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Essay

Open Excess: Der Heidelberger Appell

Von Matthias Spielkamp
24.03.2009. Verleger und Autoren wehren sich auf Initiative des Heidelberger Professors Roland Reuß gegen eine "Enteignung" durch Google und Open Access. Ihre Argumentation ist haarsträubend, voller Fehler und gefährlich.
Im Sport würde man sagen: Roland Reuß hat einen Lauf. Am 11. Februar hatte der Philologe und Professor für neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Heidelberg in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine Polemik veröffentlicht, in der er großen deutschen Wissenschaftsorganisationen, allen voran dem Wissenschaftsrat und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eine "heimliche technokratische Machtergreifung" (so der Titel) unterstellte.

Die soll darin bestehen, dass Wissenschaftsrat und DFG das so genannte Open Access durchpeitschen, indem sie Rechtsbeugung begehen, das Urheberrecht abschaffen, die deutsche Verlagslandschaft zerschlagen und nichtsahnende Wissenschaftler erpressen und enteignen. Eine Nummer kleiner geht es beim Experten für Kafka, Hölderlin, Kleist, die deutsche Romantik und - ach ja: Digitale Medien - nicht. Dass übrigens von der Fraunhofer- über die Max-Planck-Gesellschaft bis zur Leibniz-Gemeinschaft alle bedeutenden deutschen Forschungsvereinigungen Open Access ebenfalls unterstützen, dazu einige Hundert der bedeutendsten Wissenschaftsorganisationen weltweit, war dem Autoren keine Erwähnung wert.

Innerhalb kurzer Zeit schlug Reuß nicht nur in den Kommentaren der sonst eher wenig diskussionsfreudigen Leserschaft der Online-Ausgabe der FAZ ein Sturm entgegen, der mit wenig Polemik, aber einer Vielzahl an Fakten die Schwachstellen der Reußschen Argumentation zeigte. Auch Gudrun Gersmann, Direktorin des Deutschen Historischen Instituts in Paris und Vorsitzende des Unterausschusses "Elektronische Publikationen" der Deutschen Forschungsgemeinschaft, sah sich veranlasst, Reuß in einer Entgegnung sachlich die Vorteile von Open Access darzustellen: der verbesserte Zugang zu Informationen aus Forschung und Wissenschaft, der zu einem Gewinn für das Gemeinwohl führe.

Wer die Hoffnung hatte, Reuß würde daraufhin tun, was einem Wissenschaftler gut ansteht - seine Argumente überprüfen -, sah sich getäuscht. Auf seiner Website verspottete er Gersmann für genau die Verbindlichkeit, mit der sie die Wogen glätten wollte, und dafür, keine Gegenpolemik geschrieben zu haben. Und kam auf einen Geniestreich: Warum nicht einfach die Jahre alte, empirisch überaus gut fundierte Open-Access-Bewegung mit der aktuellen Verwirrung über Googles Digitalisierungsprogramm "Google Books" in einen Topf werfen, einmal quirlen und als Popanz aufbauen, dem man dann mit einem Schlag den Garaus machen kann - obwohl beide nichts miteinander zu tun haben?

Dieses Mal war es die Frankfurter Rundschau, die sich am 12. März nicht zu schade war, Reuß ein Podium dafür zu bieten. Ob als Lust am Spektakel oder aus Unkenntnis, kann nicht festgestellt werden. Fest steht nur, dass Reuß wieder die Enteignungs-Keule schwingen durfte, die in seiner Welt Google und die Open-Access-Bewegung zu ein und derselben Gefahr verschwimmen lassen - dieses Mal unter der bescheidenen Schlagzeile "Enteignet die schamlosen Enteigner!".

Reuß' Ein-Mann-Verteidigungsschlacht für den Urheber zeigte erste Wirkung über seine eigenen Einlassungen hinaus. Rudolf Walther übernahm im Artikel "'Open Enteignung' durch GoogleBooks" vom 20. März in der taz nicht nur ungeprüft sämtliche Behauptungen, die Reuß aufgestellt hatte, sondern verstieg sich auch noch zu der wohlklingend-schaurigen Behauptung, die "Google-Piraterie und der 'Open-acces'-Schwindel sind gefährlicher als die Piraterie entlang der somalischen Küste". Dass unter den bislang annähernd 50 Kommentaren zu seinem Artikel kein einziger ein gutes Haar an ihm lässt, hat Walther bisher nicht dazu bewogen, dazu Stellung zu nehmen. Kommentieren dürfen sie, die Leser, aber Journalismus als Gedankenaustausch mit den Lesern, "journalism as conversation" ist Walther offenbar ebenso fremd wie die Sachlage bei Google und Open Access.

