
Nach vier regierungskritischen Jahren wurde der Eigentümer der traditionsreichen konservativen Zeitung
Magyar Nemzet zur
Übergabe des Mediums an die vor kurzem gegründete Medienstiftung gedrängt, in der regierungsnahe Print-, Rundfunk-, sowie Online-Medien zentral koordiniert werden. Die als regierungsnahe Tageszeitung gegründete
Magyar Idők wird
eingestellt und die Belegschaft wechselt zu
Magyar Nemzet. Für Aufsehen sorgte bezüglich dieser Übernahme ein Interview des Vorsitzenden der Medienstiftung,
István Varga, der etwas überraschend sagte, dass die Medienorgane der Regierungsseite an der Wahrheitsgestaltung zu arbeiten hätten und dass gute, qualitativ hochwertige und niveauvolle Medien heute regierungskritisch seien. Er selbst liest
Élet és Irodalom,
Magyar Narancs und
HVG. Varga trat am Tag nach der Veröffentlichung des Interviews zurück, mehrere Regierungsvertreter nahmen die Belegschaft diverser regierungsnaher Medien in Schutz. Der Chefredakteur der Wochenzeitschrift
Élet és Irodalom, Zoltán Kovács,
meint dazu: "Es könnte sogar schmeichelhaft sein, was der Vorsitzender des neugeschaffenen Medienkoloss von sich gab, nämlich, dass die oppositionellen Zeitschriften
niveauvoller sind, als die regierungsnahen, doch den eigentlichen Inhalt seiner Aussagen liefert doch die Tatsache, dass er nach der Veröffentlichung seiner Meinung
zurücktreten musste. (…) Es gab bis Montag ein niveauloses Agitprop-Organ namens
Magyar Idők, was aber auch nicht viel störte. Es war so, wie die Regierung selbst: lautstark und Schund. Die Auflage war so gering, dass manch ein Redakteur einer wettbewerbsfähigen Schülerzeitung erstaunt gewesen wäre. Doch sie es voll mit Anzeigen - was nur zeigt, wie sich Orbán den Wettbewerb vorstellt und wie er diejenigen schätzt, die tatsächlich im Wettbewerb
aus eigener Kraft bestehen wollen. Auf diese kaum existierenden Zeitung legen sie die Patina von
Magyar Nemzet, was Anbetracht der wendungsreichen, doch alles zusammengenommen progressiven Geschichte der
Nemzet grob pietätlos ist (...), woraus aber ersichtlich wird, dass aus diesem Versuch erneut kein Niveau entstehen wird und früher oder später erneut jemand kommen wird, der seine Meinung sagt. Der wird dann anders heißen und er wird
auch entlassen werden."