Adeles zehn Auftritte umfassender Münchner Konzertzyklus, für den eigens ein auf fast 80.000 Besucher ausgelegtes Stadion aufgebaut wurde, steht an. Vielleicht war das ganze Vorhaben doch etwas größenwahnsinnig? Ausverkauft sind die Shows nämlich nicht, weshalb die Resterampen-Tickets nun zumSpottpreisverscherbelt werden, zudem häufen sich Stimmen, die vom Chaos beim Ticketing berichten. "Wer die Adele-Residenz vor allem als Leuchtturmprojekt und Kulturwunder-in-Progress betrachtet, wird die eine oder andere Reklamation, die vereinzelten Interessenkonflikte unvermeidlich finden", schreibt Joachim Hentschel. "Alle jedoch, die mit ihren teuren, nicht stornierbaren Buchungen dastehen oder sich betrogen fühlen, weil ihre 400-Euro-Plätze im Last-minute-Sale plötzlich für einen Bruchteil verklopft werden, sehen im Münchener Happening eventuell etwas anderes. Nämlich genau den Moment, in dem der Konzert-Gigantismus der letzten Jahre vollends insAbsurde kippt. Und in dem die reichlich strapazierte Blase platzen könnte."
Liegt in diesem Modell - fixe Residency statt Tour - vielleicht aber doch die Zukunft der Popkonzerte? Das hat der Tagesspiegel drei Experten gefragt, darunter Berthold Seliger, selbst Betreiber einer Konzertagentur. Der schlägt die Hände über dem Kopf zusammen: Die Stadt "hat dem Weltmarktführer unter den Konzertkonzernen den roten Teppich ausgerollt, damit der ... auf städtischem Grund ein seelenloses Stadion für 80.000 Fans errichten kann, das nach zehn Konzerten wieder abgerissen wird. Damit die Fans in dem riesigen Stadion überhaupt etwas von Adele sehen können, wird ein Bildschirm von 220 Metern Länge aufgebaut, und damit die Füße der Fans trocken bleiben, gossen die Veranstalter 75.000QuadratmeterAsphalt vor die Bühne. ... Nachhaltigkeit scheint hier ein Fremdwort zu sein. 800.000 Fans, die aus ganz Europa anreisen, hinterlassen einen absurd hohen ökologischen Fußabdruck. Gigantomanie als Selbstzweck."
Weitere Artikel: Michael Stallknecht freut sich in der SZ, dass HerbertBlomstedt auch mit 97 und nach einem Sturz im vergangenen Winter weiterhin - wie vor kurzem bei den Salzburger Festspielen - die namhaftesten Orchester dirigiert und somit "nach aller Wahrscheinlichkeit der älteste Mensch ist, der jemals ein Orchester geleitet hat, zumindest eines von der Liga der Wiener Philharmoniker". Martin Fischer wirft für den Tagesanzeiger einen Blick auf eine Auswertung von Billboard, die zu dem Schluss kommt, dass Bands auf den Spitzenpositionen der Charts so gut wie keine Rolle mehr spielen.
Besprochen werden ein Brahms-Abend in Salzburg mit RenaudCapuçon, IgorLevit und JuliaHagen (Standard) und zwei CD-Editionen mit von WilliamSteinberg dirigierten Aufnahmen (FAZ).
Für die tazporträtiert Yelizaveta Landenberger die aus Litauen stammenden Berliner Musiker J. G. Biberkopf und JustinaJaruševičiūtė. Die Rapperin MeganTheeStallion unterstützt KamalaHarris, schreibt Johann Voigt in der taz. Adrian Schräder porträtiert in der NZZ den Berner Rapper JuleX. Frieder Reininghaus schreibt in der NMZ zum Tod des Komponisten WolfgangRihm (hier weitere Nachrufe). Besprochen wird Isobel Campbells Album "Bow to Love" (FR).
Volker Hagedorn schreibt auf Zeit Online einen Nachruf auf WolfgangRihm (weitere Nachrufe hier). Im taz-Gespräch mit Dagmar Leischow erklärt die deutschghanaische Soulsängerin Y'akoto, warum sie über Zwischenstation in Paris nach Ghana ausgewandert ist. Valérie Catil stellt in der taz die Elevator Boys vor, die als TikTok-Phänomen bekannt wurden und jetzt eine Musikkarriere anstreben. Besprochen wird ein Brahms- und Mendelssohn-Konzert der von HerbertBlomstedt dirigierten WienerPhilharmoniker bei den SalzburgerFestspielen (Standard).
