9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Wissenschaft

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.12.2021 - Wissenschaft

In einem sehr langen Interview mit der SZ bekräftigt Christian Drosten seine Kritik an Teilen der Medien und hält fest, dass es die von Bild und Co so gern behaupteten großen Differenzen nicht gibt: "Es entstand nur der Eindruck durch False-Balance-Mechanismen und Mutmaßungen in einzelnen Medien, wo gezielt Antagonisten aufgebaut wurden. Das hält sich leider bis heute und nimmt teils absurde Züge an. Gerade eben wurde wieder das Bild von der 'Scharfmacherfraktion' um Drosten gezeichnet, die abgestimmt darauf aus ist, der Politik ihre Sichtweise aufzudrängen. Das sind Fantasiegeschichten. Mit der Realität hat das nichts zu tun." Außerdem meint er, die Briten könnten es wegen ihrer guten Impfquote schaffen, nach dem Herbst nächsten Jahres in die endemische Phase einzutreten. "In Deutschland wird es viel schwieriger werden - wegen der großen Impflücken in der älteren Bevölkerung. Das Boostern ist wichtig, aber es gibt auch noch viel zu viele gar nicht geimpfte Menschen über 60 Jahre, die die Infektion bisher nicht durchgemacht haben. Wenn wir das Virus jetzt durchlaufen lassen, werden wir viele Tote haben und volle Intensivstationen. Davor darf man nicht die Augen verschließen, deshalb handelt ja auch die Politik."
Stichwörter: Corona, Drosten, Christian

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.11.2021 - Wissenschaft

Die mRNA-Impfstoffe wie Biontech und Moderna sind eine wissenschaftliche Revolution, erklärt Andrian Kreye in der SZ. Um das zu verstehen, empfiehlt er das Erklärvideo des Vaccine Makers Project, einem Projekt des Kinderkrankenhauses in Philadelphia: "Dem kann man visuell schon mal ganz gut folgen. Die entscheidende Botschaft aber verkündet die freundlich-sachliche Frauenstimme bei Sekunde 45. Der Botenstoff des Vakzins dringt weder in den Zellkern des Menschen ein, noch verändert er das Erbgut. Er bleibt nicht einmal allzu lange im Körper, auch wenn die Wirkung bleibt. Die mRNA des Impfstoffs funktioniert eher wie ein Ausbilder, der die Abwehrzellen des Menschen darin trainiert, mit dem neuen Virus fertigzuwerden. Sie ist ein Botenstoff, der die Proteine anspricht, also jene Bausteine des Körpers, die alle biologischen Prozesse vollziehen. Das klingt wie eine Art Entwicklungshilfe für den Organismus. Ist es auch. Die Beherrschung dieser Proteine ist seit vielen Jahren eines der großen Ziele der Forschung. Die Wissenschaftler manipulieren das Erbgut des Menschen also nicht, sie verstehen es nur."

Vorne auf der Seite 3 der SZ erklären Michael Bauchmüller und Vera Schroeder, dass nach allen wissenschaftlichen Studien der mRNA-Impfstoff von Moderna, der jetzt erst mal bevorzugt verimpft werden soll, mindestens genauso gut und wirksam ist wie der von Biontech.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.11.2021 - Wissenschaft

Es gibt etwa 600 Millionen weniger Vögel in Europa als noch vor vier Jahrzehnten, berichtet Enno Schöningh unter Bezug auf verschiedene Berichte in der taz. Besonders schlimm haben die Spatzen gelitten, deren Bestand um 247 Millionen zurückgegangen sei. "Der Spatz verschwindet sogar sowohl auf dem Land als auch in der Stadt. Das Forschungsteam vermutet, dass der Rückgang des städtischen Bestands auf Nahrungsmangel, Luftverschmutzung und Krankheiten wie Vogelmalaria zurückzuführen ist. Dies sei aber noch nicht abschließend geklärt. Außerdem beschneide die 'stärkere Verbauung und Flächenversiegelung' den städtischen Lebensraum der Spatzen und verhindere Nistmöglichkeiten, sagt Magnus Wessel, Experte für Naturschutzpolitik und -koordination beim Naturschutzverband BUND. 'Es braucht mehr kleinteilige Strukturen, mehr Brachen und mehr Randstreifen, die Vögeln als Refugium dienen können.'"
Stichwörter: Spatzen

