Auf Twitter begegnet einem die Meldung über ein Massaker in
Yelwata, Nigeria.
200 Christen sollen durch diesen Angriff von Islamisten ums Leben gekommen sein.
Kein westliches Medium ist auf diese Meldung eingegangen. Eine
Recherche bei Google News bringt eine
Meldung der
BBC Pidgin.
Papst Leo XIV. hat sich allerdings in der Sonntagmesse über dieses "schreckliche Massaker"
geäußert und die Opfer in sein Gebet eingeschlossen. Auf einer Seite namens "Genocide Watch" findet sich ein
ausführlicherer Bericht: "In den frühen Morgenstunden des Freitags, 13. Juni 2025, wurden mehr als 200 christliche Dorfbewohner von schwer bewaffneten
Fulani-Dschihadisten in Yelwata, einer Bauerngemeinde im Bezirk Guma im Bundesstaat Benue, massakriert. Dieses Massaker ist
Teil einer beunruhigenden Welle gezielter Gewalt, die in den letzten Wochen über Zentralnigeria hinweggefegt ist. Dieses jüngste Massaker folgt auf eine Reihe koordinierter Angriffe im gesamten Bundesstaat Benue:
- 25. Mai - Aondoana, Bezirk Gwer-West
- 1. Juni - Edikwu-Ankpali, Bezirk Apa
- 12. Juni - Akundu-Tyough, Makurdi, die Hauptstadt des Bundesstaates."
Wer bei der Beurteilung des israelischen
Angriffs auf Iran die Kriegsrhetorik unterschlägt und die
Vernichtungsfantasien, die der Iran seit Jahren gegenüber Israel pflegt, wer außerdem die jahrzehntelange iranische Unterstützung von Terrorgruppen wie
Hisbollah,
Hamas und den Islamischen Dschihad ignoriert, wenn es um die Frage geht, ob Iran seine Drohungen ernst meint, sollte besser schweigen, meint in der
Zeit die israelische Soziologin
Eva Illouz. Und doch - auch über die fatale Regierung
Benjamin Netanjahus muss man reden, erklärt sie, die indirekt das Geschäft der Islamisten besorgt: "2024 haben mehr als
80.
000 Israelis das Land verlassen - doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Es handelt sich vor allem um säkulare und gut ausgebildete Menschen, also jene, auf die Israel am dringendsten angewiesen ist. Die wachsende ultraorthodoxe Bevölkerung dagegen lebt zu großen Teilen von staatlicher Unterstützung und arbeitet kaum. Das ist die bittere Ironie: Der Iran könnte bald keine militärische Strategie mehr brauchen. Netanjahu und seine
Koalition religiöser Extremisten übernehmen die Arbeit für ihn."
Mahtab Gholizadeh hat für die
taz mit Iranern über die israelischen Angriffe
gesprochen. Sie reagieren zwiespältig. Aber fast alle sind sich
einig über das Regime, in das sie keinerlei Hoffnung mehr setzen: "2018, 2019 und 2021 gingen sie auf die Straße. Es gab Wellen des zivilen Ungehorsams und der Massenproteste, die den Frust offen ausdrückten. Das Regime antwortete
ausschließlich mit Repression. 'Die Menschen um mich herum reagieren ganz unterschiedlich', sagt der 38-jährige Mohammadreza zur
taz. 'Manche sind in Todesangst gelähmt. Manche trauern und weinen ständig. Andere sind wütend und voller Hass auf Israel. Aber ganz ehrlich: Die meisten Leute, die ich gesehen habe,
sind einfach glücklich. Sie feiern.' Für ihn ist dieser Krieg nicht etwas, was das Volk gewählt hat - er wurde ihm aufgezwungen. 'Und wenn wir nach einem Schuldigen suchen, ist es die Islamische Republik. Nur sie.'"
Bomben helfen der Zivilgesellschaft im Iran nicht, meint im Interview mit der
Zeit die deutsch-iranische Menschenrechtsaktivistin
Daniela Sepehri. Aber eine
Unterstützung des Widerstands von außen würde sehr wohl helfen, so Sepehri, die deutlich
Deutschlands Kungeln mit den Mullahs kritisiert: "Deutschland stellt dem iranischen Widerstand immer wieder ein Bein - und wundert sich dann, dass das Regime noch immer an der Macht ist. Während im Iran Menschen für ihre Freiheit ihr Leben riskieren, führt die Bundesregierung weiterhin
Gespräche mit den Machthabern, macht Geschäfte mit ihnen - und schiebt sogar in dieses Regime ab. ... ich habe den Eindruck, dass der Ernst der Lange nicht wirklich verstanden wird. Die damalige Bundesregierung ist nach dem Oktober 2023 viel zu nachsichtig mit dem Iran umgegangen."
