9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

821 Presseschau-Absätze - Seite 32 von 83

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.05.2019 - Religion

Mehr als hundert islamische Schulbücher aus dem Irak, Jordanien, dem Libanon, Palästina, Ägypten, dem Iran, der Türkei und Afghanistan hat sich Constantin Schreiber angesehen, der in der Zeit nach der Kritik an seinem Buch "Inside Islam" zwar immer wieder vorauseilend betont, es handele sich um keine repräsentative Studie, mit Blick auf frauenfeindliche, antiwestliche und antisemitische Passagen aber doch einen roten Faden erkennt: So werde die Verehrung Allahs in allen Lebensbereichen gefordert. "Jedoch werden alle 'anderen', also die Nichtmuslime, als Feinde dargestellt. So warnt das afghanische Buch ausdrücklich vor 'Ungläubigen' - wer nicht dem Islam folge, befinde sich im 'Irrtum' und verdiene es, 'gequält zu werden'. In vielen der von mir untersuchten Bücher wird zudem ein äußerst traditionelles Frauenbild gezeichnet. Ein iranisches Schulbuch etwa beweist pseudowissenschaftlich, warum Geschlechtertrennung notwendig sei, auch im Westen. Alle Frauen müssten sich bedecken, denn fehlende Verschleierung sei 'einer der tiefsten Abgründe', der 'unser Leben, unseren Glauben und unsere geistigen Fähigkeiten vernichtet'."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.04.2019 - Religion

Lea de Gregorio und Bernd Hartung porträtieren die Marburger Theologin Ulrike Wagner-Rau, die ihr Leben lang die Bibel feministisch interpretierte und nun emeritiert wird: "Ein großes Anliegen feministischer Theologie war es, die Gottesanrede zu variieren, nicht mehr nur von Vater zu sprechen oder vom Herrn. Gott sei 'nichts, was in ein bestimmtes Bild passt, sondern was alle Bilder und Vorstellungen sprengt'.
Stichwörter: Theologie

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.04.2019 - Religion

In der SZ kritisiert der Münsteraner Dogmenhistoriker Michael Seewald noch einmal nachdrücklich die Zensur in der katholischen Kirche (Unser Resümee) und fordert eine Beschränkung der Macht der Bischöfe. Denn: "Einerseits wird Entscheidungsmacht stark auf die Gestalt des Bischofs hin personalisiert. Andererseits wird sie, vor allem wo Versäumnisse öffentlich werden, anonymisiert, sodass der Bischof keine Verantwortung mehr für das zu übernehmen braucht, was in seinem Bistum falsch lief."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.04.2019 - Religion

Der Islamforscher Olivier Roy, der offenbar selbst gläubiger Katholik ist, beklagt im Interview mit  Marc-Olivier Bherer von Le Monde, dass die spirituelle Seite des Brandes von Notre Dame in Frankreich kaum zur Sprache komme. Emmanuel Macron habe in seiner Ansprache an die Bürger die Katholiken nicht mal erwähnt. Ein weiteres Krisenzeichen! "Der Brand erscheint vielen Gläubigen als eine weitere Prüfung im Kontext einer tiefen Verwirrung. Er geschah einige Tage, nachdem der emeritierte Papst Benedikt XVI. sein Schweigen gebrochen hat und offenbar voll Leidenschaft gegen den im Amt befindlichen Papst aufstand. Ein Dualismus, den die Kirche seit dem 15. Jahrhundert nicht mehr erlebt hat. Wir erleben eine Desakralisierung des Papstamtes. Es sind nicht nur Steine, die einstürzen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.04.2019 - Religion

In der Ostersonntags-FAZ kam Volker Zastrow nochmal recht deutlich auf die Äußerungen des Nebenpapstes Benedikt zurück, der die 68er für den sexuellen Missbrauch in der Katholischen Kirche verantwortlich machte: "Wer könnte von der Hand weisen, dass es zu den bleibenden Verdiensten der Achtundsechziger gehört, Gewalt gegenüber Kindern und Frauen zurückgedrängt zu haben wie nie zuvor in der Geschichte? Die Kirche hat diese Chance leider verpasst. Sie sollte den Achtundsechzigern von Herzen für segensreiche neue Einsichten danken - auch Josef Ratzinger hätte dazu Anlass, denn sein Bruder war als Chorleiter der Regensburger Domspatzen mitverantwortlich für Bedingungen, unter denen zahllose Kinder Opfer sexueller Gewalt, seelischer und körperlicher Misshandlungen wurden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.04.2019 - Religion

