Wie DonaldRunnicle als neuer Leiter der DresdnerPhilharmonie das Gedenkkonzert zur BombardierungDresdens mit BenjaminBrittens "War Requiem" gestaltete, könnte den Weg zu einer künftigen, nicht auf Revanchismus und Chauvinismus abzielenden Gedenkkultur ebnen, findet Jan Brachmann in der FAZ. Der Dirigent "führt die etwa 250 Mitwirkenden ... nicht zusammen in einem Akt massiver Überwältigung, sondern des Innehaltens." Er "stimmt mit diesem Werk des Gedenkens an die Toten des Zweiten Weltkriegs, uraufgeführt bei der Wiedereinweihung der von der deutschen Luftwaffe zerbombten Kathedrale von Coventry 1962, keine pathetische Klage an. Er erzählt die Geschichte des Glaubensverlustes durch Kriegserlebnisse, die Geschichte des Sprachverlustes durch ein Trauma. Wir durchlaufen hörend einen Prozess, in dem Trauer durch Singen eine Sprache zurückgewinnt und sich der Ritus des Requiems nach apathischem Stammeln wieder mit Leben füllt. ... Form und Empfindung zueinander zu führen, Sprachlosigkeit zu lösen, nachdenklich zu werden, ohne sich zu rühmen oder zu exponieren - damit kann ältere Kunst künftigem Gedenken durchaus den Weg weisen."
Weiteres: Jens Uthoff plaudert für die taz mit Cher, deren Autobiografie eben auf Deutsch erschienen ist. Andreas Hartmann hat für die taz das neue Synthesizermuseumin Berlin besucht. Nadine A. Brügger und Ueli Bernays sprechen für die NZZ mit dem Schweizer Musiker BüneHuber. Besprochen werden eine Wiener Ausstellung von Musikerfotos von AntonCorbijn (Standard), ein Konzert des Kammermusikensembles LaPhilharmonica in Wien (Standard), BobSpitz' Buch über LedZeppelin (FAZ) sowie neue Alben von ShirinDavid (Welt, SZ) und den ManicStreetPreachers (FAS).
Sehr melancholisch wird Kathleen Hildebrand in der SZ, wenn sie das neue Album "Golden Years" von Tocotronic hört: Nicht nur kommt hier eine einstige Jugendband mit ihren Fans ins Altern, mit dem Gegenentwurf, den Bands wie Tocotronic einst formulierten, scheint es zu Ende zu gehen. "Der Widerstand von Tocotronic war nicht nur, aber auch: ein spätadoleszentes, selbstreflektiertes, intellektuelles Spiel. Ein Spiel, das man sich leisten konnte, weil die Welt eventuell eben doch nicht ganz furchtbar war. Der Widerstand, der heute vonnöten ist, kann so aber nicht mehr sein. Es geht nicht mehr 'nur' gegen den Neoliberalismus, gegen das fröhliche Mitmachen bei der Selbstausbeutung zugunsten des Kapitals ('Sag alles ab!'), sondern gegen die ungebrochene Menschenfeindlichkeit des Rechtsextremismus, der es geschafft hat, in den Mainstream zu sickern. ... Der Widerstand, den Tocotronic heute beschwören, will bewahren, was hier und da halbwegs errungen wurde. Oder zumindest eine Weile lang als erringenswert gegolten hat. Vielleicht geht es nicht anders und natürlich ist das ein generelles gegenwärtiges Problem aller Menschen, die humanistisch denken und fühlen: Retten wollen, was zu retten ist, ist nicht rasend sexy."
Nadine Lange vom Tagesspiegel hat sich mit der Band zum Gespräch getroffen. Auf ihrer frischen Single "Bye Bye Berlin" blicken Tocotronic traurig auf den Zustand Berlins, wo sie nach einem Umzug aus Hamburg in den frühen Nullern leben: "Der nicht mal dreiminütige Abgesang, in dem auch die Uckermark als Alternative zur Hauptstadt gleich noch mit abgeräumt wird, ist" zwar "weder Berlin-Bashing noch Frustabbau nach einer Eigenbedarfskündigung. 'Doch leider ist die Stadt in den letzten fünf bis zehn Jahren deutlich abweisender geworden, mehr wie ein Business-Park - jedenfalls nicht mehr die räumliche Utopie, die sie um die Jahrtausendwende herum noch darstellte', sagt Dirk von Lowtzow."
