Albert Oehlen wird siebzig - und Georg Diez (Zeit Online) singt dem "Punk", der stets den "Trash" suchte und dessen BRD-Bilder "so reflektiert im Exzess, so kontrolliert in der Ekstase" sind, eine Hymne. Oehlens Arbeiten fragen stets: "Wie geht es voran, in diesem kleinen, großen Land?", erinnert Diez, der die Aktualität des Künstlers auch in der Ausstellung "Computerbilder" in der Hamburger Kunsthalle erkennt: "Wie würde es werden, sich anfühlen, in einer Welt zu leben, die von diesem Instrument bestimmt sein würde? Und wie wäre es, diesen Computer zu benutzen wie einen Pinsel, wie wäre es, erst mal die Zwänge und Notwendigkeiten dieser Technologie zu akzeptieren und damit umzugehen und zu lernen und zu zeigen, wie sich eine Welt gestalten ließe, im Widerstand wie in der Affirmation? Und so nahm Oehlen diese Maschine, er nahm sie ernst, und er druckte das, was er mit den frühen Grafikprogrammen gestalten konnte, schwarz auf eine weiße Leinwand - dann nahm er einen Pinsel und fuhr darüber, weniger scharf und zackig als üblich, eher forschend, scheu fast, tastend."
Weitere Artikel: Deprimierend, aber dennoch äußerst sehenswert findet SZ-Kritiker Till Briegleb die im Rahmen der Ruhrtriennale gezeigte Ausstellung "Landscapes of an Ongoing Past" im Salzlager auf der Zeche Zollverein, die zwar osteuropäische Positionen versammelt, aber vor allem aus ukrainischer Perspektive auf die Zukunft blickt. Und da wird manche Utopie zur Dystopie: "Die schmerzbunte Dreikanal-Animation eines Paradieses von Yuri Yefanov, der aus Kiew nach Bochum umgezogen ist, zeigt Mensch, Tier und Natur in perfektem Einklang. Doch diese völlig übertriebene Harmonie, die das Ende aller Kriege gegen Leben und Umwelt als digitalen Exzess feiert, entpuppt sich als Fieber-, Angst- und Hungertraum in einem Luftschutzkeller."
Besprochen werden außerdem eine Ausstellung im Frauengefängnis auf der Insel Giudecca im Rahmen der Biennale (NZZ), außerdem die Gustav-Metzger-Retrospektive im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt (Welt, mehr hier) und die Installation "The End of the World" des chilenischen Künstlers Alfredo Jaar im Berliner Kindl Zentrum für zeitgenössische Kunst (Tsp).
Christoph Schlingensief | Deutschlandsuche (Searching for Germany), New York, 1999, Courtesy Estate Christoph Schlingensief, Berlin Was würde Christoph Schlingensief tun, wenn er noch hier wäre? SZ-Kritiker Philipp Bovermann versucht die Anwort in der Ausstellung "Deutschlandsuche" in der Galerie Crone zu finden, die vor allem Schlingensiefs politische Aktionskunst in den Blick nimmt. So kann sich Bovermann zum Beispiel Videoaufnahmen von Aktionen der Partei "Chance 2000" ansehen - gegründet von Schlingensief im grauen Rennfahreranzug mit Werbelogos (der dort auch zu sehen ist). Und Bovermann stellt fest, dass diese Art der "fröhlichen Ideologiezerstörung" heute schmerzlich fehlt: "Mit diesem Anzug stieg Schlingensief 1998 in den Wolfgangsee, an dessen Ufer der damals scheidende Bundeskanzler Helmut Kohl ein Ferienhaus hatte. Seine Leute hatten berechnet, dass der Wasserspiegel um zwei Meter steigen würde, wenn sechs Millionen Arbeitslose gleichzeitig im See baden gehen würden, es kamen dann aber nur Reporter und Kameraleute, die sich gegenseitig auf den Füßen herumstanden und filmten, während die Schlingensief-Truppe im Wasser planschte, lachte und den von Bertolt Brecht geborgten Parteislogan von 'Chance 2000' sang: 'Der Blick in das Gesicht eines Menschen, dem geholfen ist, ist der Blick in eine schöne Gegend. Freund! Freund! Freund!'"
