
Nächste Woche erscheint ein Buch zweier Historiker des staatlichen "Instituts für Nationales Gedächtnis" (
IPN), das Enthüllungen zur angeblichen
IM-Tätigkeit Lech Walesas in den siebziger Jahren beinhalten soll. Schon die Ankündigung führte zu hitzigen Diskussionen, Polemiken und offenen Briefen der Befürworter und Gegner der sogenannten
Lustration. Pawel Demirski, der ein
Theaterstück über den "Solidarnosc"-Anführer inszeniert,
skizziert die Bedeutung der Walesa-Legende für die junge Generation: "Ich wünschte,
junge Polen würden keine Angst mehr vor Politik und politischen Diskussionen haben. Lech Walesa könnte eine Ikone der modernen Arbeiterbewegung sein, ein immerwährendes Gesprächsthema nicht nur für Intellektuelle, sondern auch für Fabrik- und Konzernmitarbeiter. Leider ist es nicht so, und nichts deutet darauf hin, dass sich das ändert. Politik ist für junge Polen uninteressant, also existiert Walesa vielleicht als Symbol in ihrem Bewusstsein, aber als
totes Symbol, das nicht zur Weltveränderung motiviert." (Die englische Version des Interviews ist
hier nachzulesen).
Weitere Artikel: Zum selben Thema
äußert sich auch der Soziologe und Politiker
Pawel Spiewak, der Walesa zwar respektiert, ihn aber nicht auf einen Denkmalsockel setzen will. Michal Nogas
berichtet aus Drohobycz über das III. Internationale
Bruno-Schulz-Festival (
hier das Plakat und das
Programm auf Englisch). Mit Interesse hat Dariusz Nowacki
Krzysztof Vargas'
Ungarnband "Gulasz z turula"
gelesen: "Der polnische Leser erfährt, dass Polens historisches Pech noch relativ erträglich ist - es gibt Nationen, denen unvergleichlich mehr Unrecht widerfuhr. Beim Lesen möchte man über das
Schicksal der Magyaren weinen, über ihren Nationalcharakter und ihre verkorkste Psyche, über ihre absurden Träume von der Macht, die lange vergangen ist und nie wiederkommen wird."