweig-und-Waffe'-Rede, in der er den Zionismus - Sie ahnen es schon - fast ein Dutzend Mal systematisch mit Imperialismus, Kolonialismus und Rassismus gleichsetzte."

Magazinrundschau vom 29.09.2026 - Tablet

Wie kommt es, dass die Klimabewegung China so relativ milde kritisiert, wenn sie das Land nicht sogar für seine Klimabemühungen ausdrücklich lobt? Michael Doran und Brenda Shaffer zeichnen in einem monumentalen Artikel das Bild eines zwar nicht unbedingt immer bewussten und explizit gewollten, aber doch tatsächlich wirksamen Bündnisses zwischen westlichen NGOs, die für "Netto-Null-Emissionen" kämpfen, und einem Land, das sich zwar des Klimawandels bewusst ist und Schritte einleitet, aber zugleich immer neue Kohlekraftwerke baut, um damit Elektroautos und Solarpanels für den westlichen Markt zu fertigen. Es gibt eine Asymmetrie zwischen den Akteuren, die China auf virtuoseste Weise für sich nutzt, so die Autoren. Alles beruht auf der Tatsache, dass "China unentbehrlich ist", wenn man den Klimawandel einhegen will. "Ohne China kann keine globale Emissionsstrategie erfolgreich sein. Doch diese Unverzichtbarkeit verschafft Peking Einfluss auf alle, deren Autorität darauf beruht, zu beweisen, dass China zum Handeln bewegt werden kann. In den eigenen Ländern verfügt das 'Net Zero'-Establishment über ein Arsenal an Mitteln, das nur in einer offenen Gesellschaft zur Verfügung steht: Lobbyarbeit, Proteste, Prozesse, Aktionärsbeschlüsse, Offenlegungspflichten, Anträge auf Informationsfreiheit, gesetzgeberischer Druck, kritische Berichterstattung und öffentliche Bloßstellung. In China duldet der Parteistaat diese Instrumente und Taktiken nicht. Keine autonome Umweltbewegung hat die Freiheit, sich gegen die Regierungspolitik zu organisieren. Gerichte, Presse, zivilgesellschaftliche Organisationen und die Wirtschaft unterliegen weiterhin der Kommunistischen Partei. Das 'Net-Zero'-Establishment tritt daher wehrlos in China auf. Sein einziger Weg nach vorn besteht darin, eine Beziehung zum Staat aufzubauen, und diese Aufgabe geht es als Bittsteller an, der sich unterwirft und Geschenke mitbringt." Aber wer Zugang gewinnt, bekommt auch Vorteile, so die Autoren. Der Zugang "wird zum beruflichen Kapital. Wer chinesische Minister treffen, in einem offiziellen Beirat sitzen oder westlichen Geldgebern und Regierungen Pekings Pläne erläutern kann, erlangt Status, finanzielle Mittel und intellektuelle Autorität." Und so tragen die von China gekürten "Experten" Chinas Meinungen in die westliche Politik - die Chinesen haben geschafft, "die Barbaren zu nutzen, um die Barbaren zu kontrollieren". Interessant auch die Erwägungen der Autoren zum Schulterschluss zwischen Klima- und antizionistischer Bewegung.

Magazinrundschau vom 09.06.2026 - Tablet

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Neuerdings wird in Medien wie der New York Times oder dem Economist wieder an den Bundismus erinnert, eine jüdische sozialdemokratische Bewegung, die stark mit dem Jiddischen verknüpft war und eine Politik des "Hierseins" und der Solidarität mit der Arbeiterklasse über Konfessionsgrenzen hinweg führte. Die jüdische Autorin Molly Crabapple hat ein romantisierendes Buch zu dieser Bewegung geschrieben, "Here Where We Live Is Our Country - The Story of The Jewish Bund", das von der New York Times gefeiert wurde. Debbie Lechtman prangert diesen Neobundismus als "Bullshit" an. Der Bund wurde von den Sowjets schon in den Zwanzigern zerstört, in Polen überlebte er - bis Bundisten im Warschauer Ghetto erkennen mussten, dass die polnische Arbeiterklasse keinerlei Solidarität mit ihnen offenbarte. "Bis 1945 war der Zionismus zur fast einstimmigen Haltung unter den Holocaust-Überlebenden geworden, einschließlich der ehemaligen Bundisten, wobei sich die Juden in den Lagern für Displaced Persons leidenschaftlich dafür einsetzten, dass die Briten die Tore nach Palästina öffneten. Sowohl der von der US-Regierung sanktionierte Harrison-Bericht als auch eine Vielzahl späterer Umfragen ergaben, dass eine überwältigende Mehrheit der staatenlosen, mittellosen Überlebenden - bis zu 97 Prozent - forderte, nach Palästina und nur nach Palästina zu gehen, und als sie gebeten wurden, eine zweite Wahl anzugeben, schrieben Tausende: 'Krematorien'."

