
Seit Wochen gibt es auf den Seiten der Wochenzeitschrift
Élet és Irodalom eine Debatte über die
staatliche Literaturförderung (
mehr hier). Nikolett Antal und Tamás Korpa, Vorsitzende des Bundes Junger Schriftsteller (FISZ),
nehmen die neu gegründete staatliche "Karpaten Talentförderungsgesellschaft" (KMTG) unter die Lupe, die junge Autoren fördern soll: "Nach der Nachricht über die Gründung der KMTG verfassten über 60 junge Schriftsteller eine Stellungnahme zum
Schutz der Profession. Als die KMTG dies sah, begann sie sich auf
Schüler der Oberstufen und Erstsemester bei den höheren Bildungsinstitutionen zu konzentrieren: auf die 18- bis 22-Jährigen. Es wurden jene eingebunden, die zum größten Teil aus eigener Kraft noch nicht bis zum Publizieren bei niveauvollen Zeitschriften gelangen konnten und von denen auch langfristig ein großer Teil höchstwahrscheinlich nicht Schriftsteller oder Literaturwissenschaftler wird. Mit der KMTG-Mitgliedschaft wurden sie jedoch Angehörige einer offiziellen Organisation, mit ernsthaften Erwartungen und Chancen, mit ernsthafter Aufmerksamkeit, Leistungs- und Beweisdruck und wohl mit
ernsthafter Gruppenidentität. Unsere Frage lautet daher: Werden bei zahlreichen jungen Menschen durch die Schriftstellerakademie falsche Hoffnungen geweckt? Und parallel dazu: Darf die KMTG für die
eigene Legitimierung junge Menschen mit unterschiedlichen Talenten und Motivationen benutzen?"
Ádám Gaborják, der Vorsitzende des
József-Attila-Kreises (JAK) - nach dem ungarischen Dichter Attila József benannter Literaturkreis innerhalb des Ungarischen Schriftstellerverbandes -
denkt dagegen schon über die Zeiten
nach der KMTG nach: "Von innen betrachtet ist die Literatur noch immer ein hierarchischer,
zentralisierter Intellektuellendiskurs. Sie wagt sich selten aus ihrem eigenen (groß)städtischen Milieu hinaus. Die Übermittlung hört im besseren Falle in den größeren Siedlungen auf, in die ärmeren Regionen gelangt sie überhaupt nicht, in der Schulbildung ist sie gerade halbwegs erkennbar. Was würde die zeitgenössische Literatur dort auch suchen, was könnte sie dort bieten, wenn sie in den meisten Fällen
kaum etwas über diese Gegenden sagen kann und deren Bewohnern auch nichts zu sagen hat. Auch wenn es erfolgreiche Initiativen seitens der Schriftstellerverbände gibt, ist die zeitgenössische Literatur ziemlich begrenzt, sie wird nie Teil der täglichen gemeinschaftlichen Praktiken, solange sie auf der
Ebene der Ästhetik verbleibt und es ihr nicht gelingt, sich als Teil eines größeren Systems zu denken."