Magazinrundschau - Archiv

Artforum

4 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 30.04.2019 - Artforum

Nicole Eisenman, Portrait of Eileen Myles as a Man, 2015, courtesy Anton Kern Gallery
Johanna Fateman stellt die neorealistische amerikanische Malerin und Bildhauerin Nicole Eisenman vor: "In drei Jahrzehnten des Zeichnens, Malens und Druckens hat Eisenman eine Welt aus allen möglichen kunsthistorischen Formen der Figuration erschaffen und sich mit leichter Hand und auf oft komische Weise bei Stilen und Techniken bedient. In ihrem äußerst vielseitigen Werk gibt es eine sensibel beobachtete queere Morphologie, harte Flächen mit weichen Körpern und umgekehrt. Frisuren, T-Shirts, Schuhe, Kostüme, gekrümmte Silhouetten entziehen sich einer eindeutigen Kategorisierung. In der Vergangenheit haben Eisenmans eigene Sexualität und geschlechtsneutrale Haltung zu bestimmten Interpretationen geführt - mehrdeutige Charaktere wurden als Lesben gelesen - doch wer kann sagen, welche Identität ihre Figuren haben? In unserem Gespräch vermenschlicht sie ihre 'guys' von sich aus, als wollte sie behaupten, es läge an ihnen zu entscheiden." Fateman unterhält sich mit der Künstlerin auch über ihre Arbeit für die Skulptur Projekte Münster, die mit Hakenkreuzen beschmiert wurde: "Als wir auf 'Sketch for a Fountain' von 2017 kommen, spricht Eisenman von der Schwierigkeit, sich eine geschlechtsneutrale Figur (hier sogar fünf) im realen Raum vorzustellen. Die Körper sind 'groß, stark, schwer und, obwohl mich das Wortes langweilt, queer', erklärt sie. Die Suche nach Körper-Positionen oder Haltungen für diese nackten Zwischenwesen war eine Herausforderung … Am Vorabend der Bundestagswahl, mit der die AfD erstmals ins Parlament einzog, wurde Eisenmans Brunnen mit einem Hakenkreuz und einem Penis  beschmiert, Gesichter und Schritt der Figuren mit grellem Blau angemalt."
Stichwörter: Eisenman, Nicole, AfD, Queer

Magazinrundschau vom 29.09.2009 - Artforum

Bis zum 20. September in Oslos Nationalmuseum und demnächst in der Ikon Gallery in Birmingham ist eine Ausstellung des Schriftstellers und Künstlers Matias Faldbakken zu sehen: "Shocked into Abstraction". Nach der Einführung von Ina Blom beschreibt Feldbakken, wie er die Ausstellung angepackt hat: Erst mal hat er alles da stehen lassen, wo die Transporteure die Werke hingestellt hatten. "Danach war alles, was ich im Museum getan habe, ziemlich willkürlich. Ich versuche generell, Halbherzigkeit zum Kernstück meiner Produktion zu machen, als ob nur sehr wenig auf dem Spiel stünde. Es ist mir klar, dass das Museum - auch wenn es kein Ort ist, an dem ich meine ganze Zeit verbringen wollte - die einzige Institution ist, die es erlaubt, in dieser Art zu arbeiten. Ich kann mir keinen anderen Ort vorstellen, wo das möglich wäre und sogar gewürdigt wird. Und so kehrt meine Arbeit all die Konflikte und Ironien um, die mit der Institutionalisierung dieser Art von Strategien einhergeht."

Außerdem: Online lesen kann man die Artikel von Thomas Crow, Claire Bishop und Linda Norden über die Biennale in Venedig.
Stichwörter: Venedig, Birmingham

Magazinrundschau vom 13.05.2008 - Artforum

Die Mainummer ist dem guten alten Jahr 1968 gewidmet. Es war keine Revolution, "jedenfalls nicht die Revolution, die sich die Studenten erträumten", schreibt der New Yorker Philosoph und Kunstkritiker Arthur C. Danto, der die Studentenproteste an der Columbia University im April 1968 miterlebte. Und doch war es eine: "Ich habe eine Art Theorie über große soziale Brüche: Bevor sie stattfinden, passiert etwas in der Kunst. Man denke an die Romantik und die Französische Revolution oder die russische Avantgarde der Jahre 1905 bis 15 und an Alexander Rodschenkos Slogan 'Kunst ins Leben' Das war schon nicht mehr so weit vom Fluxus-Motto entfernt, das von Studenten in John Cages Seminar in experimenteller Komposition an der New Yorker New Schoool getragen wurde."

Außerdem im 68er-Dossier: Ein Gespräch zwischen Sylvere Lotringer und Antonio Negri, über die Revolution, die niemals endet (das aber nur auszugseise online gestellt ist) und ein langer Essay von Tom Holert über Joseph Beuys und die antiautoritäre Kunst und Erziehung in Deutschland um 1968.
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Magazinrundschau vom 25.03.2008 - Artforum

Artforum bringt in einem größeren Dossier über Karlheinz Stockhausen auch eine Hommage von Björk auf den jüngst verstorbenen Komponisten: "Auf mich und meine Generation hatten Stockhausens als Buch publizierte Vorlesungen einen unglaublichen Einfluss. Er war der hoffnungsvollste von allen! Das 21. Jahrhundert würde großartig sein. Während die klassischen Lehrer in meiner Schule die guten alten Tage der Musik betrauerten und und glaubten, sie lebendig zu halten, wenn sie uns 945.876 Stunden am Tag üben ließen. Sie verwandelten die Masse der Musiker in (Sklaven) Performer und erstickten jeden kreativen Gedanken oder den Willen, etwas Neues zu machen. (Damit wir mit unserem Sportsgeist, Willen und unserer Selbstverleugnung das alte tote Biest masturbieren, und es dann vielleicht noch ein paar Jahre länger stöhnen würde.)"

Den Hauptartikel des Dossiers hat der neuseeländische Komponist Robin Maconie geschrieben.