Heutige "Antizionisten" stehen nicht nur in der Tradition der Nazis (die über die Sympathie mit den Islamisten vermittelt ist), sondern auch der Kommunisten. In einem Quillette-Artikel über die Geschichte des Antizionismus (hinter Paywall) erzählt Shalom Lappin unter anderem, wie früh der Antizionismus in der Sowjetunion zur Regierungslinie wurde: "Zwischen 1918 und 1929 hatte die Jewsekt - die jüdische Abteilung der Kommunistischen Partei der Sowjetunion - die Aufgabe, die unabhängigen Institutionen und Organisationen des jüdischen Lebens in der Sowjetunion aufzulösen, damit die Juden zu treuen Anhängern des Sowjetregimes werden konnten. Zionistische Organisationen, der Bund, der hebräische Sprachunterricht, Synagogen, Jeschiwot, Schulen und die übrigen Einrichtungen des jüdischen religiösen und zivilgesellschaftlichen Lebens wurden abgeschafft. Und als dieser Prozess abgeschlossen war, wurden die jüdischen Kommunisten, die in der Jewsekt gearbeitet hatten, in den Gulag verbannt oder hingerichtet."
Stichwörter: Bundismus, Antizionismus

Magazinrundschau vom 14.04.2026 - Tablet

Marc Weitzmann, ein bekannter französischer Radiojournalist, der lange eine Gesprächssendung bei France Culture hatte, sucht nach Bezugspunkten des russischen rechtsextremenen Theoretikers Alexander Dugin in Frankreich. Und er findet eine Menge: Dugin hat sich schon sehr früh dem legendenumwobenen Gründer der Neuen Rechten Alain de Benoist angenähert, und von hier aus ergeben sich überraschend vielfältige Verzweigungen in den Rechtsextremismus, aber auch nach ganz links und in den Islamismus. Verküpfungen ergeben sich aber auch schon in der Mitte, denn Frankreich spielte in der intellektuellen Geschichte der Nachkriegszeit eine besondere Rolle durch seinen Antiamerikanismus, der sowohl rechte als auch linke Denker bewegte. Und Charles de Gaulle! Dugin selbst schrieb: "Das gaullistische Projekt war ein Versuch, ein von den Vereinigten Staaten unabhängiges Europa zu schaffen." Dieser Analyse kann Weitzmann nur zustimmen: "1966 zog De Gaulle Frankreich aus dem integrierten Kommando der NATO zurück, und ein Jahr später, während des Sechstagekrieges, kündigte er mit seiner berühmten Bemerkung über die Juden - 'dieses herrschsüchtige und selbstbewusste Volk' - das Bündnis Frankreichs mit Israel auf und wandte sich den arabischen Ländern zu … Zwar ist es wahr, dass Paris zwischen den 1950er und 1970er Jahren zur Wiege dessen wurde, was heute als 'Dritte-Welt-Bewegung' bekannt ist, doch der Beitrag der Rechten zu dieser Geschichte ist weitgehend in Vergessenheit geraten. Ja, in den Cafés von Saint-Germain-des-Prés, in denen sich die Ho Chi Minh, Frantz Fanon und Ben Barka tummelten, wurde von engagierten marxistischen Aktivisten lebhaft über Kolonialisierung diskutiert. Doch der erste europäische Aktivist, der 1968 mit der Waffe in der Hand für die palästinensische Sache starb, war keiner von ihnen. Es war ein Faschist namens Roger Coudroy, ein Mitglied von 'Jeune Europe', der seit seiner Konversion zum Islam als As Saleh bekannt war."

Magazinrundschau vom 25.08.2025 - Tablet

Der israelische Historiker Gadi Taub nimmt Bezug auf einen Artikel im New York Times Magazine (unser Resümee), in dem die drei Autoren, die These vertreten, dass Benjamin Netanjahu den Krieg in Gaza zum Zwecke des eigenen Machterhalts verlängert. Taub widerspricht vehement: "Die Wahrheit ist: Nichts würde Netanjahu politisch mehr nützen als eine Beendigung des Krieges, solange er mit einem Sieg endet. Je länger sich der Krieg ohne Sieg hinzieht, desto mehr Unterstützung verliert er, insbesondere unter seiner Basis. Mit anderen Worten: Sowohl die Darstellung der israelischen Interessen als auch die Annahmen des New York Times Magazine über Netanjahus politisches Kalkül sind falsch. Gleiches gilt für die Behauptungen über Netanjahus Koalitionspartner, die der Artikel falsch darstellt. Der sogenannte radikale Flügel der Koalition drängt auf ein schnelles Ende des Krieges durch einen entscheidenden Sieg. Die Kritik, die er an Netanjahu übte, richtete sich gegen seine Kriegsverlängerung durch endlose Verhandlungen über ein weiteres temporäres Abkommen, das den Geiseln Vorrang vor Israels Sieg einräumt. Hätte Netanjahu seine Koalitionspartner zufriedengestellt, befänden wir uns jetzt in der letzten Phase dieses Krieges, zielstrebig darauf ausgerichtet, die Überreste der Hamas zu zerschlagen. Natürlich hat Israel diesen Kurs in dem in der alternativen Geschichte des Magazins beschriebenen Zeitraum nicht verfolgt."

