
Hilary Mantel
ist hin und weg von
Ruth Scurrs scharfsinniger
Robespierre-Biografie "
Fatal Purity: Robespierre and the French Revolution", die jenem unerbittlichen Akteur der Französischen Revolution nachspürt, der zum Inbegriff des
Schreckens werden sollte und dem nichts verhasster und unheimlicher war als Doppelzüngigkeit und Janusköpfigkeit. "Oder war er etwa selbst doppelzüngig? Er war
nicht konsequent, und Scurr erkennt, warum. Er unterschied strengstens zwischen dem, was einerseits in einem in Frieden lebenden Land und was andererseits in einem Land möglich ist, das sich sowohl von außen als auch von Bürgerkrieg bedroht sieht. Unter
normalen Umständen, dachte er, gibt es keine Notwendigkeit für die
Todesstrafe, weil der Staat über genügend Macht verfügt, die Straffälligen zu züchtigen und sie unschädlich zu machen. In
Kriegszeiten hingegen, wenn dem Staat Sabotage droht, kann er sich nicht unbedingt selbst verteidigen - man kann nicht von Soldaten verlangen, dass sie die Feinde auf dem Schlachtfeld töten, wenn der Staat nicht ähnliche Strafen für seine inneren Feinde bereithält."
Weitere Artikel: Dinah Birch
hat in
Eitan Bar-Yosefs Studie über die Darstellung des
Heiligen Landes in der englischen Kultur ("
The Holy Land in English Culture 1799-1917: Palestine and the Question of Orientalism") lesen können, wie
seltsam menschenleere Darstellungen Palästinas in englischen Berichten des 19. Jahrhunderts den Eindruck erwecken sollten, man könne dieses Gebiet rechtmäßig besetzen. Ilan Pappe
muss sich doch sehr darüber wundern, dass von den
israelischen Parteien jede einzelne in ihrem Wahlprogramm behauptet, die Lösung des "demografischen Problems", sprich der drohenden
palästinensischen Überzahl auf israelischem Boden, gefunden zu haben. August Kleinzahler
hat die Lektüre von
Roy Fishers Gedichtanthologie "
The Long and the Short of It: Poems 1955-2005" sehr genossen, auch wenn Fishers Lyrik zugegebenermaßen die
Wärme einer Kameralinse besitzt. In Short Cuts
stöhnt Thomas Jones über schlechte Manieren bei der
Postzustellung. Und Peter Campbell
haben die
zwei Ausstellungen "Modernism: Designing a New World" (im
V&A) und "Albers and Moholy-Nagy: From the Bauhaus to the New World" (in der
Tate Modern) davon überzeugt, dass eigentlich alles um uns herum entweder von der
Moderne vorhergesehen oder gar bereits von ihr entworfen wurde.