In der
NZZ erzählt die Historikerin
Susanna Burghartz eine kleine Geschichte der
Verschleierung in Europa, die alles ist, nur keine Geschichte der Keuschheit! Während die Frauen sich im Mittelalter in
möglichst hauchzarte Stoffe hüllten, kam es in der Reformationszeit "zu einer
ersten Enthüllungswelle in der Mode. Vor allem die Nürnberger Patrizierinnen setzten sich für die neue Mode der
Goldhauben ein. Kostbar und raffiniert gemacht, erlaubten sie es,
mehr Gesicht und Haar zu zeigen als früher. Während es hier um die Lockerung des Verschleierungsgebots ging, setzte sich im katholischen Spanien zur gleichen Zeit der Humanist und Erzieher Juan Luis Vives für den
Zwang zur Entschleierung ein und propagierte ein Verbot für die modische Verhüllung des Gesichts. Er behauptete,
wahre Tugend zeige sich nur im unverschleierten Angesicht. Die neue Mode der Vollverschleierung, der sogenannte Tapado, erlaube es frivolen Frauen,
ungehindert Männer zu beobachten, ohne von ihnen gesehen zu werden. So erließ Spanien unter Philipp II. am Ende des 16. Jahrhunderts ein Schleierverbot. Ähnlich argumentierten damals auch italienische Moralisten. Doch all das verhinderte die Verbreitung der Verschleierung nicht.