Magazinrundschau - Archiv

Elet es Irodalom

643 Presseschau-Absätze - Seite 53 von 65

Magazinrundschau vom 22.04.2008 - Elet es Irodalom

Als "Panikkapsel" kritisiert der Schriftsteller Bela Bodor das Videopamphlet "Fitna" des niederländischen Politikers Geert Wilders: "Das eigentliche Übel des Films ist, dass wir uns auf diese Weise in schematischem Denken üben, und dadurch eine Gruppe von etwa einer Milliarde Menschen als unseren Feind betrachten, statt in ihren Reihen nach Verbündeten zu suchen und mit diesen die einigen Tausend Gefährlichen zu bekämpfen. Wenn das so weitergeht, wird es unser Ende bedeuten, und nicht nur, weil sie eines Tages die Stärkeren sein könnten (heute ist das bei weitem noch nicht der Fall, soviel steht fest), sondern weil wir gezwungen wären, die leitenden Werte unserer Kultur aufzugeben, gerade jene, aus denen wir unsere Weisheit, unsere materielle und moralische Kraft schöpfen und geschöpft haben."
Stichwörter: Wilders, Geert

Magazinrundschau vom 15.04.2008 - Elet es Irodalom

Der ungarische Schriftsteller und Herausgeber der jüdischen Kulturzeitschrift Szombat, Gabor Szanto T. sprach mit dem israelischen Literaturwissenschaftler Dan Miron. In seiner Antwort auf die Frage, wie politisch die hebräische Literatur ist, beruft sich Miron unter anderem auf die These der "kleinen Literatur" von Gilles Deleuze und Felix Guattari: "Die kleinen Literaturen sind nicht 'kleiner', sondern kulturell marginalisiert. In solchen Literaturen erhält alles eine politische Prägung. Nicht in direkter Form, durch die Reflexion politischer Themen, sondern durch die Tatsache, dass, worüber auch immer das absolute Individuum schreibt, dies die Themen und Erlebnisse der Gemeinschaft berührt. Das trifft, finde ich, mehr oder weniger auch für die israelische Literatur zu. Die israelischen Schriftsteller beschreiben ihre individuellen Erlebnisse, dennoch teilt jeder bedeutende israelische Roman, der sich mit dem Schicksal von Privatpersonen beschäftigt, etwas über die Situation der Gemeinschaft mit. [...] Ich wäre nicht überrascht, wenn dies auch für die ungarische Literatur zutreffen würde."

Magazinrundschau vom 08.04.2008 - Elet es Irodalom

Die UNESCO empfiehlt, im alten jüdischen Viertel Budapests jeden weiteren Abriss einzustellen, um das Weltkulturerbesiegel der benachbarten Andrassy ut nicht zu gefährden. Wird aber durch den bloßen Schutz der Häuser der Charakter eines Stadtviertels gewahrt? Auf diese Frage antwortet der in Frankreich und den USA lebende Stadtplaner und Architekt Attila Batar im Interview mit Julia Cserba: "Natürlich müssen sich die Beschützer des jüdischen Viertel darüber im klaren sein, dass das kulturelle Erbe, das sie erhalten und wiederbeleben wollen, die einstigen 40-50 Gebetshäuser und über 100 religiöse, kulturelle und Jugendinstitutionen endgültig verschwunden sind. Das damalige gesellschaftliche Gewebe kann ebensowenig wiederhergestellt werden, wie auch die einstigen Bewohner nicht mehr zurückgesiedelt werden können. Die große Aufgabe besteht jetzt darin, das, was von diesem kulturellen Erbe noch existiert, zu bewahren, indem wir die Denkmäler der Vergangenheit, die noch gerettet werden können, schützen - natürlich mit dem Bewusstsein, dass die Vergangenheit nicht mehr zurückgeholt werden kann. Aber ich halte es für sehr wichtig, dass die Menschen an ihre Geschichte erinnert werden."
Stichwörter: Kulturelles Erbe, Attila