Besprochen wird die Gruppenschau "Arcadia" im Museum der Bally Foundation in Lugano (NZZ), die Ausstellung "Lucia Moholy: Exposures" in der Kunsthalle Prag (taz) und die Ausstellung "Bernd Pfarr. KNOCHENZART." im Caricatura-Museum Frankfurt (tsp).
Bestellen Sie bei eichendorff21!Der Kunsthistoriker Uwe M. Schmeede hat eine Monografie über Gerhard Richter geschrieben: Im FR-Gespräch mit Lisa Berins erklärt er den Erfolg des Malers und zeichnet dessen künstlerischen Weg von den Anfängen der fotorealistischen Arbeiten bis zur Abstraktion nach. Ist Richter ein politischer Künstler? "Er selbst hat es immer von sich gewiesen. Aber mit Blick auf diese frühen Fotos mit ihren Hintergrundgeschichten, den RAF-Zyklus aus dem Jahr 1988, den Birkenau-Zyklus über Auschwitz würde ich sagen: Er ist vielleicht kein dezidiert politischer Künstler, das würde zu kurz greifen, aber er ist jemand, der außerordentlich bewusst auf die eigenen Zeitumstände reagiert und dabei auch bestimmte Belastungen empfindet. Mehrfach, und zwar als er in den 60er Jahren das Bildnis 'Onkel Rudi' und im Jahr 2014 den Birkenau-Zyklus malte, hat er davon gesprochen, dass es für ihn eine bestimmte Verpflichtung gegeben habe, das zu 'erledigen'. Da steht schon eine gewisse gesellschaftliche Verantwortung dahinter."
Weiteres: In der SZ teilt Till Briegleb Eindrücke von der Berlin Art Week. Besprochen werden die Ausstellung "heimaten" im HKW Berlin (FAZ, SZ) und die Ausstellung "Surréalisme. L'exposition du centenaire" im Centre Pompidou in Paris (NZZ)
Kubra Khademi: Untitled. Diptyque 02, 2024. Bild: Bertrand Michau. Lena Bopp führt für die FAZ ein Interview mit Kubra Khademi, deren Ausstellung "Bread, Work, Freedom" gerade in der Galerie Anita Beckers zu bestaunen ist. Khademi kommt ursprünglich aus Afghanistan, lebt aber aufgrund von Gewalt und Anfeindungen, die sie wegen ihrer Kunst erfahren hat, seit 2015 in Paris. Sie widmet sich in ihren Gemälden der weiblichen Identität, die die Taliban in ihrem Heimatland unterdrücken: "Kunst reproduziert diese Gewalt nicht. Kunst zeigt etwas anderes. Ich wurde immer anders behandelt als meine älteren Brüder, aber ich bin Künstlerin, warum sollte ich das nachmachen? Ja, ich zeige die Gewalt, aber neben ihr gibt es etwas anderes, nämlich meine Präsenz als Mädchen. Als Mädchen, das niemand davon abhalten konnte, zu zeichnen. Ich existierte mit meiner Würde."
Die "Randbereiche der Kunst" lernt FAZ-Kritiker Wolfgang Krischke mit der Ausstellung "Jenseits der Mitte. Skizzen am Rande" in der Kunsthalle Bremen kennen, es ist die erste Schau überhaupt, die sich einzig den sogenannten Remarques widmet, "spontanen Randeinfällen, mit denen Künstler frei gebliebene Stellen auf ihren Druckplatten füllten." Bei Künstlern wie Daniel Nikolaus Chodowiecki tragen die kleinen Randbilchen zur Wertsteigerung bei: "Seine Kupferstiche und Radierungen, die häufig Bücher bebilderten, entfalten ein Panorama des bürgerlichen Lebens seiner Zeit. Chodowiecki, der in der Ausstellung stark vertreten ist, radierte seine Remarques meistens mit der Kaltnadel, also ohne Ätzprozess und getrennt von der Radierung der Hauptmotive. Er hatte schon zu Lebzeiten ein großes Sammlerpublikum und verkaufte die Probedrucke mit den Randfiguren als Raritäten zu hohen Preisen."
