Mit seiner kritischen Berichterstattung über den Klassikbetrieb auf BackstageClassical füllt AxelBrüggemann auf eigene Faust eine Lücke, die die klassischen Feuilletons eher häufiger als selten klaffen lassen. Anders als diese hat Brüggemann jedoch keinen Verlag und keine Rechtsabteilung im Rücken, die bei juristischen Scharmützeln die dafür nötigen finanziellen und fachlichen Kompetenzen stellen. Nun hat Brüggemann vom Anwalt des Intendanten der Salzburger Festspiele, MarkusHinterhäuser, zwei empfindliche Abmahnungen erhalten - und bittet sein Lesepublikum um Spenden: "Ich habe auf Grund einzelner Punkte den Eindruck, dass es in diesem Fall auch darum gehen könnte, mir die Berichterstattung zu erschweren. ... Am Anfang der Intendanz von Markus Hinterhäuser war ich begeistert von seiner Aufbruchstimmung, habe mich öfter mit ihm getroffen und ausgetauscht. Es ist für mich unverständlich, wie dünnhäutig Hinterhäuser inzwischen auf Kritik an seiner Arbeit regiert. Ich habe das als Kulturjournalist in dieser Form noch von keinem Intendanten erlebt. ... Freie Journalistinnen und Journalisten oder junge Seiten wie BackstageClassical stehen mit derartigen Angriffen oft allein da und erwägen schon aus Kostengründen, auf eine Verteidigung zu verzichten. Das aber würde jede Form des kritischen Journalismus demontieren. Gerade die Kultur mit ihren oft hohen moralischen Ansprüchen muss eine freie und gerechte Diskussionskultur aufrecht erhalten." Brüggemann stellt übrigens mit Überraschung fest, dass Hinterhäuser den gleichen Anwalt hat wie Teodor Currentzis.
Hannah Schmidt spricht für VAN mit OlivierLatry, einem der Organisten in Notre-Dame, über die Wiedereröffnung der Pariser Kathedrale und den Klang seines Instruments: "Der Raum hat sich verändert", sagt er. "Vorher hat der Klang viel diffuser von den Wänden und Säulen abgestrahlt, jetzt bewegt er sich in viel größeren Wellen bis vorne zum Altar. Ein bisschen wie ein LKW, der sich durch das Kirchenschiff schiebt. ... Gott sei Dank haben wir jetzt dieses System, mit dem wir die Orgel aufnehmen und unten in der Kathedrale hören können. Das hilft, zu wissen, wo wir atmen müssen, wo wir eventuell auch mal warten und wie wir artikulieren müssen."
Weitere Artikel: Für die Presseporträtiert Teresa Schaur-Wünsch die Pianistin ClaraSophieMurnig. Wolfgang Sandner schreibt in der FAZ einen Nachruf auf den Jazzmusiker und Filmkomponisten MartialSolal.
Besprochen werden die von GuyMoses zusammengestellte Compilation "P'takim" mit Reaktionen israelischer Musiker auf den 7. Oktober (Jungle World), John EliotGardiners Comeback in der Hamburger Elbphilharmonie (NZZ), ein Haas-Konzert des KlangforumsWien unter IngoMetzmacher (Standard), ein Konzert mit dem offenbar geade sehr derangierten Haftbefehl (SZ), die Wiederveröffentlichung des Debütalbums der Avantgarde-Folkmusikerin DorothyCarter aus dem Jahr 1976 (Jungle World) und Jeff Parkers vom Hiphop inspiriertes Jazzalbum "The Way out of Easy" ("In den vier langen Songsuiten stecken so viel coolesWissen, verschärfte Groovepsychedelik und spielerische Brillanz, dass man zu jedem Track eigene Nachforschungen anstellen könnte", staunttazler Julian Weber). Wir hören rein:
Die iranische Sängerin ParastooAhmadi, die es trotz der autoritären Maßgaben des Regimes von Teheran wagte, ein millionenfach angeklicktes Online-Konzert ohne Kopftuch und schulterfrei zu absolvieren, ist nach ihrer Verhaftung wieder frei, die Schergen der Mullahs behalten sich aber "angemessene Maßnahmen" gegen Ahmadi vor. Schon 2022 hat sie dem Regime die Stirn gezeigt, wofür ihre Wohnung durchsucht wurde, informiert Daniela Sepheri in der taz. "Ahmadi verkörpert den unerschütterlichen Willen einer Generation, die nicht mehr bereit ist, sich den Unterdrückungsmechanismen des Regimes zu beugen." Sie "betont immer wieder, dass ihre Kunst untrennbar mit ihrer politischenHaltungverbunden ist. ... Mit ihrem Konzert hat Ahmadi nicht nur Mut bewiesen, sich gegen ein repressives System zu stellen, sondern auch eine Vision für einen neuen Iran entworfen: ein Land, das Geschichte und Zukunft vereint, wo Freiheit, Gleichheit und Kunst gedeihen. 'Frau, Leben, Freiheit' - diese Worte, die zum Leitspruch der Protestbewegung geworden sind, werden durch Ahmadis Mut und Musik lebendig."
