
Im
Gespräch mit Niki Szekeres erklärt die diesjährige Libri-Preisträgerin
Edina Szvoren die
Geschlechtslosigkeit ihrer Protagonisten und die Herausforderung, die sich daraus für die Übersetzer ergibt: "Wenn ich von einer Person nicht explizit sage, ob sie ein Mann oder eine Frau ist, dann wird sich der Leser auf etwas anderes konzentrieren, hoffe ich. Wir sind geneigt, in unserer täglichen Wahrnehmung eine Reihe von Eigenschaften mit dem Geschlecht zu verbinden. (...) Bei Übersetzungen werde ich über das Geschlecht meiner Protagonisten direkt gefragt und dann muss ich es traurigerweise entscheiden. Manchmal muss ich auch über 'den Erzählenden' entscheiden. 'Geschwister', 'Eltern', 'Arbeitspartner' sind meine Lieblingswörter und wenn ich darüber nachdenke, haben auch diese Wörter eine mir sehr liebe Ungewissheit - auch diese müssten in einer Übersetzung geschlechtsbezogen bestimmt werden. Eine
mansische Übersetzung wäre wirklich gut." (Die mansische Sprache - eine mit dem Ungarischen verwandte Sprache aus der finno-ugrischen Sprachfamilie aus Sibirien - hat ähnlich wie das Ungarische keine Geschlechter - Anm. d. Red.)
Das
Strache-
Video ist auch in Ungarn ein Thema, zumal in dem besagten Video Hans-Christian Strache einen
österreichischen Geschäftsmann als Abwickler empfiehlt, der in Ungarn die regierungskritische Tageszeitung
Népszabadság sowie
90 Prozent der regionalen Tageszeitungen durch ein Scheingeschäft unter die Kontrolle der ungarischen Regierungspartei brachte. Kommentare in der ungarischen freien Presse besagen, dass Praktiken, die Strache im Video laut in Aussicht stellte - und wofür er seinen Posten räumen musste - in Ungarn seit beinahe zehn Jahren politischer und wirtschaftlicher
Alltag seien. Beispielhaft für die Resonanz ist der
Kommentar von Zoltán Kovács, dem Chefredakteur der Wochenzeitschrift
Élet és Irodalom: "Es ist deprimierend, dass der ungarische Regierungschef hier von 'Menschenjagd' spricht, obwohl ein in jeder Hinsicht durchgefallener Politiker einfach genau das tut, was in so einer Situation jeder halbwegs seriöse Mensch des öffentlichen Lebens tut: er tritt zurück. (...) Darüber kann sich Orbán wundern, doch er muss es wissen, dass der gefallene Strache inhaltlich genau das wollte, war
Orbán bereits vollbracht hat. Der ungarische Regierungschef hat seine parlamentarische Zweidrittel-Mehrheit genutzt, um eine Situation zu erschaffen, in der sein unmoralischer und gewalttätiger Wille juristisch derzeit nicht angreifbar ist."