Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.07.2023 - Design

Alles wird groß und breit, verzweifelt Gerhard Matzig in der SZ. Nach dem SUV-Trend kommen nun auch E-Bikes im XXL-Bereich - und das nicht nur, um auch Menschen mit mehr Gewicht zu transportieren. Auch im Möbelmarkt wurde man diesbezüglich hellhörig: "Sofas werden auf diese Weise zu Sofalandschaften und Gartenstühle zu aufgedunsenen Loungemöbeln. In der Mode gibt es den 'Airbag-Style' (man erinnere sich an das Bild von Papst Franziskus in einem weißen Aufplusterungsmantel, das durchs Netz ging und sich später als KI-Fake entpuppte). Taschen sehen aus wie Schwimmflügel. Das Leben wird zur Hüpfburg, Menschen zu Michelin-Männchen. Irgendjemand in der Produktgestaltung scheint den Satz 'Du kannst mir mal den Schuh aufblasen' verdammt wörtlich zu nehmen. Könnten wir bitte wieder zarte Autos, leichte Fahrräder, unaufgeblasene Schuhe, filigrane Handtaschen und dezente Möbel haben?"

An diesem Aufruf ein Beispiel genommen hat sich vielleicht das New Yorker Künstlerkollektiv MSCHF, das eine mikroskopisch kleine Handtasche im Louis-Vuitton-Stil aus Plastik angefertigt und für diese fast schon buchstäbliche Ahnung von einem Nichts auf einer Auktion über 63.000 Dollar eingefahren hat, wie Melchior Poppe in der NZZ meldet. Ein Mikroskop erhielt der Käufer als Dreingabe. Die Künstler nehmen dabei gerade den um sich greifenden Luxus in der Modebranche aufs Korn: "Die Vorliebe der Modeindustrie zu kleinen Taschen habe dazu geführt, dass diese 'immer mehr abstrahiert' würden - bis zu dem Punkt, an dem das Accessoire nur noch ein Markensymbol sei: 'Die mikroskopische Handtasche von MSCHF ist kleiner als ein Salzkorn und das letzte Wort in der Miniaturisierung von Taschen.' ... Eine mikroskopisch kleine Handtasche sei die logische Schlussfolgerung gewesen: 'Ein Gebrauchsgegenstand wird zu einem Schmuckstück eingedampft, dessen vermeintliche Funktion sich in Luft auflöst.'"

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.06.2023 - Design



Der Popstar Pharrell Williams hat seine erste Kollektion als Chefdesigner der Männerlinie von Louis Vuitton in Paris präsentiert - und Georg Diez äußert auf ZeitOnline nach diesem "Moment von kultureller Strahlkraft" schwere Fragen: "Wie funktioniert Macht im Zeitalter der Super-Celebrities? Wer ist größer, der Designer oder die Marke? Ist es ein Triumph der Blackness, wenn jemand wie Williams nun eine französische Überluxusmarke leitet, als zweiter Schwarzer in Folge nach Virgil Abloh?" Williams "will explizit das Erbe der Schwarzen Kultur feiern - und er hat sich für seine Schau als Laufsteg genau diese berühmteste Brücke in der berühmten Stadt Paris gewählt, den Pont Neuf. Und nun sitzen dort all die berühmten Menschen und schauen den vielen meist Schwarzen männlichen Models zu, wie sie gemeinsam eine ikonische Marke in die Gegenwart tragen und ein wenig darüber hinaus. ... Die Verschiebung, die sich an diesem Pariser Abend überdeutlich zeigte, lautet: Es ist nicht mehr die Marke, die berühmt ist, es ist die Berühmtheit, die berühmt ist. Celebrities, die sich einst nur mit Statussymbolen schmückten, erschaffen nun selbst die Symbole, die ihren Status belegen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.06.2023 - Design

Elton Johns Geburtstagskostüm. Foto: V&A Museum


Skye Sherwin begeistert sich im Guardian für eine Ausstellung im Victoria & Albert Museum, die den Bühnenkostümen der Diven huldigt: vom frühen Stummfilmstar Theda Bara bis zu Billie Eilish. "Seit den 1960er Jahren herrscht eine selbstbewusste Verspieltheit vor, sei es in Dolly Partons übertriebenen Klischees der blonden Sexbombe oder in der punkigen Ironie von Blondie, die in dem säuregelben Kleid, das Stephen Sprouse für Debbie Harry entwarf. Die Kleider des Edith-Head-Schützlings und verehrten Kostümbildners Bob Mackie zeigen, wie Stars wie Cher und die verstorbene Tina Turner selbstbewusst auf den Glamour der alten Diven zurückgriffen. Das vielleicht divenhafteste Ensemble von allen gehört jedoch Elton John. Das Outfit, das die Kostümbildnerin Sandy Powell für seinen 50. Geburtstag entwarf, stellte ihn als weiß gefiederten und silbern glitzernden Ludwig XIV. dar und erforderte, dass der Sänger in einem Lastwagen zu seiner Party fuhr. 'Die Theatralik dieses Kostüms ist einfach unfassbar', schwärmt Kuratorin Kate Bailey, auf seinem Hut 'sitzt eine Kanone mit Rauch aus Talkumpuder'."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.06.2023 - Design