Magazinrundschau vom 22.07.2025 - Tablet

Kaum hatten die Hamas und verbündete palästinensische Zivilisten 1.200 Israelis massakriert und 250 weitere entführt, wurden die Israelis des Genozids bezichtigt. Einer der Hotspots der gut organisierten Pro-Hamas-Proteste, in denen sich dieser Diskurs etablierte, waren die amerikanischen Universitäten. Shai Davidai, Professor an der Columbia University, war einer der ersten, die die Weltöffentlichkeit auf die Zustände auf seinem Campus aufmerksam machte (unsere Resümees). Dagegen waren die Proteste in Berlin noch harmlos. Dies Video zeigt, wie jüdischen Studenten von einem chorisch skandierenden Mob der Zugang zum Campus verwehrt wird.

Davidai erklärt, warum er die Uni jetzt verlässt und ist verbittert, dass diese ihn nicht nur nicht unterstützte, sondern sogar suspendierte und seine Zugangskarte zu den Unigebäuden sperrte. Seine Kollegen hielten still. "Die Leitung der Columbia University ist nicht als einzige dafür verantwortlich, dass Studenten fundamentalistischen islamistischen Terror bejubeln. Hinter jedem wütend protestierenden Studenten in seinem kulturell angeeigneten Palästinensertuch steht ein radikaler Professor, der begeistert zusieht, wie sich seine postkolonialen Theorien über den Kampf zwischen Unterdrückern und Opfern bewahrheiten. Die Studenten marschieren, aber ihre Professoren entfachen das Feuer und zeigen ihnen, wohin sie es richten sollen. Man denke nur an Joseph Massad, der 'Jubel und Ehrfurcht' über das Massaker an Israelis zum Ausdruck brachte, Jeanine D'Armiento, die als Vorsitzende des Uni-Senats Kollegen zum Schweigen brachte, weil sie sich gegen die Campus-Proteste aussprachen, Katherine Franke, die das Massaker vom 7. Oktober als 'militärische Aktion' bezeichnete, Joseph Slaughter und Susan Bernofsky, die die Universitätsregeln umgeschrieben haben, um den Demonstranten zu helfen, und Mahmood Mamdani, Vater des demokratischen Bürgermeisterkandidaten von New York City, der die 'Schleifung des jüdischen Staates' fordert. Mit dem ausdrücklichen Lob des Professors Rashid Khalidi für die gewaltsame Besetzung eines Gebäudes folgen die Studenten einem Drehbuch, das ihre Professoren geschrieben haben."

Magazinrundschau vom 27.01.2025 - Tablet

Tablet schafft es, eine ganze Reihe von Holocaust-Überlebenden zusammenzubringen. Es geht sehr viel um die Frage, ob es etwas bringt, darüber zu sprechen. Es gibt auch skeptische Antworten auf die Frage. Dennoch: Nicht klagen solle man, sondern über das sprechen, was geschehen ist, sagt einer. Auch weil der Holocaust mit Sprechen beginnt, ergänzt Rosalyn. "Ich bin in einem jüdischen Vorort in Amerika aufgewachsen. Das erste Mal, dass ich Antisemitismus erlebt habe, war, als ich nach Polen gereist bin, um meinen Geburtsort zu besuchen. Die Menschen wussten nicht, dass ich Jüdin bin, also sprachen sie ihren Hass und Antisemitismus offen aus. Das hatte ich noch nie erlebt. Aber es hat mir wirklich bewusst gemacht, dass das Einzige, was wir aus der Geschichte lernen, ist, dass wir nicht aus der Geschichte lernen. Und wir befinden uns gerade in einem Zustand, den ich als unbewusste Verleugnung dessen, was geschieht, bezeichnen würde. Es ist einfacher, etwas zu leugnen, als sich wirklich damit auseinanderzusetzen, was passieren könnte, denn das Ergebnis ist zu schrecklich, um es sich überhaupt vorstellen zu können. Die Menschen verstehen das nicht. Der Holocaust und der Völkermord beginnen nicht mit Bomben, sie beginnen mit Worten, sie beginnen mit Hass und Intoleranz. Das ist es, worüber ich mit jedem spreche, der zuhört, mit jeder Gruppe, die zuhört: Es beginnt mit Worten."
Stichwörter: Holocaust

