
Der Medienwissenschaftler
Peter György besucht die von Gerald Matt kuratierte Ausstellung "1989 - Ende der Geschichte oder Beginn der Zukunft?"in
Wien, die recht provokativ ausgefallen zu sein scheint: "Die Aufgabe des Museums liegt nach Matt nicht in der
getreuen Darstellung der damaligen Ereignisse, sondern darin, das Thema als Ausgangspunkt zu verwenden und damit den Kindern von 1989 zu zeigen, wo die Welt, in der sie leben, ihren Anfang nahm, und den Zeitgenossen die Möglichkeit zu geben, mit ihrer Nostalgie und ihrem verletzten Gerechtigkeitsgefühl fertig zu werden. Die ungarischen Besucher der Ausstellung 1989... können sich in Wien mit einer Reihe von
bildpolitischen Provokationen konfrontieren, die sie nicht nur zu einer floskelhaften Stellungnahme, sondern vielmehr zu einer schonungslosen Introspektion zwingen. Die Bilder üben einen Zwang aus, dem man nicht widerstehen kann. Zwanzig Jahre nach 1989 verschwindet jener Universalismus, in dessen Geist und Hoffnung wir einst lebten, langsam aus dem Blickfeld. Die Selbstprüfung ist darum nötiger geworden denn je."
"Kein Drama, keine Pointen" - mit diesen Worten
würdigt die Literaturwissenschaftlerin
Sarolta Deczki den
Erzählband "Solche Geschenke" von Franziska Gerstenberg, der nun in der Übersetzung von Hanna Győri auch in Ungarisch vorliegt (erschienen bei Jozsef Attila Kör - L'Harmattan): "Empfindlichkeit, Klugheit und Geduld zeichnen die Prosa von Gerstenberg aus. Mit einer ganz besonderen Feinheit hält sie Lebenssituationen, Stimmungen und Gefühle fest, und ihre Geschichten bestehen weniger aus Geschehnissen, sondern sind vielmehr Beschreibungen: Was wir bekommen, sind minuziös ausgearbeitete
Fresken einer Lebenssituation, eines Ereignisses."