Und Portugal trägt Trauer: Die Fado-Sängerin Misia ist im Alter von 69 Jahren gestorben, melden die Agenturen.
Wolfgang Rihm, 1952 - 2024. (Bild: Hans Peter Schaefer, CC BY-SA 3.0) Die Feuilletons trauern um WolfgangRihm, den großen Anti-Dogmatiker und de facto bundesrepublikanischen Haus- und Hof-Komponisten. Denkschulen und Reglements waren ihm verhasst, auch wenn er "beileibe nicht der erste Komponist der Nachkriegszeit war, der sich gegen den Dogmatismus speziell der deutschen Avantgarde wehrte und wieder zurückkehrte zu den musikalischen Gestaltungsmitteln, wie sie seit dem 19. Jahrhundert bereitstehen", schreibt Eleonore Büning, Rihms Biografin, in der NZZ. Doch "Rihm hat, kraft seiner Musik, das Avantgarde-Denken bereits in den siebziger Jahren so desavouiert, dass es sich selbst abschaffte. Er sprengte zugleich den noch viel älteren Mythos vom Originalgenie in die Luft. Nicht nur Rihm selbst, jeder junge Komponist sucht sich seither seine Regeln selbst. Diese Errungenschaft ist irreversibel."
Seit 1970 nahm Rihm es mit dem verkrusteten Denken in der Neuen Musik auf, schreibt Jan Brachmann in der FAZ: "Mit einer Vehemenz, die damals verstörte, sagte der noch nicht einmal Zwanzigjährige in seiner Kunst 'Ich'. Als auf dem Höhepunkt der seriellen Musik das Subjekt fast völlig durch das System erstickt worden war, ... setzte ein junger Mann auf Körper, Ausdruck, Wucht wie Innigkeit gleichermaßen. ... Zugleich faszinierten ihn die 'Verlaufsformen' mehr und mehr: das Momenthafte des Werks und die Überlegungen, dessen Fest-Stellung in der definitiven Gestalt zu entkommen. Der Orchesterzyklus 'Jagden und Formen', der als 'work in progress' zwischen 1995 und 2008 wuchs und sich wandelte, ist so ein klingender Essay über Zeit und Gestalt. "Vers une symphonie fleuve" dachte zuvor schon über musikalischen Gestaltwandel im Fluss, über mähliche Zustandsveränderungen und die Eingliederung des Impulsiven in langfristige Verlaufskurven nach."
"Rihm war ein Erbe des Expressionismus", hält Reinhard J. Brembeck in der SZ fest, "seine Ausdruckslust maßlos, sein sich Hineinschrauben und Tiefenbohren in Menschenschicksale von höchst emotionaler Wucht. Auch ein ungern über Puccini hinaus hörendes Publikum konnte sich dem verführerischen Sog und der Elementarwucht dieser Musik nicht entziehen. ... Rihm war ein lichter Romantiker, seine Gedankenwelt und sein Klangsehnen waren zutiefst im 19. Jahrhundert verwurzelt, das wurde in seinem Komponieren mit der Zeit immer deutlicher. ... Er entdeckte zunehmend dasZarte, dasVerwunschene."
Manuel Brug verabschiedet sich in der Welt von Rihm als Lebemann und künstlerischem Allrounder, hebt allerdings auch sanft kritische Töne unter: Rihm war "stilistisch ein wenig vorhersehbar." Er "rüttelt vielleicht auf, verstört aber nur selten. ... Überraschend, innovativ gar, war er, seit er eine gewisse Meisterschaft, seinen Platz auf dem Klangolymp erreicht hatte, nur noch selten. Dafür verlor er sich allzu gern in seinem scheinbar amorphen, schön schillernden Tonfluss samt ruppiger Orchestertutti, zart, doch stählern." Weitere Nachrufe schreiben Judith von Sternburg (FR), Ljubiša Tošić (Standard) und Christian Wilhagen (NZZ).
Bei den Salzburger Festspielen hat Igor Levit Beethovens Siebte in der Fassung für Klavier von FranzLiszt aufgeführt. Der Pianist "meißelt und donnert die vier Sätze mit aller verfügbaren Energie in den Flügel", beobachtet Wolfgang Schreiber in der SZ. "Das konfrontative Denken in Tönen ist Levits Sache. ... Das Perkussive beherrscht den Gang der Ereignisse, auch im Allegretto-Satz und dem atemlos leichtfüßigen Scherzo in der Presto-Gangart. Der fließende Orchesterklang kann vergessen werden, der Rhythmus im geschlagenen Klavierklang wird wie nackt empfunden, wie neu zu hören. Beethovens auskomponierte Hochspannung und deren perkussive Verfremdung gehen Hand in Hand." Für BR Klassikbespricht Johann Jahn den Abend.