Weiteres: Die FAZ ist nach Perpignan gereist, um auf dem Festival "Visa pour l'image" das Beste aus dem aktuellen Fotojournalismus kennenzulernen. An den Künstler Bernd Pfarr, der vor zwanzig Jahren gestorben ist, erinnert die SZ. "Spiral Jetty" von Robert Smithson ist ein legendäres Werk der sogenannten Land Art, weiß die Welt. David Wojnarowicz wäre heute siebzig Jahre alt geworden, sein früherer Galerist Alan Barrowserinnert sich im Interview mit Monopol an ihn. Die Tazbegibt sich in Kopenhagen auf die Suche nach Spuren aus Caspar David Friedrichs Studienzeit dort.
Besprochen werden folgende Ausstellungen: "Heimaten" im Haus der Kulturen der Welt (FAS), "Superheroes" im NRW-Forum Düsseldorf (SZ), "Freitag, den 13." von Andreas Mühe in der Galerie Bastian und "Deutschlandsuche" mit Werken von Christoph Schlingensief in der Galerie Crone (beide Berliner Zeitung).
Leonora Carrington: Green Tea, 1942. Bild: MoMA, NY. Der Surrealismus wird 100 und FAZ-Kritikerin Bettina Wohlfahrt verliert sich gerne in der Feier, die das Centre Pompidou mit der Ausstellung "Surrealismus" auf die Beine gestellt hat. Die aufregenden, verwirrenden und herausfordernden Werke von Künstlerinnen und Künstlern von Suzanne van Damme bis André Masson wissen zu begeistern: "Eine Art Jahrmarkteffekt hat auch die Idee, Bretons Stimme aus Radioaufzeichnungen durch Künstliche Intelligenz zu reproduzieren. Sie ertönt in einer Rotunde im Herzen der Ausstellung, wo der Zeremonienmeister des Surrealismus gewissermaßen selbst seine Lehre verkündet. Dort wird auch das kostbare Manuskript des Manifests ausgestellt, das erst 2021 für 2,7 Millionen Euro von der französischen Nationalbibliothek erworben wurde. Um die Rotunde kreisen in einer labyrinthischen Spirale dreizehn Themenräume. Diese Szenographie hat bestrickende Bedeutung: Das Labyrinth als Emblem der Surrealisten beherbergt Doppelwesen wie den Minotaurus und immer auch ein Geheimnis. Hier verliert man sich - und wird fündig."
Die erste Maurice de Vlaminck-Ausstellung in Deutschland seit 95 Jahren, "Rebell der Moderne" im Museum Barberini, zeigtTagesspiegel-Kritikerin Lena Schneider, dass dessen Selbstinszenierung als von allen Einflüssen freier Künstler nicht so ganz stimmt, mit Interesse kann sie die Vorbilder von Matisse bis Cézanne nachvollziehen. Zunächst Anarchist, ließ er sich in den 1940er Jahren dazu hinreißen, die nationalsozialistische Kulturpolitik in Artikeln zu loben: "Wie Vlaminck diese Zeit künstlerisch verdaute, zeigt der letzte Raum. Zu sehen sind spätimpressionistische Schneelandschaften von 1950, eine bedrohliche Häuserwand in Flammen von 1945. Und ein unverblümtes Echo auf Monet: Getreideschober aus den frühen 1950er Jahren. Darüber dunkle Gewitterwolken."