Besprochen werden unter anderem ein Konzert von PatriciaNolz in Wien (Standard) sowie neue Alben von Traxman (taz) und The Weeknd (Standard).
Das Hamburger FestivalElbphilharmonie Visions könnte sich zu einem "ganz großen Ding" entwickeln, glaubt ein in der FAZ sichtlich angetaner Jan Brachmann. Robert Mießner berichtet in der taz von der Generalprobe in Dresden von EuniceMartins' Stück "Walls are tumbling down". Der Publikumszuspruch für die Orchester steigt, aber deren öffentliche Finanzierung sinkt, meldet Jan Brachmann in der FAZ. Besprochen werden neue Alben von FKATwigs (FR) und Tocotronic (Standard).
Bei der Kritik an den Sparplänen des Berliner Kultursenats steht oft die Sorge um die Theaterbühnen der Stadt im Vordergrund. Dabei trifft es mit der Pop-Kultur und dem CTMFestival die beiden großen, international strahlkräftigen Veranstaltungen zur populären Musik viel härter, klagt Tobi Müller auf Zeit Online. "Kein Theater musste während der Kürzungsdebatten der vergangenen Monate grundsätzlich an seinem Konzept arbeiten, geschweige denn damit rechnen, dass es wirklich sofort zu Ende geht. Bei Pop-Kultur ist das der Fall. Bei Textschluss dieses Artikels steht noch immer zur Diskussion, ob das veranstaltende Musicboard Berlin eine Summe von 300.000 Euro titelscharf bei diesem Festival einzusparen hat (was das Ende bedeuten würde)." Beide Festivals wurden zudem durch dieses Hinhalten "über mehrere Monate ausgebremst. Ein Festival, das im August stattfindet wie Pop-Kultur, muss spätestens zu Jahresbeginn fertig konzipiert sein, die Anfragen müssen rausgegangen sein. Jetzt ist es Februar."
Weitere Artikel: Antonia Munding spricht für Backstage Classical mit dem Pianisten und Komponisten FazilSay. Joachim Hentschel plaudert für die SZ mit CyndiLauper, die mit 71 Jahren gerade ihre Abschiedstour absolviert. Besprochen wird das neue Album von FKATwigs (taz).
Christian Schachinger (Standard), Inga Barthels (Tsp) und Mathis Raabe (Zeit Online) rekapitulieren den Halbzeitauftritt von KendrickLamar beim SuperBowl, den der Hiphop-Superstar nicht nur für sanfte versteckte Spitzen gegen Trump (der im Stadion anwesend war) nutzte, sondern auch, um seine Fehde mit dem Konkurrenten Drake weiter auszubauen. Peter Münch porträtiert für die SZ das bosnische DubiozaKolektiv, das momentan auf Tour ist und mit seinen Songs "gegen die politischen Eliten der Balkan-Autokratien, gegen die Korruption" und "gegen den Nationalismus ... im zerfallenen Jugoslawien zum Soundtrack bei Streiks und Demonstrationen" gehört.
Besprochen werden unter anderem IanWhites Dokumentarfilm "Mutiny in Heaven" über NickCaves frühe Band TheBirthdayParty (FAZ) und neue Veröffentlichungen anspruchsvoller Musik, darunter "Tokuzu" von Arashi & Takeo Moriyama, deren Musik einem laut Standard-Kritiker Ljubiša Tošić "mit beiden Beinen ins Gesicht springt". In diesem Sinne - Deckung hoch:
Mit "Fearless" erschien vor kurzem RolfKühns letzte, kurz vor seinem Tod im Jahr 2022 entstandene Studioaufnahme. Den "rhythmischen Vorwärtsdrang und die fließende Eleganz der Tongebung", die man auch aus den vorangegangenen Arbeiten des hochbetagten Klarinettisten kennt, vermisst FAZ-Kritiker Wolfgang Sandner zwar ein wenig. Stattdessen gibt es "kurze Staccato-Phrasen, unvermittelte Klangfarbenwechsel, abrupt einsetzende Pausen, angetippte, aber nicht ausgeführte musikalische Ideen. Manches in diesen Kompositionen trägt Züge moderner Klassik bis hin zu atonalem Experimentalklang statt jazzmäßiger Expressivität. ... Frank Chastenier am Klavier, Lisa Wulff am Bass oder Tupac Mantilla am Schlagzeug halten sich meist respektvoll zurück, fügen dem bisweilen seltsamen melodischen Flackern der Klarinette aber fein ausgehorchte Interpunktionen hinzu. In jeder Klanggeste ahnt man, wie sehr Rolf Kühns letzte Studioproduktion Fragment bleiben musste. Es wirkt gerade so, als habe der improvisierende Komponist ohne alle Bitterkeit sagen wollen: Wer bin ich, dass ich jetzt noch ein vollkommenes Kunstwerk hinterlassen soll?"
