"Hat es eigentlich jemals ein
spanisches Wunder gegeben?",
fragt sich
Javier Cercas. "Die Antwort lautet: Ja, den
Schinken aus Jabugo. Das ist aber auch schon alles. Trotzdem war noch vor bis vor kurzem ständig die Rede vom spanischen Wunder. Wer hatte sich das ausgedacht? Die ausländische Presse natürlich, die so genau darüber Bescheid weiß, was in Spanien los ist, wie die spanische Presse darüber, was außerhalb Spaniens los ist. Der Unterschied ist, dass in England oder Frankreich niemand zur Kenntnis nimmt, was die spanische Presse über diese Länder verbreitet, während wir nur darauf warten, auf den Titelseiten zu verkünden, was die englische oder französische Presse über Spanien sagen. Oder können Sie sich vorstellen, dass der britische Wirtschaftsminister die Redaktion von
El Pais aufsucht, um sie davon zu überzeugen, dass es der britischen Wirtschaft keineswegs so schlecht geht, wie El Pais zu glauben scheint? In umgekehrter Absicht hat dafür neulich die spanische Wirtschaftsministerin die
Financial Times besucht. Natürlich ist die Financial Times nicht El Pais, da haben Sie Recht, schon deshalb, weil El Pais viel mehr von der spanischen Wirtschaft versteht als die Financial Times. Was man daran erkennen kann, dass die Financial Times, die zwei Tage davor ein
tiefschwarzes Bild der spanischen Wirtschaft gezeichnet hatte, zwei Tage nach dem Besuch der Ministerin auf einmal verkündete, der spanischen Wirtschaft gehe es
hervorragend: Da sieht man, wie viel Ahnung die Financial Times von der spanischen Wirtschaft hat."