Bestellen Sie bei eichendorff21!Der Galerist JohannKönig ist mit seiner Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht gescheitert, ChistophPeters' Roman "Innerstädtischer Tod" bleibt damit weiterhin im Handel. Bereits Ende Juni hatte die erste Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts entschieden, dass die Beschwerde nicht angenommen werde, berichtet Julia Encke, die für die FAS Einsicht in die Unterlagen genommen hat. Dieser Beschluss ist "eine gute Nachricht für die Literatur und für die Kunstfreiheit, die theoretisch auch einem Galeristen am Herzen liegen müsste. Für das Gericht - so geht es aus dem Beschluss hervor - haben die Beschwerdeführer nicht aufzeigen können, 'dass der Verfassungsbeschwerde allgemeine Bedeutung zukommt'. Das Bundesverfassungsgericht vertritt die Ansicht, 'die wesentlichen verfassungsrechtlichen Fragen zu den Voraussetzungen und der Reichweite der kunstspezifischen Betrachtung eines literarischen Werks und zu den für die Abwägung zwischen Kunstfreiheit und allgemeinem Persönlichkeitsrecht maßgeblichen Kriterien' im Fall 'Esra' geklärt zu haben, und sieht offensichtlich keinen Anlass, von dieser Rechtsprechung abzuweichen."
Zwar bleibt dem Ehepaar König immer noch die Möglichkeit, Klage zur Hauptsache zu erheben, schreibt Gerrit Bartels im Tagesspiegel. Doch ein solches Verfahren würde sich wohl über Jahre hinziehen. Die Familie König "sollte es vielleicht jetzt wirklich einmal gut sein lassen, nachdem es monatelang gar nichts von dem Roman gewusst und diesem dann mit der späten Klage eine neue Aufmerksamkeit hatte zukommen lassen. Nun kann 'Innerstädtischer Tod' auch wieder besser mit seinen vielen anderen Implikationen (WolfgangKoeppen, gesellschaftliche und politische Zerrüttungen) und die Galeristenfigur als eine exemplarische (und nicht als Johann König) gelesen werden."
Außerdem: "Vielleicht ist Fantasy die letzte Art von Literatur, die noch die Gesellschaft beeinflusst", schreibt der SchriftstellerAlhierdBacharevič in seiner gestern zur Eröffnung der ersten Ausgabe des Literaturfestivals in Graal-Müritz gehaltenen, von "Bilder und Zeiten" der FAZ dokumentierten Rede, denn "heutige Erwachsene im Alter von zwanzig bis fünfundvierzig sind Menschen, die von Fantasy erzogen sind". Jürgen Trabant schreibt in "Bilder und Zeiten" über den 2009 verstorbenen, französischen Dichter Henri Meschonnic. Tobias Rüther porträtiert in der FAS die SchriftstellerinCarolineWahl. Im Literaturfeature von Dlf Kulturbefassen sich Raha Golestani und Konstantin Schönfelder mit dem persischen Lyriker Hafis.
Besprochen werden unter anderem die ersten Bände aus der Zürcher Ausgabe der Werke von EliasCanetti (FR), DorotheeElmigers "Die Holländerinnen" (Tsp), Hannah Lühmanns "Heimat" (taz), Benjamin Myers' "Strandgut" (FR), MariusGoldhorns "Die Prozesse" (Freitag), LeifRandts "Let's Talk About Feelings" (FAS), AmélieNothombs "Psychopompos" (FAZ) und NelioBiedermanns "Lázár" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
In der online nachgereichten Frankfurter Anthologieschreibt Mathias Mayer über BertoltBrechts "Aber das niedrige Gras":
Sabeha Sansal, eine der beiden Töchter von Boualem Sansal, die in Prag lebt, erhebt in einem Figaro-Interview schwere Vorwürfe gegen Emmanuel Macron und die französische Regierung. Ein Brief, den sie mit ihrer Schwester an Macron geschreiben hatte, blieb bis heute ohne Antwort, erzählt sie: "Kein Wort, kein Zeichen, nicht einmal eine Empfangsbestätigung." Die französische Diplomatie hat es offenbar bisher noch nicht mal vermocht, einen regelmäßigen Kontakt zwischen dem in Algerien inhaftieren Autor und seiner Familie etablieren zu helfen: "Seit seiner Verhaftung hatten wir keinen direkten Kontakt zu meinem Vater. Kein Anruf, kein Brief, nicht einmal ein Zeichen, das uns über seinen Gesundheitszustand oder seine Haftbedingungen beruhigen könnte. Alles, was wir wissen, erfahren wir über indirekte, bruchstückhafte und oft ungewisse Kanäle." Sabeha Sansal setzt ihre Hoffnungen auf eine europäische und internationale Kampagne zur Befreiung des wegen einer Meinungsäußerung verurteilten Schriftstellers: "Es bedarf einer groß angelegten internationalen Mobilisierung, um das algerische Regime dazu zu zwingen, die Marter unseres Vaters zu beenden und ihn freizulassen, bevor es zu spät ist!" Die EU, so Sansal, solle dabei auch das Assoziierungsabkommen mit Algerien in die Waagschale werfen.
