Die Feuilletons trauern um FritzWepper. Er "gehörte zum bundesrepublikanischen Inventar", schreibt André Boße auf Zeit Online. Vom legendären "Kommissar" (ein paar Folgen in der ZDF-Mediathek) über den insbesondere in den ersten Staffeln schmerzhaft unterschätzten "Derrick" (vom ZDF entgegen anderslautenden "Gitschrank"-Gerüchten offiziell auf Youtube ausgewertet) bis hin zu eher biederen Formaten der Gegenwart war er "eine darstellendeMacht im Fernsehen", schreibt Jan Feddersen in der taz. Seine Kino-Karriere (die auch hier von eher bahnhofskino-artigen Filmen bis zu Hollywood reichte) wurde da manchmal übersehen: "Wepper zählte zur Riege - wie Mario Adorf, Horst Buchholz, Karin Dor und Karin Baal - der deutschen Nachkriegsschauspieler, die prinzipiell auch international vorzeigefähig waren: weil sie keinen Naziappeal verströmten. Diese, so ließe sich sagen, münchnerischeFreundlichkeit, die er so undeutsch, so unwehrmachtshaft in jungen Jahren sanft fast verkörperte war einer der Gründe, warum ihn der US-amerikanische Regisseur BobFosse 1971 verplichtete, für die Rolle eines nicht ganz für voll zu nehmenden Hallodri in der Christopher-Isherwood-Geschichte 'Cabaret'."
Als Assistent Harry Klein, den er annähernd 30 Jahre lang und in zwei Serien spielte, wird er wohl langfristig im Gedächntis bleiben, schreibt Harry Nutt in der FR: "Gegen die auffällige Langsamkeit des von Erik Ode dargestellten Titelhelden ('Der Kommissar') verkörperte Harry Klein jugendlichen Elan. Und nicht selten war es dem gut aussehenden Ermittler vorbehalten, Verständnis für eine revoltierendeMünchnerJugend aufzubringen, in deren Schwabinger Milieu es manch kniffliges Mordgeschehen aufzuklären galt. Harry Klein war der Langhaarigenversteher der Nation."
"Das deutsche Fernsehen, das waren die Weppers", schreibt Cosima Lutz in der Welt und holt dazu noch Elmar Wepper mit ins Boot, der vor bereits einem halben Jahr gestorben ist. Das Publikum liebte Fritz Wepper, "weil es vieles von sich selbst in ihm erkannte: etwas Durchschnittliches, Unaufgeregtes, sich Begnügendes und trotzdem bei Bedarf Renitentes. Trotz dieser bewährten Art schaffte er es, seinen Serienfiguren immer wieder neue komödiantische Facetten zu geben, schwang sogar als Elvis-Imitator die Hüften." Wepper war "ein Garant dafür, dass sympathisch-menschliche Schlitzohrigkeit zum Ziel führen kann, rein professionelle dagegen in den Knast", ergänzt Paul Jandl in der NZZ. Weitere Nachrufe schreiben Kurt Sagatz (Tsp) und Axel Weidemann (FAZ).
Besprochen werden JamesHames' "One Life" (taz), ChristopherZallas "Radical" (Welt), die Doku "Quiet on Set" über mutmaßlichen Missbrauch beim Kindersender Nickelodeon (FAZ) und die ARD-Serie "Kafka" von DavidSchalko und DanielKehlmann (TA, Welt)
Der SchweizerFilmpreis geht an den Film "Blackbird Blackbird Blackberry", den in seinem Heimatland gerade einmal 2000 Leute gesehen haben, seufzt Andreas Scheiner in der NZZ. Besprochen werden HirokazuKore-Edas "Die Unschuld" (JungleWorld, unsere Kritik), Kristoffer Borglis "Dream Scenario" mit Nicolas Cage (Standard), NicolPaones "The Kill Room" mit UmaThurman und SamuelJackson (Standard) sowie die Netflix-Serie "3 Body Problem" nach dem chinesischen Science-Fiction-Epos "Die Drei Sonnen" CixinLiu (taz).