Magazinrundschau vom 25.03.2008 - Elet es Irodalom

Ein seltsames, bauliches Ungeheuer soll über einer Ruinenstätte in der westungarischen Stadt Szekesfehervar errichtet werden, wo sich auch das Grab des ersten ungarischen Königs Stephan (969-1038) befindet. Diese "nationale Gedenkstätte?, ihren Erträumern zufolge ein riesiges, turmartiges Gebilde, das der einst an diesem Ort gestandenen Basilika aus dem 12. Jahrhundert entsprechen soll, ist unter Fachleuten umstritten - unter anderem, weil es die Ruinen selbst zu zerstören droht. Dabei sind gerade diese von großer Bedeutung, wie der Kunsthistoriker Ernö Marosi findet, weil sie historische Quellen sind, die sich nicht durch andere schriftliche Quellen ersetzen lassen. Welche Verpflichtungen sich daraus ergeben, antwortet Marosi im Interview mit Eszter Radai: "Diese Ruinen müssen wir in dem Zustand weitergeben, in dem wir sie erhalten haben. Das ist eine Verpflichtung. Neuerdings wird dies gerne als 'nationales Erbe' bezeichnet, aber ein Erbe ist es nur aus der Perspektive des Empfängers - aus der Perspektive des Absenders ist es ein Nachlass. Was wir als Erbe bekommen, müssen wir demnach als Nachlass weitergeben. Wir haben kein Recht, uns in diesen Überlieferungsprozess einzuschalten, und nur das weitergeben, was wir über dieses Erbe anhand unseres heutigen, fehlbaren Wissens denken. Die Ansätze des modernen Denkmalschutzes sind nämlich die des Konservierens, und nicht die des Restaurierens. Dieser Ansatz aber, der bis zur letzten Jahrtausendwende vorherrschend gewesen ist, will im historischen Denkmal sich selbst ein Denkmal setzen.?
Stichwörter: Denkmalschutz, Marosi, Ernö

Magazinrundschau vom 18.03.2008 - Elet es Irodalom

Seit den 1990er Jahren scheint die Zeit in der ungarischen Dokumentarfilmszene stehengeblieben zu sein, findet der Filmkritiker Lorant Stöhr, ist aber angesichts mancher Werke junger ungarischer Dokumentarfilmer, die bei dem diesjährigen Filmfestival in Budapest im Februar gezeigt wurden, optimistisch: "Im einst experimentierfreudigen, heute aber verknöcherten ungarischen Dokumentarfilm scheinen Spielfilmelemente ein Tabu geworden zu sein: Schließlich müsse die objektive, distanzierte und ernste, oft schon düstere Darstellung der Armut für sich sprechen. Und in der Tat sprachen die von gebrochenen Schicksalen zeugenden Gesichter, die Bilder der Verödung und Zerlumpung eine Zeitlang für sich, doch durch die heutige, von Privatsendern ausgestrahlte Flut der sozialen Schauergeschichten ist der Zuschauer gegen das bloße Bild des Elends immun geworden. Humor, persönlicher Ton und Adaption spielfilmischer Mittel - das sind die Charakteristika, die die Werke der jungen Künstler, die sich von den moralischen Skrupeln des soziologischen Dokumentarfilms befreit haben, entschiedener als je zuvor kennzeichnen. Diese Stilmittel allein garantieren zwar keine Qualität, können aber den Weg zum jüngeren Publikum ebnen, dessen Affinität für den Dokumentarfilm erweckt werden muss, um dieses Genre am Leben erhalten zu können."
Stichwörter: 1990er