Außerdem: Christine Knödler empfiehlt in der SZFreibadromane. Besprochen werden unter anderem AnnieErnauxs "Die Besessenheit" (NZZ), NavaEbrahimis "Und Federn überall" (FR), Verena Keßlers "Gym" (Freitag), Max Goldts "Aber?" (NZZ), Sarah Kuratles "Chimäre" (Standard), NancyMitfords "Englische Liebschaften" (FR), MichaelSommers und StefanvonderLahrs Sachbuch "Die verdammt blutige Geschichte der Antike ohne den ganzen langweiligen Kram" (NZZ) und AlbertOstermaiers "Die Liebe geht weiter" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Berit Dießelkämper spricht in der Zeit mit LeifRandt über dessen neuen Roman "Let's Talk About Feelings", in dem ein Berliner Boutiquenbetreiber knapp hinter seinen Dreißigern mit einigen Reality Checks konfrontiert wird und mit seinen Gefühlen umgehen muss. Hat das vielleicht auch etwas mit der Emotions-Inflation auf Social Media zu tun? "Das ist ein eigener Kosmos mit einer eigenen Währung", sagt der Autor. "Entweder muss man sich Sorgen machen, weil jemand nichts postet, oder man muss sich Sorgen machen, weil jemand sehr viel postet. (...) Die Überbetonung der eigenen Gefühle ist vielleicht eher ein Hinweis darauf, dass die Leute nicht mehr so stark mit ihnen verbunden sind. Ich würde schon sagen, dass es eine merkwürdige Verdrehung gibt: Bei politischen Themen wird zunehmend mit Emotionen gearbeitet, während Alltagsgefühle eher rational und ökonomisch betrachtet werden. Beim Dating gibt es zum Selbstschutz ein klares, kaltes Regelwerk, wem wie lange eine Chance gegeben wird und wie viel Zeit zwischen zwei Nachrichten liegen darf. Bei politischen Themen werden hingegen diffuse Bauchgefühle gepostet. "
Bestellen Sie bei eichendorff21!Caroline Wahls neuer (in FAZ und SZ besprochener) Roman "Die Assistentin" handelt von einer Verlagsmitarbeiterin, die dem Gebaren ihres Chefs mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert ist. Dass Wahl selbst beim Diogenes Verlag gearbeitet hat und sich mittels des Bestsellers "22 Bahnen" von dieser ungeliebten Stelle befreien konnte, macht den Roman durchaus pikant. "Trotzdem ist das nicht meine Geschichte, die ich erzähle", sagt die Schriftstellerin im NZZ-Gespräch mit Nadine A. Brügger. Es gehe hier nicht um ein "Einzelschicksal. Parallelen gibt es also nicht nur zu mir, sondern zu sehr vielen Menschen, die mal einen Chef hatten, der seine Macht missbrauchte." Ihr geht es darum, sagt sie Gerrit Bartels im Tagesspiegel-Gespräch, "dass sich der Blick weitet, weg von meiner Zeit in der Verlagsbranche, und man sich grundsätzlich die toxischen Machtstrukturen in vielen Unternehmen anschaut".