Selbst Erfolgsserien wie "Babylon Berlin" und "Das Boot" haben bei Sky "nicht zu den hohen Neukundenzahlen geführt, die ein solches Investment auf Dauer gerechtfertigt hätten", sagt BarnyMills, CEO von Sky Deutschland, im WamS-Gespräch zur Einstellung der deutschen Serienproduktion bei Sky. Im Tagesanzeigerfragt sich Pacal Blum, ob die (in der Pressebesprochene) Netflix-Serie "3 Body Problem" (mehr dazu bereits hier) und die Disney-Serie "Shogun" in die Fußstapfen von "Game of Thrones" treten werden. Marc Hairapetian spricht mit Florian David Fitz über dessen auf Netflix gezeigte SF-Serie "Das Signal".
Besprochen werden DavideFerrarios Dokumentarfilm "UmbertoEco - Eine Bibliothek der Welt" (Welt), HirokazuKore-Edas "Die Unschuld" (Welt, unsere Kritik), MarijaKavtaradzes "Slow" (FD, SZ), KristofferBorglis "Dream Scenario" mit Nicolas Cage (Tsp, Filmfitler), DavidSchalkos und DanielKehlmanns in der ARD-Mediathek gezeigte Serie "Kafka" (Presse) und die ARD-Animationsserie "Friedefeld" (FAZ).
Schlägt drei Sonnen mit seinem Spiel: Benedict Wong (Netflix) Die auf eine epische Auseinandersetzung mit außerirdischen Intelligenzen hinauslaufende Netflix-Serie "3 Body Problem" nach der Trisolaris-Trilogie des chinesischen Science-Fiction-Autors CixinLiu hat ein Problem, schreibt Axel Weidemann in der FAZ: Nämlich, dass Netflix-Serien dazu neigen, "stets mehr zu zeigen, als der Spannung zuträglich ist. Das funktionierte in der Anthologie-Serie 'Black Mirror', doch wenn es um Lius Trisolaris-Trilogie geht, hätte man gut daran getan, die Bilder so anzulegen, dass sie in die Fantasie des Zuschauers münden, ihn quasi den Rest des Weges gehen lassen." Dies hätte "eine Verdichtung ermöglicht, die es dem Zuschauer erspart, ständig schönen und/oder smarten Menschen dabei zuzusehen, wie sie zögernd den entscheidenden Knopf drücken und/oder darauf warten, dass ihr 'Herr' oder zumindest die Technik reagiert. Immerhin: Was drei Sonnen nicht vermögen, schafft der Schauspieler BenedictWong." Dessen "gefällig-ungefälliges Spiel (fast so, als wäre er durch Zufall in die Serie gestolpert) entwickelt eine Anziehungskraft, die selbst die aussichtslosesten Handlungsstränge zu binden vermag." Vielleicht greift man dann doch lieber zum Hörspiel? Der WDRstellt seine 32 Folgen umfassende Adaption der drei Romane am 28. März online.
Außerdem: Michael Ranze spricht für den Filmdienst mit Rodrigo Moreno über dessen Film "Die Missetäter". Valerie Dirk blickt für den Standard aufs Programm der Diagonale. Karl Fluch schreibt im Standard einen Nachruf auf den Schauspieler MichaelEmmetWalsh.
Besprochen werden HirokazuKore-edas "Die Unschuld" (Standard, online nachgereicht von der FAS, unsere Kritik), Gil Kenans "Ghostbusters: Frozen Empire" (Standard, NZZ), JulienHervés Komödie "Oh La La" (Welt) und die Ausstellung über "DieSimpsons" im Schauraum Comic + Cartoon in Dortmund (SZ).
Wenn Mitteilungsbedürfnis in Schweigen kippt: Hirokazu Kore-Edas "Die Unschuld" Der japanische Autorenfilmer HirokazuKore-Eda meldet sich mit einem seiner leisen Dramen zurück, für die wir ihn so sehr schätzen. In "Die Unschuld" (im Original "Ungeheuer" betitelt, nun ja) erzählt er von einer kleinen Ortschaft, in der ein Lehrer verdächtigt wird, einen Schüler geschlagen zu haben. Dieser "ganz und gar nicht besserwisserische Film" schafft es dabei, in drei Kapiteln Empathie für alle Seiten zu wecken, schreibt Lukas Foerster im Perlentaucher: Kenntlich wird etwa "der Druck, den die Schule als Institution auf alle Beteiligten ausübt. ... Und zwar, weil die Schule als sozialer Raum, in dem verschiedene Interessen aufeinander prallen, ein allseitigesBeobachtungsverhältnis etabliert, das weder von einer zentralen Stelle aus hierarchisch kontrolliert, noch in ein harmonisches, pluralistisches Miteinander überführt werden kann. Die Schule soll auf die Zukunft vorbereiten und produziert doch vor allem Angst vor der Zukunft." Erneut "erweist sich Kore-eda dabei als ein Meister in der Inszenierung einer kindlichen Kommunikation, in der dringlichstes Mitteilungsbedürfnis von einem Moment auf den anderen in tiefstes Schweigen, in radikale Kontaktabwehr kippen kann. Die Welt erweitert sich" im dritten Kapitel, dem "schönsten Teil des Films - vielleicht gar: in den schönsten 40 Minuten des bisherigen Kinojahres? - nicht nur in sozialer, sondern auch in topografischer Hinsicht."