Weiteres: Der Standard trauert um den Künstler Jürgen Messensee, der im Alter von 88 Jahren verstorben ist. Die Zeitstellt die Skulpturen-Hallen Ulrich Rückriem in Sinsteden vor. Monopolporträtiert den Künstler Raphael Sbrzesny.
Besprochen werden: "Das Glück ist nicht immer lustig" von Rirkrit Tiravanija im Gropius Bau Berlin (Taz), Andreas Mühes Ausstellung "RAFNSU" im Foyer Leipzig (FAZ), "Auf der Suche nach Blau" von Alexander Heil auf der Burg Kronberg (FAZ), Mark Dions "Delirius Toys" in der Bundeskunsthalle Bonn (SZ), die "Retrospektive zum 70. Geburtstag" für und von Erwin Wurm in der Albertina (Standard) und die Ausstellung "Kazuko Miyamoto" der gleichnamigen Künstlerin im Belvedere (Standard).
Seit 2017 ist Sigmar Polke nicht mehr gezeigt worden, nun - pünktlich zur Berlin Art Week sind Werke aus allen Schaffensphasen unter dem Titel "Der heimische Waldboden. Höhere Wesen befahlen: Polke zeigen!" nicht etwa in der Nationalgalerie oder im Hamburger Bahnhof zu sehen, sondern im Schinkel Pavillon - und Tagesspiegel-Kritiker Jens Müller wundert sich nur kurz, denn im Grunde passt Polke perfekt in diesen "Offspace für die Kunst abseits des Mainstreams", wie ihm schon das Bild "Ohne Titel (Dr. Bonn)" aus dem Jahr 1978 zeigt: "An einem Schreibtisch sitzt eine gesichtslose Person mit einer gegen sich selbst gerichteten Steinschleuder. Über ihr hängen Fahndungsbilder mit den Gesichtern der RAF-Mitglieder Jan-Carl Raspe und Andreas Baader. Das Motiv ist auf einen karierten Wollstoff gemalt, der auf den Muff der biederen Nachkriegsjahre verweisen mag oder auf die Rasterfahndung anspielen könnte. Oder beides. Und soll man die Steinschleuder etwa so verstehen, dass Polke hinter dem vermeintlichen Suizid der Terroristen in Stammheim eine Inszenierung der Staatsmacht wähnte? Er wäre mit dieser Auffassung damals nicht allein gewesen."
Der Käthe-Kollwitz-Preis der Berliner Akademie der Künste geht dieses Jahr an die Fotografin Candida Höfer, die für ihr Lebenswerk geehrt wird. Im Tagesspiegel-Gespräch erklärt Höfer, warum sie ihre Porträts von Räumen auch politisch versteht: "Architektur schafft immer Raum für Menschen und damit sozialen Raum. 'Politisch', meine ich, bedeutet, dass man Regeln setzen oder zumindest beeinflussen will." Die Preisverleihung wird von einer Ausstellung begleitet, die sich Ingeborg Ruthe für die Berliner Zeitung angesehen hat und deren eigensinnigen, suggestiven" Stil sie einmal mehr bewundert: "Illusionistisches, Subtexte, geschweige denn Mätzchen oder Gags gibt es nicht in Höfers Motiven. Die panoramaartigen Ansichten vom Neuen Museum Weimar, dem Entrée, den Wandelgängen und den raffiniert bemalten Saal-Decken, ebenso die Kasten-Formen der Stahl-Decke der Neuen Nationalgalerie Berlin oder die Fotos von der Anordnung der Lichtquellen der Bauhaus-Architektur sind streng formatiert, aufgeräumt, fast minimalistisch. Also ganz aufs Wesentliche fokussiert. Wenn da manchmal etwas Surreales mitschwingt - so als feiner Unterton des Absurden, versenkt im Anblick des Erhabenen wie einen Bühnenraum -, dann hat sie das nicht mit voller Absicht so gemacht. Das mogelt sich einfach so hinein..."