Walther befindet sich in bester Gesellschaft. Am Sonntag ist Reuß sein Husarenstück gelungen. Bei FAZ.net - wo sonst? - erschien der Appell "Für Publikationsfreiheit und die Wahrung der Urheberrechte", unterzeichnet von so Illustren Unterstützern wie Michael Naumann, dem Herausgeber der Zeit und ehemaligen Kulturstaatsminister, über den Bestsellerautoren Daniel Kehlmann und Klaus Reichert, Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, bis hin zu "Dominik Schaaf, Schüler, Köln" - 139 an der Zahl bis zum Sonntagabend.

Darin heißt es: "Das verfassungsmäßig verbürgte Grundrecht von Urhebern auf freie und selbstbestimmte Publikation ist derzeit massiven Angriffen ausgesetzt und nachhaltig bedroht. International wird durch die nach deutschem Recht illegale Veröffentlichung urheberrechtlich geschützter Werke geistiges Eigentum auf Plattformen wie GoogleBooks und YouTube seinen Produzenten in ungeahntem Umfang und ohne strafrechtliche Konsequenzen entwendet. Gleichzeitig propagiert national die 'Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen' (Mitglieder: Wissenschaftsrat, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Leibniz-Gesellschaft, Max Planck-Institute und andere) weitreichende Eingriffe in die Presse- und Publikationsfreiheit, deren Folgen grundgesetzwidrig wären."

Richtig ist daran, dass das Urheberrecht weltweit massenhaft verletzt wird. Digitalisierung und Internet machen es möglich, dass Urheberrechtsverletzer oft keine Strafen befürchten müssen, so lange sie sich nur geschickt genug anstellen, denn die "strafrechtlichen Konsequenzen", die Reuß vermisst, sind zwar in fast allen Ländern dieser Erde kodifiziert, doch an der Durchsetzung hapert es. Dass es unter Umständen allerdings auch bei den meisten Menschen auf wenig Verständnis stößt, wenn ein Künstler wie Prince verbieten lassen will, dass eine Mutter das Video ihres tanzenden Kindes veröffentlicht, weil dort im Hintergrund ein Prince-Song in lausiger Qualität aus dem Lautsprecher plärrt, ist dabei ein Nebenaspekt. Denn es ist kaum anzunehmen, dass es Reuß - oder Naumann oder Kehlmann - schlaflose Nächte bereitet, wenn jemand die besten Pocher-Witze ohne Erlaubnis der ARD auf ein Videoportal hochlädt.

Was sie umtreibt, ist vielmehr Googles Buchprogramm, bei dem in großem Stil Bücher digitalisiert und öffentlich zugänglich gemacht werden. In der Tat ist das ein problematisches Vorgehen, denn Google hat dabei durch das Scannen von Millionen Büchern Fakten geschaffen, um anschließend unter dem Einsatz von Millionen US-Dollar an Anwaltshonoraren mit den US-Verleger- und Autorenverbänden eine Einigung zu erzielen. Der müssen sich jetzt alle Verleger und Autoren beugen, da es sich um eine so genannte, dem deutsche Recht fremde "Class Action" handelt, die eine quasi-gesetzliche Wirkung für alle Angehörige einer Klasse entfaltet - sollte das zuständige US-Gericht, das die Modalitäten der Einigung überprüft, zustimmen. Diese Zustimmung wird für den kommenden Mai erwartet.

Google wird dann in lieferbare Bücher so viel Einblick gewähren, wie es die Rechteinhaber - also Autor oder Verlag - erlauben, und vergriffene Bücher verwerten, indem Nutzer die Bücher ansehen, ausdrucken oder auch als Print-on-demand-Version kaufen können - so lange nicht die Rechteinhaber Einspruch erheben. Von den Einnahmen bekommen die Rechteinhaber in der Regel 63 Prozent, Google 37.

