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Virtualienmarkt

Jenseits von Heidelberg

Von Rüdiger Wischenbart
22.06.2009. Die Lobbies um den "Heidelberger Appell" verstärken im Wahlkampf ihren Druck auf die Politik. Aber nicht die Publikationsfreiheit ist bedroht, sondern das bisherige Gefüge aus Verlagen und Händlern, und zwar nicht durch illegale Praktiken, sondern durch neue Techniken und neue Vorlieben der Leser. Statt Heidelberger Zementierung des status quo ist Innovationsförderung gefragt.
Prolog

Vor zwei Wochen, bei der BookExpo America in New York, dem traditionellen Jahrestreffen der amerikanischen Buchbranche, hatte diesmal den größten Stand nicht mehr Random House, sondern die bis vor kurzem nur wenigen Insidern bekannte Perseus Gruppe, die im Kern konzernunabhängigen Verlagen optimale Marktzugänge und Aufmerksamkeit verschaffen will. Beides wurde während der drei Messetage eindrücklich illustriert, als ein kleines Redaktionsteam, mitten am Messestand, auf Laptops, in nur 48 Stunden ein komplettes Buch produzierte, und zwar sowohl auf Papier wie auch in allen gängigen E-Book Formaten, ein witziges Buch noch dazu, das die ganze Branche um den Finger wickelte.

Der Titel lautete "Book: The Sequel". Einen Monat lang waren Buchhändler und Lektoren, Bibliothekare und PR-Assistenten via Internet aufgerufen, Anfänge von klassischen Texten zu verulken, von Harry Potter über "Vom Winde verweht" bis, natürlich, zur Bibel, wo im "Neueren Testament" nun Gott enthüllt: "Okay, okay, all that stuff you just read, I made it up - but let me tell you a great story about a panda bear!"

Keine Frage, mit diesem klugen Streich wussten alle Buchmenschen in den USA, dass hier ein Verlag zuversichtlich in die Zukunft blickt - und sie hatten ihren Spaß daran.

Wer wäre das deutsche Pendant zur Perseus Gruppe, das spätestens im Herbst in Frankfurt zeigt, wie der Hase laufen lernt? Denn bislang laboriert man hier eher, wenn auch in fein gestochenem Bleisatz, an einem Bändchen mit dem Titel "Im Anfang war der Untergang!"


Titanic, Made in Heidelberg

Seit Erscheinen des - an dieser Stelle (hier und hier) früher als in den meisten Medien vorgestellten und kritisch diskutierten - "Heidelberger Appells" im Frühjahr 2009 bis zur aktuellen Resolution bei den Berliner Buchtagen in der Vorwoche überzieht die Kulturmedien in diesem Land nicht eine Debatte, sondern ein verblüffend einheitlicher Meinungslavastrom aus Gewissheiten des nahen Untergangs und Appellen an den Staat, dieses Menetekel durch starke Maßnahmen je noch abzuwenden.
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Was daran am meisten verblüfft, ist, wie unisono der Untergang vorbeugend beschworen wird, noch lange bevor die befürchtete Krise spürbar, geschweige denn sachlich abschätzbar ist, und ohne auch nur anzudeuten, wie Zukunftskonzepte aussehen könnten, die nicht nur aus Verboten, Verschärfungen und Restriktionen gegen alles Neue bestehen.

Deshalb hier ein Versuch, die Kernaussagen aus dem Umfeld des Heidelberger Appells doch noch einmal nüchtern gegenzulesen.


1. Die bedrohte Publikationsfreiheit

Schon im ersten Satz des "Heidelberger Appells" heißt es plakativ: "Das verfassungsmäßig verbürgte Grundrecht von Urhebern auf freie und selbstbestimmte Publikation ist derzeit massiven Angriffen ausgesetzt und nachhaltig bedroht."

Das ist Unsinn. Tatsache ist, dass reihum die Zahl der Neuerscheinungen explodiert. Einerseits wachsen die Neuerscheinungen in Verlagen munter weiter, obwohl der Buchmarkt seit Jahren kaum wächst oder sogar leicht, wenn auch auf sehr hohem Niveau, stagniert.

