Florian Bissig berichtet in der NZZ vom Festival da Jazz in St. Moritz. Nicholas Potter unterhält sich für die taz mit Andrii Yankovskyi über die ungemütliche Lage der Clubszene in der Ukraine. In der SZ nimmt Andrian Kreye ein Treffen mit Maxim Biller zum Anlass, über dessen neue CD "Studio" zu reden. In der FAZ stellt Jan Brachmann zwei Interviewbände mit Musikern vor: "Die Möglichkeit einer gewissen Distanz" mit dem Dirigenten Marek Janowski und Eric Schoones' "Die Wege der Meister. Zen in der Musik".
Besprochen werden ein Konzert von Andrey Shabashev bei Jazz im Palmengarten (FR) und ein Konzert von Peter Maffay im Frankfurter Stadion (FR).
Dirk Schneider besucht für die taz im englischen Bristol das Label Skep Wax, Nachfolger von Sarah Records, beide gegründet von Rob Pursey und seiner Frau Amelia Fletcher und bekannt für ihre Gitarrenpopbands: "Zwischen 1987 und 1995 existierte das Label Sarah Records im englischen Bristol, und die britische Musikpresse hat das Label und seine Künstler mit Inbrunst gehasst. Für die Kritik war die Musik der Sarah-Bands etwas für wehleidige Bettnässer. Speziell die Künstlerinnen wollten einfach nicht den Sex-Appeal liefern, den die großmäuligen Alphatiere der damals noch wöchentlich erscheinenden Musikmagazine NME und Melody Maker verlangten." 2021 haben die beiden dann ihr Label Skep Wax gegründet: "Zumindest ungewöhnlich war es auch, dass das Label 2022 mit 'Under the Bridge' einen Sampler veröffentlicht hat, mit neuer Musik von jenen Leuten, die früher gemeinsam bei Sarah Records unter Vertrag waren. Das kam so gut an, dass sie mit 'Under the Bridge 2' nun nachgelegt haben, sogar mit einem Doppelalbum! Wer die Musik von Sarah Records mag, wird verblüfft sein: Auch 2024 machen diese Künstler noch Musik, die ihren Veröffentlichungen von vor dreißig Jahren in nichts nachsteht. Dieser träumerische, meist höchst melancholische twangy Gitarrenpop, für den Sarah Records berühmt war, fliegt diesen Leuten auch mit sechzig jungbrunnenhaft und federleicht aus den Verstärkern."
Wir hören rein:
Autor Eckhart Nickel (FAZ), Ende der neunziger Jahre Teil des popliterarischen Quintetts, kommt mit einer Erkenntnis aus dem Taylor-Swift-Konzert in Gelsenkirchen: "Swift ist, und das macht sie so anders und universell anschlussfähig, weil sie die in der Popwelt lang ersehnte Verkörperung dessen darstellt, was die Pet Shop Boys auf ihrem ikonischen Album 'Nightlife' 2001 forderten: 'I want a positive role model'." auf Sponschreibt Tobias Rapp, auf Zeit online Daniel Gerhardt, in der Welt Lena Karger.
Weitere Artikel: Tomasz Kurianowicz berichtet in der Berliner Zeitung vom deutsch-polnischen Festival Liederlauschen im Oderbruch. In der SZ denkt Helmut Mauró über die Namen einiger Musikklassiker nach - Wolfgang Amadeus Mozart (eigentlich Joannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus Mozart) oder Peter Tschaikowsky (ist er nicht doch eher ein Piotr?) Wolfgang Sandner schreibt in der FAZ zum Tod der Jazzpianistin Irène Schweizer.
Besprochen werden das neue Album von Travis "L.A. Times" (SZ) und Cassandra Jenkins' CD "My Light, My Destroyer" (taz).