Für die SZ plaudert Jakob Biazza mit RolandKaiser über dies und das und über das Gendern, mit dem Kaiser kein Problem hat: "Es gibt eben nicht nur Mann und Frau. Punkt. Menschen sind offensichtlich vielschichtiger und haben entsprechend vielschichtige Gefühle und Bedürfnisse - und die müssen wir zulassen. Auch sprachlich. ... Ich war immer überzeugt, dass die Freiheit eines Menschen erst dort endet, wo die Freiheit eines anderen beginnt. Warum sollte es mich also stören, wenn sich jemand als dieses oder jenes identifiziert. Ist mir doch egal. Jeder Jeck ist anders."
Außerdem: Für die Welt porträtiert Jan Küveler PeteDoherty. Besprochen werden eim Konzert von Alligatoah (Tsp), ein Lesungs-Konzert von IlonaHaberkamp zu Ehren der Jazzpianistin JuttaHipp (FR), LarkinPoes Album "Bloom" (FAZ), der Dokumentarfilm "Mutiny in Heaven" über NickCave und die Band BirthdayParty (SZ).
Und dann noch die (leider nicht einbindbare) Super-Bowl-Show von KendrickLamar aus der letzten Nacht, mit SamuelJackson als Uncle Sam.
Für die Weltspricht Airen mit dem Komponisten SvenHelbig, der an diesem Sonntag in Dresden anlässlich des 80. Jahrestags der Bombardierung Dresdens seine neue Arbeit "Requiem A" aufführt. Andrian Kreye sieht in der SZ gespannt KendrickLlamars Auftritt beim SuperBowl an diesem Sonntag entgegen: Zu erwarten ist "nicht nur ein epochalesKurzkonzert", sondern mit "mit Präsident Trump im Stadion könnte es auch zu einem Moment kommen, in dem sich dieKulturkämpfederNation entladen". Die FAZmeldet, dass der russische Liedermacher und Moderator WadimStroikin bei einer Hausdurchsuchung in St. Petersburg durch einen Sturz aus dem Fenster ums Leben gekommen ist, vorgeworfen wurde ihm eine Spende an die ukrainische Armee. Harry Nutt erinnert in der FR an BobMarley, der vor 80 Jahren geboren wurde.
Besprochen werden das neue und vielleicht auch letzte Album von TheWeeknd (NZZ, mehr dazu bereits hier), das Debütalbum "Who Let the Dogs Out" von den LambriniGirls (FR) und "Golden Years", das neue Album von Tocotronic (taz).
Jeffrey Arlo Brown spricht für VAN mit der Dirigentin MarinAlsop unter anderem über die angespannte Lage beim Radio-SymphonieorchesterWien, das sie seit 2019 und noch bis zum Sommer leitet. Sollte die FPÖ in Österreich an die Macht kommen, könnte der Klangkörper Geschichte sein: Mit Blick auf diese ungewisse Lage könne er momentan "keine Verpflichtungen über dieses Jahr hinaus eingehen. ... Es wäre eine echte Tragödie für Wien, dieses Orchester zu verlieren. Es wäre, als würde ein Stück aus dem Wiener Herz geschnitten. Dieses Orchester spielt alles, ob verrückte Musik bei Wien Modern, eine Fernseh-Pop-Show oder Mahler Neun. Das können sie alles. Es ist auch ein extrem diverses Orchester. Viele junge Musikerinnen und Musiker, viele Frauen im Orchester - das ist schön zu sehen in Wien. Die Bedeutung des Orchesters geht weit über das Repertoire hinaus."