Zum anderen wächst die Zahl von Veröffentlichungen, die unter Nutzung neuer Technologien und an den herkömmlichen Verlagen vorbei vertrieben werden. In den USA wurde unlängst bekannt, dass sogar erstmals mehr neue Titel in diesem neuen Feld des "Self publishing" erschienen seien als in Verlagen.

Der - von den Heidelbergern nicht erwähnte - Onlinegigant Amazon engagiert sich heftig in diesem Bereich, und mutiert zunehmend vom Buchhändler und Warenhaus zum vertikalen Buch- und Contentbdienstleister aller Sparten, digitale Formate und Vertriebskanäle inklusive.

Nicht die Publikationsfreiheit ist bedroht, sondern das bisherige Gefüge aus Verlagen und Händlern, und zwar nicht durch illegale Praktiken, sondern durch neue Möglichkeiten, neue Marktteilnehmer und neue, sich zunehmend verändernde Vorlieben und Strategien von Lesern wie auch Autoren, die sich seit wenigstens 10 Jahren ankündigen und längst - auch hier, an dieser Stelle - breit analysiert und diskutiert worden sind.

Daraus erwachsen gewiss erhebliche Probleme für die bislang dominierenden Akteure, und es ist gewiss angebracht, sich über das kulturelle "System Buch" Gedanken zu machen angesichts solcher Umbrüche. Aber dies sollte im Sinn von Innovation geschehen, und nicht als Ausrufung eines vermeintlichen Notstandes.


2. Der Kampf gegen "Open Access" und die "Nötigung zur Publikation in einer bestimmten Form".

Ich habe unlängst einen Artikel über Trends auf internationalen Buchmärkten in einer Zeitschrift veröffentlicht, die in einem der international führenden Wissenschaftsverlage erscheint. Wie dabei üblich bekam ich kein Autorenhonorar, aber eine Zuschrift des Verlages, ich könne gerne diesen Artikel auch auf meiner Homepage veröffentlichen, wenn ich dafür dem Verlag 3.000 US Dollar überweise. Noch einmal: Ich habe diesen Artikel ohne Honorar geschrieben. Eine im "Open Access" erscheinende Zeitschrift wäre da eine prima Alternative gewesen.

Warum Open Access "fehlgeleitet" sein soll, ist schwer nachvollziehbar. Tatsache ist, dass Forschungs- und Bildungseinrichtungen in den vergangenen zwei Jahrzehnten kontinuierlich unter wirtschaftlichen Druck gekommen sind, weil die Kosten aus Publikationstätigkeit und Abonnements der entsprechenden Publikationen dramatisch gestiegen sind, so dass diese Einrichtungen über alternative Modelle nachzudenken begannen und eben damit "unternehmerische Initiativen" gesetzt haben (was der Heidelberger Appell kritisiert).

Ergänzend sei noch daran erinnert, dass die Open-Access-Bewegung anfangs aus dem Wunsch entstanden ist, auch ärmeren Ländern den Anschluss an die Informationsgesellschaft zu erschwinglichen Kosten zu ermöglichen. Ist dies "fehlgeleitet"?



3. Die "illegale Veröffentlichung urheberrechtlich geschützter Werke geistige(n) Eigentum(s)" durch GoogleBooks und das amerikanische Google Settlement

Es ist gewiss rechtlich wie auch ethisch sehr bedenklich und kritisierbar, wenn ein einzelnes Unternehmen unter - betont neutral formuliert - breitestmöglicher Auslegung urheberrechtlicher Bestimmungen und mit energischem Vertrauen in die normative Kraft des Faktischen in großem Stil Werke digitalisiert und unter nach eigenen Vorstellungen formulierten Regeln öffentlich zugänglich macht und somit auch verwertet. Es ist überdies gewiss nicht akzeptabel, dass dies unter Berufung auf US amerikanisches Recht auch für Europa Anwendung finden soll.