Gestern abend gab Taylor Swift ihr erstes Konzert in Gelsenkirchen. Angesichts zehntausender junger Frauen, die einer anderen jungen Frau ihre Liebe zeigen wollten, kam bei den Musikkritikern diesmal Zynismus gar nicht erst auf. Die Zeiten sind auch einfach zu mies dafür. Lena Karger (Welt) bläst es gleich zu Beginn fast vom Sitz: "In den ersten Sekunden im selben Raum mit dem Megastar wäre man lieber woanders. 60.000 Menschen schreien, als wollten sie Glas zerspringen lassen. In einer Lautstärke, die keine Beyoncé und auch keine Billie Eilish in Deutschland ausgelöst hat. Eigentlich seltsam, dass keine Tränen fließen. Die Ohnmacht-gefährdete Teenagerin fängt an, in einem Bildmodus zu filmen, der gleichzeitig Swift auf der Bühne und ihre eigene Ekstase dazu aufnimmt. Ein paar Reihen weiter vorne reckt ein junges Mädchen Arme in die Luft, die von vernarbten Schnitten übersäht sind. An den Handgelenken werden die alten Wunden von Freundschaftsarmbändern umschlossen. Die selbst gebastelten Friendship Bracelets gehören auf jedem Swift Konzert dazu - auf Wunsch der Sängerin. Es ist 19.45 Uhr, das Konzert wird drei Stunden und 15 Minuten gehen."
Auch SZ-Reporter Joachim Hentschel, der vor dem Konzert die Fanmeile in Gelsenkirchen besucht hat, ist schwer beeindruckt: "Um sich auf Taylor Swift vorzubereiten, wird die ganze Show schon einmal gemeinsam durchgesungen - es ist eine Logik des künstlerischen Reenactments, die einem beim Zusehen das Herz aufgehen lässt und möglicherweise viel mehr erklärt als die gedruckten Analysen." Beim Konzert dann hört er zwar das Altmodische und weniger Gelungene in Swifts Musik, aber irgendwie ergibt das Sinn, erkennt er: "Es gibt in der gesamten 'Eras'-Show nicht einen einzigen Moment, in dem Taylor Swift sich mutwillig raffiniert gibt, das Publikum hinterrücks zu erobern versucht. Oder gar, wie viele ihrer Zeitgenossinnen in tollen Parallelwelten es tun, als Cybermuse die Körpergrenzen sprengen will. Ihre Kunst ist immer bis in die letzte Faser nachvollziehbar. Was Strecken des Abends in die Nähe zum Kitsch rückt, aber dabei auch fest auf der Augenhöhe hält, in der sie mit ihren Leuten kommunizieren will." Weitere Berichte in der Berliner Zeitung und im Tagesspiegel.
Weitere Artikel: Der SWR macht es sich mit der Berufung von François Xavier Roth zum Chefdirigenten des SWR Symphonieorchesters zu leicht, ärgert sich in der Welt Manuel Brug (mehr zur Affäre hier). Andreas Hartmann besucht für die tazManuel Liebeskind, Mitbegründer des Labels Skin and Speech, das sich auf Postindustrial, Noise, Klangkunst und andere entlegene Musik spezialisiert hat. Gerald Felber berichtet in der FAZ vom Alte-Musik-Festival in Ravenna. Ueli Bernays resümiert in der NZZ das Montreux Jazz Festival. Andrian Kreye ist in der SZ glücklich über den Auftakt des Münchner Jazzsommers mit Konzerten von Al Di Meola und Jacques Schwarz-Bart. Christoph Wagner schreibt in der NZZ zum Tod der Pianistin Irène Schweizer. Zum Tod von R. P. S. Lanrue, Gitarrist von Ton Steine Scherben, schreiben Harry Nutt in der FR, Gunnar Leue in der taz, Andreas Hartmann im Tagesspiegel, Susanne Lenz in der Berliner Zeitung. Und Alexander Schmalz schreibt in der Berliner Zeitung zum Tod des DJs Tomcraft.