Der Film handelt auch vom Leben in einer 'stinknormalenFamilie', wie es im Filmdialog mal heißt, schreibt Cosima Lutz im Filmdienst. Diese zu feieren, "gehört eigentlich zur DNA des US-amerikanischen Kinos. Kore-eda gibt dieses Konzept weder der Lächerlichkeit preis, noch stellt er ihm eine allzu naiv idealisierte Alternative gegenüber; er lässt es eher eine Art Wiedergeburt durchlaufen und nutzt dafür Zeichen, die Westliches und Östliches amalgamieren. ... Fast alle Hauptfiguren tragen demonstrativ Shirts mit Aufdrucken wie "Working Class" oder "California". ... Einen verwaschenen Rest von gesellschaftlicher Utopie tragen diese T-Shirt-Aufdrucke noch in sich, als Erinnerung an das Recht auf ein Streben nach Glück, aber auch das Recht, die Mächtigen und die sozialen Verhältnisse zu kritisieren und dabei auf Höflichkeitsfloskeln zu pfeifen." Für die taz hat Thomas Abeltshauser mit dem Regisseur gesprochen.
Weiteres: Marian Wilhelm erinnert im Standard an den vor zehn Jahren verstorbenen Filmemacher MichaelGlawogger. Besprochen werden UteHolls und PeterOtts Science-Fiction-Film "Die Amitié" (Perlentaucher, FD), KristofferBorglis "Dream Scenario", in dem NicolasCage Menschen weltweit im Traum erscheint (FD), Gil Kenans "Ghostbusters: Frozen Empire" (Presse, SZ), Tamer Rugglis "Rückkehr nach Alexandria" (NZZ), die chinesische Netflix-Serie "3 Body Problem" nach dem Science-Fiction-Epos "Die drei Sonnen" von CixinLiu (Freitag) und die DVD-Ausgabe von RodrigoSorogoyens "Wie wilde Tiere" (taz). Außerdem informiert die SZ, welche Filme sich in dieser Woche lohnen und welche nicht. Und hier der Überblick mit allen Kritiken vom Filmdienst zur laufenden Kinowoche.
Im Filmdienstmeldet Marius Nobach die Nominierten für den DeutschenFilmpreis: Mit insgesamt neun Nominierungen in acht Kategorien ist MatthiasGlasners Berlinale-Erfolg "Sterben" (Kinostart Ende April) der Favorit. "Das Resultat ist ein kleiner Realitätscheck nach dem Oscar-Glamour der vergangenen Monate", kommentiert Andreas Busche im Tagesspiegel: "Der Jahrgang 2024 zeichnet ein deutlich realistischeres Bild vom Zustand des deutschen Kinos als das, zugegeben, außergewöhnliche Vorjahr, in dem gleich zwei Oscar-Nominierte die Verteilung der Lolas unter sich ausmachten. Ohne Netflix-Geld sieht die hiesige Produktion gleich wieder zwei Nummern kleiner aus."
Weitere Artikel: Fürs British Film Instituteschreibt James Naremore zum Tod von DavidBordwell, dem "Aristoteles der Filmwissenschaft". AaronTaylor-Johnson könnte nach sich verdichtenden Gerüchten der nächste James Bond werden, meldet Andreas Frei im Tagesanzeiger. Besprochen werden KristofferBorglis schwarze Komödie "Dream Scenario" mit Nicolas Cage (taz, Presse), DavidSchalkos und DanielKehlmannns in der ARD-Mediathek gezeigte "Kafka"-Serie (taz, FAZ) und die in der ZDF-Mediathek gezeigte, irische Serie "Northern Lights" (FAZ).
