Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

802 Presseschau-Absätze - Seite 48 von 81

Magazinrundschau vom 28.04.2009 - New York Times

David Kushner schreibt über die neuesten Techniken der kolumbianischen Drogenschmuggler - sie basteln sich Unterseebote, und diese Boote funktionieren tatsächlich: "Allein im Januar wurden vier dieser Boote gesichtet. Aber da sie die Radar-Systeme umfahren können, kann man sie praktisch gar nicht aufspüren. Nur geschätzte 14 Prozent von ihnen werden gestoppt. Und man rechnet damit, dass in diesem Jahr gut 70 Boote gebaut werden - 2007 waren es noch 45. Die Baukosten für ein solches Boot werden auf gerade mal 500.000 Dollar geschätzt, die Bauzeit ist kürzer als 90 Tage. Man schätzt, dass sie heute knapp 30 Prozent der Kokain-Exporte transportieren."

Stichwörter: Baukosten, Kokain

Magazinrundschau vom 14.04.2009 - New York Times

Wyatt Mason bricht eine Lanze für den amerikanischen Dichter Frederick Seidel, dessen Rang nicht ganz unumstritten zu sein scheint: Für die einen ist er der derzeit beste amerikanische Dichter überhaupt, für andere höchstens der furcherregendste. Oder der "Darth Vader der zeitgenössischen Poesie". Mason hält ihn für einen Poeten der großen Offenheit: "Sein Ton, aber auch sein Sujet, lassen seine Leser perplex zurück. Ein maßgeblicher Zug seiner Dichtung ist, wie er die Bandbreite an Inhalten erweitert hat, die einem poetischen Prüfung würdig scheinen. 'I live a life of laziness and luxury' beginnt sein Gedicht 'Frederick Seidel', eines von vielen Selbstporträts vor einem bestimmten Hintergrund: Hotels wie das New Yorker Carlyle ('The chandeliers were Faberge sleighs / Flying behind powerful invisible horses, / Powerful invisible forces'), Restaurants in Manhattan ('I mean every part I play. / I'm drinking my lunch at Montrachet ) oder die seltenen Motorräder, die er sein Eigen nennt ('Red/As a Ducati 916, / I'm crazed, I speed, / I blaze, I bleed' ). Gewisse Kritiker haben die poetische Anständigkeit solcher Einsprengsel in Frage gestellt."

In der Sunday Book Review widmet sich Michael Meyer den sechs- bis siebenstelligen Vorschüssen, die Verlage mittlerweile ihren Autor zahlen, obwohl höchstens drei von zehn Büchern einen entsprechenden Gewinn abwerfen. "Vorschussneid ist weit verbreitet: 'Autoren, die nicht einmal ihre eigene Sozialversicherungsnummer wissen, können auf den Penny genau beziffern, was für einen Vorschuss ihre Nemesis bekommen hat', sagt Elissa Schappell, unter anderem Herausgeberin der Anthologie 'Money Changes Everything', in einer Email."

Magazinrundschau vom 31.03.2009 - New York Times

Nicholas Dawidoff schreibt für das Sunday Magazine ein episches Porträt über den berühmtesten aller Klimaskeptiker, den in Princeton lehrenden Physiker Freeman Dyson, der anders als viele klimaskeptische Populisten als einer der bedeutendsten lebenden Physiker gilt. Er bezweifelt die Hochrechnungen aus Klimamodellen, die etwa Al Gore in seinem Film präsentiert, mit wissenschaftlichen Argumenten. Aber er betont auch, dass hier ein politischer Streit um ein divergierendes Natur- und Menschenbild tobt. Er hat keine Sehnsucht nach der englischen Klassengesellschaft, in der er aufwuchs, schreibt Dawidoff , "aber was er an England liebte, war die Landschaft. Die erfolgreiche Verwandlung einer Wildnis und Sumpflandschaft hatte ein vollständig neues grünes Ökosystem geschaffen, das es Pflanzen, Tieren und Menschen erlaubte, in einer 'Gemeinschaft der Arten' zu leben. Dyson hatte immer eine starke Antipathie gegen die Idee, dass es so etwas wie ein optimales Ökosystem gibt - 'Leben ist stete Veränderung' -, und er verabscheut die Idee, dass Männer und Frauen etwas der Natur Entgegengesetztes seien, dass sie 'sich für ihr Menschsein entschuldigen' müssen. Menschen, so sagt er, haben die Pflicht, die Natur zu verändern, um überleben zu können."

Auf den Reiseseiten staunt Nicholas Kulish über die Kultur der Lesungen und Open-Mike-Wettbewerbe im düster winterlichen Berlin.

