
Ein
Schwerpunktthema der aktuellen Ausgabe ist der Zustand der
polnischen Sprache. Für den Literaturkritiker Piotr Sliwinski
tragen die Medien durch eine vorgebliche Jugendlichkeit und Lockerheit zu einer Vulgarisierung der Sprache bei. Zugleich liege das Problem tiefer: "Die Sprache wurde zum Ausdrucksmittel eines
Tiefpunkts an gegenseitigem Vertrauen. Wir trauen anderen weder Kompetenz noch guten Willen zu. Wir glauben auch nicht mehr an die Möglichkeit der Verständigung durch Sprache. Verständigen - nein, demütigen - ja."
Während die Sprachwissenschaftlerin Krystyna Waszakowa im
Gespräch mit dem Magazin zu beschwichtigen versucht - in der historischen Perspektive ist die gegenwärtige
Invasion von Anglizismen nichts Außergewöhnliches, und Hauptsache, das Polnische bleibt eine lebendige Sprache -
macht sich der
Schriftsteller Eustachy Rylski doch Sorgen: "In der öffentlich gesprochenen Sprache irritiert mich prinzipiell nur eines, das dafür aber sehr - es geht um die
Betonung. In vielen Sprachen, zum Beispiel im Russischen, ist sie etwas Grundlegendes, im Polnischen wird sie ignoriert. Ich kriege Zahnschmerzen, wenn ich Vorleser, Ansager und Journalisten höre - alles Leute, die vom Polnischsprechen leben. Die Betonung
ist die
Seele der Sprache. Eine falsche Betonung beraubt die Sprache ihrer Natur, ihrer Gestalt."
Marcin Wicha
porträtiert Feliks Topolski - den "wohl berühmtesten der vergessenen Künstler". Zwanzig Jahre nach seinem Tod wurde sein
Monumentalgemälde "Memoir of the Century" im früheren Atelier am Londoner Waterloo-Bahnhof restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. (Hier ein englischsprachiger
Blogeintrag zu diesem Thema). Obwohl Topolskis Rang in der
Geschichte der Zeichnung wichtig ist, konstatiert Wicha: "Heute kann man sein Gemälde kaum als große Kunst anerkennen. Was bleibt, ist die Geschichte eines Mannes der ein Dreivierteljahrhundert lang den Bleistift nicht aus der Hand gelegt hat, zeitlebens Karriere machte und dabei wohl
ziemlich viel Spaß hatte."