
Die
Niederlande hat ein
Stickstoffproblem und in der Folge, wie Paul Tullis
berichtet, auch ein
Bauernproblem. Der hohe Bedarf an fossilen Brennstoffen, aber auch die Methoden der modernen Landwirtschaft, insbesondere der Viehzucht, haben zu einem Anstieg der instabilen Stickstoffverbindungen Ammoniak und Stickstoffdioxid geführt, wodurch die natürlichen Lebensgrundslagen der Menschheit massiv gefährdet sind. Natürlich nicht nur in den Niederlanden, aber dort hat ein Gesetz der Regierung des inzwischen zurückgetretenen Ministerpräsidenten
Mark Rutte, das auf den staatlichen Aufkauf und die anschließende Abwicklung von Viehzuchtbetrieben zielt, eine breite gesellschaftliche Krise ausgelöst. Begonnen hat alles mit Protesten wütender Bauern, aber das vermeintliche Randthema - auch in den Niederlanden ist nur noch ein kleiner Teil der Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt - zieht längst größere Kreise: "Rechtsextreme Gruppierungen nutzen das Chaos, um ihre eigenen Agenden durchzusetzen, und zwei rechtsgerichtete Parteien, die populistische
BoerBurgerBewegin (BBB) und die zentristische
Nieuw Sociaal Contract (NSC) haben hohe Umfragewerte in ländlichen Regionen. Die politische Unzufriedenheit, die durch die Stickstoff-Frage ausgelöst wurde, könnte die Parlamentswahlen, die am 22. November stattfinden, entscheiden. Die Stickstoff-Krise ist eine Geschichte über die politischen Konsequenzen die entstehen, wenn ein Problem aus Angst vor einer wichtigen Interessengruppe zuerst ignoriert wird; und wenn die Pläne, die durchgeführt werden, wenn das Ignorieren nicht länger funktioniert, schlecht ausgeführt werden. Andere Länder sollten davon Notiz nehmen. In Frankreich, Italien, Deutschland und Belgien gibt es ebenfalls bedrohte Gegenden, in denen intensive Viehzucht betrieben wird, und falls es nicht zu einer Gesetzesänderung auf Europäischer Ebene kommt, muss auch in diesen Ländern die Politik irgendwann das Problem der
Stickstoffemissionen angehen. Zudem zeigt die Stickstoff-Krise, dass die Politik sich in ein Dilemma hineinmanövriert, wenn es ihr nicht gelingt, politische Lösungen für drängende Umweltprobleme zu finden: Sie muss dabei zusehen, wie die natürlichen Lebensgrundlagen zerstört werden, während gleichzeitig politische Unruhen wachsen."
Warum,
wundert sich der Ethnologe Andrew Kipnis, ist der
Geisterglaube in China in Städten weit verbreitet und nimmt dort gar oft intensivere Formen an als auf dem Land? "Vier Faktoren scheinen wichtig: Die Trennung von Leben und Tod in Städten, der Aufsteig einer Gesellschafts- und Wirtschaftsform der 'Fremden', die simultane Idealisierung und Verkleinerung von Familien sowie die anwachsende Zahl verlassener und verfallender Gebäude. Es ist wichtig, zu betonen, dass all diese Faktoren Produkte der Urbanisierung selbst sind.
Urbanisierung bringt Geister hervor. Es gibt noch einen fünften Punkt, der sich von den ersten vier unterscheidet und doch wichtig ist für den Spuk, der im modernen China umgeht:
politische Repression." Über diesen fünften Punkt schreibt Kipnis: "Abriss- und Neubauprojekte gehören zu jenen Ereignissen, die zu Protesten gegen die Regierung führen könnten; und die Regierung sieht es als ihre Aufgabe, alle Formen des Protests zu unterdrücken. Die Kommunistische Partei Chinas meint, ihr eigener Geist müsse ewig leben; alle anderen Geister sind gespenstische Feinde, Fremde, die verbannt werden müssen. Aus dieser Perspektive wird klar, warum die Geister aus der Vergangenheit der Partei - dem
Großen Sprung nach vorn, der Kulturrevolution, des Tiananmen-Massakers - nie wieder benannt werden dürfen. Ich glaube jedoch, dass der totalitäre Impus der Partei, alle Geister, die nicht der Partei dienen, zu verbannen, nur dazu dienen wird, den Geisterglauben des urbanen Chinas zu stärken. Wir müssen lernen, mit unseren Geistern zu leben, anstatt sie zu unterdrücken."