Kritik an Google, vor allem durch Verleger, in allen Ehren: Aber 63 Prozent sind keine Enteignung. Wer heute einen Vertrag mit einem Verlag unterschreibt und nicht Daniel Kehlmann heißt, bekommt mit ein bisschen Glück einen Anteil von zehn Prozent des Ladenverkaufspreises. Wer Pech hat und zum Beispiel seine Dissertation veröffentlichen muss, zahlt an den Verleger einen Druckkostenzuschuss von mehreren Tausend Euro. Ob Autoren also gut beraten sind, die Angst der Verleger zu teilen und Google mit einem Rechtsstreit zu drohen, dessen Kosten sie über die VG Wort selbst bezahlen müssen, ist alles andere als ausgemacht (siehe hierzu auch den Artikel "Der Kampf gegen Google" von Ilja Braun, SZ vom 2. Februar 2002). Über die Auswirkungen des Google Settlement in der Praxis zerbrechen sich zur zeit Verleger, Akademiker und Autoren weltweit auf Symposien und Konferenzen die Köpfe. Vielleicht sollten sie alle Roland Reuß fragen, der es offensichtlich genau weiß: die Enteignung der Urheber.

Die ja laut Reuß auch, und hier wird es dann so haarsträubend wie gefährlich, durch Open Access droht. Dabei muss man wissen, dass die Open-Access-Bewegung in den Wissenschaften aus einer Not heraus entstanden war - und einer paradoxen Situation, die nicht im Sinne irgendwelcher Urheber war und ist. Wissenschaftler, vor allem in den so genannten STM-Disziplinen - Science, Technology, Medicine - erwerben wissenschaftliches Renommee in erster Linie durch Publikationen in Science Journals, Wissenschaftszeitschriften. Diese Zeitschriften erscheinen in zum Teil weltweit operierenden, oft börsennotierten Verlagen, wie dem Springer Wissenschaftsverlag in Heidelberg (der mit der Axel Springer AG nichts zu tun hat) oder Reed Elsevier, einem britisch-niederländischen Konzern.

Um in Zeitschriften solcher Verlage zu veröffentlichen, müssen Wissenschaftler in vielen Fällen den Verlagen die exklusiven Nutzungsrechte an ihren Artikeln abtreten. Das bedeutet, dass sie ihre eigenen Beiträge anschließend nicht mehr an anderer Stelle veröffentlichen dürfen, weder auf der eigenen Website noch der ihrer Universität. Ein Honorar erhalten sie dafür nicht; im Gegenteil, die Peer Review, also die Begutachtung der Forschungsergebnisse, übernehmen Wissenschaftler ebenfalls ehrenamtlich, also in den meisten Fällen auf Kosten ihrer Arbeitgeber. Also auf Kosten der Steuerzahler, wenn sie an öffentlich geförderten Institutionen arbeiten, wie etwa Universitäten. Der Steuerzahler zahlt, der Konzern schreibt Gewinne: Wer enteignet hier wen?

Diese Situation wird dann vollständig absurd, wenn es sich die Universitäten, an denen die Wissenschaftler arbeiten, nicht mehr erlauben können, diese Zeitschriften zu abonnieren. Doch genau das ist seit den 1990er Jahren immer öfter der Fall. Seitdem sind die Preise für viele wissenschaftliche Fachzeitschriften um bis zu 30 Prozent pro Jahr gestiegen. Die meisten Beobachter sehen die Gründe darin, dass nur noch wenige große Verlage den Markt unter sich aufteilen und damit die Preise diktieren können. Wissenschaftler können aber nicht einfach auf Konkurrenzprodukte, also etwa billigere Magazine umsteigen, weil ihr Renommee bislang noch von der Publikation und den Peer Reviews in diesen Zeitschriften abhängt und weil sie die Informationen dieser Zeitschriften brauchen. Gleichzeitig stagnieren die Etats der Universitäten und Bibliotheken in vielen Ländern oder haben sich sogar verringert.

Wissenschaftler gehen daher immer mehr dazu über, ihre Artikel über das Internet offen zugänglich zu machen - "open access" eben. Sie profitieren davon doppelt - zum einen, weil die eigenen Erkenntnisse für mehr Kollegen zugänglich sind, zum anderen, weil sie selber auf mehr Veröffentlichungen anderer zugreifen können. Dass diese Praxis mit dem Geschäftsmodell vieler Verlage kollidiert, verwundert nicht - denn dieses Geschäftsmodell beruht darauf, sich exklusive Lizenzen unbezahlt von Wissenschaftlern, die aus öffentlichen Mitteln entlohnt werden, übertragen zu lassen, um sie anschließend an öffentlich finanzierte Bibliotheken zu verkaufen. Zu bisweilen astronomischen Preisen. So kostet ein Jahresabonnement des "Journal of Applied Polymer Science" mehr als 21.000 US-Dollar (zuzüglich Mehrwertsteuer), ein Anstieg von mehr als 30 Prozent seit 2002.

