
Kurz nach dem
erneuten Wahlsieg von Fidesz bei den Parlamentswahlen Anfang April, verkündete der Eigentümer von
Magyar Nemzet, dass die Tageszeitung und der Schwester-Radiosender
Lanchidradio mit sofortiger Wirkung eingestellt werden. Obwohl sie als konservativ galt, hatte die Zeitung zuletzt
Regierungskritik geübt, seit der Eigentümer und ehemalige Parteikassenwart von Fidesz, der Oligarch
Lajos Simicska mit Ministerpräsident Viktor Orban aneinander geraten war. Viele kritische Medien bleiben nicht mehr übrig. Sowohl bei den Wochenzeitschriften als auch bei den Online-Portalen werden in den kommenden Jahren weitere Schließungen erwartet. Wie bereits nach der Übernahme und Schließung von
Nepszabadsag (unsere
Resümees), kam erneut die Diskussion auf, ob eine besser situierte, politisch bewusste Leserschicht ein eventuelles Überleben von Printmedien ermöglichen könnte. Der Chefredakteur der Wochenzeitschrift
Élet és Irodalom,
Laszlo Kovacs verneint: "Es gibt keine für Zeitungen eintretende und lesewillige Schicht. (...) Jene zumeist rechten Journalisten, die früher in unterschiedlichen Debatten trotzig behaupteten, dass die Fidesz genau diese Schicht, nämlich das
Bürgertum aufbaut, erfahren jetzt selbst, dass es kein Bürgertum gibt, keine freie Schicht mit eigenem Willen. Diese Regierung will kein Bürgertum, keine Mittelschicht, sondern eine
EU-Förderungen beantragende Masse. Die kauft bestimmt keine Zeitung."