9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.07.2024 - Religion

In der Zeit spricht sich der Rabbiner Avraham Broide gegen die Wehrpflicht für Orthodoxe Juden in Israel aus. Diese täten genug, um den Staat zu stärken: "Wir haben gelernt, dass das, was diese Nation jetzt braucht, nicht eine bessere Armee ist, nicht eine intelligentere Armee, nicht eine Armee mit fortgeschrittenerer Technologie und mehr Waffen. Von all diesen Dingen ist genug vorhanden. Woran es dem Volk fehlt, ist der Geist. Dafür arbeiten wir unermüdlich, Tag und Nacht. Wir müssen unsere innere Stärke nähren und so viele Menschen wie möglich zu diesem religiösen Dienst einberufen, damit die Last der jüdischen Nation und des israelischen Volkes von allen gleichermaßen getragen wird."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.07.2024 - Religion

In der FAZ erinnert Reiner Burger an die Gründung der Ditib vor 40 Jahren, die immer wieder wegen ihrer Abhängigkeit von der türkischen Regierung - auch bei der Ausbildung von Imamen - kritisiert wird. Hat sich was geändert? "Trotz aller Eklats betrachtet die deutsche Politik die DITIB als unverzichtbare Partnerin. Das machte im Dezember auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) deutlich, als sie eine Imam-Vereinbarung mit der Diyanet als 'wichtigen Meilenstein für die Integration und die Teilhabe muslimischer Gemeinden in Deutschland' bezeichnete. Das Abkommen sieht vor, dass die Imame in DITIB-Moscheen mittelfristig nicht mehr von der Türkei entsandt werden. Stattdessen sollen jedes Jahr hundert Imame in Deutschland ausgebildet werden. Die Entsendung türkischer Prediger, die den Weisungen der Regierung in Ankara unterliegen, soll nach und nach in gleicher Stärke reduziert werden. Mitte Mai stellte sich dann bei einer Pressekonferenz der DITIB in Köln jedoch heraus, dass es sich bei 75 der Kandidaten um Theologieabsolventen aus der Türkei handeln wird, sie kommen also von Universitäten, die unter der Kontrolle von Diyanet und Erdoğans AKP stehen. Die restlichen 25 Plätze sollen mit Absolventen des DITIB-Ausbildungsprogramms für Religionsbeauftragte im nordrhein-westfälischen Dahlem gefüllt werden."

Im Welt-Interview mit Richard Kämmerlings fordert der Moraltheologe Daniel Bogner eine grundlegende Reform der katholischen Kirche, vor allem im Bereich Sexualität, und setzt dabei auf bereits andauernde Reformbewegungen in der Kirche. "Das politische Momentum, das der Synodale Weg durchaus freigesetzt hat, und das von reformoffenen Bischöfen auch mitgetragen wird, könnte sich mit dem Türöffner Papst Franziskus verbinden. Der unternimmt nämlich von oben her etwas ganz Ähnliches und scheitert auch an versteinerten Strukturen und Denkmustern. Aber er versucht, die Tür immer wieder zentimeterweise aufzudrücken."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.06.2024 - Religion

Im Februar hatte sich die Deutschen Bischofskonferenz gegen die AfD positioniert und diese als "nicht wählbar" für Katholiken bezeichnet. Diese Einstellung bekräftigt der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr im Zeit-Interview auf den Christ&Welt-Seiten. "Die AfD sieht und präsentiert sich immer in der Opferrolle, das ist nichts Neues. Wir hatten eher Bedenken, ob wir Bischöfe, wenn wir uns so klar positionieren, Brücken abbrechen und signalisieren: Jetzt sind wir zu einem Dialog nicht mehr bereit. Die Situation verlangte es jedoch, deutlich zu machen, dass ein Dialog wie mit anderen politischen Parteien hier nicht mehr möglich ist. (...) Aber wir gehen nicht so weit, zu sagen: Ein Katholik kann nicht Mitglied der AfD sein. Von daher haben wir nicht alle Brücken abgebrochen. Obwohl wir sehr entschieden betonen, dass völkischer Nationalismus mit dem christlichen Gottes- und Menschenbild unvereinbar ist."
Stichwörter: AfD