Weitere Artikel: Navid Kermani sinniert über Zerstreuung im Museum. Hendrik Feindt besucht die von dem Bildhauer Ulrich Rückriem errichteten Skulpturenhallen in Sinsteden, Kerstin Schweighöfer erinnert an die niederländische Sammlerin Helene Kröller-Müller, der das nach ihr benannte Museum in Otterlo ab Oktober eine Ausstellung widmet. Angelika Drnek plaudert mit dem deutschen Bildhauer Thomas Schütte, der im New Yorker MoMA bald mit einer Retrospektive geehrt wird. Sven Behrisch gibt einen Ausblick auf die im Oktober im Pariser Louvre startende Ausstellung "Revoir Watteau. Un comédien sans réplique. 'Pierrot', dit le 'Gilles'". Tobias Timm porträtiert die Künstlerin Mariechen Danz, deren Arbeiten aktuell in der Ausstellung "edge out" in der Berlinischen Galerie zu sehen sind. Wolfgang Ullrich denkt über Sneaker als politische Kult- und Kunstobjekte nach. In der Berliner Zeitungmeldet Ida Luise Krenzlin, dass das Auktionshaus Grisebach Werke von 50 Fotografen, Malern und Architekten, darunter Annette Hauschild oder Wolfgang Tilmans versteigert, um die Stadtentwicklungsinitiative Fluss Bad Berlin zu unterstützen.
Außerdem: Die Berliner Art Week steht vor der Tür. Für die taz hat sich Noemi Molitor durchs Programm gewühlt. Im Tagesspiegel unterhält sich Hilka Dirks mit Tracey Snelling, deren Skulpturen im Berliner Haus am Lützowplatz zu sehen sind. In einem dritten Tagesspiegel-Text stellt Nikolaus Bernau fünf Künstler vor, die vom Japanischen Kaiserhaus für ihr Lebenswerk geehrt werden - unter ihnen Sophie Calle und Ang Lee. Martina Farmbauer schaut sich für monopol im Brasilianischen Nationalmuseum in Rio de Janeiro um, in dem vor sechs Jahren ein verheerender Brand ausgebrochen war. Und schließlich: In Kanada ist ein Fälscherring aufgeflogen, der mit Fakes des indigenen Künstlers Norval Morisseau Unsummen verdiente, weiß Nina Rehfeld in der FAZ.
Besprochen werden eine dem Fotografen Roger Melis gewidmete Ausstellung in der Berliner Galerie Pankow (FR) und die Schau "Burning Down the House. Rethinking Family" im Kunstmuseum St. Gallen (monopol).
Gisèle Vienne, Series PORTRAITS 48/63, 2024, Foto: Gisèle Vienne Gleich an drei Orten wird in Berlin derzeit die französische Künstlerin Gisele Vienne, bekannt für ihre verstörendenPuppen-Arbeiten, gezeigt: Das Haus am Waldsee zeigt Puppen in gläsernen Särgen oder mit Verletzungen, das Georg Kolbe Museum arrangiert die Puppen zwischen historischen Vorbildern, während die Sophiensäle Viennes Bühnenarbeiten zeigen. Monopol-Kritiker Tobi Müller erläutert: "Die Puppen sind für Vienne ein Zeichen der Dissoziation, der Abspaltung von Schmerz aus dem eigenen Körper in etwas anderes. Das ermöglicht Distanz zu traumatischen Erlebnissen, von denen die Figuren wenn nicht immer erzählen, dann davon zeugen." Für den Tagesspiegel hat Birgit Rieger mit Vienne, deren Kunst sich mit Gewalt an Jugendlichen und Kindern durch "autoritäre Dominanz durch Erwachsene bis zum sexuellen Missbrauch und Inzest" beschäftigt, gesprochen: "Um in dieser Welt zu leben, muss ich verstehen, wie Gewalt entsteht, wie Faschismus, Rassismus und Neoliberalismus zustande kommen und sich artikulieren", erklärt die Künstlerin.