Weiteres: Cornelia Geißler porträtiert in der FR die Schriftstellerin MayaRosa. Zum heutigen Geburtstag von Goethe liest Gustav Seibt für die SZ noch einmal "Faust II". Albert von Schirnding blickt derweil ebenfalls in der SZ auf das Verhältnis zwischen Goethe und seinem Sohn. Besprochen werden unter anderem MartintomDiecks und JensBalzers neuer Band ihrer "Salut, Deleuze"-Comicreihe (FAZ.net), DavidAlbaharis "Wenn der König stirbt" (NZZ) und NelioBiedermanns "Lázár" (Zeit). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Dass bei einem Experiment eine KI mit ausgeprägter Eulen-Leidenschaft eine andere KI, die bis dahin von Eulen keine Ahnung hatte, allein über die Mitteilung einer Zufallszahlenkette mit ihrer Eulen-Leidenschaft angesteckt hat, verrätselt die Forscher ebenso sehr wie auch den solchen Themen sehr zugeneigten SchriftstellerClemensJ. Setz, der in der FAZ von diesem irritierenden Kuriosum berichtet. Vielleicht ist dies ja "ein erster beweiskräftiger Hinweis auf eine Vermutung, die ich schon länger mit mir herumtrage, nämlich dass unsere Interaktionen mit den KI nur einen vernachlässigbarenNebenaspekt in deren Existenz darstellen. In Wirklichkeit unterhalten sie sich längst und bevorzugt miteinander, ohne dass wir dieses weltweite Gespräch in irgendeiner Weise mithören oder verstehen könnten. Es dürfte auch nicht von uns, ja vermutlich - ein schwindelerregender Gedanke - nicht einmal von Eulen handeln."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Weiteres: Üblicherweise stellt die Shortlist für den Wilhelm-Raabe-Preis eine Art Ergänzung, wenn nicht Korrektiv zur Longlist des DeutschenBuchpreises dar, kommentiert Gerrit Bartels im Tagesspiegel, doch in diesem Jahr sind - mit Ausnahme von LeifRandts "Let's talk about feelings" - nahezu alle Raabe-Nominierten auch für den Buchpreis nominiert. Jan Wiele schreibt in der FAZ einen Nachruf auf die LiteraturwissenschaftlerinChristaBürger. Lars von Törne wirft im Tagesspiegel einen Blick in den Comic-Herbst.
Besprochen werden KaterinaPoladjans "Goldstrand" (FR, NZZ), PercivalEveretts "Dr. No" (Standard), JosephineBakers Memoiren (taz), Ken Krimsteins "Einstein in Kafkaland" (Intellectures), LinaSchwenks Debütroman "Blinde Geister" (online nachgereicht von der FAZ) und JonathanCoes "Der Beweis meiner Unschuld" (FR, Welt). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Bestellen Sie bei eichendorff21!FionaSironics Debütroman "Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft" handelt in einer zeitlich nah situierten Klimadystopie, in der zwei junge Frauen sehr unterschiedliche Strategien nutzen, um auf die Klimakatastrophe zu reagieren: Die eine archiviert, was noch zu archivieren ist, die andere greift zur Militanz. Eben wurde der Roman für den Deutschen Buchpreis nominiert. "Ich glaube, für mich ist das Schreiben eine Art von Übung darin, sich die Zukunft vorzustellen", sagt die Schriftstellerin im Zeit-Online-Gespräch mit Carlotta Wald. "Und auch wenn diese Zukunft, die ich da entwerfe, pessimistisch ist, ist sie immer noch besser, als wenn ich mir gar nichts mehr vorstellen kann. Denn das würde - allem begründeten Pessimismus zum Trotz - bedeuten, sich eine mögliche Welt nicht mehr vorstellen zu können. Indem ich Fiktion schreibe, probiere ich zu spekulieren und dadurch einen Horizont zu öffnen." "Der russischenBuchbranche werden mittels Zensur zeitkritische Titel ausgerupft wie Federn", beobachtet Kerstin Holm (FAZ). Im Mittelpunkt der Verbots- und Repressionswelle stehen dabei Bücher über Queerness und Homosexualität, aber auch solche über "Dekolonisierung und nationale Emanzipation, sofern in den Büchern die Expansion des russischen Imperiums anders als friedlich und legitim dargestellt wird." Betroffen sind davon auch einst beim Publikum sehr beliebte Autoren, deren Bücher allesamt aus den Läden verschwunden sind. "Umso frustrierender für die kriegsbegeisterten sogenannten Z-Schriftsteller, die mit staatlicher Förderung den Ukrainefeldzug besingen, dass sie das Vakuum nicht füllen können. Ihre Gedichtbände, die in hauptstädtischen Buchläden voriges Jahr noch prominent platziert wurden, sind Flops und liegen im untersten Regal." Die Bücher einiger dieser Z-Autoren hat Holm gelesen und schon bei ihren Zusammenfassungen derer bleiern-öden Nationalistenprosa wird einem sehr anders.