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.11.2021 - Wissenschaft

Mal was ganz anderes: Wolfgang Stieler erklärt dem geneigten Publikum bei heise.de, was "Metamaterialien" sind, Materialien, die komplex sind und sich paradox verhalten. Die ersten kommen zur Anwendung, etwa in den "Phononic Vibes". Ein "Spin-off der Polytechnischen Universität Mailand hat hochwirksame akustische Metamaterialien entwickelt, die in dünnen transparenten Schallschutzwänden oder Absorbern neben Schienen zum Einsatz kommen... Die Materialien enthalten ein periodisches Gitter mechanischer Resonatoren. Das Zusammenspiel von Trägermaterial und Resonatoren sorgt dafür, dass Schallwellen bestimmter Frequenzen sich in dem Material nicht ausbreiten können - sie werden gefangen." Der Effekt wird hier demonstriert, völlig zurecht mit der "Carmina burana", ab Sekunde 26 mit Ton (beziehungsweise ohne).
Stichwörter: Metamaterialien

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.10.2021 - Wissenschaft

Wie sollen deutsche Sinologen mit den Konfuzius-Instituten umgehen, über die China immer wieder versucht, kulturellen Einfluss zu gewinnen und ein positives Bild von China zu verbreiten? Eine Frage, die nach mehreren Zensurfällen immer dringlicher diskutiert wird, berichtet Lea Sahay in der SZ. Zumal es noch ein anderes Problem gibt: "Wie die Fürsprecher der Kooperationen mit der Volksrepublik betonen, fehlt es in Deutschland an China-Kompetenz. Die von Peking gesponserten Institute gelten als wichtige Bildungsträger - vor allem weil sie meist die einzigen Anbieter in einer Region sind. Dass es an den seit Langem geforderten Alternativen mangelt, ist nicht nur ein Finanzierungsproblem. Die Kommunistische Partei hat den Zugang zum Land in den letzten Jahren immer weiter beschränkt. Visa werden seltener ausgestellt, Bildungsreisen ohne chinesische Partner sind kaum noch möglich."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.09.2021 - Wissenschaft

Der Philosoph Peter Boghossian hat nach zehn Jahren an der Portland State University, gekündigt, weil sie ihm zu illiberal geworden sei und dort ein Klima der ideologischen Konformität und der Angst herrsche: "Angst davor, seine Meinung zu äußern, Angst davor, als Rassist bezeichnet zu werden", erklärt er im Interview mit der Welt. "Ich habe einen kritischen Artikel im Chronicle of Higher Education veröffentlicht, woraufhin man in einer Fakultätssitzung die Entscheidung traf, dass Kritik an der 'Critical Race Theory' einer Belästigung von Wissenschaftlern gleichkommt. Doch Kritik an Ideen ist keine Belästigung, das habe ich auch öffentlich kundgetan. Tatsächlich ist es nicht nur keine Belästigung, es ist unser Job. Als Wissenschaftler wird man dafür bezahlt, zu lehren, zu veröffentlichen und sich mit Ideen auseinanderzusetzen. Doch so wird man daran gehindert, diese Orthodoxie in Frage zu stellen. Stellt man eine Frage, gilt das als Mikro-Aggression. Stellt man einen Grundsatz der 'Critical Race Theory' in Frage, ist man ein Belästiger oder ein Rassist. Es wurde also ein auf bizarre Weise perfektes Vorgehen implementiert, um zu verhindern, dass diese Ideen kritisiert werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.09.2021 - Wissenschaft

In der NZZ stellt Urs Hafner das neue Open-Access-Journal Histories vor. "Histories kommt fast schon Science-mäßig daher: international, englisch und 'open access' (kostenlos abrufbar), mit Peer-Review (Prüfung der Beiträge durch anonyme Gutachter) und Autorgebühren. Wer in Histories publiziert, muss tausend Franken bezahlen. Die Redaktion arbeitet schnell und zuverlässig: Zwei bis drei Monate nach Einreichen des Manuskripts wird dieses publiziert. Bei der Konkurrenz, der altehrwürdigen Schweizerischen Zeitschrift für Geschichte (gegründet 1873) und dem 1994 lancierten Reformjournal Traverse, dauert dieser Prozess ein bis zwei Jahre. Das ist zu lange." Für einigen Argwohn sorgt allerdings die Tatsache, dass Histories Teil des Unternehmens MDPI (Multidisciplinary Digital Publishing Institute) ist, das wiederum dem Chinesen Shu-Kun Lin gehört.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.07.2021 - Wissenschaft