Weiteres: Jakob Thaller wirft für den Standard einen Blick darauf, wie die Popkultur sich zum US-Wahlkampf verhält. Besprochen werden die Autobiografie der feministischen Punkmusikerin KathleenHanna (JungleWorld), die Autobiografie des Londoner Musikers WrecklessEric (taz), CelineDions Auftritt bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele (SZ), eine konzertante Aufführung von RichardStrauss' Oper "Capriccio" von ElsaDreisig mit den von ChristianThielemann dirigierten WienerPhilharmonikern (SZ), HerbertGrönemeyers Auftritt beim CSD Berlin (Tsp), das neue Album von DeepPurple (FAZ) und eine CD-Box mit Aufnahmen des Baritons LawrenceTibbett (FAZ).
Den allgemeinen Jubel in der Popkultur-Blase über KamalaHarris' mit Beyoncés"Freedom" unterlegten Wahlwerbespot kann Julia Lorenz auf Zeit Online soweit zwar schon gut nachvollziehen - und die gemeinsame Geschichte von großer amerikanischer Politik und großer amerikanischer Popmusik ist ja durchaus faszinierend. Trotzdem braucht es einen Reality-Check, findet sie: "Diese Wahl wird nicht auf Taylor Swifts Eras-Tour entschieden und erst recht nicht auf den letzten verbliebenen Musikjournalismusportalen, sondern in den Swing-States, wo sich viele Menschen sicherlich wenig um die politischen Bemühungen der liberalen Ost- und Westküstenprominenz scheren - auch, weil sie eigenePopstars haben. In Pennsylvania etwa, einem dieser Bundesstaaten, findet jährlich ein Riesenevent für christlichen Rock statt, das Creation Festival, über das der Schriftsteller John Jeremiah Sullivan einmal in einer ziemlich legendären Reportage geschrieben hat, dort finde man christliche Kopien von nahezu allen wichtigen Rockbands." Das erinnert "fernab der Musikberichterstattung daran, dass Pop auch in Arenen stattfindet, die Leute wie Beyoncé nicht bespielen."
Außerdem: Hannah Krug erzählt in der taz von ihren Streifzügen durch die Nachtclubs von Talinn. Verena C. Mayer hat derweil für die taz das Josephine-Baker-Museum in einem Schloss im französischen Castelnaud-la-Chapelle besucht, in dem die amerikanische Sängerin und Tänzerin einst lebte (hier einige visuelle Eindrücke). Die Popmusik-Festivals werden auch immer älter, stellt Konstantin Nowotny im Freitag fest. Der Hiphop-Produzent Timbaland bringt nun auch Barfußschuhe heraus, meldet Tim Caspar Boehme in der taz. Lena Karger wundert sich in der Welt über BritneySpears erratische Instagram-Aktivitäten.
Besprochen werden EricPfeils Buch "Ciao Amore, ciao" über italienische Popsongs (FAZ), ein Auftritt von PattiSmith in Wien (Standard), die Netflix-Dokuserie "Dirty Pop: The Boy Band Scam" über den Produzenten LouPearlman, der zahlreiche Boybands geformt hat (TA), ein Konzert von Günter 'Baby' Sommer mit Lucaciu3 in Frankfurt (FR) und das Konzert des Pianisten AlexanderMalofeev beim Rheingau Musik Festival (FR).
Michael Stallknecht resümiert für die SZ die "Ouverture spirituelle" der SalzburgerFestspiele, bei der Arbeiten von GeorgFriedrichHaas und GeorgeCrumb aufeinander bezogen wurden. Von Crumb wurde etwa "Twelve Fantasy-Pieces after the Zodiac" aus den Siebzigern gegeben: "Der finnische Pianist JoonasAhonen spielt da ebenso viel im Korpus des Flügels wie auf den Tasten, bearbeitet die Saiten vor dem zurückgeschobenen Notenpult mit Fingerhüten, Büroklammern oder Metallketten, stöhnt, flüstert und pfeift noch dazu oder ruft Christus im ekstatischenSchrei an. Doch die vielen geistigen und geistlichen Ebenen ... finden ihren Horizont nicht nur im Künftigen, sondern ebenso in den Anfängen. Zukunft und Vergangenheit schließen ihren Kreis im Ewigen, Musik arbeitet so im 20. (und 21.) Jahrhundert oft an der Wiederverzauberung der Welt."