Katajun Amirpur fragt sich in der SZ, unter welchen Auflagen Ahmadi und ihre Musiker freigelassen wurden. "Da sich in der Vergangenheit gezeigt hat, dass sich Ahmadi nicht hat einschüchtern lassen, steht zu vermuten, dass man den Kreis derer, die in Mitleidenschaft gezogen werden, weiter gezogen hat. So geschehen in der Vergangenheit zum Beispiel im Falle von Maziar Bahari, seinerzeit Korrespondent von Channel 4 und Newsweek in Teheran. Als man ihn freiließ, wurde die Besitzurkunde des Hauses seiner Tante verlangt, und als er dann illegal ausreiste, wurde eben dieses Haus beschlagnahmt, die Tante wurde obdachlos. Freigelassen zu werden, bedeutet also weniger einen Akt der Gnade des Regimes als ein Umschwenken auf eine neueTaktik, um jemanden mundtot zu machen." Inzwischen soll Präsident Massud Peseschkian sein Veto gegen ein Gesetz eingelegt haben, das künftig hohe Strafen für Frauen vorsieht, die sich ohne Kopftuch in der Öffentlichkeit zeigen, meldet der Spiegel.
Das Berghain feierte vergangenes Wochenende sein zwanzigjähriges Bestehen - Anlass für Dirk Peitz, dem legendären Berliner Nachtclub nach vielen Jahren mal wieder einen Besuch abzustatten. Früher wurden die Nächte hier "mit einer religiösen Erfahrung verglichen", schreibt er auf Zeit Online. "Das Kathedralenhafte, die schieren Ausmaße des Gebäudes legen diese Interpretation nahe. Doch sie ist im Kern falsch, jedenfalls in der beobachtbaren und selbstempfundenen Benutzerwirklichkeit: Es geht hier um das Gegenteil einer spirituellen Erweckung, nämlich um die Reduktion des Menschen zum Leib, er soll hier vergessen (oder tut es jedenfalls), was oder wer er ist oder zu sein glaubt, jenseits seiner bloßenKörperlichkeit. ... Der Zeitaspekt nun war schon immer das Wesentliche am Berghain: ein Paradox, dass in diesem Club die Zeit einem zugleich aufgehoben und total vorkommt. Die Stunden und Tage vergehen drinnen anders als draußen, die normale Zeitrechnung gilt hier nicht: Es zählt jede Sekunde der Präsenz der Körper, jetzt, jetzt, jetzt, im Tempo der Beats, deren Gleichförmigkeit wiederum auf Strecke gedacht scheint, du gehst rein und mit und vergisst die Zeit, wirst eingesogen in etwas, das keinen Namen und vor allem kein Ende hat und keinen Verlauf, es ist da."
Weitere Artikel: Shoko Kuroe blickt für BackstageClassical auf den Fall François-XavierRoth. Andrian Kreye schreibt in der SZ einen Nachruf auf den Jazzmusiker und Filmkomponisten MartialSolal, der seinerzeit auch Godards "Außer Atem" vertonte: "Es war die Geburt des European Cool."
Besprochen werden SnoopDoggs neues Album "Missionary" (NZZ), ein Mahler-Konzert der WienerPhilharmoniker unter KlausMäkelä (Standard) und ein vom Berliner ZafraanEnsemble herausgegebenes musikalisches Kartenspiel (Tsp).