Giovanni di Lorenzo führt für die Zeit ein ziemlich Aufsehen erregendes Gespräch mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer, der erzählt, wie er für die Katholische Kirche in Deutschland Missbrauchsvorfälle aufarbeiten sollte und scheiterte. Die Kirche habe Kontrolle über die Forschungen verlangt und hätte seine Ergebnisse zensieren wollen, wirft er unter anderem dem Bischof Reinhard Marx und dem Missbrauchsbeauftragten der Kirche, Bischof Stephan Ackermann, vor. Plastisch schildert er eine Sitzung im Wissenschaftsministerium von Niedersachsen, wo es um die Auflösung des Vertrags zwischen Pfeiffers Institut und der Kirche ging: "Auf einmal verkrampfte Bischof Ackermann - körperlich und von der Sprache her. Er redete mich mit 'Professor Pfeiffer' an und erklärte mir, wenn ich mich weigere, den Vertrag zu unterschreiben, und der Zensurvorwurf nach draußen dringe, dann sei ich ein Feind der katholischen Kirche - und das wünsche er niemandem. Er erklärte weiter, dass sie meinen guten Ruf öffentlich massiv attackieren würden und offenlegen müssten, welche Schwierigkeiten es mit dem Institut gegeben habe. Er sagte, dass mir das schaden würde, dass ich es bereuen und einen schweren Fehler begehen würde, wenn ich nicht unterschriebe." Die später herausgegebene und weithin diskutierte Studie habe dann unter Kontrolle der Kirche stattgefunden und thematisiere etwa nicht, dass es der Zölibat selbst sei, der wahrscheinlich zu massivem Kindesmissbrauch geführt habe.

Ähnlich deutlich liest sich auch der FR-Gastbeitrag des Dogmenhistorikers Michael Seewald, der die jüngsten Einlassungen des emeritierten Papstes Benedikt XVI. "gehässig", aber durchaus aufschlussreich für das Verständnis des kirchlichen Macht- und Schweigesystems nennt (Der Ko-Papst hatte neulich die 68er für die Geschichte des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche verantwortlich gemacht, unsere Resümees). Die katholische Kirche führe einen "von jeder Wissenschaft entkoppelten Sonderdiskurs" schreibt er und legt das System in sieben Punkten offen: "Diese Hierarchie ist sehr begabt darin, Dinge unter der Decke zu halten, von denen sie nicht will, dass sie öffentlich werden. Dazu bedient sie sich auch heute noch Zwangsmaßnahmen. Es gibt Themen, wie die Frage nach den Rechten von Frauen in der Kirche, über die aufgrund kirchenamtlicher Sprechverbote nicht diskutiert werden darf. Wer es dennoch tut, bekommt Ärger - bis hin, dass versucht wird, das Erscheinen von Büchern zu verbieten. Die freie Benennung von Missständen in der Kirche ist nur dort möglich, wo die Hierarchie es erlaubt. Eine solche Institution, in der Tabus weiterhin zum Alltag gehören, hat wenig Grund, sich ihrer Selbstkritik und Aufklärungsbereitschaft zu rühmen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.04.2019 - Religion

Es ist Karwoche! In der FAZ denkt "Professor em. Dr. Dr. h.c. mult." Otfried Höffe darüber nach, was heute auf jeden Fall christliche Politik sein müsse. Unbedingt gehört für Höffe das Ehegattensplitting "zu einer wahrhaft christlichen Politik: Weil Eltern eine facettenreiche Verantwortung für das künftige 'Humanvermögen' eines Landes übernehmen, hat der Staat ihnen finanzielle Unterstützung und steuerliche Entlastung zu gewähren. Keinesfalls darf er Ehepartner steuerlich benachteiligen oder das nichteheliche Zusammenleben bevorteilen. Das Nichtbevorteilen betrifft auch die Sorge für die Kinder."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.04.2019 - Religion

