Benedikt XVI. ist gestorben. Die größte Tat
Josef Ratzingers als Papst war sein Rücktritt,
schreibt Philipp Gessler in der
taz: "ein
ungeheurer Akt, den vor ihm seit rund 720 Jahren kein Pontifex maximus gewagt hatte. Ratzinger trat als Papst zurück, weil er sah, dass er seiner Aufgabe, eine Weltkirche absolutistisch und mit einem eher frühneuzeitlichen Apparat zu führen,
nicht mehr gewachsen war, wie er etwas verschlüsselt bei seiner Rücktrittserklärung auf Latein erklärte." In frommer Beschaulichkeit konnte er seine letzten Jahre allerdings nicht verbringen: "Denn die
Sünden seiner Vergangenheit holten ihn ein, das lange und bewusst Verdrängte, das Ratzinger und seine konservativ-reaktionären Fans in aller Welt und in der Kirche so gern weiter unter dem Teppich gehalten hätten. Der Papa emeritus (ein Titel, den er sich selbst anmaßte - ebenso wie sein weiterhin weißer Talar) wurde verfolgt von den Meldungen des weltweiten Skandals um
sexualisierte Gewalt, die in den vergangenen Jahren einfach nicht stoppen wollten, und das zu Recht."
Als
Johannes Paul II. starb, erscholl unter den Trauernden der Ruf "
Santo subito". Auf den Tod Benedikts XVI. gab es kaum spontane Reaktionen, notiert Daniel Deckers in der
FAZ: "Selbst die Kirchen weltweit füllten sich am letzten Tag des Jahres 2022 nicht mit Betern, die Trauer um einen Großen der Geschichte vereint hätte. Und die Beisetzung am Donnerstag wird ein
deutlich bescheideneres Gepräge haben als jene seines Vorgängers."
Sein größtes Verdienst war gewissermaßen
sein Rücktritt, meint auch Annette Zoch in der
SZ. Damit "hat er das Papstamt
auf Dauer verändert; er hat es geerdet und menschlicher gemacht. Und er hat damit auch Papst Franziskus möglich gemacht, der - bei aller Kritik an seiner Zögerlichkeit - immerhin die ganze Weltkirche auf einen
synodalen Prozess geschickt hat. Der die Kurie reformiert, der Frauen dort in Leitungsämter gehoben hat. Ja, es sind nur Trippelschritte, und ob sich am Ende etwas ändert, ist ungewiss. Aber es ist
nicht nichts." Ebenfalls in der
SZ sieht der Theologe
Werner G.
Jeanrond Benedikt strenger, nämlich als Verhinderer jeder Reform: "Kirche ist für ihn hierarchisch gedacht und verortet. Nicht die Gläubigen begründen die Kirche, sondern immer erst das geweihte und von Männern ausgeübte Amt."
An der Hamline University Universität wurde eine Dozentin gefeuert, weil sie in einem Seminar eine
Abbildung Mohammeds aus einer persischen Universalgeschichte des Islams aus dem 14. Jahrhundert gezeigt hatte (unser
Resümee). Einige muslimische Studenten hatten dagegen protestiert, und die Uni-Leitung knickte umstandslos ein. Der Iran-Historiker
Michael Bonner ergänzt im
Newlinesmag den historischen Kontext, und er macht klar, dass die Studenten die heute ihre von der "Islamophobie" beleidigte Seele geltend machen, selbst in einer bestimmten Tradition des Islams stehen, nämlich der fundamentalistisch-wahhabitischen: Die von Abd al-Wahhab vertretene "
düstere Sicht auf das islamische Erbe setzte sich vielerorts durch. Sie war der Grund dafür, dass viele muslimische Heiligtümer und Moscheen in der ganzen Welt
weiß getüncht wurden und ein großer Teil der islamischen Kunst verschwand. Vergleiche mit dem byzantinischen Ikonoklasmus (726-842) drängen sich auf, ebenso wie mit den schlimmsten Auswüchse der protestantischen Reformation im 16. und 17. Jahrhundert. Denken Sie an die Plünderung des afghanischen Nationalmuseums durch die Taliban und Al-Qaida oder an die Zerstörung muslimischer Schreine und Mausoleen durch Ansar Dine in Timbuktu in Mali."