9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

835 Presseschau-Absätze - Seite 8 von 84

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.08.2024 - Religion

Im Zeit-Gespräch mit Evelyn Finger erzählt der Soziologe und Theologe Mouhanad Khorchide von seiner Arbeit mit jungen Islamisten, die im Gefängnis sitzen. Er habe sich auf die Gespräche gut vorbereitet, um die Jugendlichen in ihren extremen Ansichten verstehen zu können, stellte dann aber fest, dass die meisten den Koran nie gelesen hatten: "Ich dachte, sie würden ihre Terrorpläne mit dem Koran rechtfertigen, so wie man das von älteren Terroristen kennt. Ich habe mich deshalb gut vorbereitet, mich mit einzelnen Textstellen befasst, das erwies sich aber als unnötig. Sie wollen nicht über den Koran reden. Sie berufen sich nur auf Online-Prediger und gaben deren Positionen als unverhandelbare Wahrheiten wieder." Was kann man tun? "Hassprediger gehören konsequent verboten", fordert Khorchide, "Schulen müssen über Islamismus aufklären. Und wir müssen ein positives Narrativ etablieren, also betonen, wie gut es Muslimen in Deutschland geht: Wir genießen hier Religionsfreiheit, es gibt islamischen Religionsunterricht, islamische Theologie an Universitäten und mehr als 2.400 Moscheen. Bundespräsident, Ministerpräsidenten und Kirchen laden zum Fastenbrechen ein. Die meisten muslimischen Geflüchteten leben hier sicherer als in der Heimat."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.08.2024 - Religion

Zu den Projekten der Ampel gehört die Abschaffung der Staatsleistungen an die Kirchen. Und tatsächlich arbeiten die Fraktionen des Bundestags intensiv daran, berichten Reinhard Bingener und Daniel Deckers in der FAZ. Die Staatsleistungen bringt der Staat neben der Kirchensteuer auf, sie sind eine Art Subventionierung der Kirchen. Die historische Begründung ist, dass die Kirchen für Enteignungen aus dem Jahr 1803 bis heute mit Hunderten von Millionen von Mark pro Jahr "entschädigt" werden. Seit hundert Jahren soll das abgeschafft werden. Nun erzählen die FAZ-Autoren, dass sich die Bundesländer gegen die Abschaffung der Staatsleitungen wehrten, weil sie, äh, zu teuer sei: "Die Höhe der Zahlungen variiert regional, besonders hoch sind sie in Bayern und Baden-Württemberg sowie in Ostdeutschland. Für diese Länder käme eine Ablösung der jährlichen Zahlungen besonders teuer. Die jährlichen Überweisungen müssten mit einem Faktor zwischen 10 und 18 multipliziert werden, hieß es zeitweilig. Es geht also um Milliarden." Die Krux am Vorhaben: Die Kirchen sollen nochmals mit einer riesigen Summe ruhiggestellt werden, bevor die Staatsleistungen tatsächlich abgeschafft werden, auch wenn noch nicht genau geklärt ist, wie das geregelt wird. Aber es gibt noch ganz andere Ideen zu den von allen Bürgern zu erbringenden Staatsleistungen, berichten die FAZ-Autoren: "Günter Krings, der rechtspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, möchte nicht die Staatsleistungen streichen, sondern den Passus über deren Ablösung im Grundgesetz."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.08.2024 - Religion

Der Bibelwissenschaftler Christoph Bultmann prangert in der taz die Verfolgung der Sekte in der Türkei an und bezweifelt, dass sie für einen Putsch gegen Tayyip Erdogan verantwortlich sei (in diesem Kontext greift er auch einen Dokumentarfilm Can Dündars zum Thema an). "Die Verfolgung der Gülen-Bewegung in der Türkei war und ist ein Menschenrechtsproblem. Die Jahresberichte von Human Rights Watch und einzelne Berichte von Amnesty International geben darüber hinreichend Auskunft, während etwa die Stiftung Wissenschaft und Politik zum Thema keine Untersuchungen zu bieten hat. Im Journalismus herrscht Desinteresse, bedingt durch ein eklatantes Defizit an Menschenrechtskompetenz."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.08.2024 - Religion

