
Der Schriftsteller
György Konrad beobachtet in Ungarn eine zunehmende Tendenz, sich entweder ganz von der
Freiheit zu verabschieden oder den drohenden Verlust schon als Tatsache hinzunehmen. Er fürchtet daher, dass die Freiheit dank dieser Resignation tatsächlich verloren gehen könnte: "Das Volk hat nicht begriffen, dass die Freiheit unser kostbarster Schatz ist. Der politische Stimmungsumschwung, der in eine autoritäre Herrschaft münden kann, ist real. Es ist, als hätte sich der
demokratische Instinkt meiner Mitbürger verflüchtigt, als würden sie ihrer eigenen Niederlage zustimmen. Mit kindlicher Neugierde scheinen sie das angedrohte 'Aufräumen' und die aus dem Mund dieser dumpfen Menschen hervorgedonnerten Drohungen zu beobachten, durch welche bald auch die resignierten Beobachter
ihre Stellen verlieren und beiseite geschoben werden könnten. Denken wir mal an die verschiedenen Wendepunkte in der europäischen Geschichte zurück, die in eine autoritäre Ordnung mündeten - immer ist dem das Verblassen der Freiheitsidee vorausgegangen."
Den kürzlich veröffentlichten
Angaben der
Art Newspaper zufolge findet man unter den zehn meistbesuchten Ausstellungen der Jahres 2009 zur zeitgenössischen Kunst höchstens zwei, in denen dauerhafte Kunstwerke und nicht Installationen, umgedeutete Medienräume und Performances, also ort- und
kontextspezifische Ereignisse im Mittelpunkt stehen. Außerdem stand
laut Art Review 2009 nur ein einziger Künstler auf der Liste der zehn einflussreichsten Akteure der zeitgenössischen Kunst - dafür aber Kuratoren, Museumsdirektoren, Sammler. Dieser Entwicklung hinkt die ungarische Museumslandschaft noch hinterher,
kritisiert der Medienwissenschaftler
Peter György. Dabei sei die Kompatibilität der nationalen zeitgenössischen Kunst auch eine durch und durch politische Frage: "Das Problem, die globale zeitgenössische Struktur kultureller Institutionen zu verstehen, ist der Frage des
Technologie-Transfers sehr ähnlich. Was in diesen Strukturen geschieht, wie sich der Begriff der Kunst und des Künstlers verändert, ist auch im Register der nationalen Kultur eine eminente Frage. Wenn wir nicht wollen, dass ein Großteil der kulturellen Register den kommenden Generationen der
rechtsextremen Avantgarde zum Opfer fällt, müssen wir unsere nationale Kultur innerhalb der globalen institutionellen Praxis der zeitgenössischen Kunst interpretierbar machen."