Magazinrundschau vom 24.03.2009 - New York Times

Tina Rosenburg erzählt die "Vielen Geschichten des Carlos Fernando Chamorro". Der Sohn des prominentesten unabhängigen Journalisten Nicaraguas war einst Redakteur der offiziellen sandinistischen Zeitung Barricada und ist heute bedroht, weil er sich für die Pressefreiheit einsetzt. Der Wendepunkt seiner Karriere war das Jahr 1990: "Als der Krieg gegen die Contras sich dem Ende neigte, war Daniel Ortega sechs Jahre Präsident und strebte eine Wiederwahl an. Die Sandinisten erwarteten eine Wahlerfolg, möglicherweise erdrutschartig. Stattdessen gewann erdrutschartig die Kandidatin der momentweise vereinigten Opposition, Violeta Barrios de Chamorro. 'Ich habe Ortega gewählt', erzählte mir Carlos und lächelt schäfisch. Die Redaktion von Barricada war geschockt vom Verlust der Sandinisten. Für Carlos war der Schock eher persönlich. 'Meine Mutter war Präsidentin', sagte er. 'Ich bin bei Barricada. Sollte ich gegen meine Mutter opponieren? Nun ja, genau das tat er, stellte sich heraus. Obwohl die Zeitung ihren Slogan zu 'Für das nationale Interesse' änderte, ging sie genadenlos um mit der Regierung seiner Mutter. Dann gab es einen anderen, erfreulicheren Schock: zum ersten Mal musste Carlos sich nicht zensieren. 'Wir sind richtige Journalisten, nicht Leute, die ein politisches Projekt verteidigen', erinnert er sich gedacht zu haben. 'Wir begannen uns befreit zu fühlen.' Die Veränderung bei Barricada war nicht nur eine berufliche; sie war fürs Überleben notwendig. Sie hatte ihr auf Regierungsanzeigen basierendes Einkommen verloren. Jetzt musste sie überleben, indem sie Zeitungen verkaufte."

Magazinrundschau vom 17.03.2009 - New York Times

Arthur Lubow porträtiert den Dirigenten Valeri Gergiev, Leiter des Marinsky Theaters in Petersburg, als einen Mann, der in seiner Zeit lebt und sich nicht im geringsten davor scheut, alles zu tun, was ihm notwendig erscheint. Ein Freund Putins und aller Mächtigen abwärts, ein Mann, der nach dem russischen Angriff auf Georgien in Tskhinvali Schostakowitschs Leningrad-Symphonie spielt - zu Ehren der Opfer und der russischen Armee. Er ist auch ein Mann, der als Dirigent internationale Reputation erworben hat und seine Fähigkeiten und Kontakte einsetzt, um das Bolschoi und Marinsky vor dem Verfall zu retten. Gergiev erinnert sich daran, wie er 1998 Boris Jelzin Geld entlockte. "'Ich sagte: Es gibt so viele alte Künstler - Sänger, Musiker - mit kleinen Pensionen. Ich hoffe, wir können ihnen helfen. Keine Antwort. Außerdem würden wir gern zum erstenmal in unserer Geschichte eine Reise durch russische Gebiete an der Wolga machen. Vielleicht könnte Ihre Unterstützung uns helfen, das zu organisieren. Keine Antwort. Dann, päng, punktete ich mit Amerika.' Geschickt den Konkurrenzinstinkt des Präsidenten abmessend, erklärte Gergiev Jelzin, dass er 30 Millionen Dollar brauche, um den Theaterdistrikt so umzumodeln, dass er amerikanischen Standards entspricht. ... Später rief ihn ein Freund aus Moskau an, der im Finanzministerium arbeitete. 'Er lachte und sagte: Was hast du zu Jelzin gesagt? Er hat so wild unterzeichnet, dass das Papier ein Loch hat.'"

Hier Strawinskys "Sacre du Printemps" mit Gergiev und dem Londoner Symphonieorchester:



In der Book Review schreibt Lee Siegel vielleicht ein wenig unentschieden über den großen George Steiner: "Sein erfrischender Vorzug ist, dass er in nur einem Absatz von Pythagoras, über Aristoteles und Dante zu Nietzsche und Tolstoi kommt. Sein irritierender Nachteil ist, dass er in nur einem Absatz von Pythagoras, über Aristoteles und Dante zu Nietzsche und Tolstoi kommt."

Magazinrundschau vom 10.03.2009 - New York Times

David Gates lässt kaum ein gutes Haar an Jonathan Littells "Die Wohlgesinnten". Der von seiner Schwester besessene Held und Nazi Max Aue, der sich an einer Stelle ein Würstchen in den Hintern schiebt und es später seiner Mutter und seinem Stiefvater als Mahlzeit serviert, "ist einfach zu sehr Freak und sein angebliches Trauma zu speziell und gekünstelt, als dass wir es ernst nehmen könnten. Wenn er uns eine moralische Gänsehaut mit dem Argument einjagt, 'Sie hätten auch getan, was ich getan habe', tanzen Visionen von Würstchen vor unserem Auge."