Der US-Musikerin Meshell Ndegeocello ist mit ihrem auf Blue Note veröffentlichten Album "No More Water - The Gospel of JamesBaldwin" wohl "die bislang komplexeste Würdigung des US-Autors in der zeitgenössischen Musik" gelungen, schreibt Sven Beckstette in der taz. Doch bleibt die Musikerin "nicht der Vergangenheit verhaftet", sondern reflektiert mit Baldwin auch die Gegenwart, etwa im Stück "Raise the Roof": "Über langgezogene Saxofontöne und elektronische Effekte ist die Spoken-Word-Poetin und queere Aktivistin Staceyann Chinn zu hören. Zornig listet sie Morde an Schwarzen in der Geschichte der USA auf, klagt Polizeibrutalität und das Gefängnissystem an." Neben der "Wut auf die lange Historie rassistischer Gewalt steht die alltägliche Erfahrung und die damit verbundene Verletzlichkeit und das Ausgeliefertsein des Einzelnen gegenüber, eine emotionale Achterbahnfahrt, die den Gegensatz zwischen abstrakter Geschichte und individueller Erfahrung zum Ausdruck bringt."
Weitere Artikel: Elmar Krekeler erinnert in der Welt an den Kunsttischler DavidRoentgen und dessen Klaviere. Besprochen werden das neue Album von ChildishGambino (NZZ, mehr dazu hier), ZahodeSagazans Auftritt beim Paléo-Festival in Nyon (NZZ, TA), IceSpice' Debütalbum "Y2K!" (Tsp) und ein neues Album von TheMacks ("ziemlich albern, ziemlich okay", findet Olaf Velte in der FR).
Dass aktuell das halbe Internet über einen Clip von 2023 ausflippt, der die als demokratische US-Präsidentschaftskandidatin so gut wie feststehende KamalaHarris beim Einkaufen geschmackssicherer Schallplatten zeigt, hat wohl auch mit einer "Nostalgie nach den Obama-Jahren" zu tun, als ein US-Präsident ausnahmsweise auch mal Pop-Coolness ausstrahlte, schreibt Andrian Kreye in der SZ. "Was aber nun anfangen mit dem Plattenladen-Meme? ... Jazzplatten sind kein Konsens, sondern ein Distinktionsmerkmal. Für ihren Wahlkampf bringt ihr das Meme nichts. ... Was bleibt, ist aber ein Hauch Respekt dafür, dass sich Kamala Harris ihre Musikleidenschaften nicht von einem Wahlkampfteam zusammenstellen lässt. Das ist eines von vielen Puzzleteilen im Kampf um die Gunst der Popkultur, der inzwischen so kleinteilig geworden ist, wie der um die einzelnen Wahldistrikte mit den meisten Wechselwählern."
Dazu passend erklärt Gerrit Bartels im Tagesspiegel die Hintergründe, warum Beyoncé Harris gestattet hat, ihren Song "Freedom" für Wahlkampfzwecke zu verwenden.
Die Popkritiker trauern um den Bluesmusiker JohnMayall, der im gesegneten Alter von 90 Jahren kurz vor seiner Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame gestorben ist. Er war "durch die Jahrzehnte hindurch die blitzlebendige Bezugsgröße des britischen Blues, der mitten im Sturm stehende Hinkelstein und Leuchtturm" - und das auch ganz ohne Hitsingle, schreibt Joachim Hentschel in der SZ: "Für einen Bluesmann seines Zuschnitts war Mayalls Gesangsstimme von Anfang an erstaunlich golden und sanft, eher Tenor als Grizzly." Mayall war sicher kein Genie des Blues, schreibt Edo Reents in der FAZ. Aber mit seinen vielfältigen Betätigungen hat er "dafür gesorgt, dass ... der Blues in Großbritannien seine eigentliche Heimat gefunden hat." Für FR-Kritiker Harry Nutt war Mayall gar "eine Art Herbergsvater des Rock", da er "Dutzenden Jugendlichen, die irgendwas mit Gitarren machen wollten, eine Richtung gab" und damit "die popmusikalische Welt nach 1960 wie kein Zweiter geprägt" hat. Weitere Nachrufe schreiben Hanspeter Künzler (NZZ), Gregor Dotzauer (Tsp) und Ulrich Gutmair (taz).
