Erst seit den Achtzigern gibt es in Deutschland
Literaturhäuser - und auch wenn die Immobilien oft beeindruckend wirken, ist ihre finanzielle Lage derzeit alles andere als rosig, berichtet Marc Reichwein in der
Literarischen Welt. In Leipzig stehe gar die Existenz auf dem Spiel. Laut Hauke Hückstädt vom Netzwerk der Literaturhäuser in Deutschland, seien die Fördermittel für viele Häuser seit teils
zwanzig Jahren oder länger nicht mehr oder kaum erhöht worden. Doch "je stärker die Häuser sich selbst finanzieren müssen, desto
austauschbarer werden die Programme - und gerade im
populären Segment konkurrieren sie mit Veranstaltungsangeboten von Buchhandlungen, was ihre kommunale Förderung ja erst recht infrage stellen könnte."
Tolkiens "Herr der Ringe" verdankt einen Großteil seiner Popularität vornehmlich den Hippies und linken Studenten der Sechziger- und Siebzigerjahre. Wie kommt es da, dass seit geraumer Zeit
neurechte Kreise die Fantasysaga propagandistisch für sich in Beschlag nehmen? "Das Heilsversprechen, das die Rechtspopulisten geben, ist die Wiederherstellung einer
ursprünglichen Natur des Politischen, die durch Moderne, Fortschritt, Industrialisierung und Migration eben verschandelt oder kontaminiert ist", schreibt der Literaturwissenschaftler Markus Steinmayr im Literarischen Leben der
FAZ. "Für dieses Imaginäre neurechter Politik ist Auenland das Vorbild. Die Prosa Tolkiens, die den Rückzug in die ursprüngliche Natur des Auenlands als Aufbruch in eine andere und neue Zeit inszeniert, ähnelt hier in mancherlei Hinsicht der politischen Rhetorik populärer Rechtspopulisten. ... Die neurechte Lektüre" von Tolkiens "Fantasy gibt das Versprechen einer
wiederherstellbaren Heimat, die unter den Auspizien der Gegenwart verloren gegangen ist. Das ist nichts anderes als politische Fantasy ohne politische Phantasie."
Weitere Artikel: Willi Winkler erinnert in der
SZ aus Anlass einer
Ausstellung in Linz an die
Schriftstellerin Brigitte Schwaiger, die in den Siebzigern bei Publikum und Kritik sensationelle Erfolge feierte und dann wegen einer Borderline-Störung aus der Öffentlichkeit verschwand. Ute Kröger
erinnert in der
NZZ an die Reise des Journalisten
Richard A.
Bermann 1925 auf den Spuren von
Robert Louis Stevenson nach
Samoa. Die
Schriftstellerin Nora Gomringer schreibt in der
Literarischen Welt über die Ups and Downs einer
Lesereise. "Bilder und Zeiten" der
FAZ dokumentiert die Rede, die die
Schriftstellerin Joy Williams zur Eröffnung der großen
Rilke-
Ausstellung in Marbach gehalten hat. Anne Dreesbach blickt für die
FAZ auf
Thomas Manns Hunde. Rüdiger Görner
schreibt in der
NZZ über die Jahre, die der Dichter
Ferdinand Freiligrath auf der Flucht vor der Zensur in Zürich vebrachte. In der
Literarischen Welt erinnert sich Herbert Wiesner an die Gründung und ersten Jahre des
Literaturhauses Berlin, das er von 1986 bis 2003 leitete. In der
FAZ gratuliert Paul Ingendaay dem
Schreibheft-Herausgeber
Norbert Wehr.
Besprochen werden
Arno Schmidts "Tagebücher der Jahre 1957-1962" (
taz),
César Airas' "Der Hase" (
LitWelt),
Wolfgang Künnes Biografie über
Bernard Bolzano (
taz),
Monika Kims Krimi "Das Beste sind die Augen" (
taz),
Rainer Moritz' "Das Jahr in Büchern. Literaturtipps für jeden Tag" (
Standard) und
Karl-
Heinz Otts "Die Heilung von Luzon" (
FAZ). Mehr
in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
In der
Frankfurter Anthologie schreibt Sebastian Kleinschmidt über
Adam Zagajewskis "Morandi":
"Die Gegenstände waren wachsam sogar nachts,
wenn er schlief und von Afrika träumte,
der Porzellankrug, zwei Kännchen ..."