Magazinrundschau - Archiv

Elet es Irodalom

643 Presseschau-Absätze - Seite 52 von 65

Magazinrundschau vom 12.08.2008 - Elet es Irodalom

Man sagt, Solschenizyn sei nur ein mittelmäßiger Schriftsteller gewesen; man sagt, sein Stil sei banal, er habe keinen Humor; man sagt, er sei dem russischen Großmachtswahn verfallen, er sei ein konservativer Monarchist und russischer Nationalist geworden; man sagt, seine unablässige Moralpredigten seien schrecklich langweilig. Das mag zum Teil stimmen, schreibt der Philosoph Miklos Tamas Gaspar, ist aber vollkommen egal: "Alexander Issajewitsch Solschenizyn hat die heiligen Bücher des 20. Jahrhunderts geschrieben. Heilige Bücher sind oft einfach, ihre Elemente etwas konfus, ihre Autoren manchmal unwissend, manchmal sogar nicht ganz dicht. ... Die vulkanischen, manchmal die Stilmittel des billigen russischen Romans anwendenden, wortreichen und aufgeregten Bücher Solschenizyns sind keine Klassiker. Das ist keine Literatur. Das ist die Heilige Schrift. ... Alexander Solschenizyn hat eine Sache hartnäckig wiederholt: Dass nämlich das Leiden nicht edel macht, dass nicht die Tugend der Leidenden zählt, sondern die Bösartigkeit des Systems, die nicht verjährt. Aus dem Gulag kann nichts abgeleitet werden, was relevant wäre für die menschliche Natur. ... Und Alexander Solschenizyn hat uns davon überzeugt, dass wir die Dinge aus der Perspektive der Leidensgeschichte betrachten müssen. Wo es einen Willen gibt, da ist auch das moralische Urteil angebracht. Dieses Urteil ist eindeutig und einfach. Nicht raffiniert, nicht klug, nicht 'relevativ' im intellektuellen oder geistigen Sinne. Aber gültig."

"Hätte man Zeit gehabt, die Reformen weiterzuentwickeln, hätte es vielleicht zu jenem freien gesellschaftlichen System kommen können, das den Sozialismus wettbewerbsfähig gemacht hätte - aber mit den damaligen Reformen wäre das auch nicht gelungen. ... Heute bin ich davon überzeugt, dass demokratische Wohlstandsgesellschaften nur durch marktwirtschaftliche Reformen zustande gebracht werden können. Es gibt keinen 'dritten Weg', der Wirtschaftssysteme ohne Privateigentum betreiben könnte", sagt der Ökonom Jiri Kosta, der sich nach 1962 an der Ausarbeitung jener Wirtschaftsreformen beteiligt hatte, die dem Prager Frühling vorausgingen. Nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts musste Kosta emigrieren und erhielt später einen Lehrstuhl an der J.W. Goethe Universität in Frankfurt am Main.

Magazinrundschau vom 22.07.2008 - Elet es Irodalom

"Die politische Korrektheit hierzulande ist nichts anderes als eine Heuchelei", behauptet der Bürgerrechtsaktivist Andras Biro und bezeichnet im Interview mit Eszter Radai. Für Biro ist das Romaproblem das größte Problem, mit dem die ungarische Gesellschaft derzeit konfrontiert wird. Nur scheint sich dafür außer den Betroffenen und der extremen Rechten niemand zu interessieren. "Im Diskurs über die Roma schließen Ehrlichkeit und politische Korrektheit einander aus. Der Mehrheitsgesellschaft fehlt es an Mut, sich den Problemen zu stellen und sie zu diskutieren. Natürlich muss man auf die Wortwahl achten, aber das bedeutet noch lange nicht, dass man auf die Ehrlichkeit verzichten muss. [...] Es ist schrecklich, nur die Rechtsextremen trauen sich, ohne Hemmungen über die Probleme zu reden. Darum sind wir heute an einem Punkt angelangt, wo eine "Lösung", eine "Strategie" für die Romaproblematik einzig die mit dem Slogan der "Romakriminalität" operierende Ungarische Garde parat hat."