Weiteres: Das Klassikmagazin VAN macht Sommerpause - und spendiert zur Überbrückung bis zur nächsten Ausgabe auf seiner Startseite 42 eigens freigeschaltete Artikel. Besprochen werden Taylor Swifts Auftritt in Hamburg (Welt, taz), JonasEngelmanns Buch "Der Text ist meine Part" über die Geschichte der HamburgerSchule (FR) und die Amazon-Serie "Back on Track - Neuanfang mit Bushido" (Welt).
Die belarussischen Musiker Nadzeya und Uladzimir Kalach sind nach zwei Jahren Haft entlassen worden und nach Berlin geflohen. Die beiden Köpfe der Folkband Irdorath hatten gegen Lukaschenko protestiert (unser Resümee). Jens Uthoff berichtet in der taz von dem Terror, den die beiden ausgesetzt waren: "In der ersten Zeit der Haft sei Uladzimir mit 24 Personen in einer Zelle auf 20 Quadratmetern untergebracht worden, auf dreistöckigen Eisenbetten, in einem Keller mit feuchten Wänden. Kakerlaken seien in der Zelle gewesen, es habe eine Toilette ohne Sichtschutz gegeben. Nachdem er in die Strafkolonie 3 in Viciebsk verlegt wurde, sei der psychologische Terror am schlimmsten gewesen. 'Die Wachleute haben mich wie ein Tier behandelt. Wir wussten: Sie können dich jederzeit mit Schlägen und Strom foltern oder in den Kerker stecken.' Seine Frau Nadzeya war den Großteil der Haftzeit im Frauenlager einer Strafkolonie in Homieĺ interniert, sie berichtet von ähnlichen Qualen: Von wucherndem Schimmel in den Zellen, von "ekligen" Duschen."
Weitere Artikel: Dierk Saathoff erinnert in der Jungle World an das vor 25 Jahren erschienene Tocotronic-Album "K.O.O.K.". Edo Reents schreibt in der FAZ einen Nachruf auf den Bluesmusiker JohnMayall. Jakob Biazza schreibt in der SZ einen Nachruf auf Abdul "Duke" Fakir, den Gründer der FourTops:
Besprochen werden ein Auftritt von ZiggyAlberts (Presse) und JackWhites neues, gratis online gestelltes Album "No Name" (Standard-Kritiker Christian Schachinger verspricht einen "wilden Ritt").
Auf den Film "Bando Stone and the New World" von (oder auch nur mit) ChildishGambino muss man zwar fürs Erste noch warten, aber das gleichnamige Album liegt nun, neben einem Trailer, schon mal vor. Damit will sich der Musiker (hinter dessen Pseudonym der Schauspieler Donald Glover steckt) von seiner Rap-Karriere denn wohl auch verabschieden, schreibt Johann Voigt auf Zeit Online. Und zum Abschied gibt es nochmal eine große Party: "In die Musik steckt Glover alles rein, was er vor dem Ende von Childish Gambino offenbar noch ausprobieren wollte. Zahlreiche Gastmusikerinnen und -musiker begleiten ihn auf einem Gewaltmarsch durch die Genres, die säuselnde Soulsängerin Jorja Smith, der irre Rapper Yeat, die energische Rapperin Amaarae. Zwischen Afrobeats, Schlafzimmerpop und Samples von Daft Punk verwirklicht Glover einen Sound, der so unberechenbar wie zeitgemäß erscheint."
Weitere Artikel: Für die NZZporträtiert Daniel Haas den früheren NDW-Star JoachiamWitt, der sich neuerdings für Sahra Wagenknecht (eine "positiv konnotierte Autoritätsfigur") engagiert. Martin Fischer plaudert für den Tagesanzeiger mit dem Schweizer Popstar BenjaminAmaru. Clemens Haustein gratuliert in der FAZ der Pianistin MariaJoãoPires zum 80. Geburtstag. Christian Schachinger hört für den StandardLee Greenwoods 40 Jahre alten Countrysong "God bless the USA", den Trump aktuell wieder beim Wahlkampf einsetzt. Der auf Putin-Propaganda spezialisierte russische Popstar Shaman hat in Moskau vor der US-Botschaft gegen die Sperrung seines Youtube-Kanals protestiert, berichtet Artur Weigandt in der SZ.