Die Wissenschaften dürfen sich nicht den Mund verbieten lassen, auch nicht von woken Wissenschaftlern oder Studenten, mahnt Bernhard Kempen, Jurist und Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, in der FAZ. Studenten haben Rechte, aber subjektive Empfindlichkeiten gehören nicht dazu, auch Trigger-Warnungen auszusprechen sei nicht Aufgabe einer Universität, stellt Kempen klar: "Die Universität ist kein geschützter Raum, ganz im Gegenteil, sie ist eine Risikozone. In ihr besteht fortwährend die Gefahr, dass ein Student mit der Ausübung der Wissenschaftsfreiheit durch andere konfrontiert wird. In ihr bewahrheitet sich ganz besonders, dass das Wesen der grundrechtlichen Freiheit in einer Zumutung liegt: in der Zumutung, den Freiheitsgebrauch der anderen Grundrechtsträger ertragen zu müssen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.07.2021 - Wissenschaft

Einfach weitermachen wie vorher, aufbauen und die Böden wieder versiegeln, das geht eigentlich nicht nach den Überschwemmungen, lernt Gerhard Matzig, der für die SZ mit der Bauingenieurin Lamia Messari-Becker telefoniert hat: "Das Wissen um die Bodenbewirtschaftung verdampft - und Messari-Becker sagt: 'Es gibt kein kollektives Katastrophengedächtnis. Wir müssen baulich und räumlich auf Naturkatastrophen und den Klimawandel reagieren. Wir müssen lernen, uns anzupassen.' Stattdessen gibt es jetzt die Forderung, in den betroffenen Gebieten alles so schnell wie möglich 'wieder aufzubauen'. Damit es bald wieder so ist wie 'vorher'. Es ist exakt dieses Vorher, das uns das nächste Nachher beschreibt."

Als Wissenschaftler kann man nur depressiv werden, meint im Interview mit der SZ der Autor Toralf Staud, wenn man sieht, wie wenig die Warnungen vor den Folgen des Klimawandels ankommen: "Ich wundere mich beim Gang durch die Stadt jeden zweiten Tag darüber, dass wieder irgendein Gebäude mit riesigen Fensterflächen fertig wird. Das wird ja 2050 noch stehen, und da werden sich dann in jedem Sommer die Innenräume total aufheizen. Oder in Brandenburg, all die Häuser, die nahe am Rand der Kiefernwälder stehen, obwohl klar ist, dass es häufiger Waldbrände geben wird. Ich stolpere darüber, dass in Tiefgaragen Notstromaggregate stehen und in Wissenschaftsinstituten und Behörden die Serverräume im Keller liegen, obwohl völlig klar ist, dass da bei Hochwasser das Wasser reinlaufen wird und dann die Netze ausfallen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.07.2021 - Wissenschaft

Aus Extremwetterereignissen wie dem Hochwasser an der Ahr und Wupper müssen auch wissenschaftliche Konsequenzen gezogen werden. Vor allem fehlt es an einer interdisziplinären Klimageschichte, schreiben die Umwelthistoriker Martin Bauch und Adam Izdebski und der Ökologe Hans-Rudolf Bork in der FAZ: "Von einer Institutionalisierung an Universitäten und Forschungseinrichtungen ist die Klimageschichte weit entfernt. In der verschränkten Expertise von Geistes- und Naturwissenschaften liegt ein ungleich höheres Erkenntnispotenzial im Blick auf die Extreme der Vergangenheit und deren Bedeutung für die Zukunft als in einzeldisziplinärer Betrachtung. Weil Gesellschaften und Umwelt integrierte sozio-ökologische Systeme sind, braucht ihre Erforschung auch geeignete institutionelle Verankerung, wie etwa das Social-Ecological Synthesis Center in Maryland, das die entsprechende Grundlagenforschung mit Stakeholdern und der Öffentlichkeit verbindet."