In einem epischen Longread für "Bilder und Zeiten" der FAZ würdigt Jan Brachmann den im Sommer verstorbenen Komponisten WolfgangRihm. Auf die Verkrustungstendenzen der Neuen Musik, die vor der Welt und ihren Abgründen in die völlige Abstraktion floh, reagierte Rihm früh. Er "hatte erkannt, dass die Bemühungen um eine 'Reinheit der Tonkunst', durch ein politisches Trauma motiviert, zum Ende einer Kunst führen würden, die Menschenberühren kann. Rihm aber wollte berühren und berührt werden. So wurde seine Musik von den Siebzigerjahren an wahrgenommen als Einspruch des Subjekts gegen die Vorherrschaft der Verfahren, Technologien und gegen eine Geschichtsphilosophie des Materials. Doch dieses Subjekt, das sich in seiner Musik artikuliert, ist gerade nicht jenes 'Ich denke, also bin ich' von René Descartes, das seine Methoden der Welterfassung jenseits von Körper, Sprache und Geschichte gebiert. Rihms musikalisches Subjekt ist ohneKörper, SpracheundGeschichtenichtdenkbar."
Weitere Artikel: Ist ja schön und gut, dass die GEMAOpenAIverklagt und am Ende für die allermeisten Musiker und Komponisten ein paar Kaffee-Euro herausspringen, findet Detlef Diederichsen in seiner taz-Kolumne, aber das ändert alles nichts daran, dass "Arrangeur*innen, Produzent*innen und ausübende Musiker*innen" zugunsten von "Komponist*innen, Textdichter*innen und Musikverleger*innen" auch weiterhin vom Urheberrecht quasi nichts haben, wiewohl sie Atmosphäre und Anmutung eines Songs oft viel maßgeblicher prägen. Jan Brachmann spricht für die FAZ mit dem Bach-Forscher und Juristen Meinolf Brüser, der der Ansicht ist, dass Bach seine "Kunst der Fuge" durchaus bewusst unvollendet gelassen hat und zwar "als Dokument religiöser Radikalisierung gegen den Selbstvervollkommnungsdiskurs der Aufklärung". Die Zeit hat August Modersohns Gespräch mit dem Rapper Trettmannonline nachgereicht. Für die SZ porträtiert Jakob Biazza den auf TikTok groß gewordenen Popstar NinaChuba. Die iranische Sängerin ParastooAhmadi sieht nach einem Online-Konzert, das sie ohne Kopftuch und schulterfrei absolviert hat, Repressionen durch das Regime von Teheran entgegen, meldet der Standard. Hier das Konzert:
Besprochen werden FritziErnsts neues Album "Jo-Jo" (taz), Soap & Skins Album "Torso" (SZ, mehr dazu bereits hier) und ein Konzert von MarionCotillard in Frankfurt (FR).
Yelizaveta Landenberger spricht für die taz mit dem georgischen DJ Lasha Jorjoliani über die Lage in seinem Land. Die Clubs in Georgien sind bekanntlich hochgradig politisch - und eng verzahnt mit der europäischen Bewegung, die um Anschluss nach Westen sucht. "Alles, was wir wollen, ist, dass Georgien Teil der europäischen Familie wird. Georgien war das eigentlich schon immer, aber ein paar Leute wollten es anders haben. ... Russland macht jetzt mit Georgien das, was es bereits mit der Ukraine tat - 2014, der Maidan, da sieht man viele Parallelen. Die georgische Regierung versucht, Angstzuschüren, und sagt uns: Seht, wenn ihr diesen Weg geht, dann passiert das Gleiche wie in der Ukraine. Aber das stimmt nicht. Sie manipulieren die Menschen und stehlen ihre Träume. ... Wenn wir diesen Kampf verlieren, wird es ein ganz anderes Georgien sein und wir werden alles verlieren, wofür wir uns eingesetzt haben. ... Die Menschen auf den Straßen werden von der Polizei brutalverprügelt, bedroht, ins Gefängnis geworfen."
Weiteres: In der tazgratuliert Lilly Schröder dem Berghain zum 20-jährigen Bestehen. Besprochen werden MaxRichters neue CD "In a Landscape" (FR) und DavidFurnishs auf Disney+ gezeigte Doku über Elton John (NZZ).