Magazinrundschau vom 26.02.2008 - Elet es Irodalom

Fahren Sie nicht nach Berlin, fahren Sie nach Fellbach bei Stuttgart. In der dortigen Stadtgalerie wird nämlich gerade eine Ausstellung des Malers Istvan Nadler gezeigt, wirbt der Schriftsteller Peter Esterhazy. "Nadler stellt Fragen, die auch die Fragen der Literatur, auch meine Fragen sind. Wie können wir von der Beobachtung unser selbst zur Erkenntnis der von uns unabhängigen Wirklichkeit gelangen? Und nun: was ist die Wirklichkeit? Wenn es stimmt, dass wir nur das zu sehen imstande sind, was wir auch verbildlichen können, was sehen wir dann? Das Abstract von etwas, um mich missverständlich auszudrücken. Wir neigen dazu, zu vergessen, dass das abstrakte Bild nicht nur nonfigurativ ist, sondern dass auch das Objekt des (per definitionem ohnehin abstrakten) Denkens, das sich hinter diesem Bild verbirgt, abstrakt ist. Dieses Denken stimmt mit der persönlichen Meinung des Künstlers nicht überein. In dieser Hinsicht sind bildende Künstler interessanter als Schriftsteller, weil letztere, da das Wort ihr Metier ist, sich besser verbergen können, und natürlich (im Prinzip) wissen, was sich gehört und was nicht, vielmehr noch, was sich gerade jetzt gehört und was nicht. Demgegenüber sind bildende Künstler unschuldig, und das ist an sich schon enorm."

Vor einem Jahr hat Jean-Pierre Frommer, Mitarbeiter im französischen Umweltministerium und Veranstalter der Les Mardis hongrois de Paris eine europaweite Unterschriftenaktion für die Erhaltung des jüdischen Viertels von Budapest gestartet. Im Interview mit Julia Cserba zeigt er sich überrascht, dass sein "offener Brief in der ungarischen Presse auch antisemitische Reaktionen hervorgerufen hat. Dabei sind die Hausmauern nicht jüdisch, vielleicht waren es nicht mal ihre Architekten, in dem Viertel wohnen viele Leute anderer Konfession. Die Ungarn müssen verstehen, dass dies keine jüdische Angelegenheit ist, sondern eine Angelegenheit Budapests, des ganzen Landes. Hier steht das Schicksal eines gemeinschaftlichen Wertes auf dem Spiel, der in Europa beinahe einmalig ist. Vielleicht trägt auch die Bezeichnung 'jüdisches Viertel' dazu bei, dass jene, die nicht dort leben, glauben, es gehe sie nichts an. Viele mag es sogar stören, und sie würden sich freuen, wenn es spurlos verschwände. Daran dachte ich, als ich erfuhr, dass der letzte Rest der einstigen Ghettomauer abgerissen und ihre Ziegel verkauft wurden. In Berlin hat man an mehreren Stellen die Mauer erhalten, obwohl auch sie an eine nicht gerade ruhmreiche Epoche erinnert."
Stichwörter: Esterhazy, Peter

Magazinrundschau vom 19.02.2008 - Elet es Irodalom

Die niederländischen Journalisten Runa Hellinga und Henk Hirs leben (mit einigen Unterbrechungen) seit 1989 in Ungarn. Inwieweit man sich hier als Ausländer einleben kann, darüber sprechen sie im Interview mit Tibor Berczes. "Seitdem wir die Sprache mehr oder weniger beherrschen, ist es deutlich einfacher geworden, mit Ungarn in Kontakt zu kommen", erklärt Henk Hirs. "Nicht nur wegen der Verständigung, sondern auch, weil viele Ungarn es ausdrücklich schätzen, dass man sich angestrengt hat. Mir ist aber auch aufgefallen, dass die Ungarn dazu neigen, ihre Sprache zu mystifizieren. Wie oft habe ich schon gehört, dass 'der ungarische Wortschatz der reichste' sei und dass die ungarische Sprache 'eine Ausdruckskraft sondergleichen' besitze. Natürlich behaupten das meistens Leute, die keine andere Sprache beherrschen. Hier muss etwas erwähnt werden, das beleidigend klingen mag, aber es wäre besser, sich damit zu konfrontieren und dagegen anzukämpfen: die Provinzialität. Viele Leute sehen und kennen nur ihre eigene Welt und können sich nicht einmal vorstellen, dass die Dinge auf der Welt auch anders sein können - und eben oft auch anders sind. Provinzialität gibt es natürlich auch in Holland, aber vielleicht ist sie dort weniger ausgeprägt."
Stichwörter: Holland, Ungarische Sprache