Ebenfalls in der
Zeit warnt der israelische Historiker
Moshe Zimmermann im Interview: "Es wird schlicht nicht eintreten, dass Israel sich mit militärischer Gewalt einen
Weg zum friedlichen Leben ebnen kann, zu einem geglückten 'Tag danach'. Nicht im nahöstlichen Dschungel."
Michael Wolffsohn hält dagegen in der
Bild fest: "Israel hat aus 3000 Jahren jüdischer Geschichte und aus dem Holocaust gelernt: Wir müssen
Drohungen gegen uns ernst nehmen und notfalls zuschlagen, bevor wir geschlagen werden."
"Kommt es jetzt also zum immer wieder beschworenen
Flächenbrand im Nahen Osten",
fragt Klaus Hillenbrand in der
taz. "Daran bestehen erhebliche Zweifel. Wer sollte
dem Iran denn beistehen? Die Huthi im Jemen mögen Raketen gen Tel Aviv schicken, aber militärisch bedeutend sind sie deshalb nicht. Die Hisbollah ist zerschlagen, die Hamas versteckt sich in Tunneln. Große Teile der arabischen Welt haben zwar pflichtschuldig gegen Israels Krieg protestiert. Doch eine
Schwächung des Iran ist auch in ihrem Interesse."
Am Anfang
begrüßten viele Iraner die israelischen Luftangriffe und vor allem die Tötung hochrangiger Mitglieder der Revolutionswächter aber das ändert sich schnell, je mehr Menschen sterben,
meint in der
NZZ der iranisch-schweizerischer Politikwissenschafter
Mahdi Rezaei-
Tazik. Benjamin Netanjahus Ansprache an die Iraner, mit der er sie ermunterte, gegen die Mullahs aufzustehen, hat dabei wenig geholfen: "Die Menschen in Iran haben genau beobachtet, was
in Gaza,
in Libanon und in Syrien passiert ist. Auch die Zerstörung ihrer Infrastruktur und die zivilen Opfer wirken wenig vertrauensbildend. ... Was den Iranern ebenfalls wenig Grund zur Hoffnung gibt: Der
Opposition im Ausland ist es auch nach rund fünf Jahrzehnten nicht gelungen, eine real existierende säkular-demokratische Alternative zu etablieren - eine Kraft, die als Bindeglied zwischen dem Westen einerseits und der Bevölkerung sowie dem Mittelbau des Militärs und der Revolutionswächter andererseits fungieren könnte. Dieser Mangel weckt bei einem Teil der Bevölkerung die Sorge, dass die Zukunft Irans jener von
Syrien oder Afghanistan ähneln könnte."
Yasmin Müller
stellt in der
NZZ die junge iranische Lyrikerin
Parnia Abbassi vor, die bei einem israelischen Luftangriff ums Leben kam: "In den sozialen Netzwerken trauern viele um Parnia Abbassi. Dabei schreiben einige auch über die Tatsache, dass die junge Frau zwar ein unbeabsichtigtes Opfer des iranischen Erzfeindes Israel geworden ist - aber mit ihren
demonstrativ offenen Haaren auch genauso ein Opfer der iranischen Sittenpolizei hätte werden können."
Israel hat den Iran empfindlich getroffen, aber ob es das
Atomprogramm nachhaltig geschädigt hat, ist noch offen, meint Friederike Böge in der
FAZ. Die Anlagen sind zum Teil so tief vergraben, dass sie für israelische Bomben nicht zu erreichen sind: "Auch in der Atomanlage Natans scheinen israelische Erfolgsmeldungen verfrüht zu sein. Falls das iranische Regime den Krieg übersteht, kann man wohl davon ausgehen, dass es alles daransetzen wird, nun erst recht Atombomben zu bauen. Ob es dazu angesichts der Unterwanderung durch den israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad überhaupt in der Lage wäre, bleibt dahingestellt."