Harry Nutt ist in der Berliner Zeitung höchst unzufrieden mit der jüngsten Debatte um JonathanGlazers "The Zone of Interest" (umsere Kritik): Während NaomiKlein in dem Auschwitz-Drama an allen Ecken und Enden nur Gazasehen kann, sieht MirnaFunk in dem Film die Singularität des Holocausts von Grund auf infrage gestellt (hier und dort unsere Resümees). Doch beide Wortmeldungen "sind kaum um eine ästhetische Durchdringung des Films bemüht. Vielmehr dient ihnen 'Zone of Interest', ebenso wie die politischen Akklamationen des Regisseurs zur Preisverleihung, als Material im Ringen um Deutungshoheit über das Gewaltgeschehen in Gaza, das zuletzt jenseits jeglichen Bemühens um begriffliche Genauigkeit als Völkermord, Apartheid etc. beschrieben worden ist. Glazer selbst scheint mit seinem Bedürfnis, sich politisch eindeutig zu positionieren, der künstlerischen Dimension seines Filmes, die ja nicht zuletzt in Mehrdeutigkeit besteht, zu misstrauen. Die Haltungen zum Kriegsgeschehen in Gaza, dem die jeweiligen Sprecher von großer Entfernung aus zuschauen, geraten zu Glaubensbekenntnissen, in denen es scheinbar vor allem darum geht, moralisch auf die sichere Seite zu gelangen."
Über 450 jüdische Kreative aus Hollywood geben Glazer derweil Gegenwind in einem offenen Brief, wie Varietyberichtet. Darin heißt es unter anderem in aller Eindeutigkeit und in Anlehnung an Glazers eigene Worte: "We refute our Jewishness being hijacked for the purpose of drawing a moral equivalence between a Nazi regime that sought to exterminate a race of people, and an Israeli nation that seeks to avert its own extermination."
Weiteres: Mariam Schaghaghi hat für Frankfurter Allgemeine Quarterly ausführlich mit AdamDrivergeplaudert, der aktuell in Michael Manns "Ferrari" (unsere Kritik) zu sehen ist. Thomas Abeltshauser berichtet in der taz vom queeren Schwerpunkt des InternationalenDokumentarfilmfestsinThessaloniki. Besprochen wird die deutsche, auf Netflix gezeigte Science-Fiction-Serie "Das Signal" (taz).
August Diehl in "Meister und Margarita" von Michael Lockshin Für die Berliner Zeitungspricht Liudmila Kotlyarova mit AugustDiehl, der zur Zeit in Russland in einer bereits 2021 entstandenen und trotz einiger verklausulierter Spitzen gegen Putin äußerst erfolgreichen Adaption von Bulgakows "Meister und Margarita" zu sehen ist. Einen deutschen Starttermin gibt es noch nicht. Dass Russland mit der Invasion der Ukraine auch kulturelle Bündnisse zerschlagen hat, hält der Schauspieler für eine "Tragödie. ... Immer, wenn ein Land totalitär und gewalttätig wird, trocknet es kulturell aus. Und alle großen Künstler und Komponisten müssen dann mit Symbolen oder versteckt arbeiten, wie eben Bulgakow zu Stalin-Zeiten. Es kommt so viel Großartiges aus Russland, und es ist eine riesige Tragödie, dass Menschen sich wegen Kriegen nicht mehr künstlerisch austauschen können." Aber "ich glaube auch daran, dass Russland sich mit dem Rest der Welt wieder versöhnen wird. Aber es müssen immer beide Seiten dazu bereit sein." Die Ukraine wird sich für solche Ratschläge bedanken.
Außerdem: Valerie Dirk wirft für den Standard einen Blick auf den sagenhaften Erfolg des New Yorker Filmstudios A24, das sich in den letzten Jahren bei Kritikern, Festivals, Nerds, Oscars und Publikum als verlässliche Bank für außergewöhnliche Filme etablieren konnte: "Noch nie war der Hype um ein Filmstudio so groß wie um dieses."
Besprochen werden CordJeffersons oscarnominierte, auf Amazon Prime gezeigte Literaturbetriebs-Satire "American Fiction" (Filmfilter), Georg Maas' und Judith Kaufmanns Kafka-Biopic "Die Herrlichkeit des Lebens" nach dem gleichnamigen Roman von Michael Kumpfmüller (Welt), Rodrigo Morenos Gaunerkomödie "Die Missetäter" (Jungle World) und JörgBurgers vorerst nur in Österreich startender Dokumentarfilm "Archiv der Zukunft" über das Naturhistorische Museum in Wien (Standard).