Die Gewalt gegen den Umzug der Homosexuellen am 5. Juli zeigt, dass "die politische Wende gar nicht oder nur in geringem Maße mit einer kulturellen Modernisierung einhergegangen ist", behauptet der Ethnologe Peter Niedermüller. "Ungarn ist heute ein Land an der Peripherie Europas, in dem der überwiegende Teil der Gesellschaft über die unvorhersehbaren Folgen des Wandels und der Demokratisierung erschrocken ist. Er hat Angst vor der Verarmung und davor, seine gesellschaftliche Bedeutung, sein symbolisches Kapital zu verlieren. Deshalb klammert er sich an seine einst erworbenen Positionen, an seine 'kulturellen Güter' und kompensiert das fehlende wirtschaftliche Wachstum durch einen beinahe schon fundamentalistischen kulturellen Konservativismus."
Stichwörter: Roma

Magazinrundschau vom 15.07.2008 - Elet es Irodalom

Homosexuellen-Paraden haben am vergangenen Wochenende nicht nur in Budapest, sondern auch in anderen europäischen Metropolen wie London oder Madrid stattgefunden. Weshalb wurden die Umzüge im Westen nicht mit Molotow-Cocktails und Steinen beworfen, fragt sich Istvan Vancsa und stellt fest, dass ungarische Nazis ihren europäischen Kollegen um einiges voraus sind: "Gibt es denn keine Skinheads in London? Und ob es sie gibt, schließlich ist diese ganze Skinhead-Sache eine englische Erfindung. Sind etwa die aufrechten Faschisten aus Spanien verschwunden? Sind sie nicht, im Gegenteil, sie erfreuen sich guter Gesundheit, würde man ihre verschiedenen Gruppen und Parteien aufzählen wollen, bekäme man diese Spalte hier voll. Wie ist es dann möglich, dass der Homosexuellen-Umzug weder in London noch Madrid Widerstand hervorgerufen hat? Es ist insofern möglich, als den patriotischen Kräften in England wie in Spanien der hiesige geistige Hintergrund fehlt", spottet Vancsa. Nur in Ungarn sei man überzeugt, dass die Homosexuellen nicht für sich streiten, sondern "auf den Verderb des Ungarntums zielen".
Stichwörter: Cocktails, England, Skinheads

Magazinrundschau vom 08.07.2008 - Elet es Irodalom

Holländer sind - nach den Deutschen und Österreichern - die drittgrößte Volksgruppe, die sich in Ungarn niederlässt. Zwar können sie die Rolle des "reichen Ausländers", die ihnen ihr neues Umfeld automatisch zuteilt, selten abschütteln und bleiben oft - ob in der Stadt oder auf dem Dorf - Teil einer sozial gut abgegrenzten Subkultur, da noch wenige der Einheimischen Fremdsprachen sprechen - Tibor Berczes glaubt dennoch, dass ihre andersartige Mentalität auch ihr neues Umfeld beeinflussen kann: "Die Holländer werden in ihrer neuen Kultur damit konfrontiert - auch wenn sie dies abstreiten -, dass sie ein gemeinsames kulturelles Erbe verbindet. In Ungarn wird ihnen unter anderem bewusst, dass sie aufgrund der sozusagen organischen historischen Entwicklung der Niederlande eine andere Beziehung zur Muttersprache haben (die für sie kein Survival-kit ist, sondern alltägliches Gebrauchsutensil), wie auch zur Vergangenheit (über die sie in der Vergangenheitsform und nicht im Präsens sprechen) oder zur Nation (das Nationalgefühl lebt im Holländer lediglich in Zeiten der Fussball-EMs und -WMs auf) oder gar zu Europa. In Europa sind sie so sehr zu Hause, als wäre es eine Verlängerung Hollands. Sie machen Schluss mit Holland, indem sie sich anderswo niederlassen, reproduzieren es dort aber gleich wieder. Sie passen sich überall an, bleiben derweil aber Holländer. Damit geben sie auch ein Beispiel. Ob sie Nachfolger finden werden, wird die Zukunft zeigen."