Besprochen wird das neue Album von Eminem (der in Sachen Autofiktion weitaus "radikaler und raffinierter" ist als Autoren wie Karl Ove Knausgård, Emmanuel Carrère und Annie Ernaux, findet Daniel Haas in der Zeit).
Der SWR hält auch nach Vorwürfen wegen sexueller Belästigung weiterhin an François-XavierRoth als nächstem Chefdirigenten des SWR-Symphonieorchesters fest. BackstageClassicalliefert dazu Hintergründe und dokumentiert die Mails, mit denen dem Orchester diese Entscheidung mitgeteilt und begründet wurde.
Der Sender begründet seine Entscheidung für Roth damit, dass in Absprache Maßnahmen getroffen worden seien, die dafür sorgen, dass der Dirigent sich an seiner neuen Wirkungsstätte anständig verhält. Shoko Kuroe deutet das auf BackstageClassical mit dem Phänomen der "Tätermigration". Das Signal dieser Entscheidung sei fatal: "Warum soll ein Opfer sich an die Leitung oder die interne Prüfungskommission wenden und Kraft und Zeit für eine Aussage aufwenden, warum soll es persönliche und berufliche Nachteile riskieren und eine Retraumatisierung in Kauf nehmen, wenn die Leitung voraussichtlich - auch bei Bestätigung der Vorwürfe - letztendlich zum Täter stehen und Auswege für ihn suchen wird. Der SWR weist in seiner Erklärung darauf hin, dass es keine offizielle AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) Beschwerde gegeben habe, doch diese Hürde ist für Opfer gerade in Systemen wie einem Rundfunkorchester besonders hoch. Kann man also unter diesen Umständen noch gut und gesund zusammenarbeiten?"
Weitere Artikel: Stephanie Grimm porträtiert für die taz das Berliner TrioYelka, das sich zum Ziel gesetzt hat, in drei Jahren zehn Alben zu veröffentlichen - das vierte liegt seit kurzem vor. Ljubiša Tošić spricht für den Standard mit dem Komponisten AlexanderKukelka. Joachim Hentschel schreibt in der SZ einen Nachruf auf den Gitarristen R.P.S. Lanrue von TonSteineScherben.
Besprochen werden die Auftritte von Air und MassiveAttack beim Montreux Jazz Festival (NZZ, TA). das kurz nach dem Tod von Bassist SteveAlbini veröffentlichte Shellac-Album "To All Trains" (FR) sowie Berliner Konzerte von Waxahatchee (Tsp) und den StaplesJr. Singers (taz).
Schlicht genervt ist Standard-Popkritiker Christian Schachinger von "The Death of Slim Shady", dem neuen Album von Eminem, eine Art Duell zwischen Marshall Bruce Mathers (sein echter Name) und seiner Kunstfigur Slim Shady. Auf Schachinger wirkt das wie aus der Zeit gefallen. Der US-Rapper teilt darin mal wieder in alle Richtungen aus, ist der ewig Missverstandene, dem alle nur Unbill wollen und dessen Ironie nie einer verstehe - in diesem Fall gehe der Diss vor allem gegen Feministinnen und Liberale: "Das ist so gewagt konfrontativ wie erwartbarlaff. Eminem, geh du voran. Hier rappt er nun, er kann nicht anders." Wir sind gewarnt:
Dann vielleicht doch lieber Sampha hören? Der arbeitete schon mit allen, die im Rap einen großen Namen haben, und euphorisierte gerade beim Melt-Festival sein Publikum. Darunter war auch Selma Schiller von der FAZ: Dieser Auftritt war "eine Sensation", schreibt sie und ist begeistert von "seiner durchdringenden und doch federleichten Stimme, ein heiseres und gleichzeitig schillerndes Falsett." Seine "Flexibilität ist erstaunlich. Die solistisch vorgetragene Liveversion seiner ... Ballade 'No One Knows Me Like the Piano', in der es um sein Verhältnis zur Musik, seine Kindheit in London und das Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit geht, ist in ihrer Verletzlichkeit anrührend. Im nächsten Moment versammeln sich dann alle fünf Musiker zu einer hypnotischen Trommel-Session am Bühnenrand und bringen das Publikum zum Rasen. Auf dem in ihrer Mitte aufgebauten Set erzeugen sie einen mitreißenden, afrikanisch anmutenden Groove, der sich bis zur Ekstase steigert und sich anschließend entlädt in den für Sampha so typischen, jedes Mal überraschenden und beinahe improvisiert klingenden akustischen und elektronischen Klängen. Ganz offensichtlich ist hier ein Freigeist am Werk, der Genre-Grenzen ausdehnt und manchmal sprengt."