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.05.2024 - Religion

Ein bisschen untergegangen ist bei all den Feiern zu 75 Jahre Grundgesetz, dass wir es nach wie vor nicht mit einer säkularen Verfassung zu tun haben, bemerkt Peter Kurz bei hpd.de. Besonders stört ihn die "kirchliche Selbstverwaltung ihrer Angelegenheiten", die zum Beispiel den konfessionell gebundenen Unternehmen Caritas und Diakonie Sonderrechte geben: "Die kirchlichen Sozialkonzerne Caritas und Diakonie sind besonders große Arbeitgeber. Mehr als 1,2 Millionen Beschäftigte dort und bei den Kirchen wurden und werden indirekt zur Kirchenmitgliedschaft gezwungen. Ohne eine solche hatte man lange Zeit in vielen Bereichen kaum eine Chance auf eine Anstellung." Inzwischen, so Kurz, haben sich die Kirchen schon wegen des Mangels an Arbeitskäften zwar geöffnet. "Aber Absichtserklärungen und geübte rechtliche Praxis sind natürlich nicht dasselbe. So liegt aktuell der Fall einer Sozialpädagogin vor dem Bundesarbeitsgericht, die gegen ihre nach ihrem Kirchenaustritt erfolgte Kündigung der Caritas klagt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.05.2024 - Religion

Der Religionspädagoge Mouhanad Khorchide beschwichtigt im Gespräch mit Arnfrid Schenk in der Zeit: Es gibt an den Universitäten kein Problem mit islamistischem Fundamentalismus, auch den Studiengang "Islamische Theologie" verteidigt er und führt eine Studie der Universität Münster an: Es "wurden bundesweit 250 Studierende der Islamischen Theologie an mehreren Hochschulstandorten befragt; das entspricht ungefähr 10 Prozent der Studierenden dieser Fachrichtung. Die meisten davon standen am Anfang des Bachelorstudiums. Im ersten Semester kommen viele mit patriarchalischen Vorstellungen, wollen in den Hörsälen getrennt sitzen. Aber nach ein paar Jahren an der Uni ändert sich das. Viele sagen mir am Ende des Studiums: Ich schäme mich dafür, wie ich damals gedacht habe." Nichtsdestotrotz ginge eine Gefahr von Gruppen wie Muslim Interaktiv oder Generation Islam aus - Khorchide spricht sich für ein Verbot aus.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.05.2024 - Religion

Der emeritierte Rechtsprofessor und ehemalige Präsident der Goethe-Universität Frankfurt Rudolf Steinberg beleuchtet in der FAZ das Verhältnis von Staat und Kirchen in Deutschland und bleibt beim Befund der "hinkenden Trennung", die irgendwie eher einer Aufteilung von Kompetenzen gleicht, in der der Staat den Kirchen ihre Position sichert - auch wenn die Gläubigen millionenfach abfallen. Die Kirchen, so Steinberg, funktionierten inzwischen vor allem als "Sozialkirche" über ihre Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie, den größten Arbeitgebern nach dem öffentlichen Dienst. Steinberg kommt dann trotz seiner kritischen Position zu der seltsamen Aussage: "Vor allem bei der Übernahme von sozialen Aufgaben sind die Kirchen auf die Kirchensteuer als sichere Einnahmequelle angewiesen. Sie setzt die Kirchen in die Lage, Aufgaben, die der gesamten Gesellschaft dienen, tatsächlich dauerhaft übernehmen zu können: Schulen, Kitas, Beratungsstellen, Krankenhäuser, Altenpflegeheime. Genau aus diesem Grund steht auch kaum zu erwarten, dass der Staat an einer grundlegenden Änderung des Staatskirchenrechts interessiert sein könnte." Und da sind sich die Politiker aller Parteien laut Steinberg mit den Kirchenfürsten einig.

Schüchterne Frage des Bürgers: Werden Caritas und Diakonie wirklich aus der Kirchensteuer finanziert? Die Caritas selbst sagt jedenfalls auf ihren Seiten, dass sie zum großen Teil mit staatlichen Mitteln finanziert wird, die mit der Kirchensteuer nichts zu tun haben. Die Wikipedia hat sogar einen Artikel über die "Caritas-Legende", die von den Kirchen lange aufrecht erhalten wurde. Mehr als ein paar Prozent kommen bei Caritas und und Diakonie nicht aus Kirchensteuern, das meiste aus den Steuern der Allgemeinheit.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.05.2024 - Religion

In der taz winkt der Islamismus-Experte Patrick Möller ab angesichts der Überraschung über eine Demo in Hamburg, bei der die Gruppe "Muslim Interaktiv" aus dem Umfeld der islamistischen Hizb ut-Tahrir (die unter anderem ein globales Kalifat anstrebt) mehr als tausend Menschen mobilisieren konnte. Die Gruppe ist bekannt, meint er, ähnliche Demos gab es in der Vergangenheit immer wieder - er glaube auch nicht, dass die Gruppe in großem Stil Zulauf bekommen werde. Allerdings sorge die deutsche Berichterstattung über den Gaza-Krieg, die er zu israelfreundlich findet, auch bei integrierten Muslimen für einen "massiven Vertrauensverlust": "Es dauerte in den deutschen Medien lange, bis über mutmaßliche Kriegsverbrechen berichtet wurde, etwa über Videos, die zeigen, wie israelische Soldaten Wohnungen plündern und feixend mit Damenunterwäsche posieren und Palästinenser verhöhnen. ... Aus meiner Sicht erodiert seit Oktober 2023 das Vertrauen in die deutsche Politik in erschreckendem Ausmaß - und viele wenden sich ab. Das ist der wahre gesellschaftliche Sprengstoff. Und dann wird es manche Muslime geben, die auf die einfachen Botschaften der Hizb ut-Tahrir und anderer Extremisten hören werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.04.2024 - Religion