Magazinrundschau vom 24.06.2008 - Elet es Irodalom

In Ungarn sind jüngst die Tonbänder des Schauprozesses gegen Imre Nagy im Jahr 1958 veröffentlicht worden. Der Historiker Janos M. Rainer hört sie sich genau an und erkennt in den Stimmen der "schrecklichen Juristen" die neue gesellschaftliche Basis, die sich der Stalinismus in Ungarn nach dem Krieg geschaffen hatte: "Die Stimme des Staatsanwalts zischt so inquisitorisch, als käme sie aus einer spätmittelalterlichen Folterkammer. Die unkontrollierten Wutausbrüche des Richters, der die Angeklagten in einer erbärmlichen Mischung aus Juristen- und Aktivistensprache niederbrüllte, lassen eher einen knüppelschwingenden Offizier der Staatssicherheit als einen Richter vermuten. Diese Leute verlangten nach Rache und nach Blut - weil sie während des Prozesses der Machtübernahme der ausgehenden vierziger Jahre im Zeichen dieser Kultur in die Elite aufgestiegen waren."

Magazinrundschau vom 17.06.2008 - Elet es Irodalom

Die Kommunikationswissenschaftlerin Julia Sonnevend berichtet über die Konferenz "Wiedervorlage: Nationalkultur", die Ende April vom Goethe-Institut und den staatlichen Museen in Berlin veranstaltet wurde, und bedauert, dass eine ähnliche Konferenz in Ungarn momentan kaum stattfinden könnte - und nicht nur, weil es an politischem Konsens mangelt: "Um die Rolle der nationalen Kultur neu definieren zu können, müsste sie von außen betrachtet werden. Dieser Denkprozess wird durch den Umstand besonders erschwert, dass komplexe Analysen über das Ausland in der ungarischen Presse sehr rar sind, und dass die ... Diskurse, die die globale Öffentlichkeit bestimmen, hierzulande gänzlich fehlen (Klimawandel, die Problematik von Zentrum und Peripherie, usw.). In Ungarn dominiert eine Kultur der Hysterie, in der einem hysterischen Schritt eine hysterische Reaktion folgt, doch die Debatte verläuft zumeist lokal und streckenweise provinziell... Das Paradoxe an der Situation ist, dass in den oft als beispielhaft angesehenen europäischen Ländern gerade die Denkprozesse des Globalen dazu beigetragen haben, dass das Niveau der lokalen Debatten erhöht, die lokalen Aufgaben erfasst und die nationale Kultur neudefiniert werden konnten."

Während der wohlerzogene Zeitgenosse die Fragen "Wozu dient eigentlich die Geisteswissenschaft? Wozu brauchen wir Literatur?" schon aus Höflichkeit nicht stellt, halten sich "weniger kultivierte" Kreise immer weniger an diese Höflichkeit. Oft genug geht es dabei weniger um Provokation als um tatsächliche Ratlosigkeit, meint der Theaterwissenschaftler Laszlo Limpek: "In einer Zeit, in der die Gesellschaft dem einfachsten Durchschnittsbürger eine Reihe 'neuer' Verantwortlichkeiten (vom Umweltbewusstsein über die Idee des bewussten Wählers bis hin zum bewussten Verbraucher) aufbürdet, darf man sich nicht wundern, wenn dieser Durchschnittsbürger die Gegenfrage stellt: Und die Geisteswissenschaft? ... Mittlerweile gibt es fast schon zu jedem Lutschbonbon eine Gebrauchsanweisung. Und zur Literatur, die die sicherlich komplexeste Erfindung der Menschheit, die Sprache seziert, wie auch zu den Geisteswissenschaften, die sich den abstraktesten Erfindungen des menschlichen Verstandes widmet, gibt es keine. Da ist es nicht verwunderlich, dass manche sie vermissen."