In der Weltliegt Frédéric Schwilden dem norddeutschen Indierocker TheesUhlmann zu Füßen, der sich zum 30-jährigen Bühnenjubiläum eine Best-Of-CD gönnt. Seine Song "waren nie peinlich. Sie waren naiv. Ja. Aber vor allem naiv, weil das lyrische Ich naiv war. ... Uhlmann ist deswegen so ein großer Künstler, weil er die Menschen in seinen Stücken Mensch sein lässt. Er bewertet sie nicht moralisch. Sie sind. Auch das ist ein Unterschied zu den anderen deutschen Künstlern, die wir noch haben. Ein Grönemeyer will die Menschen ändern. Thees Uhlmann liebt sie einfach so. ... Wie Bob Dylan, Bruce Springsteen oder Lana del Rey Variationen amerikanischer Wirklichkeiten in Songs zwischen zwei und sechs Minuten schaffen, schafft es Thees Uhlmann, deutsche Wirklichkeit zu verdichten." Seine Texte, "sind sachlich-verfasste und doch ins Herz gehende Momentaufnahmen".
Außerdem: Shoko Kuroe wirft für BackstageClassical einen kritischen Blick auf die Berichterstattung zu JohnEliotGardiners Comeback nach dem Ohrfeigeneklat und gewinnt dabei Eindruck, dass "mit Hilfe der Medien viel Mühe betrieben wird, um ein bestimmtes Bild der Rehabilitation zu erzeugen". Besprochen werden ein Abend mit FrankSpilker in Frankfurt (FR), CameronWinters Album "Heavy Metal" (Standard) und ein Konzert von ElīnaGaranča und StephenCostello in Wien (Standard).
Das sanft sonderbare Comeback von JohnEliotGardiner nach dem Ohrfeigenskandal gäbe sicher auch einen Film ab, findet Judith von Sternburg in Times Mager der FR. Ljubiša Tošić ist im Standardgespannt auf ein Wiener Konzert des TetherTrios. Besprochen wird Deichkinds Auftritt in Frankfurt (FR). Und: Mit diesem tollen Schreibtischkonzert erobert die Rapperin Doechii gerade das Netz - was für eine Performance!
"Aus solcher Reue sprach weniger das Bedauern über das eigene Verhalten", schreibt Jürgen Kesting in der FAZ zu den Interviews, die JohnEliotGardiner zu seinem Comeback nach dem Ohrfeigenskandal gegeben hat, "geschweige denn darüber, was er dem Sänger (und vielleicht auch anderen) angetan hat -, als die Furcht vor der Beschädigung seiner Reputation." Das Publikum in der Elbphilharmonie, wo Gardiner jetzt seine neuen Constellations-Klangkörper präsentierte, fühlte sich davon jedenfalls nicht angefasst und kam in Scharen und feierte den Dirigenten. Es "genoss ein anachronistisch anmutendes Zeremoniell. Es sah ein kleines, überwiegend weibliches besetztes Orchester auf dem riesigen Podium. Es lauschte einem sanft leisen, fein ziselierten Klang. Es zeigte sich enthusiasmiert von den zarten, silbrigleuchtendenKleinmädchenstimmen in den Sopran- und Alt-Arien. Nach 85 Minuten Musik ... konnte sich der Dirigent am Beifall laben... Nach dem Wunsch für ein friedvolles Weihnachten stimmten die achtzehn Mitglieder seines Chor das weihnachtliche "Es ist ein Ros' entsprungen" an. Gardiner wischte sich, einige seiner Musiker umarmend, Tränen aus den Augen. Welch wohlgelungene 'Auferstehung'."
Weitere Artikel: Für SZ-Kritiker Helmut Mauró ist das Projekt "EUSongbook" ein kleiner Lichtblick in der kulturellen Düsternis, die sich im allgegenwärtigen, existenzbedrohenden Sparzwangdruck am Horizont abzeichnet. "87 000 Musikbegeisterte aus 27 Ländern haben mitgemacht, haben Lieder ihrer Länder vorgeschlagen, darüber abgestimmt und damit die Vorgabe geliefert für die dann doch zehn Jahre währende Arbeit der 67 Redakteure und 39 Übersetzer." Christoph Irrgeher plaudert für den Standard mit dem Violinisten DavidGarrett. Christian Schachinger ist im Standard gespannt aufs Wiener Konzert von Desire.
