Im
Zeit-Gespräch mit Evelyn Finger erzählt der Soziologe und
Theologe Mouhanad Khorchide von seiner Arbeit mit jungen
Islamisten, die im Gefängnis sitzen. Er habe sich auf die Gespräche gut vorbereitet, um die Jugendlichen in ihren extremen Ansichten verstehen zu können, stellte dann aber fest, dass die meisten den
Koran nie gelesen hatten: "Ich dachte, sie würden ihre Terrorpläne mit dem Koran rechtfertigen, so wie man das von älteren Terroristen kennt. Ich habe mich deshalb gut vorbereitet, mich mit einzelnen Textstellen befasst, das erwies sich aber als unnötig. Sie wollen nicht über den Koran reden. Sie berufen sich nur auf
Online-Prediger und gaben deren Positionen als unverhandelbare Wahrheiten wieder." Was kann man tun? "Hassprediger gehören konsequent verboten", fordert Khorchide, "Schulen müssen über Islamismus aufklären. Und wir müssen ein positives Narrativ etablieren, also betonen, wie gut es Muslimen in Deutschland geht: Wir genießen hier Religionsfreiheit, es gibt islamischen Religionsunterricht, islamische Theologie an Universitäten und mehr als 2.400 Moscheen. Bundespräsident, Ministerpräsidenten und Kirchen laden zum Fastenbrechen ein. Die meisten muslimischen Geflüchteten leben hier
sicherer als in der Heimat."