Magazinrundschau vom 27.05.2008 - Elet es Irodalom

Um die derzeitige Krise der politischen Kultur Ungarns zu überwinden, sollen die Intellektuellen mehr Verantwortung tragen, wird oft gefordert. Der Schriftsteller Ivan Sandor fände es dagegen zweckdienlicher zu erforschen, warum eine solche Verantwortung oft vergebens war. Denn während die politische und intellektuelle Elite des 19. Jahrhunderts noch weitgehend identisch war, ist im 20. Jahrhundert die Reihe der ungehörten, verfolgten und emigrierten Intellektuellen sehr sehr lang: "Seit einiger Zeit ist die Fähigkeit zur (historischen) Selbsterkenntnis abhanden gekommen, sagt man, sage auch ich. Kann man sich diesem Dilemma auch aus einer anderen Perspektive nähern? Folgt aus der Selbsterkenntnis immer die Einsicht? Kann das Wissen nicht auch zur Erkenntnis führen, dass es im 20. Jahrhundert weder Kraft noch Wille gab, den Abstieg zu stoppen? Kann es nicht auch zu der Erkenntnis führen, dass der Mensch deshalb fortsetzt, woran er teilnimmt und was er gestaltet (und nicht nur erleidet) - weil er sich im evolutionären-historischen Sinne nicht ändern kann? Es gibt allerdings Länder, in denen er es kann.?

Aus der Ausgabe letzter Woche: Im Herbst 1968 flüchtete der Prager Filmstudent Pavel Schnabel nach Deutschland, wo er zu einem der bekanntesten Dokumentarfilmer wurde. Über die Erfahrung, aus dem Prager 1968 ins 1968 der westeuropäischen Studentenbewegung zu geraten, sprach er im Interview mit Zoltan Szalai: "Stellen Sie sich vor, Sie verlassen ein Land, weil Sie nichts mehr von Politik und Kommunismus hören wollen - und begegnen dann in einem anderen Land wildfremden Menschen, die gerade am Entfachen einer gesellschaftlichen Revolution arbeiten. In der langen Zeit, die ich mit ihnen verbrachte, stellte sich die Frage immer öfter, was ich vom westlichen 1968 halte und warum ich die Tschechoslowakei verlassen habe. Nach einer gewissen Zeit habe ich mit ihnen zusammen demonstriert und an mehreren 'sit ins' teilgenommen - unter anderem gegen den Springer-Konzern. Sowohl ich als auch sie mussten verstehen, dass ich die Tschechoslowakei nicht wegen jenem Sozialismus verlassen habe, für den sie kämpfen, und dass sie nicht jenen Kommunismus verwirklichen wollen, vor dem ich geflohen bin. Ich musste erkennen, dass die damalige BRD die Ideale des Sozialismus besser verkörperte als die Tschechoslowakei."

Magazinrundschau vom 20.05.2008 - Elet es Irodalom

"Der Zustand der polnischen Presse ist aus ungarischer Sicht paradiesisch", stellt Janos Szeky nach einem Besuch ungarischer Journalisten in polnischen Redaktionshäusern fest und kann seinen Neid kaum verbergen: "Die polnischen Medien und insbesondere die Printpresse hatte genügend Kräfte, um die beiden mageren Jahre des Rechtspopulismus (und zuvor die Interventionsversuche der Linken) zu überstehen. Die Widerstandskraft (im biologischen Sinne) der ungarischen Presse hingegen ist zweifelhaft. Die Gründe dafür sind wirtschaftlich, kulturell und lassen sich aus dem politischen System ableiten. [...] Nach 1956 galt in Ungarn die Wirtschaft, in Polen die Kultur als 'Ventil'. Vielleicht haben sie ein besseres Geschäft gemacht. Die Polityka hatte auch während der Diktatur in der Person von Ryszard Kapuscinski mindestens einen weltberühmten Autor, und nach 1980 fand im Land eine regelrechte kulturelle Revolution statt. Und während bei uns die Underground-Presse die Basis für oppositionelle Auffassungen war, war dies in Polen die oberirdische - wenngleich zensierte - katholische Presse. Es gab also keine Trennung zwischen Opposition und Professionalismus."