Besprochen werden das Solo-Debütalbum der früheren Pixies- und Breeders-Musikerin KimDeal (taz), ein Konzert des MonteverdiChoir in Frankfurt (FR), DavidTedeschis auf Disney+ gezeigte Doku "Beatles '64" ("eine richtig relevante Doku ist das Ganze nicht geworden", seufzt Jakob Biazza in der SZ) und neue Jazzveröffentlichungen, darunter mit "The Old Country" eine weitere Archivaufnahme aus dem schier unerschöpflichen Fundus von KeithJarrett (Standard).
FAZ-Kritiker Jan Brachmann erlebt bei der neuen Brahms-Aufnahme von IgorLevit mit den von ChristianThielemann dirigierten WienerPhilharmonikern ein wahres Wechselbad der Gefühle, vor allem bei den Klavierkonzerten 1 & 2: "Levit kann sehr gut langsam spielen. In beiden Klavierkonzerten gelingen ihm und Thielemann die langsamen Sätze am besten, weil sich hier metrische Strenge, weiter Atem und spannungsreiche Dynamik zugunsten der Musik verbinden. Aber in den schnellen Sätzen gerät die Musik unter die Räder der Technik, weil Levits manuelle Fertigkeiten so tadellos funktionieren, dass Schwierigkeiten ihre expressive Qualität verlieren. Er tatzt die Akkordmassen im ersten Satz des zweiten Klavierkonzerts lässig weg wie ein Labrador eine Stubenfliege. Dass diese Akkorde magmatische Eruptionen sind, dass in ihnen körperlicheAnstrengung auskomponiert ist, hört man nicht."
Weitere Artikel: Das alljährliche, von den Acher-Brüdern von The Notwist kuratierte "AlienDisko"-Festival in München erwies sich auch in diesem Jahr als "das süddeutsche Klassentreffen der Indiefans", schwärmt Ralf Summer in der taz. Martin Scholz plaudert für die Welt mit dem Rapper Ice-T, dessen Metalband BodyCount gerade ein neues Album veröffentlicht hat. Karl Fluch erzählt im Standard die Geschichte von "Last Christmas" von Wham. Waltraud Schwab beklagt in ihrer taz-Kolumne, dass immer weniger Menschen CDs abspielen können.
Besprochen werden SimonJoyners Album "Coyote Butterfly" (FAZ) und das neue Album von Father John Misty (FAZ, mehr dazu bereits hier).
Tazler Benjamin Moldenhauer ist tief beeindruckt von der Kunst AnjaPlaschgs, die unter dem Namen Soap & Skin das Kunstlied aufs neue Niveau hebt. Vor kurzem war sie als Schauspielerin in "Des Teufels Bad" zu sehen (unsere Kritik), nun erscheint ihr neues Album "Torso", auf dem sie ausschließlich Coverversionen eingespielt hat. In ihrem bisherigen Schaffen hat die Österreicherin "eine große Ästhetik der Depression kultiviert", ohne in Nick-Cave- und Indie-Melancholiker-Fallen zu tappen. "Ihr Signaturinstrument, das Klavier, klingt rabenschwarz und schwer, Streicherarrangements dröhnen, wenn nötig." Aber "nichts an dieser Musik und diesen Texten ist ironisch oder anderweitig abgefedert. Und doch wird man nicht von der Anmaßung eines echt sein wollenden Ausdrucks belastet, der als glaubwürdig und damit auch als wahrhaftig verstanden werden will. Der an die literarische Tradition Österreichs anschließende Gestus von Plaschgs Selbsthass und Selbstzerfleischung erzeugt Intensität. Und doch singt die Künstlerin wie eine Schauspielerin. ... Es ist etwas tröstend Artifizielles an diesen Liedern, die deswegen aber, und das ist das eigentlich Paradoxe am bisherigen Werk, nichts von ihrer doch immensen Affektaufladung einbüßen." Hier covert sie ein Lied von Sufjan Stevens:
Weitere Artikel: Beim Berliner Galakonzert zu "40 Jahre GoldeneZitronen" lernttazler Benjamin Moldenhauer von der Band, "wie man auch als Popdödel und ehemalige Spex-Leser:in in Würde alt werden kann". Reinhard J. Brembeck erzählt in der SZ von seiner Begegnung mit OlivierLatry, dem dienstältesten Organisten von NotreDame, der bei der Wiedereröffnung der Kathedrale spielen wird. Kerstin Strecker wirft für die Welt einen Blick auf die geplante Versteigerung von Artefakten aus dem Nachlass von UdoJürgens. Im Standardempfiehlt Christoph Irrgeher ein Konzert von ViktoriyaYermolyeva in Wien. Andrea Spalinger erzählt in der NZZ die Geschichte der Weihnachtsschnulze "Last Christmas" von Wham. Elmar Krekeler erinnert sich in der WamS an den Komponisten LouisVierne. Der Sänger der VillagePeople will ab 2025 juristisch gegen alle vorgehen, die seine Schwulenhymne "YMCA" als solche bezeichnen, nimmt Joachim Hentschel in der SZ so amüsiert wie irritiert zur Kenntnis. Im Standardgratuliert Karl Fluch TomWaits zum 75. Geburtstag.