Weitere Artikel: Christoph Dieckmann resümiert online nachgereicht in der Zeit das Weltmusikfestivalin Rudolstadt, das seinen Fokus in diesem Jahr allerdings auf Deutschland legte. Der Schweizer Mainstream begeistert sich für DavidBucher, berichtet Timo Posselt online nachgereicht in der Zeit. Wolfgang Schreiber staunt in der SZ über die Erfolgsgeschichte des KissingerSommers, das sich vom kleinen Provinzereignis in den Achtzigern zu einem namhaften Festival hochgearbeitet hat, bei dem sich namhafte Orchester die Klinke in die Hand geben. Besprochen wird JohnCales Album "POPtical Illusion" (FR).
Konstantin Nowotny amüsiert sich im Freitag über die mit teils schweren Geschützen auffahrenden Deutologien hiesiger Feuilletons zu TaylorSwiftsErfolg. Das wichtigste Detail entgeht aber allen, findet er: Vielleicht ist Swift ja auch "schlicht eine sehr gute Autorin sehr nahbarer Songs und zudem eine ausgezeichnete Sängerin und Tänzerin? Sagt ihr ein ganzer Stab von Produzenten und Managern, was gut ankommt und was nicht? Schaut sie einfach auf die Algorithmen, in einer Musikbranche, die so datengetrieben funktioniert wie noch nie zuvor? Und stammt sie nicht aus einer gehobenen Mittelschichtsfamilie, die ihren Erfolg von Anfang an mitgeplant hatte? Unerhört, wenn es so einfach wäre. Dann wäre Taylor Swift nämlich so erfolgreich, weil sie Pop begriffen hat. ... Ein düpierender Schlag für die deutsche Swiftologie."
Weitere Artikel: Gerald Felber berichtet in der FAZ von den EuropäischenWochenin Passau. Besprochen werden das neue Album von Eminem (FAZ, Welt, SZ), der von AndreJegodka herausgegebene Sammelband "Kommst du mit in den Alltag?" über das prekäreLeben von Musikern (Jungle World), eine Ausstellung im Museum Schloss Doberlug über die Geschichte des DDR-JugendclubsExtrem (FAZ), ein Auftritt von Cypress Hill (Standard) und das neue Album von Sorry3000 (taz).
tazler Ulrich Gutmair ist nicht so recht zufrieden damit, dass das Berliner Humboldt-Forum für eine kleine Schau über Punk im Ost-Berlin der Achtziger gerade einmal sechs Quadratmeter freigemacht hat (und auch, dass beim Eröffnungskonzert der Ostpunk-Urgesteinband Planlos kein Alkohol gereicht wurde). Zwar ist die Ausstellung für ihren bescheidenden Umfang "sehr gut und anschaulich geworden", aber "jungen Leuten und Touristen, die wenig über den 'ersten sozialistischen Staat auf deutschem Boden' wissen, könnte man vom Scheitern der DDR erzählen, indem man ausführlicher vom Umgang ihrer Organe mit den Punks berichtet und vor allem darüber, was diese jungen Leute damals umgetrieben hat. Dafür müsste man aber mutiger sein und einige der locker in diesem Raum von 'Berlin lokal' verteilten Filmchen, von denen manche doch stark nach City Marketing riechen, aus dem Weg räumen, um den Punks den Raum geben zu können, der ihnen gebührt: 60 statt 6 Quadratmeter."