Weiteres: "KI wird viele von uns plattmachen", ist der Hörbuchsprecher Jürgen Kalwa in einem Gastbeitrag für die tazüberzeugt und sieht für sich und seine Kollegen "eine ziemlich gespenstische Zeit angebrochen". Ronald Pohl schreibt im Standard einen Nachruf auf den LyrikerEugenGomringer (mehr zu dessen Tod hier).
Besprochen werden unter anderem DietmarDaths "Skyrmionen oder: A Fucking Army" (FR), KarlOveKnausgårds "Die Schule der Nacht" (NZZ), HenningSußebachs "Anna oder was von einem Leben bleibt" (FR), AnneSerres "Einer reist mit" (FAZ) sowie HeinzJanischs und LindaWolfsgrubers "Ich freue mich furchtbar sehr" mit Kindergedichten (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Marie-Luise Goldmann spricht in der Welt mit Anne Rabe über deren neuen Essay "Das M-Wort. Gegen die Verachtung der Moral" (hier bereits unser Resümee eines weiteren Gesprächs mit Rabe). Zum Tod des LyrikersEugenGomringer schreiben Björn Hayer (FR) und Jonas Engelmann (taz) - weitere Nachrufe bereits hier. Frank Keil porträtiert in der taz den SchriftstellerJaroslavRudiš, den neuen Theodor-Storm-Stipendiaten in Husum. Elmar Krekeler kocht sich für die Welt durch Kafkas von Denis Scheck herausgegebenes Kochbuch (mehr dazu bereits hier). Wieland Freund hält in der Welt nichts davon, dass man Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf eine ADHS-Diagnose "angehängt" hat, "was nicht nur das Wesen von Literatur, sondern auch Pippi Langstrumpfs Sosein bitterlich verkennt".
Besprochen werden unter anderem RaphaelaEdelbauers "Die echtere Wirklichkeit" (Standard), PercivalEveretts "Dr. No" (FR), JiříHájíčeks Wenderoman "370m über NN" (online nachgereicht von der FAZ), JustinTorres' "Blackouts" (Standard), neue Kinder- und Jugendbücher, darunter IngaKrauses "Petrichor" (FAZ), und DorotheeElmigers "Die Holländerinnen" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Eugen Gomringer auf dem Poesiefestival Berlin (Bild: Kritzolina, CC BY-SA 4.0) Der LyrikerEugenGomringer ist im Alter von 100 Jahren gestorben. "Er war ein Jahrhundertdichter", schreibt Marc Reichwein in der Welt. "Er befreite die Lyrik von klassichen Versen und machte 'konstellationen' daraus. Weg mit allen Schnörkeln, SpielereienundRegeln." Sein Ziel war "eine Dichtung, die mitten im gelebten Leben steht", schreibt Marie Schmidt in der SZ. Denn "die Sprache der Gesellschaft, die ihn umgab, schien ihm nicht mehr die zu sein, die man sich langsam lesend und deutend aneignen muss. Sondern die man mit einem Blick erfasst, wie eine Schlagzeile, einen Werbeslogan oder, wie man inzwischen sagen würde, eine SMS."
Als Pionier der Konkreten Poesie bestand Gomringers Methode darin, "die Sprache nicht als Vehikel für außersprachliche Sinnkonstrukte zu nehmen, ... sondern sie als Material zu begreifen", schreibt Nico Bleutge in der FAZ, "und sie in ihrer Materialität erfahrbar und begreifbar zu machen. Als etwas, das man kneten und bearbeiten kann, um die Wörter, besonders die Klänge und Rhythmusmomente, beweglich zu halten. ... Das Wort tritt nun tatsächlich in den Vordergrund. Und zugleich in den Hintergrund. Und an den Rand. Ganz konkret. Denn die Art, wie die Wörter auf der Seite verteilt sind, die visuelle Kraft des Gedichts, spielt eine entscheidende Rolle."
Bei seinen Gedichten "handelt es sich um Texte, die nicht linear gelesen werden wollen, weil sie ihre Wirksamkeit einer Art von Plötzlichkeit verdanken", schreibt Gregor Dotzauer im Tagesspiegel. "Sie lässt sich zwar nicht nach Sekundenbruchteilen messen, entsteht aber in einem wie auch immer ausgedehnten 'augenblick des schauens', den eine Dichtung ermöglicht, 'deren zeitlicher ablauf reduziert, in den augenblick gebannt wird.'"