Magazinrundschau vom 15.01.2008 - Elet es Irodalom

Tamas Majsai, Dekan an der Theologischen Hochschule John Wesley in Budapest, ist bestürzt, wie passiv sich die Kirchen bei einem Aufmarsch der ungarischen Garde zum Schutz vor angeblicher "Zigeunerkriminalität" (mehr hier) - verhalten haben. Majsai hätte sich gewünscht, dass man sich ein Beispiel am Prager Erzbischof Miloslav Vlk nimmt, der neulich bei einem Aufmarsch von Neonazis in der tschechischen Hauptstadt den jüdischen Friedhof höchstpersönlich beschützt hatte: "Die Ombudsmänner haben den Staatspräsidenten, andere Würdenträger der Öffentlichkeit sowie die politische Elite dazu aufgerufen, in der Garden-Angelegenheit klar und deutlich zu werden. An unsere Kirchen haben sie nicht gedacht. Würden diese aber das rassistische Affentheater nur ein einziges Mal und mit vereintem Willen zur Sünde erklären, gäbe es kaum jemanden, der diesen teuflischen Verkündungen Beifall klatschte. Auch würde die Mitgliedschaft in der Garde zu einer Schande. Aber die Kirchen reagieren nicht." (Majsai hatte im Oktober 07 auch einen Aufruf an die Reformierte Kirche Ungarns mitinitiiert, sich von den antisemitischen Äußerungen des Pfarrers Lorant Hegedüs jun. zu distanzieren.)
Stichwörter: Wesley, John, Neonazis

Magazinrundschau vom 29.12.2007 - Elet es Irodalom

Mehrere Beiträge analysieren den Kampf der beiden großen Parteien "auf Leben und Tod". Der nicht-ungarische Leser kratzt sich am Kopf und fragt entgeistert, wie ein Land mit solcher Fähigkeit zur Selbstkritik in einer Krise gefangen sein kann.

In Ungarn gibt es keinen Konsens über die Regeln der Demokratie, meint der Philosoph Janos Kis. Er sieht den Grund im zu schnellen Übergang von einem System zum anderen: "Die ungarische Gesellschaft war auf eine Wende nicht vorbereitet, und beide Seiten, rechts und links, starteten in die frische Demokratie als Gefangene ihrer widersprüchlichen Geschichte, ihrer anachronistischen Weltbilder und ihrer Vorstellungen vom jeweils anderen - und haben seither viel zu viel Zeit verschwendet. Diese anachronistischen Ideologien könnten nicht aufrechterhalten werden, würden sie sich nicht ständig gegenseitig rechtfertigen." Doch liege die Verantwortung nicht allein bei den Politikern, weshalb Kis vorschlägt, mit dem Nachdenken noch einmal von vorne anzufangen: "Auch die Intellektuellen sind verantwortlich."

Und die Journalisten, ruft der Journalist Janos Szeky. "Vor 25 Jahren gab es in Ungarn manch gute Journalisten, einige lesbare Zeitungen, den Rest kauften die Menschen aus Gewohnheit. Die Partei dachte, der Journalist diene der Politik der Partei und ist er dazu nicht in der Lage, so soll er sein Maul halten. Den Großteil der Presse durchdrang eine grinsende Gemütlichkeit. Heute gibt es manch gute Journalisten, einige lesbare Zeitungen, den Rest kaufen die Menschen aus Gewohnheit. Die Parteien denken, der Journalist diene der Politik der Partei und ist er dazu nicht in der Lage, so soll er sein Maul halten. Den Großteil der Presse durchdringt ein grinsender Zynismus. In der Zeit dazwischen hätte die politische Presse in Ungarn für einen historischen Augenblick lang die Chance gehabt, erwachsen zu werden. Aber der Augenblick verging, das arme Würmlein konnte nicht wachsen. ... Die überwiegende Mehrheit unserer Politiker konnte sich von Anfang an nicht vorstellen, dass es in den Medien souveräne Individuen geben kann, die ohne zentrale Anweisung schreiben oder reden - und sorgte nach Möglichkeiten dafür, dass es sie auch nicht gibt. Daraus wird bei uns aber keine demokratische Kontrolle mehr entstehen können, keine vierte Gewalt, kein Wachhund.?