Für die britische Vogue ist es ein Rückfall, dass Edward Enninful, der mehr Schwarze und Trans-Menschen aufs Cover der Modezeitschrift holte, nun nach internen Machtkämpfen abgesägt wurde, findet Janique Weider in der NZZ. Als Strippenzieherin sieht sie die im Vogue-verse und in der Modewelt generell schon übermächtige Anna Wintour, die seit den Achtzigern die US-Vogue leitet. Zwar hatte Wintour die Vogue zu Beginn ihrer Amtszeit modernisiert. Sie "zeigte die aufmüpfige Madonna auf dem Titelbild, dann Hillary Clinton, Oprah Winfrey, später Michelle Obama und vor kurzem die ukrainische First Lady Olena Selenska. Doch Wintour stand und steht auch für vieles, das als überholt gilt. Sie ist mitverantwortlich dafür, dass sich Schönheit während Jahrzehnten mit den Adjektiven dünn, weiß und jung gleichsetzen ließ." Ein "Gerücht besagt, dass Enninful die Nachfolge von Anna Wintour bei der amerikanischen Vogue habe antreten wollen. Das Problem ist, dass Wintour auch mit 73 Jahren keineswegs an einen Rücktritt denkt, sondern Stück für Stück ihre Macht ausbaut."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.06.2023 - Design

Für "Bilder und Zeiten" der FAZ beobachtet Peter-Philipp Schmitt auf der Einrichtungsmesse in Köln etwa beim Berliner Designer Thomas Beck, wie das Möbeldesign sich langsam fürs Upcycling erwärmt. "Zu sehen war bei ihm unter anderem ein Block mit Messern, die in fünf Kilogramm altem Leder stecken. Das macht bei tausend Messerblöcken 3,5 Tonnen Oberlederreste, aus denen keine Luxustaschen geworden sind, aber immerhin ein Produkt von dauerhaftem Wert. Dazwischen liegt allerdings ein Umwandlungsprozess. Denn aus dem Lederverschnitt muss zunächst neues Leder werden, genauer: ein innovatives Oberflächenmaterial, das kaum von Naturleder zu unterscheiden ist. Bei dem Upcycling-Verfahren, das neue, kreislauffähige Werkstoffe hervorbringt, wird dabei so wenig Kohlendioxid ausgestoßen wie bei keinen anderen bekannten Oberflächenmaterialien."
Stichwörter: Möbeldesign, Upcycling, Leder

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.05.2023 - Design

In der NZZ singt Silke Wichert ein Loblied auf die Sonnenbrille, die selbst aus dem gelegentlich sanft vertattert auftretenden Joe Biden eine richtig coole Socke macht. "So simpel das Prinzip auf den ersten Blick sein mag - ein Rahmen, ein paar getönte Gläser - so eindrucksvoll ist die Wirkung. Als Accessoire ist die Sonnenbrille im wahrsten Sinne des Wortes derart 'in your face', dass sie den ganzen Gesichtsausdruck verändert. Die Brille nimmt den Platz der Augenpartie wie eine künstliche Prothese ein und sorgt dort für durch und durch symmetrische Proportionen. Laut Studien steigert das bekanntlich die Attraktivität einer Person. Das Gesicht wirkt auf einmal wie mit der Wasserwaage geradegerückt."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.05.2023 - Design

Die NZZ spricht mit Wolfgang Joop unter anderem übers Altern, die Kunst und seinen allmählichen Rückzug aus der Modebranche: "Ich mag nicht mehr sechs Kollektionen jährlich machen, wo ich hinterher nicht weiß, wie ich die Kleider entsorgen soll. Ich habe genug von den Modeschauen, für die die Aufmerksamkeitsspanne inzwischen bei acht Minuten liegt. Die Models und wer in der ersten Reihe sitzt, wurden wichtiger als die Entwürfe. Das alles verschlingt riesige Budgets wie für einen Actionfilm. Es verbraucht sich alles zu schnell in der heutigen Fashionwelt. Man selbst verbrennt. Die medialen Möglichkeiten beschleunigen den Eindruck, alles schon gesehen zu haben, die Bilderflut macht schwindlig."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.05.2023 - Design