Besprochen werden ein Gewalt-Konzert in Wien (Presse) und neue CDs mit Advents- und Weihnachtsmusik, darunter das Album "Christmas Piano 2" von MartinStadtfeld, das FAZ-Kritiker Jan Brachmann all jenen ans Herz legt, "die unter den emotionalen und spirituellen Zumutungen Weihnachtens leiden, aber klug genug sind, dem Fest nicht auszuweichen".
"Sie war Singer-SongwriterinNummereins", schreibt Detlef Diederichsen in der taz über Laura Nyro, die das Genre in den Sechzigern - noch vor Joni Mitchell! - quasi im Alleingang aus der Taufe hob und deren Werk nun einer Luxus-Edition erschlossen wird. Ihr Debüt von 1967 zeigt noch "eine Art weiterentwickelten sophisticatedSixties-Girl-Pop, in dem eine Menge Jazz, Blues, Gospel und Broadway steckt. Das Ganze gesungen von ihrer mächtigenDreieinhalb-Oktaven-Stimme, über die die britische Musikjournalistin Lilian Roxon in ihrer 'Rock Encyclopedia' 1969 schrieb: Laura Nyro 'ist eine 20-jährige weiße New Yorkerin, die singt wie eine 55-jährige Schwarze aus Mississippi.'" Auf späteren Alben "tritt die charmante Mädchenhaftigkeit des Debüts immer mehr in den Hintergrund, es wird düsterer und vor allem dramatischer. Die Songs sind Miniopern voller unerwarteter Tempo- und Tonartwechsel, kunstvoll durchkomponiert und -arrangiert." Und trotzdem: "Laura Nyro hatte nie einen Hit." Hier einige Auszüge aus ihrem Auftritt beim Monterey Festival 1967.
Im SZ-Gespräch mit Reinhard J. Brembeck zeigt sich JohnEliotGardiner zu seinem Comeback ein Jahr nach dem Ohrfeigeneklat zuversichtlich, dass er sich künftig besser im Griff habe: "Ich meldete mich bei einem Programm für kognitive Verhaltenstherapie an, es geht um Wut-Management und ergänzende Therapien, darum, zu verstehen, warum ich die Kontrolle verloren habe. ... Ich habe das Gefühl, ich kenne mich heute besser als zuvor. Und ich werde einen Musiker nicht noch einmal derart schlecht behandeln. Ich hatte ursprünglich mal gehofft, zum MCO zurückkehren zu können, wie es auch die Mehrheit der Sänger und Musiker gehofft hatte. Aber mir wurde klar, dass das Management und der Vorstand des Orchesters sich damit schwertaten. Also trat ich zurück."
Weitere Artikel: Johanna Schmidt ist in der tazsehr genervt von den Spotify-Wraps, die gerade überall geteilt werden. Ähnlich geht es Christian Schachinger im Standard. Michael Stallknecht (NZZ) und Max Nyfeller (FAZ) gratulieren dem Komponisten BeatFurrer zum 70. Geburtstag. David Steinitz schreibt in der SZ einen Nachruf auf den Sänger MarcSeaberg.
Besprochen werden NikNowaks Klangkunst-Album "A War of Decibels" über Sound als Waffe in der Kriegsführung (taz), PorridgeRadios neues Album "Clouds In The Sky" (FR), ein von ChristianMácelarus dirgiertes Konzert in Frankfurt der Pianistin BeatriceRana mit dem OrchestreNationaldeFrance (FR) und MylesW. Jacksons Studie "Broadcasting Fidelity. German Radio and the Rise of Early Electronic Music" (FAZ).
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