Ohne Mohammed kein Islam, mit Mohammed kein aufgeklärter Islam - eigentlich kann man aus der Religion nur
austreten, meinte kürzlich
Laila Mirzo, deutsch-syrische Ex-Muslimin und Trainerin für interkulturelle Kompetenz, in der
NZZ (
unser Resümee).
Martin Grichting, Generalvikar des Bistums Chur,
ist das zu hart. Er plädiert eher für eine "Relecture" des Korans, die
Vernunft in die religiöse Offenbarung legt: Vernunft "ist die den religiösen Quellen
vorgelagerte Richterin, die bestimmt, dass das, was gegen ihre Grundsätze verstößt, nicht wahr und nicht gut ist. Das Christentum hatte es hierbei zweifellos einfacher als der Islam, weil es vor der biblischen Wortoffenbarung von einer 'säkularen' Schöpfungsordnung ausgeht, der die natürliche Vernunft angehört. Diese wird nicht aufgehoben von der später erfolgenden Selbstoffenbarung Gottes durch die Propheten und Jesus Christus. Denn Gott selbst ist ja der 'Logos', also die Vernunft, an der er den Menschen partizipieren lässt. Eine solche die
Vernunft Gottes spiegelnde Schöpfungsordnung aus den Quellen des Islam zu destillieren, gehört deshalb zu den Bedingungen der Möglichkeit einer pluralismusfähigen Auslegung seiner Texte."