Besprochen werden außerdem eine Reihe von Büchern aus oder über China: Yiyun Lis grimmiger Roman "The Vagrants" über das China der siebziger Jahre (erstes Kapitel), Yu Huas Roman "Brothers" (erstes Kapitel), Xinrans Interviewbuch "China Witness. Voices From a Silent Generation" und James Fallows Reportagen aus China für Atlantic Monthly, "Postcards from tomorrow square" (erstes Kapitel).
Stichwörter: Littell, Jonathan, Mutter, Trauma

Magazinrundschau vom 03.03.2009 - New York Times

Hocherfreut zeigt sich Rezensentin Liesl Schillinger über "ein beachtliches literarisches Ereignis des Jahres 2009": Michael Hofmanns englische Übersetzung von Hans Falladas Roman "Jeder stirbt für sich allein". Vorbild für das im Roman beschriebene Berliner Ehepaar, das während des Zweiten Weltkriegs eine Postkartenkampagne gegen Hitler ins Leben rief, war das reale Ehepaar Otto und Elise Hampel, das vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und enthauptet wurden. Übersetzt worden sind auch Falladas "Kleiner Mann - Was nun" und "Der Trinker". Spannend und lehrreich findet Schillinger auch die Nachworte von Philip Brady und John Willet: "Brady zufolge gestand der Autor einmal, dass er 'nur das wiedergeben kann, was er sieht, nicht was geschehen könnte'. Was Fallada im Berlin der 40er Jahre sah, war genug, um als labilerer Mann die Augen zu schließen. Aber Fallada hielt seine weit offen. Er war nicht stark genug um Nazi-Deutschland zu verlassen, obwohl er die Chance dazu gehabt hätte. Aber er war stark genug das niederzuschreiben, was er sah."

Besprochen werden außerdem unter anderem Brad Goochs Biografie der Schriftstellerin Flannery O'Connors und Alexander Waughs Geschichte der Familie Wittgenstein.

Magazinrundschau vom 20.01.2009 - New York Times

Matt Bai hat wenig Geduld mit den Linken, die Obama bereits vorwerfen, er sei nicht radikal genug und sein Kabinett habe zuwenig Outsider, Schwule oder Vertreter ethnischer Minderheiten. "Dieser Sound ist das letzte Röcheln der Boomergeneration und ihrer Politik: die Katalogisierung von Individuen anhand ihrer Unterdrückung, dieser endlose Prozess, kulturelle Differenzen aufzuzählen statt allgemeine Ziele anzusteuern. Es ist eine politische Philosophie, die vor dreißig Jahren vielleicht sinnvoll war, die aber heute, in der Morgendämmerung der Obama Ära, irgendwie rätselhaft wirkt, da diese Interessengruppe zu den mächtigsten des Washingtoner Establishments gehören - und der Mann selbst schwarz ist."

Der Rest des Magazins ist mit Fotos von Nadav Kander gefüllt, der "Obamas Leute" fotografiert hat (mehr dazu hier).
Stichwörter: Bait

Magazinrundschau vom 13.01.2009 - New York Times

Eine großartige Zukunft sieht der Psychologe Steven Pinker - im Heft mit auf die Augenfarbe abgestimmer Krawatte abgebildet - durch die neuen Genom-Firmen eröffnet, die "zum Preis eines Flachbild-Fernsehers" einen persönlichen Gen-Check anbieten: Für 399 Dollar gibt es von 23andMe einen Gen-Sampler, inklusive Krankheitsrisiken und Vorfahren-Analyse, für 99.500 Dollar bietet Knome die komplette DNA-Sequenz. "Alle Eltern mit mehr als einem Kind wissen, dass Babys mit ausgeprägten Persönlichkeiten auf die Welt kommen. Aber was kann man darüber sagen, wie das Baby so wurde? Bis vor kurzem ahnten wir die Spuren in der Familie, doch selbst hierbei verschmolzen genetische Tendenzen mit familiären Traditionen. Zumindest theoretisch können persönliche Genomanalysen eine präzisere Erklärung bieten. Wir könnten in der Lage sein, tatsächlich die Gene zu finden, die eine Person dazu neigen lässt, garstig oder nett zu sein, ein Denker oder ein Macher zu sein, eine trübe Tasse oder ein sonniges Gemüt."
Stichwörter: Pink, Pinker, Steven, Krawatte

Magazinrundschau vom 06.01.2009 - New York Times

In einem großen Artikel beleuchten Michael Lewis (auf dessen wunderbaren Portfolio-Artikel zur Krise wir bereits mehrfach hingewiesen haben) und David Einhorn auf den Op-Ed-Seiten noch einmal das "Ende der Finanzwelt, wie wir sie kennen". Auch der Madoff-Skandal gibt ihnen zu denken: "Der Skandal offenbart eine klaffende Lücke in unserem Finanzsystem, das nicht einfach durch schlechtes Benehmen unterminiert wurde, sondern durch das Fehlen von Kontrollmechanismen, die es im Zaum halten. 'Gier' ist keine keine befriedigende Erklärung für unsere gegenwäritige Finanzkrise. Gier war eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung, Gier können wir aus unserem Nationalcharakter genauso wenig tilgen wie Lust oder Neid. Das eigentliche Problem ist nicht die Gier der wenigen sondern die schlecht gebündelten Interessen der vielen."