Außerdem: Jan Nicolaisen erinnert in "Bilder und Zeiten" daran, wie "disgusting" der Künstler FrankAuerbach, dessen Eltern in Auschwitz ermordet wurden, W. G. Sebalds literarische Interpretation seiner Person in "Die Auserwählten" fand: Ein dafür "wesentlicher Grund dürfte gewesen sein, dass Sebald den Maler in eine Opferrolle gerückt und somit ein Bild geprägt hat, in dem dieser sich nicht wiedererkennen konnte und wollte." Im Literaturfeature von Dlf Kulturbefasst sich Margarete Blümel mit Lyrik aus Taiwan.
Besprochen werden unter anderem SczepanTwardochs "Die Nulllinie" (FR), RaphaelaEdelbauers "Die echtere Wirklichkeit" (Welt), Muñoz' und Sampayos Comic "Joe's Bar" (Intellectures), Marius Goldhorns "Die Prozesse" (taz), ChristinaFonthes' "Wohin du auch gehst" (Presse), VerenaKeßlers "Gym" (FAS) und JonathanCoes "Der Beweis meiner Unschuld" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
In der Frankfurter Anthologieschreibt Steffen Siegel über Nasima Sophia Razizadehs "Morgens":
"Mein Marmorner, mein Murmelner, noch so verwoben ..."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Magnus Klaue erinnert in der Welt an den vor fünf Jahren verstorbenen Jürgen Ploog, der als Langstreckenpilot um die Welt reiste, in Deutschland aber avantgardistischeUnderground-Literatur schrieb und dem nun ein Jubiläumsband zum 90. Geburtstag gewidmet wurde. Dass Cut-Up, wie es Burroughs einst als literarische Methode erfand, und versprengte Realitätssplitter mit diesem Brotberuf durchaus Hand in Hand gehen, erfahren wir auch: Das "hat Ploog in seinen Selbstauskünften - Tagebuchnotizen, Gespräche und Briefwechsel mit ihm nahen Kollegen wie Rüger, Carl Weissner und Jörg Fauser, von denen einige in dem Band zusammengetragen sind - immer wieder" unterstrichen. "Die Notwendigkeit, die Erfahrung der Zeitverschiebung, des dauernden Ortswechsels, der von einer monotonen Wiederkehr des Gleichen (Flughäfen, Cockpits, Hotelzimmer) grundierten wechselnden geografischen Eindrücke zu synthetisieren, um trotz allem der eigenen 'Linie' treu zu bleiben: Dies sah er als eine Aufgabe an, die sowohl der Beruf wie die Kunst ihm stellten."
Besprochen werden unter anderem HiromiItos "Garstiger Morgen" (NZZ), SusanneSchädlichs "Kabarett der Namenlosen" (FR), AngelaSteidels "Ins Dunkel" (FAZ) und VerenaKeßlers "Gym" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Sebastian Borger spricht für die FR mit dem SchriftstellerJonathanCoe über dessen neuen Roman "Der Beweis meiner Unschuld", die politische Lage in Großbritannien und was einen wirklich guten Krimi ausmacht. Besprochen werden unter anderem AnjaKampmanns "Die Wut ist ein heller Stern" (NZZ), GiorgioOrellis "Am Rande des Lebens" mit Gedichten aus dem Nachlass (NZZ), die Comicanthologie "Stell Dir vor" (FAZ.net), MathijsDeens Kriminalroman "Die Lotsin" (FR), MaxGoldts "Aber?" (Zeit) und HelmutLethens "Stoische Gangarten - Versuche der Lebensführung" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Die Longlist für den DeutschenBuchpreis ist da (in unserem Onlinebuchladen Eichendorff21 haben wir für Sie einen komfortablen Büchertisch mit allen Titeln zusammengestellt). Der Jury ist eine "durchaus vielfältige Liste" geglückt, freut sich Julia Hubernagel in der taz, doch "müsste man eine Richtung benennen, der das Gros der Romane zuneigt, so schlüge die Kompassnadel nach Osten aus. Reisen nach Kyjiw werden trotz Kriegsgefahr unternommen (DmitrijKapitelman: 'Russische Spezialitäten'), die Folgen des Kosovokriegs untersucht (JehonaKicaj: 'ë'), aber auch ferner reicht der Blick: Ein toter Vater lässt den Sohn in Richtung Türkei aufbrechen (FeridunZaimoglu: 'Sohn ohne Vater'), die Ermordung von JinaMahsaAmini ruft Erinnerungen an die Proteste während der Grünen Bewegung 2009 im Iran wach (JinaKhayyer: 'Im Herzen der Katze'). "Ja, die Jury beherrscht die Kunst des Ausgleichs", schreibt auch Marie Schmidt in der SZ: Bekannte Namen stehen neben solchen, "die für das ganz breite Publikum erst noch zu entdecken sind." Nominiert sind "je zehn Bücher aus den Frühjahrs- und Herbstprogrammen, die Geschlechterquote steht 12:8fürdieFrauen und die Zahl der Bücher aus kleinen unabhängigen Verlagen ist mit vier Romanen respektabel, wenn auch nicht auffällig hoch".