Besprochen werden JoachimUllrichs "Five Simple Songs" (FR) und und neue Popveröffentlichungen, darunter "Butu" des kongolesischen Kollektivs Kokoko (Standard).
In Salzburg hat Dirigent Teodor Currentzis zusammen mit dem Utopia Ensemble die Festspiele mit Bachs "Matthäus-Passion" eröffnet. Und es war offenbar so grandios, dass weder Reinhard J. Brembeck noch Michael Stallknecht sich noch mit der Frage aufhalten wollen, wie nahe Currentzis Putin wirklich steht. Die Musik hat die Kritiker einfach überwältigt. So ernst, hart, klar und erschütternd hat Stallknecht (NZZ) die Passion nie gehört, obwohl der Dirigent auch Effekt kann: "Currentzis lässt kleinteilig phrasieren, in subtil bewegten Wellen, lotet häufig Piano und Pianissimo aus, realisiert damit feinste Textnuancen. Ebenso wie Julian Prégardien, der schon lange als einer der eindrücklichsten Evangelisten gelten darf. Doch unter Currentzis geht er weiter als je zuvor, überschreitet mit zunehmendem Verlauf herkömmliche ästhetische Grenzen bis ins Hässliche, zum Schrei. Die Qualen, die Folter Jesu werden so zur körperlichen Erfahrung, wie er hier auch als Figur nicht nazarenerhaft weichgezeichnet wird.
Currentzis erlaubt sich sogar Eingriffe in die Musik, erzählt voller Bewunderung Reinhard J. Brembeck in der SZ: Er "lässt die vielen Choräle, auch etliche Chöre lange Zeit leise und innig singen, das klingt unvertraut nach orthodoxer Kirchenmusik, ist ganz Seele und Empfindung. Mit der steigenden Dramatik in Prozess, Folter und Hinrichtung intensiviert Currentzis den Chorgesang bis hin zu hochromantischer Expressivität. Doch als Jesus zu Tode gefoltert am Kreuz stirbt, lässt der Dirigent wie in vielen Weltgegenden noch immer üblich ein Totenglöckchen in den gesungenen Choral hineintönen, äußert leise und in völliger Dunkelheit, nur Currentzis ist schemenhaft zu erkennen. Die Musik wird von einem Fernchor hinter der Bühne sehr viel leiser wiederholt. Das ist ein Theatercoup, er unterstreicht nicht nur, dass Bach hier eine geistliche Oper ohne Szene komponiert hat, sondern auch, dass da ein wahrer Mensch und wahrer Gott gestorben ist."
"Wegen seiner Nähe zu Putin, weil er sich nie dazu oder zu dessen Ukrainekrieg geäußert hat, weder kritisch noch sonst wie, ist Currentzis manchen Menschen ein Ärgernis", meint Brembeck übrigens. Äh, ein bisschen weiter gehen die Vorwürfe doch. Die vielen Recherchen von Axel Brüggemann und NMZ hat der Perlentaucher zum Glück getreulich widergespiegelt.
Weitere Artikel: Benedikt Kendler hat sich für die Berliner Zeitung mit dem Lichtenberger Liedermacher Elias getroffen, um über die Kunst des Liebeslieds zu sprechen. Adrian Schäder berichtet in der NZZ vom Gurten-Open-Air-Konzert mit dem französischen Dance-Duo Justice, Patent Ochsner und Tiffany Limacher alias To Athena. Michael Maier unterhält sich für die Berliner Zeitung mit dem französischen Countertenor Philippe Jaroussky. Max Florian Kühlem wundert sich in der SZ, dass es so viel Hype um Taylor Swift gibt und so wenig um Coldplay, die am Wochenende in Düsseldorf spielten. Wolfgang Sandner gratuliert in der FAZ dem Gitarristen Al Di Meola zum Siebzigsten. Andreas Platthaus gratuliert in der FAZ Supertramp-Gründer Rick Davies zum Achtzigsten.
Besprochen werden ein Konzert des Trios E.T.A. auf Schloss Johannisberg (FR), Mary Ochers Album "Your Guide To Revolution" (FR), ein Konzert von Roland Kaiser in Frankfurt (FAZ), ein Konzert von Candy Dulfer in Wiesbaden (FR), die neue CD "Notausgang" der Berliner Band Die Verlierer (taz) und das gerde erschienene, aber schon 1998 entstandene Album "7 Stücke" vom Ost-West-Quartett Kunstkopf (taz).
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