Spätaffäre

Zwei Typen vor einer Kamera

Vorschläge zum Hören, Sehen, Lesen. Wochentags um 17 Uhr
21.05.2014. Auf eine neue Gnadenlosigkeit bei der New York Times erkennt das New York Magazine nach der Entlassung der Chefredakteurin Jill Abramson. Die Zeit begibt sich unter prorussische Demonstranten in der Ostukraine. Der SWR fragt: Wie böse ist Google. Auf zdfkultur zeigt Romuald Karmakar den "Angriff auf die Demokratie".

Für die Augen

Das ZDF bringt in seiner Digitalsparte zdfkultur Romuald Karmakars "Angriff auf die Demokratie", für den der deutsche Filmemacher die Wortbeiträge einer Konferenz zur Eurorettung dokumentierte. "Bei aller Produktzentriertheit des Kapitalismus, die Macht der Worte kann gar nicht überschätzt werden", schrieb Frédéric Jaeger zur Berlinale-Premiere des Films auf critic.de. Hier kann man den Film online sehen. (102 Minuten)

Neu auf netzkino.de: Claude Chabrols "Die untreue Frau" aus dem Jahr 1969 über die Abgründe hinter einer bürgerlichen Fassade. Der film-dienst hob seinerzeit in seiner Filmkritik "die an Hitchcock geschulten Spannungselemente auf die deformierte Psyche der Protagonisten hinter der kultivierten Fassade" hervor. In den Hauptrollen: Michel Bouquet und Maurice Ronet. Hier in voller Länge. (94 Minuten)

Für die Ohren

"Wie böse ist Google", fragt sich nach der von der FAZ angestoßenen Debatte um den Netzkonzern beim SWR eine Expertenrunde bestehend aus Björn Böhning (SPD-Gesprächskreis Netzpolitik und digitale Gesellschaft), Götz Hamann (von der Zeit) und der freie Journalist Mario Sixtus. Hier kann man das Gespräch online anhören. (44 Minuten)

Deutschlandradio Kultur brachte in seinem Nachtprogramm ein Feature über Wahrnehmung unter dem Titel "Signaturen - Über Literatur und Fotografie". Es geht um die alte und neue Lust am Zusammenspiel von Bild und Erzählung. Und um die Frage: Wer sieht mehr Dimensionen? (54 Minuten + viel Text zum Nachlesen)
Stichwörter: Netzpolitik

Für Sinn und Verstand

In der aktuellen Ausgabe des New York Magazins fragt sich Gabriel Sherman, wie viele andere auch, warum Arthur Sulzberger Jr., Verleger der New York Times, Chefredakteurin Jill Abramson gefeuert hat. Ganz eindeutig ist das offenbar nicht auszumachen, Sherman spricht von einer Akkumulation möglicher Gründe, einer davon Abramsons Skepsis gegenüber den Neuen Medien: "Sulzberger installierte Thompson (Mark Thompson, CEO der Times) als Impulsgeber, der die Rolle der Zeitung in einer sich mit Hochgeschwindigkeit verändernden Medienwelt überdenken sollte. Thompsons Rolle als Hausphilosoph kollidierte jedoch mit Abramson. Ein Brennpunkt war Thompsons Schwerpunktsetzung bei Videod. Abramson war nicht überzeugt. 'Jill mag Video nicht', sagte mir eine mit Abramsons Denken vertraute Person. 'Für sie gibt es nichts Langweiligeres, als zwei Pressetypen, die sich vor einer Kamera über eine Story unterhalten, die sich ebensogut in einer Minute lesen lässt.'" Erregung verursacht das Ganze nicht zuletzt aufgrund der Plötzlichkeit, mit der Abramson abserviert wurde. "Die merkwürdige Gnadenlosigkeit des Geschehens erinnert an den Rauswurf von Janet Robinson (Ex-CEO des Blattes) und ist inzwischen zum Kennzeichen dieser Ära der Times geworden. Das alles sei nicht der Stil der Times, heißt es aus der Redaktion. Viele empfänden das Verhalten als grob und unwürdig."

Alice Bota beschreibt in einer Reportage für die Zeit, die jetzt online steht, wie sie einen Trupp prorussischer Demonstranten in der Ostukraine begleitet: "Ich stehe neben ihnen, mache keine Notizen, spreche nicht, aber irgendwie muss ich einer älteren Frau aufgefallen sein. Sie kreischt, was ich hier täte, ich zeige ihr die Akkreditierung der 'Volksrepublik Donezk', die ich zwei Stunden vorher abgeholt habe, aber es hilft nicht, Hände greifen nach meiner Tasche, wollen sie durchsuchen, ich öffne die Tasche, sie durchwühlen sie, aber da ist nur die Regenjacke, der Block, das iPad, sie versuchen, es mir zu entreißen..."