Die Ermordung zigtausender polnischer Offiziere durch die russische Armee 1940 in Katyn war nicht nur durch den Krieg bedingt, erklärt die Historikerin Ewa Rosowska im Interview mit Andras Palyi: "Im Winter 1939-40 kämpften in der Sowjetunion hinter den Kulissen zwei Auffassungen gegeneinander, was das Schicksal der polnischen Offiziere betraf. Für die sowjetische Militärführung war die polnische Armee eine gut organisierte und ausgerüstete traditionelle Armee, die von den Deutschen nur dank deren außergewöhnlicher technischer Überlegenheit und Blitzkriegstrategie besiegt werden konnte. Für die politische Führung dagegen war die polnische Armee eine typische Bourgeoisie-Armee, deren Offiziere Polen, die gemeinen Soldaten aber ausgebeutete Nationalitäten - Ukrainer, Weißrussen, Juden und andere - waren, und der dieser Klassenkonflikt zum Verhängnis wurde. Im April 1940 gewannen letztere - nicht zufällig, schließlich war auch Stalin ihrer Meinung. (...) Polen verschwand von der europäischen Landkarte und es gibt mehrere Anzeichen dafür, dass Stalin es nur ungern dort wiedergesehen hätte. Er wusste auch, dass eine wichtige Voraussetzung dafür die Liquidierung der polnischen Intelligenz war.?

Magazinrundschau vom 13.05.2008 - Elet es Irodalom

Der Entstehung einer "europäischen Identität? steht nicht nur die kulturelle Heterogenität des europäischen Kontinents im Wege, sondern auch die Unsicherheiten der heutigen Übergangszeit, erklärt der Medienwissenschaftler Peter György: "Als die Grenzen verschwanden, wurde der Raum schwindelerregend weit und das kulturelle Muster unüberschaubar kompliziert. Als der Nationalstaat verschwand und es sich herausstellte, dass Schengenland so riesig wie mannigfaltig ist, tauchte der alte Reflex der Isolation wieder auf. Die Antwort auf die traumatische Gegenwart und auf die erfolglose Modernisierung ist, wie immer, das Verlangen nach Gesinnungsgemeinschaft, nach einer überschaubaren Vertrautheit. Dies ist genauso verständlich wie hoffnungslos... . Die Beschlagnahmung der nationalen Identität durch den Rechtsradikalismus ist keine richtig gute Lösung. Und da das liberale Laissez-faire in gesellschaftspolitischer Hinsicht nicht viel Gutes gebracht hat, klammern sich die aus der Gesellschaft wegbrechenden Millionen, welch ein Wunder, an die Hoffnung einer nationalen Gemeinschaft." György plädiert für einen Dialog mit den Enttäuschten über die Zusammenhänge von Trauma und Frustration.

Magazinrundschau vom 06.05.2008 - Elet es Irodalom

Auch in der ungarischen Politik hat man den Begriff "Wettbewerb" noch nicht richtig verstanden, stellt Anna Szilagyi fest, die den Sprachgebrauch der rechtspopulistischen Opposition in Ungarn analysiert: "Der Sprachgebrauch der Rechten und der Linken unterscheidet sich hier am deutlichsten voneinander: Während die Linken gegen einen Konkurrenten kämpfen, bekämpfen die Rechten ihre Feinde. [...] Die Stigmatisierung als 'Bösewicht', als 'Krimineller' oder 'Geisteskranker' bedeutet vor allem eins: der so Bezeichnete ist unverbesserlich. Daraus ergibt sich auch die Behandlungsweise des derart identifizierten Feindes: Er muss durch Isolation oder auf andere Art aus der Nation entfernt werden, damit diese 'gereinigt' oder 'geheilt' werden kann. Dieser Sprachgebrauch erweist sich deshalb als sehr wirkungsvoll und einnehmend, weil der scheinwissenschaftliche Jargon die politische Absicht verbirgt, die auf die Eliminierung des politischen Gegners abzielt, indem er eigentlich objektiv-neutrale Termini aus den Bereichen der Diagnostik oder der Rechtslehre machtpolitisch und gänzlich autoritär verwendet."
Stichwörter: Stigmatisierung