Kurt Schmalle ist bei hpd.de aufgefallen, dass Wortmeldungen zum zehnten Jahrestag der genozidalen Verbrechen gegen die Jesiden zwar den IS als Täter benannten, aber nicht den Islamismus, die religiösen Begründungen der Taten. Aber ohne diese Begründungen sind diese Taten überhaupt nicht zu verstehen, so Schmalle: "Die Verbrechen des IS gegen die Jesid:innen sind weder beliebig noch zufällig, denn die Terror-Miliz hatte, wie auch andere islamistische Bewegungen, das Jesidentum zu einer 'heidnischen Religion aus vorislamischer Zeit' erklärt und damit den Massenmord und die Versklavung aus ihrem totalitären Religionsverständnis heraus 'legitimiert'. Das Ziel blieb stets die Vernichtung der gesamten Religionsgemeinschaft. Ähnliche Verfolgungen gab es bereits im islamischen Gottesstaat des Osmanischen Reiches, Jesiden selber zählen bis heute 72 Genozide an ihrer Gemeinschaft."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.07.2024 - Religion

Nach der Missbrauchsaffäre um Walter Homolka (Unsere Resümees) löst sicht jetzt das von Homolka dominierte Abraham-Geiger-Kolleg aller Wahrscheinlichkeit auf, berichtet Alan Posener in der Welt. "Am 19. Januar 2024 wird bekannt, dass die Anteile am AGK der Jüdischen Gemeinde zu Berlin (JGzB) für 25.000 Euro übertragen worden sind. Wahrscheinlich habe Homolka die Anteile übertragen, weil er 'sein ''Lebenswerk' eher nicht in den Händen des Zentralrates sehen wollte', erklärt der Pressesprecher der JGzB. Die Gemeinde befindet sich nämlich in einem erbitterten Streit mit dem Zentralrat. Wahrscheinlich ist es auch kein Zufall, dass Andreas Nachama, der die Kritik an Homolka mit einem 'Furz' verglichen hatte, nun 'rabbinischer Direktor' des AGK wird."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.07.2024 - Religion

In der Zeit spricht sich der Rabbiner Avraham Broide gegen die Wehrpflicht für Orthodoxe Juden in Israel aus. Diese täten genug, um den Staat zu stärken: "Wir haben gelernt, dass das, was diese Nation jetzt braucht, nicht eine bessere Armee ist, nicht eine intelligentere Armee, nicht eine Armee mit fortgeschrittenerer Technologie und mehr Waffen. Von all diesen Dingen ist genug vorhanden. Woran es dem Volk fehlt, ist der Geist. Dafür arbeiten wir unermüdlich, Tag und Nacht. Wir müssen unsere innere Stärke nähren und so viele Menschen wie möglich zu diesem religiösen Dienst einberufen, damit die Last der jüdischen Nation und des israelischen Volkes von allen gleichermaßen getragen wird."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.07.2024 - Religion

In der FAZ erinnert Reiner Burger an die Gründung der Ditib vor 40 Jahren, die immer wieder wegen ihrer Abhängigkeit von der türkischen Regierung - auch bei der Ausbildung von Imamen - kritisiert wird. Hat sich was geändert? "Trotz aller Eklats betrachtet die deutsche Politik die DITIB als unverzichtbare Partnerin. Das machte im Dezember auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) deutlich, als sie eine Imam-Vereinbarung mit der Diyanet als 'wichtigen Meilenstein für die Integration und die Teilhabe muslimischer Gemeinden in Deutschland' bezeichnete. Das Abkommen sieht vor, dass die Imame in DITIB-Moscheen mittelfristig nicht mehr von der Türkei entsandt werden. Stattdessen sollen jedes Jahr hundert Imame in Deutschland ausgebildet werden. Die Entsendung türkischer Prediger, die den Weisungen der Regierung in Ankara unterliegen, soll nach und nach in gleicher Stärke reduziert werden. Mitte Mai stellte sich dann bei einer Pressekonferenz der DITIB in Köln jedoch heraus, dass es sich bei 75 der Kandidaten um Theologieabsolventen aus der Türkei handeln wird, sie kommen also von Universitäten, die unter der Kontrolle von Diyanet und Erdoğans AKP stehen. Die restlichen 25 Plätze sollen mit Absolventen des DITIB-Ausbildungsprogramms für Religionsbeauftragte im nordrhein-westfälischen Dahlem gefüllt werden."

