
In einem Interview mit Eszter Radai erklärt der ungarische Filmemacher
Bela Tarr, weshalb er Abstand von jenem ominösen
Tagesspiegel-Interview genommen hat (
mehr dazu hier). Demnach hatte der Journalist des
Tagesspiegels ursprünglich um ein Hintergrundgespräch mit Tarr gebeten, das nach der Presse-Vorführung von "The Turin Horse" auch stattfand. Nach dem
offiziellen Teil des Gesprächs äußerte Tarr auch seine private Meinung zu den politischen Vorgängen in seinem Land. Dass aber der Text später (ohne Tarrs Wissen) zu einem
Interview umgebaut und mit einem Bild von der Berlinale-Preisverleihung montiert wurde, bei der Tarr einen
Silbernen Bären bekam,
empörte den Filmemacher zutiefst: "Mir wurde unwohl, als ich nach der Preisverleihung mich selbst in der Zeitung wiedersah, wie ich auf der Bühne stehe, mit der Statue in der Hand, und darunter durfte ich in Form eines Interviews diese Sätze über die ungarische Innenpolitik lesen, wie eine Art Offenbarung... Ich sah
so einen schmächtigen Typen auf der Bühne, mit dieser schweren Statue in der Hand, als würde er damit
zuschlagen wollen, von dem Preis dazu ermutigt. So sieht das aus wie politischer Klamauk! Das bin ich nicht, so bin ich nicht. [...] Die Glaubwürdigkeit einer Aussage kommt durch die Argumente zustande, die sich dahinter verbergen, und ihre Kraft dadurch, wie sie formuliert wird. Ohne das ist es
nur Klamauk, mehr nicht. Und es ist nicht meine Art, mich auf diese Weise zu äußern. Ich glaube, es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich von etwas distanzieren musste, weil es ein falsches Bild von mir zeichnet. [...] Denn jede Wahrheit wird durch
Großmäuligkeit und Kraftmeierei unmöglich gemacht und ich wurde auf diesem Foto, mit dieser Statue in der Hand und über diesem Text als solch ein
Wichtigtuer dargestellt, und das verbitte ich mir. Das mag als eitel erscheinen, aber in Wahrheit entspricht es meiner inneren Wertordnung."