Tatsache ist aber auch die quälende Geschichte europäischer Bemühungen, vernünftige Digitalisierungsprojekte auf den Weg zu bringen, die nicht nur alle Interessen der Verwerter, sondern auch den Nutzen der Leser im Blick haben. Zu beklagen ist dabei nicht nur die Beharrungskraft irgendwelcher Bürokratien, sondern auch einer Branche, die jede Veränderung erst einmal mit sehr großer Skepsis beäugt.

Diese Beharrungskraft der Branche ist gewiss auch positiv systemimmanent, denn kulturellen Strukturen und Werten ist ein hohes Moment des Bewahrens im Innersten eingeschrieben. Aber wie sehr dies Reibungskraft und Abwehr gegen Erneuerung hervorruft, wissen am besten die Initiatoren der deutschen Anti-Google-Plattform Libreka im Börsenverein des deutschen Buchhandels, die über Jahre gegen dieses interne Beharren zu kämpfen hatten und darüber, wieder und wieder, ihr Tun und dessen Risken in internen Gremienschlachten zu legitimieren hatten - was in der Konkurrenz zu Google nicht gerade dienlich war.

Das nun in den und für die USA zwischen US Author?s Guild, also der amerikanischen Autorenvertretung, und Google ausgehandelte "Settlement" sieht Regeln für die Vergütung von Nutzungsrechten digital aufbereiteter Werke vor, die den Urhebern zugute kommen sollen wie auch (so genannte "Opt out") Möglichkeiten vorsieht, ein Werk diesem Mechanismus zu entziehen. Kern dieser Regeln, die auf die europäischen Rechtssysteme nicht linear übertragbar sind, ist der Umstand, dass ein großer Teil der von Google in Bibliotheken digitalisierten Werke "verwaist" sind, dass sich also deren Rechte-Eigner mit normalem Aufwand nicht eruieren lassen. Darüber hinaus bringt dieses Settlement Google in eine zentrale Position als Mittler, was für jeden künftigen neuen Akteur, etwa mit einem neuen Geschäftsmodell, den Markteintritt erheblich erschwert oder gar unmöglich macht.

Warum aber gibt es nun, gegen diese gewiss fragwürdige Ausdehnung eines US amerikanischen Modells, nicht pragmatische europäische Gegenentwürfe, die auf den in Sachen Urheberrecht erheblich anderen europäischen Rechtsgrundlagen beruhen, aber doch eine offensive wie konstruktive Position mit Blick auf Autoren und Leser einnimmt? Warum wird nur abgewehrt, statt ein europäisches Pendant für eine pragmatische Regelung vorzuschlagen?

Warum werden die digitalen Rechte nicht als ein neues Nebenrecht - so wie auch jenes für Taschenbuch- oder Hörbuchausgaben - aufgefasst, und damit erst einmal eine Position bezogen, die konstruktive Verhandlungen mit Google pragmatisch möglich macht?

Warum wird mit Google ein Popanz aufgebaut - so wie mit Open Access -, und ein weiterer Platzhirsch, Amazon, außen vor gelassen?


4. "Digitale Piraterie - eine gigantische Schattenwirtschaft"

Die Verlagsvertreter reiten gegen die Windmühlen einer in Europa bislang wirtschaftlich unerheblichen digitalen Piraterie, wie weiland der Gründungsheld des europäischen Romans, Don Quichote, nur weil, in Umkehrung des literarischen Vorbilds, diesmal Sancho Pansa in Gestalt der viel kleineren Musikindustrie und der Filmeverwerter auf DVD damit bereits ins Unglück geritten ist?

"Alle verdienen am illegalen Download, nur Verleger und Autoren nicht", lässt sich der Kriminologe vom LKA Nordrhein Westfalen zitieren und verweist auf "50.000 und 100.000 Seiten" für illegale Downloads.

Wer sich auch nur eine Stunde lang die Mühe macht, solche Seiten aufzusuchen - was weder ansteckend noch illegal ist - wird rasch bemerken, wie schmal da das Angebot an Büchern ist. Es gibt ein paar Bestseller, zugegeben ziemlich viel Computerliteratur, und Fantasy. Das faktische Problem lässt sich in der Realität - man muss einschränken: in Westeuropa - auf wenige Nischen eingrenzen. Aber auch global findet Piraterie bei Büchern überwiegend auf dem Papier, mit Raubdrucken, statt, und nur in wenigen Bereichen digital.