Axel Brüggemann ärgert sich im Kommentar auf Backstage Classical über rücksichtsloses KlatschenmitteninKlassikkonzerten - und auch die StandingOvations haben in letzter Zeit überhand genommen: "Applaus-Rowdies", wohin man blickt - wohl neues Publikum, wie Brüggemann vermutet. "Ich bin nicht gegen freilegende Emotionen, nicht gegen den Bruch von Konventionen und nicht gegen das Zurückhalten von Überwältigung. Aber mich stört die Ignoranz gegenüber der Tiefe des Musikhörens aus Dummheit und Egoismus." Den Betrieb selbst sieht er durchaus in Verantwortung: "Wer Klassik als Tourismus verkauft, darf sich nicht beschweren, wenn die Touristen von der Mona Lisa nur ein Instagram-Foto aufnehmen wollen."
Weitere Artikel: Daniel Barenboim hat seine Parkinson-Erkrankung öffentlich gemacht, allerdings wolle er das mit israelischen und palästinensischen Musikern besetzte West-EasternDivanOrchestra "weiterhin dirigieren, wann immer es seine Gesundheit zulasse", meldet Helmut Mauró in der SZ. Marco Frei resümiert in der NZZ das Mizmorim-Festival für Kammermusikin Basel. Arno Lücker spricht für VAN mit der 1990 geborenen Dirigentin MarieJacquot über deren beeindruckende Karriere in den letzten Jahren. Jakob Thaller ärgert sich im Standard darüber, dass Hollywood-Komponist HansZimmer sich in den Dienst Saudi-Arabiens stellt und eine neue Nationalhymne komponiert: "Auspeitschungen und Steinigungen verletzen Menschenrechte nicht weniger, wenn sie von epochalerMusik begleitet werden." Erich Rathfelder stellt in der taz das DubiozaKolektiv aus Sarajevo vor. Fürs ZeitMagazin porträtiert Timo Posselt die französische Sängerin Zaho de Sagazan.
Besprochen werden VikingurÓlafssonsBach-Album "Continuum" (FR) und weitere, neue Popveröffentlichungen, darunter "Alter Zorn" von Turbostaat (Tsp).
NZZ-Kritiker Ueli Bernays lässt sich von FKA Twigs auf deren neuen Album "Eusexua" in eine düster-selbsttherapeutische Welt glückseligen Begehrens entführen: "Der Körper ist eine beengende Kapsel in einer feindseligen Welt, in der FKA Twigs ungute Erfahrungen gesammelt hat." Aber der Musikerin gelingt es "Leben und Leiden in faszinierenden Klangbildern aufzuarbeiten. In ihrer Musik verwandeln sich sinnliche Impulse scheinbar ungefiltert in Worte und Sounds. Die zumeist kurzen, prägnanten Lyrics nehmen sich tatsächlich aus wie kleine Eruptionen aus einem skeptischen Hirn. Die Harmonien schweben als wolkige Schlieren über dem Magnetfeld der Seele. Und die bald flirrenden, bald rauschenden Beats tönen, als würde eine Rhythmusmaschine über Herzfrequenzen und Atmung gesteuert. ... Dabei geht es fast buchstäblich darum, das verquälte Ego aus seinen verhärtenden Schalen zu klopfen - damit es sich öffnet für orgiastischeErfahrungen."
Jan Tölva singt in der Jungle World ein Loblied auf Punk als Jugendkultur - und ist genervt davon, dass in der Literatur Punk immer nur als Heldengeschichte aus Perspektive der Macher, aber selten aus der Perspektive von vor der Bühne erzählt wird: "Millionen von Kids überall auf der Welt haben im Lauf der Jahre in Hardcore und Punk einen sozialen Ort gefunden, an dem sie sie selbst sein konnten mit all ihren Fehlern. Einen Ort, an dem es okay war, ein 'Heimkind' (Cretins) zu sein oder zu den 'schwulen Säuen, dreckigen Zecken und genialen Krüppeln' (Muff Potter) zu gehören. Das ist die Superpower des Punk. ... Heute sind Hardcore und Punk vielfältiger und vielschichtiger denn je. Ähnlich wie in den Achtzigern in Spanien und Lateinamerika Bands gegen die Diktatur in ihrem jeweiligen Land ansangen, gehören heute in Indonesien oder auf den Philippinen Hardcore und Punk fest zur Subkultur der außerparlamentarischen Linken, die sich der jeweiligen autoritären Regierung entgegenstellt."
