Statt der bisher aus Mitteln der katholischen Kirche gezahlten
5.000 Euro Entschädigung an die
Missbrauchsopfer sollen die Täter künftig selbst zahlen,
schreibt im
Tagesspiegel Frank Bachner, der mit Opfern, etwa
Matthias Katsch, Betroffener im
Canisius-Skandal, gesprochen hat. Die Kirche habe noch einen weiten Weg vor sich, nicht zuletzt, weil einige Bistümer nach wie vor mauern: "So lange nicht das System Kirche mit ihren
männerbündlerischen Strukturen, ihrem Hierarchiedenken, der Abhängigkeit von einem Bischof, der fehlenden Möglichkeit, die Arbeit leitender Kleriker unabhängig zu kontrollieren, modifiziert wird, so lange vertrauen Opfer nicht der Kirche. 'Das System, das diesen Missbrauch ermöglicht hat, funktioniert noch', sagte Katsch. 'Kinder und Jugendliche sind noch akut gefährdet.' Auch die finanziellen Leistungen der Kirche empfinden Opfer wie Katsch schlichtweg als
Hohn. Erstens sind 5.000 Euro aus ihrer Sicht viel zu wenig. Zudem zahlt die Kirche
nicht '
in Anerkennung der Schuld', sondern des Leids. Aus Sicht der Kirche ein Entgegenkommen."
In der
NZZ greift der katholische Theologe
Jan Heiner Türck, der Franziskus' Rede genau analysiert, noch einen anderen Punkt auf. Durch die Bezeichnung der Täter als "
Werkzeuge des Satans" dämonisiere er die Akteure, so Türck: "Mit dem sexuellen Missbrauch stehe die Kirche vor dem 'Geheimnis des Bösen', das man bekämpfen müsse. Der Topos des geistlichen Kampfes mag im spirituellen Schrifttum der Kirche weit verbreitet sein, zur Bewältigung der Missbrauchsfälle taugt er wenig. Die theologische
Überhöhung krimineller Akte verschleiert die Ursachen, trübt die Analyse und blockiert Reformen. Hinzu kommt: Wenn Franziskus Missbrauchstäter zu Agenten des Teufels stilisiert, droht er deren Verantwortung zu halbieren. Die Verfehlungen sind dann nicht nur menschliche Freiheitsakte, sondern gehen zugleich auf
diabolische Einflüsterungskunst zurück."