Im Welt-Interview mit Richard Kämmerlings fordert der Moraltheologe Daniel Bogner eine grundlegende Reform der katholischen Kirche, vor allem im Bereich Sexualität, und setzt dabei auf bereits andauernde Reformbewegungen in der Kirche. "Das politische Momentum, das der Synodale Weg durchaus freigesetzt hat, und das von reformoffenen Bischöfen auch mitgetragen wird, könnte sich mit dem Türöffner Papst Franziskus verbinden. Der unternimmt nämlich von oben her etwas ganz Ähnliches und scheitert auch an versteinerten Strukturen und Denkmustern. Aber er versucht, die Tür immer wieder zentimeterweise aufzudrücken."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.06.2024 - Religion

Im Februar hatte sich die Deutschen Bischofskonferenz gegen die AfD positioniert und diese als "nicht wählbar" für Katholiken bezeichnet. Diese Einstellung bekräftigt der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr im Zeit-Interview auf den Christ&Welt-Seiten. "Die AfD sieht und präsentiert sich immer in der Opferrolle, das ist nichts Neues. Wir hatten eher Bedenken, ob wir Bischöfe, wenn wir uns so klar positionieren, Brücken abbrechen und signalisieren: Jetzt sind wir zu einem Dialog nicht mehr bereit. Die Situation verlangte es jedoch, deutlich zu machen, dass ein Dialog wie mit anderen politischen Parteien hier nicht mehr möglich ist. (...) Aber wir gehen nicht so weit, zu sagen: Ein Katholik kann nicht Mitglied der AfD sein. Von daher haben wir nicht alle Brücken abgebrochen. Obwohl wir sehr entschieden betonen, dass völkischer Nationalismus mit dem christlichen Gottes- und Menschenbild unvereinbar ist."
Stichwörter: AfD

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.05.2024 - Religion

Ein bisschen untergegangen ist bei all den Feiern zu 75 Jahre Grundgesetz, dass wir es nach wie vor nicht mit einer säkularen Verfassung zu tun haben, bemerkt Peter Kurz bei hpd.de. Besonders stört ihn die "kirchliche Selbstverwaltung ihrer Angelegenheiten", die zum Beispiel den konfessionell gebundenen Unternehmen Caritas und Diakonie Sonderrechte geben: "Die kirchlichen Sozialkonzerne Caritas und Diakonie sind besonders große Arbeitgeber. Mehr als 1,2 Millionen Beschäftigte dort und bei den Kirchen wurden und werden indirekt zur Kirchenmitgliedschaft gezwungen. Ohne eine solche hatte man lange Zeit in vielen Bereichen kaum eine Chance auf eine Anstellung." Inzwischen, so Kurz, haben sich die Kirchen schon wegen des Mangels an Arbeitskäften zwar geöffnet. "Aber Absichtserklärungen und geübte rechtliche Praxis sind natürlich nicht dasselbe. So liegt aktuell der Fall einer Sozialpädagogin vor dem Bundesarbeitsgericht, die gegen ihre nach ihrem Kirchenaustritt erfolgte Kündigung der Caritas klagt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.05.2024 - Religion

Der Religionspädagoge Mouhanad Khorchide beschwichtigt im Gespräch mit Arnfrid Schenk in der Zeit: Es gibt an den Universitäten kein Problem mit islamistischem Fundamentalismus, auch den Studiengang "Islamische Theologie" verteidigt er und führt eine Studie der Universität Münster an: Es "wurden bundesweit 250 Studierende der Islamischen Theologie an mehreren Hochschulstandorten befragt; das entspricht ungefähr 10 Prozent der Studierenden dieser Fachrichtung. Die meisten davon standen am Anfang des Bachelorstudiums. Im ersten Semester kommen viele mit patriarchalischen Vorstellungen, wollen in den Hörsälen getrennt sitzen. Aber nach ein paar Jahren an der Uni ändert sich das. Viele sagen mir am Ende des Studiums: Ich schäme mich dafür, wie ich damals gedacht habe." Nichtsdestotrotz ginge eine Gefahr von Gruppen wie Muslim Interaktiv oder Generation Islam aus - Khorchide spricht sich für ein Verbot aus.