Johanna Adorján von der SZ kommt fassungslos aus einer Karl-Lagerfeld-Ausstellung in New York nach Hause: "Wenn sich hier jemand ganz ohne Vorkenntnisse hineinverirren würde, was würde der jetzt wohl über diesen Karl Lagerfeld denken? Dass er eine Vorliebe für Schwarz hatte und für Weiß. Dass er keine erkennbare Handschrift hatte, sondern sich anpassen konnte wie ein Chamäleon. Dass er sehr fleißig war. Dass er Freundin las. Wenn man dazu noch die Horrorbilder von der Met-Spendengala im Kopf hat, wo erwachsene Menschen mit Katzenschnauzen-Prothese in Kameras diesem Karl Lagerfeld zu Ehren "Miau" sagten, und man darüber hinaus auch noch gelesen hat, dass Jared Leto ihn bald in einem Biopic spielen wird und Daniel Brühl in einer Disney-Serie, dann spürt man zum ersten Mal so richtig, dass Karl Lagerfeld nicht mehr lebt. Jetzt machen alle mit ihm, was sie wollen."

Teure Mode, die aber denkbar unspektakulär ausfällt: Alfons Kaiser und Jennifer Wiebking widmen sich in "Bilder und Zeiten" der FAZ dem Trend des "quiet Luxus", der insofern aufmerken lässt, "weil seit der Einführung von Instagram als bestem Mittel des Modemarketings die Marken um jeden Preis herausstechen wollen. Da fällt es auf, wenn niemand mehr auffallen will. ... Überall werden zeitlose Basics zu großer Mode erhoben." Gedeckte Farben herrschen vor, die Kleidung entspricht dem, "was Menschen für den Alltag brauchen: Blazer, Jacken, Mäntel. ... Womöglich ist auch das ein Grund für den 'stealth wealth', den Reichtum, der sich gut tarnt: In einer gespaltenen Gesellschaft sichert man sich durch subtile Zeichen die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe. Zugleich möchte man - auch angesichts einer möglichen Rezession - nicht protzen. Was als Markenprodukt sofort erkennbar ist, wirkt dann einfach nur vulgär."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.05.2023 - Design

Gerhard Matzig fällt in der SZ aus allen Wolken, als er die Preise sieht, die mittlerweile für uralte Ikea-Möbel auf dem Vintage-Markt hingelegt werden: Die einstigen Billig-Möbel erzielen mitunter Mondpreise. "Vintage bezeichnet heute eine Rendite, die ein Objekt durch Alterung, Selektion und Verknappung erfährt - sowie durch die allgemeine Sehnsucht nach einer Geschichtlichkeit, die sich wie das Pendel ausnimmt, das der vermeintlichen Stunde Null antwortet. Vintage-Ikea ist in genau diesem Zirkelschluss von verblüffender Logik: Das Neue ist jetzt endlich das Alte." So ist "der Eames für Arme (alt, Ikea) also mittlerweile teurer als der Eames für Reiche (neu, Vitra). Das definiert das Phänomen Vintage-Ikea als Wunder der Gegenwart und der Imagination. ... Ein Möbel mit Narben, Schrammen und Kratzern, das mehr wert ist als ein makelloses Möbel: Es ist die Rache der postmodernen Underdogs am heroischen Perfektionismus der Moderne."

Im ZeitMagazin resümiert Yasmine M'Barek das kostümierte Schaulaufen der Promis bei der Met-Gala. Im Guardian wirft Hannah Marriott einen ersten Blick dort am Freitag eröffnende Karl-Lagerfeld-Ausstellung.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.04.2023 - Design

Brosche Stern. Foto: Otto Künzli.


In der FAZ kann Hannes Hintermeier gar nicht genug jubeln über die Ausstellung "Rot", die das Münchner Design Museum der Schmuckkünstlerin Therese Hilbert ausrichtet. Strahlten ihre Arbeiten vor mehr als fünfzig Jahren noch den "Geist calvinistischer Strenge" aus, wendete sich später Materialien wie Kunststoff und Silber und damit einer "Demokratisierung des Schmucks" zu, schreibt er. Vor allem aber behauptete sie sich im männlich dominierten Kunstmarkt, staunt Hintermeier. Sie habe "im Bayerischen Nationalmuseum ein Gegengift gegen die Beharrungskräfte der Stadt gefunden: mittelalterliche Piken, Hellebarden und Lanzen. Die Formensprache dieser Hieb- und Stichwaffen habe sie fasziniert. So sind die Variationen von Sternen, die Hilbert in dieser Zeit vielfach durchspielt, auch Ausdruck ihrer Widerständigkeit. Ihr Schmuck habe einfach nicht zum Dirndl gepasst, als Frau habe man damals 'doppelt strampeln' müssen. Da habe sie wohl buchstäblich die Krallen ausgefahren. Diese Haltung drückt sich am deutlichsten in einer Dornenkette aus, der eine Rose beigegeben ist - ohne sich zu verletzten ist die Kette nicht tragbar."