Die eine wichtige Ursache dafür liegt in der Mühsal, auf Bildschirmen längere Texte zu lesen. Das kann sich gewiss rasch ändern.

Die viel wichtigere Ursache ist jedoch kulturell: Die überwiegende Zahl der Kunden der Verlage (und Autoren) in Westeuropa ist (noch) kulturell tief konditioniert, Bücher als wertvoll zu betrachten und damit tendenziell bereit, für diese Inhalte ordentlich Geld hinzulegen. Diese Grundlage für künftiges Vertrauenskapital wird ohne Grund durch die aktuelle Hysterie unterminiert.

Das vielleicht größte Problem der aktuell völlig überzogenen Debatte ist, dass die Vorsprecher der Buchbranche diesen Kernwert aufs Spiel setzen, indem Bücher, ohne akute Not, mit anderen, symbolisch wesentlich weniger aufgeladenen Kulturprodukten in einen Topf geworfen und folglich ausgerechnet von ihren Bewahrern nach unten nivelliert werden.

Aus dem breiten Konsens über den Wert der Bücher - von Lesern bis zur Politik - ließe sich die wichtigste Zukunftsstrategie für das Buch, für Autoren und auch für Verlage und Buchhandel ableiten. Das gelingt aber gewiss nicht, wenn man alle Jungen - also die Leser und Kunden der Zukunft - präventiv unter einen Generalverdacht stellt und als potenzielle Piraten denunziert, oder permanent Buch und digitale Räume gegeneinander als "Entweder Oder" ausspielt mit Aussagen wie "Die Digital Natives sind fürs Buch noch nicht verloren".

Die Voraussetzung, um aus der Attacke gegen die Windmühlen auszuscheren ist aber auch, diesen "Digital Natives" attraktive Angebote zu guten Preisen und in richtigen medialen Umgebungen anzubieten.

In der unglücklichen Musikindustrie sind die Musik-Majors - die damals fünf führenden Musikkonzerne - in ihren rivalisierenden Versuchen von guten Online Angeboten gescheitert, und erst ein Außenseiter, Apple, hat mit iPod und iTunes sowohl einen attraktiven Kanal wie auch ein Geschäftsmodell präsentiert und dieses, teils mit brutaler Marktmacht, den Content-Lieferanten aufgezwungen.


5. Der Preis der E-Books

Lässt man die Debattenbeiträge zu Digitalisierung und E-Books aus der europäischen Buch-Profession seit März 2009 Revue passieren, ist beklemmend, wie sich bei diesem Schlüsselthema für Verlagsindustrie und Lesekultur eben gerade keine kontroverse Diskussion entfaltet hat, sondern eine zunehmend enger werdende Appellsequenz mit Zielpunkt Denk- und Innovationsverbot.

Es werden keine alternativen Zukunftsmodelle verglichen. Selbst die brancheneigenen Lösungsansätze wie das deutsche Libreka führen ein Schattendasein gegenüber den Verbotsstrategien. Das Buch der Zukunft hat so zu sein wie jenes, das man sich für die Gegenwart als ideal vorstellt (und das so schon jetzt nicht mehr Wirklichkeit ist).

Am deutlichsten zeigt sich dies in der Festlegung der Preise für das digitale Buch: Es wird insbesondere in Europa überwiegend dekretiert, dass der Preis des digitalen Buchs möglichst nahe an der gebundenen Papierausgabe sein muss.

Abgesehen davon, dass in keinem anderen Produktbereich die digital aufbereiteten und vertriebenen Inhalte ohne kräftigen Preisabschlag auskamen, wird, nach meiner Kenntnis, nirgendwo eine vergleichende Kostenkalkulation offen gelegt.