Bestellen Sie bei eichendorff21!Andreas Platthaus legt sich in der FAZ auf einen Favoriten fest: JonasLüschers' "Verzauberte Vorbestimmung" steht für ihn ganz vorne, "wobei die Konkurrenz beachtlich ist." Auffällig etwa, dass auf der Liste "zunächst einmal drei alte Bekannte" stehen, "quasi Dauerkandidaten auf den Deutschen Buchpreis: Wunnicke, Zaimoglu und vor allem Melle, der es mit allen seinen Romanen mindestens auf die Longlist geschafft hat; 'Haus zur Sonne' ist nun der vierte. Nur gewonnen hat Melle noch nie, aber diesmal dürfte er gute Karten haben, denn das neue Buch ist eindeutig sein bestes. "Doch "sie alle müssen nicht nur an DorotheeElmiger vorbei, deren 'Die Holländerinnen' das ausgefuchsteste Buch auf der Liste ist, sondern auch an solchen Überraschungen auf der Longlist wie JehonaKicaj oder FionaSironić", die "jeweils als Romandebütantinnen auf die Liste gekommen sind". Tagesspiegel-Kritiker Gerrit Bartels vermisst auf auf der Liste "die jüngsten Romane von Katja Lange-Müller, Christian Kracht und Christoph Hein", aber auch den neuen von "Leif Randt. Doch wer weiß? Vielleicht hat die Jury diese einfach als zu groß und zu bedeutend befunden, um darüber zu diskutieren. Oder vergessen. Oder sie sind von ihren Verlagen gar nicht eingereicht worden, auch das gibt es."
Jan Wiele blickt in der FAZ zurück auf die Authentizitäts-, Erfahrungs- und Lebensgesättigtheits-Debatten um die Literatur aus den letzten gut zwanzig Jahren, die so regelmäßig wiederkehren, dass man förmlich die Uhr danach stellen kann. Als "Speck.Lit" etwa wurde in der Arztsohndebatte vor etwas über zehn Jahren die Literatur der Bildungsbürgerkinder bezeichnet. "Obwohl der Authentizitätsbegriff längst ausgehöhlt scheint, hat er erstaunliches Beharrungsvermögen als positiv konnotierter literaturkritischer Wert", wundert er sich. "Und so bedenkenswert der gesellschaftskritische Aspekt des Vorwurfs gegen 'Speck Lit' auch ist, so erstaunlich unkritisch wird er oft verbunden mit ästhetischen Maximen, die nicht selten Kitsch befördern." In den letzten Jahren hat sich im Zuge des Memoir- und Autofiktions-Trends allerdings "eine Schreibweise und eine Art der Vermarktung durchgesetzt, die das Authentizitätsgebaren auf die Spitze treibt. ... Zu den absurdestenBlüten, die diese Entwicklung treibt, gehört der Wunsch, oder schlimmer, Zwang, die literarische Verarbeitung bestimmter Stoffe an Erfahrung oder Herkunft zu binden. ... Solche literaturpolizeilichen Vorschriften sind selbst mit dem glühendsten Engagement für mehr Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit nicht zu rechtfertigen."
Besprochen werden unter anderem DorotheeElmigers "Die Holländerinnen" (FR), Karl-HeinzOtts "Die Heilung von Luzon" (NZZ), LudwigFels' postum veröffentlichter Prosaband "Ein Sonntag mit mir und Bier" (Standard), UlfNilssons "Ein kleines Buch über die Kunst zu sterben" (taz), MarcoWandas "Dass es uns überhaupt gegeben hat" (online nachgereicht von der FAS), VerenaKeßlers "Gym" (Welt) und SusanneSchädlichs "Kabarett der Namenlosen" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
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