Spätaffäre

Beleidigend sinnloses Ereignis

Vorschläge zum Hören, Sehen, Lesen. Wochentags um 17 Uhr
03.02.2014. Der Bayerische Rundfunk bringt ein Remake von Alfred Anderschs berühmtem Hörspiel "Der Tod des James Dean". Auf  netzkino.de finden wir den Thriller "We Need to Talk About Kevin" mit Tilda Swinton. Warum haben Autorinnen Angst ihr Altern zu thematisieren, fragt Slavenka Drakulic in einem großartigen Essay auf Eurozine.

Für die Augen

Arte schickt Günter Wallraff und Daniel Domscheit-Berg vom Chaos Computer Club "durch die Nacht" in Schweden. Auf 52 gesellschaftskritische Minuten kann man sich gefasst machen.


Im Angebot von netzkino.de finden wir den Thriller "We Need to Talk About Kevin" mit der großartigen Tilda Swinton. (108 Min.)



Außerdem bringt 3sat ein Hamburger Konzert von Ulrich Tukur in voller Länge. (91 Min.)

Für die Ohren

"Alfred Andersch revisited": Der Bayerische Rundfunk bringt Barbara Schäfers Remake von "Der Tod des James Dean", eines der berühmtesten Hörspiele aus der Nachkriegszeit von Alfred Andersch. Im Anschluss folgt ein Gespräch zwischen Julian Doepp und dem Medienwissenschaftler Hans-Ulrich Wagner. Zum Nachhören oder Herunterladen in der BR2-artmix.galerie.

Was fasziniert uns an Schurken und Bösewichten auf der Bühne, im Kino, in der Literatur? Bei der BBC geht Paul Allen dieser Frage nach - und liefert dabei viele O-Töne aus den Archiven. Hier als (natürlich englischsprachiger) Download, 44 Minuten.

Der Streamingdienst Forgetify greift auf jenes Fünftel der Spotify-Datenbank zu, das noch kein einziges Mal abgespielt wurde - und das sind immerhin rund vier Millionen Songs. Über die Qualität der einzelnen Songs kann logischerweise keine Aussage getroffen werden, aber es sind garantiert etliche Schätzchen zu bergen. (Die Spotify-Software und ein kostenloser Account sind Voraussetzung zum Hören.)

Für Sinn und Verstand

Deutsche Zeitungen sollten ihre Übersetzer mobilisieren! Slavenka Drakulic hat für Eurozine einen großartigen Essay über ein überraschendes Thema geschrieben: Warum gibt es eigentlich so wenige Bücher von Schriftstellerinnen, die sich mit dem Thema des eigenen Alterns befassen? Von männlichen Autoren wie Philip Roth oder J.M. Coetzee findet sie solche Bücher, aber dort geht es neben dem Thema des Verfalls auch stets um Sex. Autorinnen dagegen scheinen das Thema ängstlich zu meiden. Am Ende erinnert sich Drakulic an Susan Sontags berühmten Essay "Krankheit als Metapher" und findet keine Antwort, aber eine Erklärung für ihr Problem: "Die moderne Gesellschaft ist beherrscht von der Vorstellung, das die Leute für ihr eigene Gesundheit und die Dauer ihres Lebens verantwortlich seien, obwohl die Realität dieser Idee kaum entspricht. Da ist es ein wesentlich eleganterer Weg, mit Tod und Sterben zurechtzukommen, indem man über eine neue Krankheit schreibt - vor allem in einer Kultur, die nach Susan Sontag den Tod als ein 'beleidigend sinnloses' Ereignis ansieht." Und welche Krankheit findet Drakulic nach intensiven Recherchen bei Amazon? "Alzheimer ist die neue Krankheit, die alle Anforderungen erfüllt, eine Metapher zu sein."

Der irisch-britische Dichter Nick Laird spricht im Interview mit Guernica über seinen neuen Gedichtband "Go Giants" und die Frage, welche Rolle Humor, Politik und Zorn in seinen Gedichten spielen: "Ich bin immer noch wütend über Nordirland. Ich bin wütend über das, was dort geschah und immer noch geschieht. Wütend darüber, dass Freunde getötet wurden und über diesen langwierigen Prozess, der uns viel eher größeren Frieden hätte bringen sollen. Die Menschen in Nordirland wurden von vielen Seiten im Stich gelassen und natürlich haben wir uns auch selbst im Stich gelassen. In meinen Gedichten versuche ich diese Wut - und die Trauer und die Hoffnung - auszudrücken. Ich glaube jedes Schreiben ist ein Versuch, den herrschenden Konsens zu verkomplizieren und zu untergraben. Schreiben personalisiert Statistiken. Es gibt einer Nummer einen Namen und ein Gesicht. In diesem Sinne ist es immer politisch."