Christian Geyer (FAZ) hat mit Begeisterung den Disput zwischen den Theologen Georg Essen und Hubert Wolf verfolgt, den die beiden in der theologischen Zeitschrift Herder Korrespondenz Spezial geführt haben und der offenbar in der Frage gipfelte, ob Frauen nun zum Priesteramt zugelassen werden sollen oder nicht. Das ist komplex, erklärte Essen und gewann damit Geyers Herz: "Selten macht Theologie so interessant von sich reden wie bei diesem von Stefan Orth dramaturgisch effektvoll moderierten Disput, bei dem es mit der Paradoxie des Dogmas geradewegs ins Zentrum aller innerkirchlichen Reformdiskussionen geht." Einerseits. Andererseits: "Warum lässt sich theologisch nicht einfach Tabula rasa machen, etwa durch Dichtmachen oder Umbenennung von Dogmen, wie man es von Straßen her kennt? ... Essen ist nicht grundsätzlich gegen diese Ansicht, er räumt ein: 'Umbrüche können Innovationen auch dann legitimieren, wenn sie einen Bruch mit der Tradition darstellen.' Allerdings müssten auch Brüche regelgeleitet vonstatten gehen, orientiert an den Gehalten der lehramtlich gültigen dogmatischen und rechtlichen Vorgaben." Ist das eine Umschreibung für Veränderungen totreden?

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.04.2024 - Religion

Auf ihren "Christ&Welt"-Seiten bringt die Zeit ein Interview mit dem katholischen Theologen Heiner Bielefeldt, der auf die Verfolgungen von Christen in der Welt hinweist (dabei geht es ihm ausgerechnet besonders um die Evangelikalen) und generell auf den Widerspruch von religiöser Zugehörigkeit und politischer Verfolgung zu sprechen kommt. "Wenn es sich nur um Konfessionskonflikte handelte, die sich politisch Ausdruck verschaffen, dann würden wir zuweilen die Frontverläufe gar nicht verstehen. Die ganzen Widersprüche: Die Hamas etwa ist eine sunnitische Organisation. Sie wird vom schiitischen Iran unterstützt, der im eigenen Land die Sunniten diskriminiert. Fest steht aber auch: Man kann Religion nicht als rein rhetorisches Mittel in der Politik nutzen, wenn das nicht auch in den Religionsgemeinschaften selbst auf Resonanz stößt."
Stichwörter: Christenverfolgung, Iran, Hamas

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.04.2024 - Religion

Der Religionswissenschaftler Reinhard Flogaus ruft in der FAZ den Ökumenischen Rat der Kirchen dazu auf, Konsequenzen gegenüber dem Oberhaupt der Russisch Orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill, zu ziehen. Kyrill verteidige den Krieg in der Ukraine als "Heiligen Krieg". Der Leitsatz des ÖRK "Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein!" ist mit der christlichen Botschaft unvereinbar, so Flogaus: "Der ÖRK muss handeln, sonst wird er unglaubwürdig. ... Der Zentralausschuss des ÖRK muss über Konsequenzen aus der Aufkündigung des Amsterdamer Gründungskonsenses des ÖRK durch die ROK nachdenken. Das ist er den orthodoxen Kirchen in der Ukraine und allen anderen Kirchen schuldig. … Der Zentralausschuss des ÖRK sollte nun prüfen, ob ein Ausschluss oder eine Suspension der Mitgliedschaft der ROK möglich wäre."

Ist die von Donald Trump mitpropagierte "Ideologie des christlichen Nationalismus bloß harmlos patriotisch wie Apfelkuchen", fragt sich Marc Neumann in der NZZ. Mitnichten, wie islamische Fundamentalisten streben auch die Christlichen Nationalisten (CN) die Zurückdrängung der Macht des Staates an, erfährt Neumann beim CN-Aussteiger Brad Onishi: "Laut Onishi geht es den radikalen Christen darum, die Grenze zwischen Kirche und Staat einzureißen. Sie sähen sich in einem existenziellen Kampf zwischen Gut und Böse und forderten deshalb wirtschaftliche, soziale und politische Privilegien für Christen in den USA. (...) Christen sollten die sieben Hügel von Staat, Familie, Religion, Wirtschaft, Schulwesen, Medien und Kunst/Unterhaltung stürmen, um von dort die Menschheit zu kontrollieren und die Erde für Gott zu kolonialisieren."
Stichwörter: Ukraine, Trump, Donald