In aller Entschiedenheit wendet sich Daniel Gerhardt auf Zeit Online gegen die Versuche, nach der Kritik an JonathanGlazers Oscar-Dankesrede nun auch dessen Film "The Zone of Interest" (unsere Kritik) als Holocaust-Relativierung darzustellen (unser Resümee): "Das Grauen der NS-Morde ist allgegenwärtig, es äußert sich unter anderem durch rauchende Schornsteine im Hintergrund und eine (ebenfalls oscarprämierte) Soundkulisse aus Angst- und Schmerzensschreien, Schüssen, bellenden Hunden und kläffenden KZ-Aufsehern. Anders als das Filmpersonal kann man dieses Grauen als Kinozuschauer zu keiner Sekunde ignorieren. 'The Zone of Interest' wird dadurch umso eindringlicher: Im Gegensatz zu visuellen Gewaltdarstellungen, auf die heutiges Kino- und Fernsehserienpublikum längst mit einer gewissen Abstumpfung reagiert, steckt in der akustischenGewaltdarstellung des Films noch immer aufrüttelndes Potenzial. Die Singularität des Holocausts untergräbt Glazer dadurch nicht, sondern erkennt sie an. Die Nicht-Darstellbarkeit des Grauens, die etwa ClaudeLanzmann, Regisseur der epochalen Dokumentation Shoah, schon 1994 anmahnte, bleibt von 'The Zone of Interest' unberührt."
Nach ClaudiaRoths Plänen zur Reform der Filmförderung stockt der politische Prozess, um diese umzusetzen, "weil sich das Bundesfinanzministerium, das für die Einführung eines steuerlichen Anreizsystems von zentraler Bedeutung ist, den Gesprächen bislang komplett verweigert", sagt NRW-Minister NathanaelLiminski im FAZ-Interview. Aber auch Roth selbst sieht er in der Kritik: "Die Länder sehen die Notwendigkeit einer Reform und bringen vielfach die Bereitschaft mit, einen Teil der finanziellen Ausfälle zu übernehmen. Allerdings erwarten wir, dass die große finanzielle Leistung der Länder bei der regionalen Filmförderung berücksichtigt wird. Es ist unseriös, wenn die Kulturstaatsministerin der Branche das Blaue vom Himmel verspricht, aber allem Anschein nach den Anteil des Bundes zulasten der Länder nicht erhöhen will."
Außerdem: Susan Vahabzadeh ärgert sich in der SZ darüber, dass in MichaelManns "Ferrari" (unsere Kritik) alle englischsprachigen Schauspieler ihre Sprache italienisch einfärben: "Wenn sich Shailene Woodley und Adam Driver streiten, klingt das, als hätten die Super Mario Brothers Zoff." Für die WamS porträtiert Elmar Krekeler den Schauspieler StefanJürgens. Im Filmdiensterinnert Christoph Dobbitsch an DavidLeans Klassiker "Die Brücke am Kwai", der dieser Tage in einer restaurierten Fassung erschienen ist. Josef Schnelle schreibt im Filmdienst zum Tod von PercyAdlon.
Besprochen werden Catherine Corsinis "Rückkehr nach Korsika" (Tsp, unsere Kritik), die Apple-Serie "Nach dem Attentat", die sich mit den Folgen der ErmordungLincolns befasst (FAZ) und die ARD-Serie "Sexuell verfügbar" (Presse).
