
Die ungarische Regierung will das Mahnmal des Ministerpräsidenten der Revolution von 1956,
Imre Nagy, aus der Nähe des Parlaments entfernen und durch ein "
antikommunistisches Mahnmal" ersetzt werden. Imre Nagy wurde nach deren Niederschlagung der Revolution zum Tode verurteilt und hingerichtet. Zwar erlangte der gegenwärtige Ministerpräsident,
Viktor Orbán auch deshalb internationale Bekanntheit, weil er bei der Wiederbestattung von Imre Nagy 1989 eine Rede hielt, doch dann entfernte er sich zunehmend von Imre Nagy, der als
Reformkommunist kaum für eine antikommunistische Erzählung geeignet ist. Der Philosoph
Gáspár Miklós Tamás betrachtet den Schritt der Regierung aus deren Sicht nachvollziehbar und für die Erinnerung an Imre Nagy und dem Gedenken an die Revolution von 1956 sogar erfreulich. "Dass 'der Sozialismus' für die Ungarn heute mit der
Kádár-Ära gleichbedeutend ist und nicht mit 1956, ist nicht der 'Fehler' von Imre Nagy oder dem Petőfi Kreis, sondern der einfachen Tatsache schuldet, dass die Kádár-Ära 33 Jahre lang dauerte, in ihrem begrenzten Rahmen erfolgreich war und ihr Untergang so gründlich und endgültig war, dass heute in Ungarn 'Sozialismus' etwas ist, 'was nicht wieder hergestellt werden kann' - für manche leider, für manche zum Glück. (...) Kádár - wie Erfolg grundsätzlich - wird auch von der Rechten respektiert. Das System Kádár war in vielerlei Hinsicht konservativ und
hasste 1968 genau so, wie die heutige Regierung 1968 hasst, größtenteils gar aus demselben Grund. Gegenrevolutionäre verstehen sich halt über Kleinigkeiten wie Freiheit."