Ignorant, unbelehrbar und intellektuell dürftig findet Roman Bucheli in der NZZ die Auslassungen Benedikt XVI. zum Kindesmissbrauch in der Kirche, den der Ex-Papst mit dem Sexualkunde-Unterricht in Schulen, mit 1968 und dem Zusammenbruch der katholischen Moraltheologie erklärt. Aber das sei noch nicht das Schlimmste: "Bedrückend an Benedikts Gedankengang ist vielmehr die implizite Behauptung, der Mensch - ob Kleriker, Fußballtrainer oder Vater - brauche eine ausgeklügelte Moraltheologie, um Kindsmissbrauch als etwas Schändliches erkennen zu können. Es sei einem Theologen ohne das Gerüst einer 'moralischen Lehrautorität' nicht mehr zumutbar, Unrecht von Recht zu unterscheiden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.04.2019 - Religion

Auch auf Deutsch veröffentlicht der Corriere della Sera Joseph Ratzingers Aufsatz zum sexuellem Missbrauch in der Kirche, der der 68er-Bewegung zu verdanken sei: "Zu der Physiognomie der 68er-Revolution gehörte, dass nun auch Pädophilie als erlaubt und als angemessen diagnostiziert wurde. Wenigstens für die jungen Menschen in der Kirche, aber nicht nur für sie, war dies in vieler Hinsicht eine sehr schwierige Zeit." Allen anderen Historikern war bisher nicht aufgefallen, dass katholische Priester den Weisungen der 68er folgen. Mehr in der taz.

Bei einer Razzia in neun Bundesländern gegen vorgeblich humanitäre, vom Verfassungsschutz aber als "extrem salafastisch" eingestufte Vereinigungen, die unter anderem die Terrororganisation Hamas, den palästinensischen Ableger der Muslimbrüder unterstützen, wurde eine gefährliche Annäherung zwischen Salafisten und Muslimbrüdern auch in Deutschland festgestellt, berichtet Frank Jansen im Tagesspiegel: "'Ein Bündnis der beiden wäre der GAU', warnt ein hochrangiger Sicherheitsexperte. Er skizziert das extremistische Potenzial: Jüngere Islamisten mit Drang zur globalen Revolution treffen auf eine islamistische Mittelschicht, die Staat und Gesellschaft 'legalistisch' durchdringen will. Trotz oder gerade wegen unterschiedlicher Aktionsformen, offene Rebellion hier, leises Einnisten dort, schienen Salafisten und Muslimbrüder zu erkennen, dass sie voneinander profitieren könnten, meint der Experte. Die Salafisten würden lernen, wie man sich geschickter anstellt, um staatliche Repression zu vermeiden. Die Muslimbrüder bekämen Zugang zu jüngeren Leuten. Das Ziel beider islamistischen Spektren sei dasselbe: der Gottesstaat. Gemeinsam seien die beiden noch gefährlicher als jetzt schon jeder für sich."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.04.2019 - Religion

Zum gleichen Schluss wie der Vatikanjournalist Bernd Hagenkord, der nach Martin Mosebachs Interview mit der Herder Korrespondenz schrieb, Mosebach rücke Franziskus Auftritte ganz absichtlich in eine Linie mit Hitler und Stalin (Unser Resümee), kommt heute in der Welt der Germanist Karl-Heinz Göttert: "Hat Mosebach Papst Franziskus mit Hitler und Stalin verglichen? Direkt nicht, er spricht ja nur von Stilmitteln, die sich gleichen. Nur muss man bedenken: Wenn man es allein so versteht, läuft die Aussage auf eine bloße Banalität hinaus - die man dem Träger des Büchnerpreises kaum abnimmt." In der FAZ wendet sich Patrick Bahners gegen die "Schäbigkeit von Mosebachs Kritikern". Was Mosebach sage, sei auf dem Stand der Forschung.

Glücklicherweise hat der emeritierte Papst Benedikt XVI. jetzt wenigstens die Ursache für den sexuellen Missbrauch in der Katholischen Kirche gefunden, meldet der Deutschlandfunk: "Ursache sei die Gottlosigkeit und die Abkehr von der katholischen Sexualmoral im Zuge der 68er Revolution." Benedikt äußert sich in einem Schreiben, das mit Franziskus abgesprochen sei.