Magazinrundschau vom 26.11.2024 - Tablet

Adam Gregerman ist Professor für "Jewish Studies" und leitet das Institute for Jewish-Catholic Relations an der Saint Joseph's University in Philadelphia. Sein Text über den Papst und Israel nach dem 7. Oktober ist noch von der Idee geprägt, dass Religionen in einen "Dialog" treten könnten. Selbst in seiner scharfen Kritik an Papst Franziskus ist noch dieser interreligiöse Respekt zu spüren. Aber Gregerman kann seine Verwunderung nicht verhehlen, dass der Papst Jesu Vorwurf an die Juden aus dem Johannes-Evangelium in seiner jüngsten Schrift zum Israel-Gaza-Krieg mit aufgenommen hat: "Ihr habt den Teufel zum Vater und ihr wollt das tun, wonach es euren Vater verlangt. Er war ein Mörder von Anfang an. Und er steht nicht in der Wahrheit." Mit diesem Wort Jesu wurde manche Schandtat des christlichen Antisemitismus gerechtfertigt. Gregerman kritisiert den Pazifismus und damit Relativismus des Papstes, der beide Seiten auf eine Stufe stellt: "In über einem Jahr hat er die Hamas nicht ein einziges Mal beim Namen genannt, Israel spricht er dagegen immerzu an... Dieses Ungleichgewicht ist bezeichnend, nicht nur, weil es beunruhigend ist, die Taktik eines der Aggressoren in einem Konflikt nicht beim Namen zu nennen und zu beschreiben..., sondern weil seine bewusste Zweideutigkeit eine kritische Auseinandersetzung mit dem Wesen der Hamas und anderer Gegner ausschließt. Franziskus' Denken scheint durch überholte Annahmen über die Konfliktparteien eingeschränkt zu sein. Er spricht, als ob er einen Konflikt zwischen zwei sich bekriegenden Nationalstaaten kommentieren würde. Er richtet seine Kommentare gleichermaßen an beide Parteien (wiederum ohne die Hamas zu nennen) und fordert einen Waffenstillstand und die Freilassung der Geiseln. Es ist jedoch klar, dass seine Äußerungen eigentlich nur für Israel relevant und fast ausschließlich an dieses gerichtet sind."

Magazinrundschau vom 06.08.2024 - Tablet

Izabella Tabarovsky ist die Historikerin des Antizionismus und macht mal wieder (wir haben sie schon häufiger zitiert) deutlich, dass Autorinnen wie Judith Butler oder Masha Gessen glauben mögen, originell zu sein und doch nur doktrinäre Ideologen wiedergeben, die schon vor über fünfzig Jahren agierten. Tabarovsky erzählt, wie sich die Sowjetunion durch die "Dritte Welt" und Organisationen wie die der "Blockfreien" ideologisch neu erfand und auch für die hippe "neue Linke" in den westlichen Ländern aufhübschte. Der Antizionismus funktionierte da als ein universelles Bindeglied. Oft trafen sich diese Eliten auf voll bezahlten Reisen zu großen Kongressen wie der "Zweiten internationalen Konferenz zur Unterstützung der arabischen Völker" in Kairo 1969, wo der Ideologe Jewgeni Jewsejew Versatzstücke des Antizionismus verbreitete, die heute wieder höchst aktuell wirken. Jewsejew begrüßte die Kairoer Konferenz "als 'eine machtvolle Demonstration der antiimperialistischen Kräfte zur Unterstützung des Kampfes der arabischen Völker'. Delegierte aus 74 Ländern und 15 internationalen Organisationen, darunter Frankreich, Italien, Schweden, Lateinamerika, Afrika und Asien, seien zusammengekommen, um über den Zionismus als eine 'aktive, aber geschickt verborgene Kraft' zu diskutieren, die einen 'weltweiten Kampf gegen nationale Befreiungsbewegungen, den Kommunismus und andere demokratische Kräfte' führe. Mit dieser grundlegend konspirativen Vorstellung versuchte Jewsejew, die Sichtweise Israels als 'kleinen und schwachen Staat' zu entkräften, der von feindlichen Nachbarn umgeben ist: In Wirklichkeit, so schrieb er, sei Israel eine kriegstreiberische, 'aggressive Kraft' und 'Quelle von Spannungen' im Nahen Osten."

Ebenfalls in Tablet erzählt Jonathan Marc Gribetz  die Geschichte des frühen Antizionisten Elmer Berger, der aus dem Reformjudentum kam.
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