Beatrice Loazya ist im Guardian gar nicht zufrieden mit dem Zustand des Feminismus im Kino: Sind Filme wie "Barbie" (unsere Kritik) und "Poor Things" (unsere Kritik) wirklich das ganz große feministische Happening als das sie verkauft werden? Oder handelt es sich einfach nur um Malen-nach-Zahlen fürs Ego-Boosting? Und war früher vielleicht doch alles besser? "Die Siebziger erlebten einen Aufschwung des feministischen Filmemachens. Es gab feministische Filmkollektive, die Dokumentarfilme über Frauenrechtsfragen drehten. Hollywood ging Risiken ein und ließ mehr Frauen Filme inszenieren und schreiben. Eine Handvoll Indie-Filme kamen heraus, die sich auf völlig neue Art mit der weiblichenErfahrung befassten ('Girlfriends', 'Jeanne Dielman, 23 Quai du Commerce, 1080 Bruxelles'). Die feministischen Filme der Vergangenheit zeigen uns komplexe und belebende neue Sichtweisen auf Geschlecht, Genderbeziehungen und Hausarbeit auf und sie forderten das Publikum heraus, neu über das nachzudenken, was sie für selbstverständlich hielten. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Streitkultur heute möglich wäre, wenn sich unsere Auffassung von feministischer Stärke auf die niedrighängenden Früchten von Sex-Positivity und akurater Repräsentation fokussiert." Im NZZ-Kommentar ärgert sich die Schriftstellerin Mirna Funk über JonathanGlazersOscarrede und im Zuge auch über seinen Film "The Zone of Interest" (unsere Kritik): Dem Filmemacher "ist der Holocaust in seiner Singularität vollkommen egal. Damit ist er Teil eines Problems, das wir seit Jahren schon an den Universitäten und Institutionen beobachten können: der Versuch von Wissenschaftern und Historikern, den Holocaust zu verallgemeinern. ... Glazer zeigt nicht nur keine Shoah-Opfer, er erinnert auch in seiner Rede nicht an sie. Das liegt daran, dass er einen Film machen wollte, in dem es um den Holocaust geht, ohne von ihm zu erzählen. Das Ziel Glazers ist, eine vermeintlicheLehre zu vermitteln, die konturlos jederzeit und auf jeden politischen Konflikt angewendet werden kann. Der Sprung zum gegenwärtigen Nahostkonflikt ist denn bei Glazer kurz: Geschichtliche Zusammenhänge oder Fakten werden ignoriert."
Elegant, souverän, klassizistisch: "Ferrari" von Michael Mann Einfach nur bitter findet es Rüdiger Suchsland auf Artechock, dass MichaelManns "Ferrari" (unsere Kritik) - für ihn "der beste us-amerikanische Film des letztes Jahres" - bei den Oscars komplett ignoriert wurde und in Deutschland gleich von vornherein nicht im Kino gezeigt wird. Er "stellt vergleichsweise biedere Werke wie 'Oppenheimer', 'Maestro' oder 'Killers of the Flower Moon' und auch exaltierte akademische Manifeste wie 'Poor Things' in seiner Eleganz, seiner Souveränität und seinem Klassizismus weit in den Schatten, und hätte unbedingt mehrere Oscar-Nominierungen verdient." An dieser Stelle bespricht Suchsland den Film ausführlicher.
Weitere Artikel: Andreas Busche schreibt im Tagesspiegel über aktuelle MeToo-Proteste in der deutschenFilmbranche. Hanns-Georg Rodek von der Welthat weiterhin offene Fragen zur Berlinale-Abschlussgala. Andreas Scheiner und Lucien Scherrer sprechen für die NZZ mit dem Autor Samuel Fitoussi, der ein kritisches Buch über WokenessinderFilmindustrie geschrieben hat. Valerie Dirk spricht für den Standard mit MichaelLoebenstein, dem Direktor des ÖsterreichischenFilmmuseums, das dieser Tage seinen 60. Geburtstag feiert. Im ersten Beitrag seiner Jahresreihe für den Filmdienstdenkt Leo Geisler über das Wesen von Kuchenfilmen nach, ein Kampfbegriff, der in den späten Sechzigern an der Berliner Filmhochschule dffb entstanden ist. Arno Widmann erinnert in der FR an JamesBridges' AKW-Thriller "Das China-Syndrom" aus den Siebzigern. Alex Struwe denkt für 54books über Katastrophenfiktionen im Film nach. Peter Kremski blickt für Artechock zurück auf 25JahrePreisderdeutschenFilmkritik.
Besprochen werden CatherineCorsinis "Rückkehr nach Korsika" (Perlentaucher, Artechock), neue Kurzfilme von PedroAlmodóvar (Artechock), GeorgMaas' Kafka-Film "Die Herrlichkeit des Lebens" (Artechock, FAZ). Maryam Keshavarz' "The Persian Version" (Artechock, Welt), Jade Halley Bartletts "Miller's Girl" (Artechock), MikeMitchells Animationsfilm "Kung Fu Panda 4" (Standard), die auf Netflix gezeigte, deutsche Science-Fiction-Serie "Das Signal" (FAZ), die Sky-Serie "Helgoland" (FAZ, Welt) und die True-Crime-History-Serie "Nach dem Attentat" (Freitag).
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