Für ein tieferes Problem als die politische Krise hält der Medienwissenschaftler Peter György die Unfähigkeit, sich in zeitgenössischen gesellschaftlichen und kulturellen Räumen zurechtzufinden: "Die schwere und komplizierte Existenz in der intensiven kulturellen Dichte - die Toleranz fordert und schafft - ist unsere gemeinsame Zukunft. Ungarn bewegt sich aber heute in die entgegengesetzte Richtung. Seine absurden, veralteten und agressiven monokulturellen Manien gehören zum dunkelsten und letzten Erbe des Kadar-Regimes, an dem sich Rechte und Linke gleichermaßen beteiligen. Erstere träumen den hoffnungslosen Traum der Gemeinschaft, des Nationalstaates weiter: Manche zeitgenössische rechte Kulturbeschreibungen scheinen die Xenophobie der ehemaligen Staatspartei zu beschwören. Die Linke hingegen hat ihre Kompetenz bezüglich der Modernität verloren und glaubt im Gegensatz zum nostalgiegläubigen rechten Lager an nichts mehr, demzufolge sie auch nichts mehr von jener Kultur versteht, die uns durch die Krisen der zeitgenössischen Gesellschaften vermittelt wird. Hier befinden wir uns jetzt. Der Ort, an dem wir leben, treibt in der Tat weg vom Gleichzeitigkeitserlebnis zeitgenössischer Gesellschaften, weg von einer grundsätzlichen Bedingung des Dialogs, der Erfahrung einer gemeinsamen Gegenwart."

Magazinrundschau vom 18.12.2007 - Elet es Irodalom

Vor einigen Tagen marschierten etwa drei Hundertschaften der "ungarischen Garde" durch das kleine Dorf Tatarszentgyörgy, um gegen "Zigeunerkriminalität" zu protestieren (mehr hier und hier). Der Aufmarsch wurde von Jozsef Biber, dem Vizepräsidenten der rechtsextremen Partei Jobbik einige Tage vorher mit einer durch und durch rassistischen Rede eingeläutet. Der Medienwissenschaftler Peter György ist bestürzt, dass diese Rede in der Öffentlichkeit keine Reaktionen ausgelöst hatte. Jetzt wissen die Garde und Biber, das es keine Solidarität mit den Roma gibt. "Anders als in Prag, wo die Bevölkerung gezeigt hat, was es heißt, mutig und erhobenen Hauptes zu leben, sind wir in Ungarn Zeugen eines geschmacklosen und elenden Schauspiels." (Die Prager hatten ihre Neonazis mit einem gelben Stern empfangen, mehr hier)

ES-Chefredakteur Zoltan Kovacs kritisiert Staatspräsident Laszlo Solyom, der seine Kritik an dem Aufmarsch lediglich durch einen Brief verkünden ließ, den seine Pressesprecher vorlas. Da hätte sich Kovacs etwas mehr Engagement von seinem Staatsoberhaupt gewünscht. Die Freiheitsrechte falsch zu interpretieren, habe in Ungarn nämlich Tradition: "Als in den 1990er Jahren in den Fußballstadien antisemitische, rassistische Parolen gegrölt wurden und die Hooligans die Spiele auch nach Massenschlägereien weiter besuchen durften, war klar, dass man hierzulande alles tun darf. Diese 'Kultur' schlägt sich nun in den Massendemonstrationen nieder und lässt bezüglich der Freiheitsrechte einen Wirrwarr bislang unbekannten Ausmaßes in den Köpfen entstehen. Der wäre vielleicht nicht so groß, wenn jene, die ein hohes Amt innehaben, von Zeit zu Zeit durch eine entschiedene Stellungnahme deutlich machen würden, was uns wirklich teure Rechte wie die Meinungsfreiheit bedeuten. Und wo es hinführt, wenn sie missbraucht werden."