Katrin Gänsler
freut sich in der
taz sehr, dass Außenministerin Baerbock persönlich die
Benin-Bronzen nach Nigeria zurückgebracht hat. Es handelt sich nicht nur um die Rückgabe von Kulturgut, die Bronzen haben auch eine symbolische Dimension (unser
Resümee), erläutert sie: "Anders als im
Globalen Norden oft angenommen wird, sind die Bronzen nicht nur enorm kostbare Kunstwerke. Sie haben bis heute eine kulturelle und
religiöse Bedeutung für zahlreiche Menschen. Diese lässt sich in Europa und in den USA kaum ermessen. Meist wird vergessen, dass die Bronzen bis zu ihrem Raub 1897 keine Museumsobjekte in Glasvitrinen waren, sondern Teil des täglichen Lebens und
zentral für Zeremonien" - bei denen oft Kriegsgefangene hingerichtet wurden, wie man vielleicht auch nicht vergessen sollte (mehr
hier).
Es gibt auch einen anderen Grund zur Freude,
schreibt Gänsler in ihrem Bericht über die Übergabe, für den sich auch mit der Beninerin Doris Ogbeifun gesprochen hat: "Endlich steht Nigeria einmal nicht im
üblicherweise schlechten Licht da. Bis vor einigen Jahren die Debatte über die unschätzbar wertvollen Bronzen einen Platz in der breiteren Öffentlichkeit in Europa fand, war Nigeria Synonym für Umweltverschmutzung im ölreichen Nigerdelta, die
Terrorgruppe Boko Haram, die Tausende Mädchen und Frauen entführte, sowie Internetkriminalität. Benin City galt zudem als Drehscheibe des
nigerianischen Menschenhandels. Es sei gut, dass die Stadt endlich mit etwas anderem in Verbindung gebracht werde, so Ogbeifun." Außerdem
erzählt Susanne Mermania in der
taz die lange Geschichte der verweigerten Rückgabe.
Wo (und ob) die zurückgegebenen Bronzen in Nigeria ausgestellt werden, soll die deutsche Politik nicht mehr kümmern, berichtet Bernd Dörries in der
SZ: "Auch unter Vermittlung des damaligen Kulturbeauftragten des Auswärtigen Amtes, Andreas Görgen, entstand die Idee des
Edo Museum of West African Art (EMOWAA), das mit einem deutschen Beitrag, aber auch Geld aus Nigeria gebaut und zu einer Attraktion in Benin-Stadt werden soll. Mittlerweile plant aber auch der heutige Oba
sein eigenes Museum. Die
Diskussion über die Museen spielte bei der Rückgabe keine große Rolle mehr. Der nigerianische Außenminister Geoffrey Onyeama sagte, man solle sich keine Sorgen machen, Nigeria habe auf die Masken jahrhundertelang ganz gut aufgepasst, bevor sie gestohlen wurden."
Die
Gleichschaltung in Moskau geht weiter. Moskauer Bibliotheken haben
Listen mit Büchern erhalten, die sie im Zeichen der neuen Anti-LGBT-Gesetzgebung nicht mehr anbieten sollen, meldet Kerstin Holm in der
FAZ: "Zu den Werken, die auf dieser Liste stehen, gehören solche von
Haruki Murakami, von dem britischen Humoristen
Stephen Fry, dem irischen Bestsellerautor
John Boyne, dem Amerikaner
Michael Cunningham, der russischen feministischen Dichterin
Oksana Wasjakina, aber auch von dem imperialistisch gesinnten Begründer der Nationalbolschewistischen Partei
Eduard Limonow. Entfernt werden müssen ferner der Roman 'Besessen' von
Antonia Susan Byatt sowie Lehrbücher in
Sexualkunde."