Weitere Artikel: Ljubiša Tošić wirft im Standard einen Blick auf die Initiativen, die das Loch füllen wollen, das durch das seit Jahren ausfallende WienerJazzfest entstanden ist. Karl Fluch erzählt im Standard die Geschichte des Montreux Jazz Festivals. Detlef Diederichsen staunt in seiner taz-Glosse wie viele Bands aus längst vergangenen Zeiten heute touren, ohne dass noch Bandmitglieder aus den klassischen Glanzzeiten mit an Bord sind. Karl Fluch kann im Standard fast nicht glauben, dass Rammstein mit ihrer Tour einfach wieder zum Tagesgeschäft übergehen. Martin Scholz plaudert für die WamS mit IanGillan von DeepPurple.
Besprochen werden das Eminem-Album "The Death of Slim Shady" (NZZ, Presse), der Berliner Auftritt von JohnFogerty (Welt, FAZ, FR), ein Bach-Abend mit dem Prager CollegiumVocale1704 beim Rheingau Musik Festival (FR), ein Rammstein-Konzerte in Frankfurt (FR), eine Aufführung von BernhardLangs "Interzone. Game 11-4-9" beim Carinthischen Sommer in Österreich (Standard), ein Konzert von SarahChaksad und ihrem LargeEnsemble (FR) und die neue Single "Woman's World" von KatyPerry, die darin nach Ansicht von Presse-Kritikerin Eva Dinnewitzer bei weitem nicht so feministisch ist, wie sie vorgibt.
Klaus Bittermann schreibt in der JungleWorld zum Tod von KinkyFriedman (weitere Nachrufe bereits hier). Manuel Brug erzählt in der Welt von seiner Reise mit einer Klassik-Kreuzfahrt. Im Welt-Gespräch mit Max Dax schimpft Helge Schneider auf KI.
Besprochen werden Anohnis Konzert in Berlin (taz), Jeremy Eichlers Buch "Das Echo der Zeit" mit Komponistenporträts (Zeit), Finlay Shakespeares Synthpop-Album "Directions Out of Town" (Standard), ein (bei den "Simpsons" bereits 1996 vorhergesehenes) Konzert der Rap-Band CypressHill mit dem LondonSymphonyOrchestra (SZ) und neue Elektro-Alben, darunter die Collage "Social Engineering" von JanJelinek (taz).
Für die Welt unterhält sich Gesine Borcherdt mit NadjaTolokonnikowa von PussyRiot, die für Russland wenig Hoffnung hat. Zur Anfangszeit ihrer Band "wurde Aktivismus gerade sexy. Die Menschen dachten 2011 tatsächlich, sie könnten noch etwas ändern. Das ist heute nicht mehr so. ... Neulich stieß ich auf einen Post, auf dem eine Frau aus Sibirien auf ihrem Balkon protestierte und dabei eine Pussy-Riot-Sturmhaube trug. Ich hoffe, dass sie in Sicherheit ist. Normalerweise sehe ich so etwas in anderen Teilen der Erde, wo Kids gegen ihre eigenen Probleme protestieren. Aber das ist jetzt zu gefährlich in Russland. Letztlich wünschte ich, dass alle, die denken wie ich, das Landverlassen - man wird dort einfach nirgendwo aufgefangen, wenn man weglaufen will. Es ist beängstigend."
Weitere Artikel: DietmarKerschbaum wird nach einer Complianceprüfung als Intendant des Brucknerhauses entlassen, meldet Ljubiša Tošić im Standard. Andreas Scheiner versucht in der NZZ, den Erfolg von TaylorSwift zu ergründen.