Weiteres: Lotte Thaler resümiert in der FAZ das Kammermusik-Festival "Mizmorim" in Basel, wo in diesem Jahr die Arbeiten jüdischer Komponisten im Vordergrund standen. Thomas Blum ist in der Jungle Worldsehr genervt von MosesPelham, der auf seinem Abschiedsalbum auch mit den BöhsenOnkelz und XavierNaidoo trällert. Jens Balzer hat in der Zeitviel Freude an JadenSmiths Garderobe bei der Grammy-Verleihung: Der Musiker, Schauspieler und Will-Smith-Sohn trug ein von DoraAbodi gestaltetes, schwarzes Gruselhaus als Kopfbedeckung. Frederik Hanssen vom Tagesspiegelkann damit leben, wenn beim klassischen Konzert auch mal zwischen den Sätzen geklatscht wird. Helene Slancar stellt im Standard die Nachwuchs-Popstars SabrinaCarpenter, GracieAbrams und Beabadoobee vor. Christian Schachinger erinnert im Standard an BobMarley, der heute vor 80 Jahren geboren wurde. Besprochen wird ein Beethoven-Konzert in Frankfurt von Igor Levit (FR).
"Geteiltes Geld ist weniger Geld", stellt Klaus Walter in einem FR-Essay zum Niedergang des Band-Modells zugunsten von Solo-Künstlern fest. Bzw. Solokünstlerinnen: "Taylor Swift, Beyoncé et al. führen ihr Business wie CEOs, das Aussuchen, Anheuern und gegebenenfalls Feuern musikalischer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ist nur ein kleiner Teil des Geschäfts. Logischerweise produzieren diese veränderten Ökonomien und Technologien veränderteSubjekte, Subjektivitäten - Singularitäten. ... Wie die elf Freunde auf dem Fußballplatz - keine Auswechselspieler, lebenslänglich Eintracht - sind die vier, fünf Jungs in der Band ein Relikt des Fordismus mit seinen Einschlussmilieus: Schule, Kirche, Militär, Fabrik. Warum sollte ausgerechnet die Band die ErosiondieserMilieus überleben, wo doch veränderte Produktionsweisen im Postfordismus, im digitalen Kapitalismus, längst andere Arbeits- und Freizeitmodelle hervorgebracht haben: Zeitverträge, Homeoffice, temporäre Paarungen, Coops, Features. Nicht mehr Räume werden geteilt, sondern Files."
GEMA-Chef TobiasHolzmüller erklärt im Welt-Interview, warum der Verwerter gerade die großen musikgenerativen KI-Plattformen verklagt: "Was das Training von KI-Modellen mit Songs angeht, da bekommen wir den Geist nicht zurück in die Flasche. Und hier braucht es eine friedliche Koexistenz von Urhebern mit KI-Anbietern. Dafür braucht es ein Kompensationsmodell. ... Man muss eine KI nicht notwendigerweise mit Filmmusik von Hans Zimmer füttern, um eine Filmmusik generieren zu lassen, die wie Hans Zimmer klingt. Es ist ein frommer Wunsch, man könne die KI-Generierung bestimmter Sounds verhindern. Daher braucht es Regeln. ... Technologie hat die Musikbranche schon immer verändert, nehmen Sie Drum Machines, Beat-Generatoren oder Autotune. Es kommt aber darauf an, dass der Mensch der Pilot des kreativen Prozesses bleibt - und nicht zum Stichwortgeber degradiert wird."
Weitere Artikel: Roland H. Dippel resümiert in der NMZ das 11. Mizmorim Kammermusik Festival in Basel. Nadine A. Brügger sorgt sich in der NZZ um den Schweizer Popstar und ESC-Gewinner Nemo. Besprochen werden die Uraufführung von JörgWidmanns "Cantata in tempore belli" in der Hamburger Elbphilharmonie (NMZ), Konzerte von DavidHelbock und NitaiHershkovits (Standard), ein Auftritt von Kruder & Dorfmeister in der Münchner Isarphilharmonie (SZ), sowie neue Alben von FranzFerdinand (taz), RainhardFendrich (Standard), BadBunny ("trifft den Nerv der Zeit", freut sich Adrian Schräder in der NZZ) und - wenn auch postum - Rolf Kühn (FR).
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