
Am Ende vergangener Woche trat der verantwortlicher Chefredakteur der Wochenzeitschrift
168 óra, Ákos Tóth wegen unüberbrückbarer Konflikte mit der Eigentümerin der Zeitschrift von seinem Posten zurück. Mit ihm gingen auch seine zwei Stellvertreter, der Politologe Zoltán Lakner und Gyula Krajczár. Eigentümerin der Zeitschrift ist die Firma
Brit Media, die wiederum mit dem ungarischen Ableger der orthodoxen
Chabad Lubawitsch Gemeinde und insbesondere mit
Rabbi Slomó Köves in einem Abhängigkeitsverhältnis steht. Die Gemeinde von Köves wurde von der gegenwärtigen Regierung als offizielle Kirche anerkannt und im Gegensatz zu der traditionellen jüdischen Gemeinde, der eher regierungskritischen MAZSIHISZ wird sie
großzügig vom Staat unterstützt. Rabbi Köves fungierte in den vergangenen Jahren des Öfteren als Apologet der Orbán-Regierung, zumal bei umstrittenen Kampagnen wie die gegen
Georg Soros. Zoltán Kovács, Chefredakteur von
Élet és Irodalom fragt sich, in welche Richtung sich
168 óra wohl entwickeln wird: "Wie aus der veröffentlichten Abschiedsrede des scheidenden Chefredakteurs Ákos Tóth ersichtlich wurde, hatte er unüberbrückbare Konflikte mit den Eigentümern der Wochenzeitschrift, doch über Einzelheiten und Inhalt wurde nichts gesagt. Wie es informell hieß, wurde die Köves-Linie erdrückend. Wohin all dies führt, kann noch nicht gesagt werden. (…) Die wichtigste Frage ist, ob es inhaltliche Veränderungen geben wird, ob die politische Linie der Zeitschrift bleibt, und ob sie das, was die Leser am meisten mochten, nämlich niveauvolle Interviews und ideenreiche Publizistik verlieren wird. Oder all dies bleibt, nur das, was informell angedeutet wurde, noch stärker wird, dass die Zeitschrift sich zunehmend zum
religiösen Traktat wandelt. Auch das kann passieren, nur dann soll nicht so getan werden, als ginge es um etwas Anderes."