Magazinrundschau - Archiv

La regle du jeu

93 Presseschau-Absätze - Seite 10 von 10

Magazinrundschau vom 27.07.2010 - La regle du jeu

Predrag Matvejevitch, einer der bekanntesten Intellektuellen Kroatiens, muss übermorgen vielleicht ins Gefängnis. Er hatte einen ultranationalistischen kroatischen Lyriker als "katholischen Taliban" bezeichnet und wurde von diesem auf Beleidigung verklagt - ein Tatbestand, auf den in Kroatien Gefängnis steht. Bernard-Henri Levys Blog La regle du jeu hat einen Haufen superprominenter Autoren wie Umberto Eco, Claudio Magris und Salman Rushdie um sich geschart, um dagegen zu protestieren. Maria de Franca erzählt, was vorgefallen ist: "Matvejevitch betrachtet diese Strafe als ungerecht und eines Rechtsstaates für unwürdig. Er plädiert für die Freiheit des Wortes und lehnt sich auf gegen das, was er eine 'strafbare Metapher' nennt. Darum legt er nicht Berufung ein. Der Premierminister sieht die steigende Indignation im Ausland und hat sich gegen die Strafe ausgesprochen... Ist es akzeptabel, dass ein Land, das so kurz vor der Aufnahme in die EU steht, jemanden wie einen Kriminellen behandelt, nur weil er öffentlich gegen einen ultranationalistischen Poeten Stellung bezogen hat?" Auch Matvejevitchs Text, der ihm die Klage eingebracht hat ist auf RDJ übersetzt.

Der iranisch-französische Journalist Armin Arefi kommentiert Berichte der Los Angeles Times (hier) über die anhaltend florierenden Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und dem Iran. Trotz jüngst beschlossener Boykottmaßnahmen soll der wirtschaftliche Austausch zwischen den Ländern noch gewachsen sein. Die Times zitiert einen Sprecher der deutsch-iranischen Handelskammer, der die Beziehungen als traditionell und "gewachsen" verteidigt. "Diese 'traditionelle' und 'nachhaltige' Beziehung ist um so problemantischer, wenn man die Rolle Deutschland im Zweiten Weltkrieg und antiisraelischen und negationistischen Diatrieben des iranischen Präisdenten Achmadinedschad bedenkt."

Magazinrundschau vom 06.07.2010 - La regle du jeu

Stefano Montefiori schildert ein Treffen mit dem Schriftsteller und Journalisten Roberto Saviano, das strengstens bewacht in einem kleinen Restaurant stattfand. Der seit seinem Mafia-Buch "Gomorra" über ihm schwebende Todesfluch, schreibt Montefiori, beeinflusse selbst seine zahllosen Bewunderer. Saviano meint dazu: "Manchmal wird mir bewusst, dass um mich herum eine bizarre Atmosphäre herrscht, eine Art vorauseilender Trauer. Ich sehe in den Augen der anderen eine vorweggenommene Rührung, als hätten meine Äußerungen schon einen gewissen Wert, aber einen geringeren, als sie morgen haben werden, wenn man mich - endlich - ermordet hat."
Stichwörter: Mafia, Saviano, Roberto

Magazinrundschau vom 16.02.2010 - La regle du jeu

Vor dem Hintergrund des Prozesses gegen den früheren Leiter eines Folterlagers der Roten Khmer, Kaing Guek Eav, der als Genosse Duch bekannt war, unterhält sich Gilles Hertzog mit dem katholischen Priester Francois Ponchaud, der zu den ersten gehörte, die den Genozid in Kambodscha aufdeckten. Die Chancen einer echten Aufarbeitung sieht er dabei eher ambivalent, weil nach seinen Erfahrungen und nach Einschätzung der Ethno-Psychologie viele Kambodschaner davon überzeugt sind, dass das Böse als solches nicht existiert und sie das, was sie erlitten haben, mit Karma erklären. Allerdings sieht er auch die Traumatisierungen: "Die derzeitige Gewalt in den Familien basiert teilweise auf der Gewaltherrschaft der Roten Khmer. Alle, die damals Kinder waren und heute Familie haben, sind gewalttätig, Männer wie Frauen. Da sie nicht von ihren Eltern aufgezogen wurden, von denen man sie getrennt hatte, wiederholen sie das Gewaltmuster, das sie kennen. Die Zeitungen wimmeln nur so von grauenerregenden Meldungen. So kommt es häufig vor, dass ein Mann seine Frau mit Säure überschüttet. Aber diese unterschwellige Gewalt hat auch weit zurückliegende Wurzeln. Angkor ist das Werk zahlloser Sklaven, Kriegsgefangene aus den Gebieten des früheren Siam und Laos."

Ergänzend ist ein Essay von Gilles Hertzog über den Prozess und die Roten Khmer dreißig Jahre danach zu lesen.

Und Bernard-Henri Levy äußert sich sehr elegant zu der schadenfroh kommentierten Blamage, in seinem neuen Buch "De la guerre en philosophie" in einer Abrechnung mit Kant die Arbeit des fiktiven Philosophen Jean-Baptiste Botul, Erfindung eines Journalisten des satirischen Magazins Canard enchaine, zitiert zu haben: "Ein wirklich brillanter und äußerst glaubwürdiger Scherz ... Chapeau zu diesem erfundenen Kant."