Für Reuß, den es offenbar aus der Fassung gebracht hat, seine eigene Kafka-Edition schlecht eingescannt bei Google Books zu finden, ist die Beschäftigung mit derartigen Kleinigkeiten natürlich unter seiner Würde. Lieber reißt er mit dem Hintern ein, was Wissenschaftler und Bibliothekare in den letzten Jahren mühsam mit den Händen aufgebaut haben, indem sie um Verständnis für Open Access nicht nur bei Politikern, sondern auch bei anderen Wissenschaftlern geworben haben. Zu diesem Zweck zitiert Reuß seinen Kollegen Uwe Jochum, Bibliothekar in Konstanz. Der sich "die Mühe gemacht hat, den Dingen auf den Grund zu gehen", wie Reuß schreibt.

Dabei soll heraus gekommen sein, dass die Yale-Universität "im Jahre 2007 die Subventionierung jener Autoren, die auf der dem Open-Access-Modell folgenden medizinischen Informationsplattform Biomed Central publizieren wollten", beenden musste, "weil die Publikationskosten derart in die Höhe zu schießen begannen, dass auch die Finanzkraft von Yale dafür nicht mehr ausreichte". Zwar stimmt es, dass Yales Wissenschafts- und Medizin-Bibliotheken die Mitgliedschaft bei Biomed Central, einem der wichtigsten Open-Access-Verlage, kündigte, doch ist eine halbe Lüge mitnichten eine halbe Wahrheit. Denn zum einen lag der Grund für die Kündigung darin, dass die Universität die Kosten für die Open-Access-Veröffentlichungen allein auf den Schultern der Bibliothek abgeladen hatte. Zum anderen zahlte Yale allein im Zeitraum von 2004 bis 2005 mehr als sieben Millionen US-Dollar für annähernd 70.000 Abonnements "klassischer" Zeitschriften, was wohl der wichtigere Grund dafür ist, dass die Uni klamm war, als die 29.635 US-Dollar Mitgliedsgebühr für Biomed Central, die 2007 geflossen waren.

107 andere US-Institutionen haben im Jahr 2007 ihre Mitgliedschaft beibehalten, darunter das MIT und die University of California at Berkeley, um nur zwei auch hierzulande bekannte Hochschulen zu nennen. So tief ist also der Grund nicht, auf den Jochum und Reuß da gegangen sind. Vielmehr haben sie im Trüben gefischt, und dass FAZ, FR und taz die Behauptung, Open Access sei unbezahlbar, ungeprüft veröffentlicht haben, macht sie nicht richtiger.

Rudolf Walther verschärft die Desinformation in der taz noch und behauptet, die Bibliothek von Yale habe allein für den "open access" zu einem einzigen Artikel aus Biomed Central Tausende von Dollar zahlen müssen: "Im Jahr 2005 kostete es die Universität Yale noch 4.648 Dollar, ihren Forschern einen einzigen Artikel aus einer digital erscheinenden hochspezialisierten biomedizinischen Zeitschrift zugänglich zu machen. Ein Jahr später verlangten die Quasi-Monopolisten 31.625 Dollar pro Artikel." Das ist nun völlig gaga. Walther verwechselt die Kosten für das Einreichen aller Yale-Artikel eines Jahres bei Biomed Central mit dem Zugang zu diesen Artikeln in Bibliotheken und weltweit über das Internet, der bei "Open Access" definitionsgemäß kostenlos ist.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern um den Australier John Houghton hat jüngst in einer Studie das wissenschaftliche Publikationswesen in Großbritannien wohlfahrtsökonomisch untersucht. Ihr Ergebnis gleicht dem, zu dem auch schon Untersuchungen von EU und OECD gekommen sind: der volkswirtschaftliche Nutzen von Open Access übersteigt signifikant die Kosten. Ob sich Michael Naumann, Daniel Kehlmann und all die anderen, die Reuß' Text unterschrieben haben, für diese Niederungen der Empirie interessieren?

Der Appell schließt mit den Worten: "Die Freiheit von Literatur, Kunst und Wissenschaft ist ein zentrales Verfassungsgut. Verlieren wir sie, verlieren wir unsere Zukunft." In Äsops Fabel ruft der Schäferjunge um Hilfe vor dem Wolf, obwohl keine Gefahr droht. Als der Wolf tatsächlich kommt, um die Schafe zu reißen, eilt dem Jungen niemand zu Hilfe. Ob die Unterzeichner diese Fabel kennen? Bei Google Booksearch kann man sie nachlesen.

Matthias Spielkamp

Matthias Spielkamp ist Publizist und Projektleiter bei iRights.info - Urheberrecht in der digitalen Welt und betreibt das Immateriblog

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