Besprochen werden das Konzert von Anohni in Berlin (Tsp), eine Paramount-Plus-Doku über MelissaEtheridge (FAZ), der Auftritt von CandyDulfer beim RheingauMusik Festival (FR), die Auftritte von TheNational und PJHarvey beim Montreux Jazz Festival (TA) und RolandoBrunos "Cosas Raras" (Jungle World).
Andrian Kreye staunt in der SZ weiterhin darüber, was für Quantensprünge KI in immer kürzeren Abständen hinlegt. Anlass ist diesmal ein Musikvideo, in dem Darth Vader aus "Star Wars" sich einen Stormtrooper verliebt. Visuals, Musik und Text: ki-generiert! Dahinter steckt AndreasLoff, der selber darüber staunt, dass ein vorangegangenes Projekt noch zwei Wochen Arbeit beansprucht hatte, dieses aber nur sechs Tage. "Es ist immer noch nicht so, dass man einer KI einfach den Befehl gibt 'Bitte ein Star-Wars-Video, in dem sich Darth Vader verliebt, Soundtrack: Powerballade'." So hat Loff einen ganzen Software-Park für sich arbeiten lassen, um zu diesem Ergebnis zu kommen. ... Was er "vermitteln will, ist keine Botschaft, sondern eine Warnung. Denn die Film- und Musikwelt verschlafe gerade die entscheidendenEntwicklungssprünge. Mag sein, dass die Sprachmodelle gerade an ihre Grenzen stoßen, mag sein, dass es für Laien immer noch zu kompliziert ist, stringente Filme aus der KI zu holen. Bei der Musik wird es mit KIs wie Suno und Udio schon sehr viel leichter. Wenn da nur ein wenig Panik hängenbleibt, hat er sein Ziel schon erreicht."
Der Berliner ClubAboutBlank - einer der wenigen, die sich nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober solidarisch mit Israel erklärt hatten und auch sonst linkenAntisemitismus thematisieren - hat erhebliche finanzielle Probleme, berichtet Andreas Hartmann im Tagesspiegel. Gründe sind das veränderte Partyverhalten nach Corona, die teureren Energiepreise - aber auch der BDS, der seit Jahren Kampagnen gegen den Club fährt. "Seit dem 7. Oktober sei der vom BDS erzeugte Druck noch viel spürbarer geworden. So wurde unter anderem ein nach unten gerichtetes rotes Dreieck über den Eingang des Clubs gesprüht - ein Zeichen der Hamas, um feindlicheZiele zu markieren. Die Club-Betreiber:innen haben daraus ein Herz gemacht. Massive Probleme gebe es mit der Queerszene, mit der man sich eigentlich besonders verbunden fühle. Ganze Partyreihen, die für den Sommer geplant waren, seien abgesagt worden. Die Veranstalter-Kollektive spiegelten, dass sie keine DJs mehr finden würden, die hier auflegen wollten." Hier kann man übrigens spenden.
Weitere Artikel: Klaus Walter (FR), Andri Rostetter (NZZ) und Andreas Platthaus (FAZ) gratulieren NeilTennant von den PetShopBoys zum 70. Geburtstag. Lotte Thaler berichtet in der FAZ vom KissingerSommer. Ausgewählte Konzerte bietet das Festival nun auch via Youtube an:
Besprochen werden TaylorSwifts Konzert in Zürich (NZZ), der Auftritt von NadjaTolokonnikowa von PussyRiot vor der Neuen Nationalgalerie in Berlin (Freitag), ein Frankfurter Liederabend mit JohnOsborn (FR) und neue Pop- und Rockveröffentlichungen, darunter "Songwriter" von JohnnyCash mit Demoaufnahmen vor seinem großen "American Recordings"-Comeback in den Neunzigern ("ein charmantes Dokument einer Zeit, in der ihn eigentlich alle abgeschrieben hatten", freut sich Karl Fluch im Standard).