
Gleichzeitig schwärmerisch und klug liest sich, was die Romanistin
Alice Kaplan, die gerade die
Studie "Looking for The Stranger - Albert Camus and the Life of a Literary Classic", veröffentlicht hat, und der Autor
Tobias Wolff im Gespräch mit Marie-Pierre Ulloa über
Camus in Amerika erzählen. Kaplan bringt es auf den Punkt: "In den Vereinigten Staaten ist er sicher die
am meisten geliebte Figur der jüngeren französischen Literatur - weit mehr als Sartre, Proust und Céline. In Frankreich und der übrigen Welt genoss er sein höchstes Renommee in der Nachkriegszeit, als er die Stimme der Résistance war. Nach 1962 ist er in eine Art
Fegefeuer eingetreten, weil er einen gemäßigten algerischen Nationalismus in der Linie Ferhat Abbas' unterstützte. Er hat die Methoden des
FLN, der Algerien mit der Unterstützung der französischen Linken zur Unabhängigkeit führte, kritisiert. Aber Camus' Fegefeuer endete 1994, als der Roman, den man in dem Facel Vega, in dem er gestorben war, gefunden hatte, endlich veröffentlicht wurde. Mit 'Der erste Mensch' wird es möglich,
Camus neu zu lesen. Diese autobiografische Erzählung eines Mannes, der weder der Kolonisator noch kolonialer Untertan ist, sondern ein Kind armer Siedler, lässt die
instinktive Ablehnung, der Camus zum Opfer fiel, hinfällig erscheinen."