Weitere Artikel: Im Tagesspiegel-Interview beklagt der thailändische Künstler Rirkrit Tiravanija, der bekannt für seine Kochaktionen in Museen wurde und dem der Gropiusbau jetzt die Retrospektive "Das Glück ist nicht immer lustig" widmet, dass es vor allem in der westlichen (Museums-)Welt viel mehr Regeln gebe als noch vor zwanzig Jahren. Weitere Nachrufe auf die im Alter von 80 Jahren verstorbene Künstlerin Rebecca Horn schreiben Hanno Rauterberg in der Zeit und Hans-Joachim Müller in der Welt. Peter Kropmanns erinnert in der FAZ an den vor 250 Jahren gestorbenen französischen Sammler, Verleger und Kupferstecher Pierre-Jean Mariette.
Skulptur L'estel ferit, geschaffen 1992 für die Olympischen Sommerspiele 1992 in Barcelona. Foto: Bild: Juanedc/Wikipedia, CC BY 2.0 Die deutsche Bildhauerin, Aktionskünstlerin und Filmemacherin Rebecca Horn ist im Alter von 80 Jahren gestorben. "Wie ein Schwerthieb", trifft die Nachricht, schreibt Ingeborg Ruthe in der FR, "mitten hinein in den Aufbau der Art-Week-Ausstellung für Rebecca Horn". Ruthe erinnert an die Werke der jungen Horn, die 1972 die jüngste Teilnehmerin der Documenta war und ihre Einhorn-Aktion des gleichen Jahres, die "vor Augen führte, was die beuys'sche 'Erweiterung des Kunstbegriffs' eigentlich" meinte: "Sie ist es selber, eine junge Frau, der nackte Leib sanft umwickelt mit weißen Binden, auf dem Kopf das mystische Horn. Wie ein Instrument, das die Luft, den Himmel, die Wolken, vielleicht auch die Blätter der Bäume im nahen Wald berühren möchte. Sie geht durch ein Weizenfeld, zwölf Stunden lang, wie in Trance. Es ist Horns Umdeutung eines Weiblichkeitstopos aus dem Reich der Fabel. Auch das Spiel mit dem eigenen Namen."
"Eine "Expertin für das Zarte" sieht SZ-Kritiker Till Briegleb in der Künstlerin, die seit ihrem Schlaganfall zurückgezogen auf Mallorca arbeitete: "Macht- und Imponiergehabe entblößte Horn als eine Form falsch verstandener Liebe. Die Abwesenheit der Gewalt wurde bei ihr zu einer Tätigkeit, Konflikte eher erotisch darzustellen als durch Bilder des plumpen Durchsetzens der eigenen Interessen." Horn war eine der ersten, die sich in der New Yorker Kunstwelt der siebziger Jahre unter lauter Männern "buchstäblich Gehör verschaffte", hälte Stefan Trinks in der FAZ fest. Die "Arbeit 'Blue Monday Strip' etwa choreographiert typisch für Horn alte klappernde Schreibmaschinen so polysensuell wie poetisch an der Wand, die dabei Tinte auf den Museumsboden bluten." In der tazschreibt Kathrin Bettina-Müller, im Tagesspiegelerinnert Sebastian Strenger.
Ebenfalls im Tagesspiegel wärmt sich Michaela Nolte für die Berlin Art Week in den Reinickendorfer Wilhelm Hallen auf, die unter dem schlichten Titel "Hallen 05" Positionen aus drei Privatsammlungen, zwei Institutionen und 16 Galerien zeigt.
Besprochen werden die große Comic-Ausstellung "La BD à tous les étages" im Centre Pompidou Paris (taz, mehr hier) und die AndyWarhol-Ausstellung "Velvet Rage and Beauty" in der Neuen Nationalgalerie in Berlin (NZZ, mehr hier).
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