Susan Faludi erzählt die Geschichte der amerikanischen Feministin
Shulamith Firestone, die verschiedene feministische Organisationen gegründet oder mitgegründet hatte und 1970 mit ihrem Buch "The Dialectic of Sex" ein
feministisches Manifest vorgelegt hatte, das man auch heute noch radikal nennen würde (hier das
erste Kapitel). Kurze Zeit später zog sie sich vollkommen aus der Bewegung zurück. Sie malte und schrieb, fühlte ihre Kreativität jedoch durch Medikamente beeinträchtigt, die sie wegen schizoider Schübe nehmen musste. 2012 starb Firestone
verarmt und allein in ihrer New Yorker Wohnung. Es ist ein Schicksal, das sie mit nicht wenigen Feministinnen der zweiten Generation teilt, so Faludi. Einer der Gründe dafür war, dass Frauen, die sich mit ihrem Kampf für Gleichbereichtigung ins soziale Abseits begeben hatten, nur noch die
Schwesternschaft hatte. Die aber beherrschte das
Mobbing genauso gut wie Männer: Unter dem Vorwand, sie sei 'zu männlich', versuche sich aufzuspielen und habe für ihr Buch einen Vorschuss bekommen, wurde Firestone aus ihrer eigenen Organisation rausgemobbt, erzählt Faludi. "Letztes Jahr, als ich die Gründerinnen des radikalen Feminismus in New York interviewte, häuften sich die Geschichten von '
sozialen Abstürzen': schmerzhafte Einsamkeit, Armut, Unsicherheit, Geisteskrankheiten und sogar Obdachlosigkeit. In einem Essay von 1998, 'The Feminist Time Forgot', beklagte Kate Millett die immer länger werdende Liste ihrer Schwestern, die 'untergingen und allein in der Vergessenheit kämpften oder in psychiatrischen Anstalten verschwanden und noch zurückkehren müssen, um ihre Geschichte zu erzählen', oder die 'in eine Verzweiflung verfielen, die nur der Tod beenden konnte'. Sie erwähnte die
Selbstmorde von Ellen Frankfort, der Autorin von 'Vaginal Politics', und
Elizabeth Fisher, der Gründerin von
Aphra, dem ersten feministischen Literaturmagazin. 'Wir waren einander keine große Hilfe', stellte Millett fest. Wir 'waren unfähig, eine wirkliche Community aufzubauen und Sicherheit zu geben.'"