Tilman Baumgärtel,
Professor für Medientheorie, hat es auf sich genommen, die ideologischen Elaborate der "Dark-MAGA-Bewegung" zu durchwühlen, die die Begleitmusik zu Donald Trumps
Politik der Grausamkeit spielt. In einer vierteiligen Serie für
Jungle World liefert er einen nützlichen Überblick. In Teil 1
geht es um
Curtis Yarvin, den heute vielleicht einflussreichsten "Intellektuellen" um Trump, der auch in der
New York Times und jüngst auch im
New Yorker porträtiert wurde. Im zweiten Teil
befasst sich Baumgärtel mit einer ganzen Reihe von Autoren, die in guter alter nietzscheanischer Tradition
gegen Empathie anschreiben. Nicht dass Trump so etwas liest, so Baumgärtel. Aber "dass über so etwas
überhaupt diskutiert wird, zeigt, wie kaputt die politische Debatte in den USA inzwischen ist. Musk, der reichste Mann der Welt, war als Leiter von Doge stolz darauf, dass er durch die faktische
Auflösung der Hilfsorganisation USAID die US-amerikanische Unterstützung für die
Ärmsten der Armen praktisch abgeschafft hat. Inwiefern seine Truppe bisher überhaupt nennenswerte Beträge eingespart hat, ist dank der undurchsichtigen Selbstdarstellung von Doge, ihrer zahlreichen Rechenfehler und ideologisch motivierten Falschdarstellungen unklar." Teil 3
widmet sich Utopien technischer Weltheilung, wie
Peter Thiel sie verficht. Teil 4
befasst sich mit "Cyberlibertarismus" und dem Traum von "Freedom Cities", die sich von internationalem Recht lösen.
Samuel Fitoussi, 28, dürfte zu den brillantesten jüngeren Intellektuellen in Frankreich zählen. Und vor allem trägt er die
Fackel des Antitotalitarismus weiter, die in Frankreich, anders als in Deutschland, nie ganz erloschen ist. Sein
jüngstes Buch "Pourquoi les intellectuels se trompent" begnügt sich nicht nur mit der Aufzählung der vielen finsteren Irrtümer
westlicher Intellektueller - sondern er sucht auch nach sozialen und psychologischen Gründe für dieses systematische Falschliegen. Im
Gespräch mit Samuel Dufay von
Le Point spürt er den inneren Widerständen nach, die es vielen Linken so schwer machen, ihren Soli-Impuls
gegenüber den Mullahs im Zaum zu halten: "Das misogyne, totalitäre und unterdrückerische iranische Regime verkörpert alles, was die Linke
angeblich bekämpft, aber in Wirklichkeit liebt sie es wegen seiner Haltung gegenüber dem Westen und mehr noch Israel." In einem Moment, wo die
Linkspartei in Berlin laut jüngsten Umfragen zur zweitstärksten Partei wird (mehr
hier), die wie die Mélenchonisten in Frankreich auf Israelkritik und eine migrantische Wählerklientel setzt, mögen Fitoussis wahlsoziologische Erläuterungen von Interesse sein: "Im Laufe der Jahre hat sich die Wahllandschaft in vielen Hochburgen der Linken aufgrund der
demografischen Dynamik im Zusammenhang mit Einwanderung … verändert. Feindseligkeit gegenüber Israel, ja sogar
regelrechter Antisemitismus, scheint unter Muslimen überproportional vertreten zu sein. Im Jahr 2024 ergab beispielsweise eine Studie der Fondapol, dass 59 Prozent der Muslime in Frankreich glauben, dass Juden zu viel Macht in den Medien haben, gegenüber 24 Prozent der französischen Gesamtbevölkerung. … Ein Teil der Linken hat daher, zweifellos teilweise
aus Klientelismus, den Ton gegenüber Israel verschärft."