Der Ladenpreis für ein gedrucktes Buch enthält zwischen 45 und 50 Prozent Abschlag für Vertrieb und Handel, also Kommunikation und Werbung für den Handel, Lagerhaltung, physischen Transport, Standortkosten einer Buchhandlung, und auch noch das Recht der Händler, unverkäufliche Ware zurückzustellen. Der Druck schlägt noch einmal mit um die 15 Prozent zu Buche. Ein Autor bekommt in aller Regel um die 10 Prozent des Verkaufspreises vor Umsatzsteuer.

Es ist wenig plausibel, dass sich an diesem Kalkulationsgefüge nichts ändern soll, wenn zumindest Lagerhaltung, Transport, Standortkosten und Remittenten wegfallen und der Druck durch eine digitale Umsetzung ersetzt wird.

Die mir bekannten Modelle der Branche gehen von einer Aufteilung von 60:40 zwischen Verlag und Vertrieb bei E-Books aus, bei weiterhin 10 Prozent für Autoren.

Hier entpuppt sich die vermeintliche Solidargemeinschaft mit den Autoren rasch als brüchig. In Frankreich wurden jüngst Stimmen laut, die den Finger auf die Sollbruchstelle legen: Traditionell vergeben Autoren, meist über Agenturen, die Verwertungsrechte an ihren Werken langfristig an Verlage. Je unübersichtlicher die Situation ist, desto sinnvoller kann es jedoch sein, diese Rechte drastisch zu befristen - etwa auf drei bis fünf Jahre. Das aber würde die bisherigen Verhältnisse zwischen Autoren, Agenten und Verlagen geradezu auf den Kopf stellen.

Gar nicht erst angedacht werden völlig andere Preisstrategien als der Preis pro gekauftem Titel - etwa Abonnements, wie sie im Bereich wissenschaftlicher (ohnedies längst überwiegend digital vertriebener) Literatur längst Standard sind: Wer wird der erste Anbieter einer europäischen digitalen "Library Card" sein, mit Zugang zu etlichen 100.000 Titeln, in allen europäischen Sprachen, aus einer breiten Palette großer europäischer Bibliotheken, für 10 Euro pro Monat - und noch einmal reduziert auf 5 oder 7 Euro für Studierende?

Wer wird ein solches zeitgemäßes Angebot per Gesetz verbieten?

Kurzum, je restriktiver die Verlage sich aufstellen, desto mehr erhöhen sie das Risiko, sich selbst das Wasser abzugraben.


Jenseits von Heidelberg

Wenn sich die Politik an dieser Stelle tatsächlich des Buchs - der Buchindustrie und der Buch- und Lesekultur - annehmen wollte, dann wohl nicht, um einen wenig plausiblen Absturz zu verhindern, sondern um Anreize für Innovationen zu schaffen.

Eine gute Leitlinie kann dafür die Formel "Cui bono" sein. Wem dient es?

· Was haben die Leser von den neuen Buchwelten?

· Wo ist längst differenziert und sogar fragmentiert, was unlängst noch unter dem Schirm einer einheitlichen Buchkultur sich präsentiert hat?

· Gilt für die doppelte Charakteristik des Buchs als Ware und als Kulturgut tatsächlich noch, dass alle Bücher gleich sind? Oder gibt es nennenswerte Unterschiede zwischen hoch kommerzieller Ware (zum Beispiel aktuelle Wissenschaftsinformation) und kulturell hochwertigen Nischengütern, die kommerziell kaum mehr herzustellen und zu vertreiben sind (zum Beispiel Übersetzungen von schöner Literatur aus den meisten Sprachen). Und vor allem: Was wäre ein angemessenes Innovationsförderprogramm für das "Buch" in allen seinen aktuellen und absehbaren Erscheinungsformen!

Rüdiger Wischenbart

Am Donnerstag findet im Rahmen ds Bachmann-Wettbewerbs eine Podiumsdiskussion mit dem Intitator des "Heidelberger Appells", Roland Reuß, dem Piper-Verleger Marcel Hartges und Rüdiger Wischenbart statt. Die Debatte gegen 13 Uhr auf 3sat live übertragen, mehr hier.

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